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So. Da bin ich wieder. Auf vielfachen Wunsch einiger treuer Leser meiner -Stories – hier mein erstes Original: die Serienkiller-Story *grusel*
Dies ist eine Sache, die mir schon länger im Kopf rumgespukt. Vielleicht ist die Eine oder der Andere ein wenig enttäuscht, denn so ganz ausgegoren ist das alles noch nicht... aber ich dachte mir, ich fang einfach mal an und dann sehen wir weiter!
Die Handlung habe ich der Einfachheit halber in meiner Heimatstadt Stuttgart angesiedelt (da kenn’ ich mich am Besten aus und brauch’ nix zu erfinden) – wobei ich mir die eine oder andere dichterische Freiheit erlaubt habe.
Summary:
Ein Serienmörder treibt sein Unwesen in Stuttgart. Seine Opfer sind junge homosexuelle Männer, die mit jedes Mal bei einer Blutbuche aufgefunden werden. Anna gerät bei ihren Nachforschungen zu einer Artikelreihe über die Verbrechen in den Bann des mysteriösen bisexuellen Lance. Wieviel weiss er wirklich über die Morde?
(Damit sich hinterher niemand beschwert – ihr seid gewarnt! Wenn das nicht euer Ding ist – einfach nicht lesen;-))
Blutbuche
von Lorelei Lee
„Mein Gott, Anna! Nun mach’ doch nicht so ein Gesicht!“
Anna drehte sich gelangweilt zu ihrem jüngeren Bruder um.
„Sag’ mir doch bitte noch Mal, warum ich dich hierher mitgenommen habe“, erwiderte sie mit lauter Stimme um sich gegen den Partylärm zu behaupten.
Ihr Bruder grinste. „Schätzchen, umgekehrt wird ein Schuh daraus“, neckte er sie fröhlich. „Ohne mich wärst du wahrscheinlich gar nicht hier reingekommen.“
Anna sah sich mürrisch um. Wahrscheinlich hatte er damit sogar Recht.
Obwohl sie in einem City-Magazin eine Kolumne über das Nachtleben der schwäbischen Metropole mit dem Titel „Nachtschwärmer“ schreiben durfte und einen bescheidenen Bekanntheitsgrad genoss, wäre sie zu dieser Party ohne ihren Bruder Siggi womöglich nicht eingeladen worden.
Wiedereröffnung der schwulen Kult-Kneipe „Jenseitz“ – sie war zwar nicht die einzige Frau auf dieser Party, doch ganz sicher die einzige Heterosexuelle.
‚Wie gut, wenn man einen jüngeren schwulen Bruder mit Beziehungen hat’, dachte Anna vage und nippte an ihrem Caipirinha. Eigentlich hatte sie sich heute Abend mit zwei Tafeln Schokolade, dem vier-Stunden-Video „Vom Winde verweht“ und ihrem Liebeskummer auf ihrem Sofa verkriechen wollen, doch dann war Siggi hereingeschneit und hatte nicht länger geruht, bis er sie auf diese Party geschleppt hatte um ‚Endlich diesen Arsch zu vergessen’, wie er sich ausgedrückt hatte.
Nun stand sie hier, Anfang Dreissig, wieder Mal Single und machte sich Sorgen, ob ihr Auto – das sie halb auf dem Bürgersteig geparkt hatte – abgeschleppt würde, suhlte sich in Selbstmitleid und fand das eigentlich auch ganz wunderbar.
„Siggi! Dich habe ich ja ewig nicht gesehen!“ Ein dunkelhaariger, schlaksiger Mann Ende Dreissig mit Glitzerlack auf den Fingernägeln umarmte ihren Bruder enthusiastisch. Dann wandte er sich Anna zu.
„Hallo Engel! Wann erwähnst du mich endlich mal in deiner Kolumne?“ fragte er gespielt vorwurfsvoll.
„Hallo, Lex“, begrüsste Anna ihn mit einem müden Lächeln. Lex hiess im wirklichen Leben Alexander und war ihr von allen Freunden ihres Bruders eigentlich der Liebste. Leider benahm er sich ab und an wie eine Klischee-Tunte in einem billigen amerikanischen Film und war dann nur schwer zu ertragen. Heute war wohl wieder so eine Gelegenheit.
„Ich war ne Woche in Köln“, brüllte Siggi gegen die Musik an. „Hab’ ich was verpasst?“
Ausser, dass Lex gelernter Buchhalter war, fungierte er auch noch als die inoffizielle Klatschpostille der schwulen Gemeinde.
„Na, dann lass mich mal überlegen... Also, Mary hat Frank endgültig rausgeschmissen, Norbert säuft seit zwei Stunden Jägermeister pur und will nicht einmal mir sagen, warum, Lotte liegt schon wieder im Krankenhaus, weil sie die Medikamente nicht verträgt und Rüdiger löst seine Modern-Talking-Sammlung auf. Ach ja und das Wichtigste...“ er machte eine effektvolle Pause. „Rate, wer heute Abend hier ist“, forderte er Siggi mit leuchtenden Augen auf.
„Wenn du damit Elvira meinst...“ Siggi winkte müde ab.
„Elvira?“ kreischte Lex. „Wer redet denn von dieser Trümmer-Tunte.“ Er verdrehte genervt die Augen. „Heute ist richtige Prominenz da! Der göttliche Lance ist kurz vor euch gekommen.“
Anna registrierte verwirrt, dass dieser Name bei ihrem Bruder eine Reaktion auslöste, die er sonst nur bei dem Anblick eines halbnackten Tom Cruise zeigte.
„Lance?! Echt jetzt?! Wenn du mich verarscht, dann verzeihe ich dir das nie!“
„Das würde ich doch nie tun!“ Lex war tief gekränkt.
Siggi sah sich hektisch im völlig überfüllten Raum um.
„Wo steckt er?“
„Im Nebenraum, natürlich“, erwiderte Lex, als ob das von selbst verstehen würde. „Oh, Siggi, wir reden später weiter. Rüdiger ist gerade gekommen. Ich muss ihn fragen, ob er noch dieses Nora-Poster hat.“
Eine Sekunde später war Anna wieder mit ihrem Bruder allein.
„Lance?“ fragte sie gedehnt.
„Ja, ich habe ihn vor ein paar Wochen auf Rick’s Party kennen gelernt.“ Er schüttelte bedauernd den Kopf. „Der arme Rick. Ist nun auch schon seit zwei Wochen tot.“ Er seufzte leise. „Hat sich in der letzten Woche eigentlich was getan?“
„Nein“, sagte Anna bedauernd. „Ich habe zumindest nichts in der Zeitung gelesen. Ich nehme an, die Polizei weiss immer noch nicht, wer ihn ermordet hat.“
Für einen Moment legte sich ein düsterer Schatten auf das fröhliche Gesicht ihres Bruders, doch einen weiteren Moment später hatte sich sein übliches heiteres Gemüt wieder durchgesetzt und seine Augen funkelnden unternehmungslustig.
„Ich werde dich Lance vorstellen“, sagte er begeistert, nahm sie bei der Hand und schleuste sie geschickt durch das Gedränge.
„Wer ist das überhaupt?“
„Ich habe dir doch von ihm erzählt – Lance! Erinnerst du dich nicht mehr?“
„Ist das der Holländer mit dem Monsterschwanz?“
„Nein, das war Leon... das ist Lance!“ Er deutete auf einen Mann, dessen rot-blonde Haare Anna an das Cover einer David-Bowie-LP erinnerten. Irgendetwas mit „Young Americans“ oder so ähnlich...
Siggi hatte es geschafft, sich bis zu dem rothaarigen Mann vorzuboxen.
„Hallo Lance“, jubelte er begeistert. „Du erinnerst dich wahrscheinlich nicht mehr an mich – wir haben uns auf Rick’s letzter Party getroffen.“
Unvorstellbar blaue Augen glitten erst über Siggi, dann über Anna.
‚Warum fühle ich mich wie ein Barcode an der Scannerkasse?’ fragte sich Anna flüchtig.
Lance reichte Siggi die Hand, die dieser nach der ersten Verblüffung erfreut schüttelte.
„Doch, natürlich“, sagte er höflich und ohne weiteres Zögern. „Siggi – du warst an diesem Abend in Begleitung von Lex und Sven. Und wen haben wir hier?“ Sein Blick richtete sich wieder auf Anna.
„Das ist meine grosse Schwester Anna“, stellte Siggi seine Schwester sichtlich aufgekratzt vor.
Anna ergriff automatisch die ausgestreckte Hand, die überraschend warm und kräftig war. Für einen kurzen Augenblick wurde sie sich ihrer eigenen, vom Drink noch klamm-feuchten Handfläche peinlich bewusst.
„Warum gerade ‚Nachtschwärmer’?“ fragte Lance unvermittelt.
„Es war die Idee meines Redakteurs“, antwortete Anna automatisch, bevor sie sich fragen konnte, woher er wissen konnte, wer sie war.
„Sie sollten Ihren Namen nicht abkürzen. Annabell hat einen wesentlich weicheren Klang.“
Er nickte Siggi und Anna geistesabwesend zu, dann ging er wieder zurück in das Nebenzimmer, hinter sich eine Schar von Bewunderern.
„Was war das denn?“ fragte Anna ihren Bruder, der offensichtlich auch noch ganz unter dem Eindruck dieser Begegnung stand.
„Das war Lance“, hauchte er ergriffen. „Sieht er nicht genau aus wie David Bowie? Er ist einfach göttlich!“
‚Woher kennt der Kerl überhaupt meinen Namen?’ dachte Anna mit einer Empörung, die sie immer dann empfand, wenn sie durch irgendjemand an die Geschmacksverirrung ihrer Eltern erinnert wurde, welche ihren Bruder vor 25 Jahren auf den klangvollen Namen ‚Siegfried’ taufen liessen und ihr selbst das Leben mit ‚Annabell’ verdorben hatten. Niemand nannte die Geschwister mit vollem Namen, oder wenn, dann hatte es derjenige noch immer bitter bereut.
„Göttlich?“ fragte sie deshalb schnippisch. „Was soll an diesem Wunderknaben denn so göttlich sein?“
„Ich sehe schon – du verstehst das nicht“, antwortete Siggi pikiert. „Er ist fast schon sowas wie eine Legende. Er geht eigentlich nie aus – normalerweise kommuniziert er nur über Telefon und Internet. Er lässt nur sehr selten Jungs in seine Wohnung, aber es heisst, dass diese Nächte unvergesslich sein sollen... und er hat noch meinen Namen gewusst...“
Anna ärgerte sich über die Schwärmerei ihres Bruders.
„Mir kam er ziemlich seltsam vor. Nimmt der Kerl vielleicht Drogen? Seine Augen waren so komisch.“
„Drogen? Ach, das glaube ich nicht.“ Siggi tat ihren Einwand mit einer Handbewegung ab. ’N bisschen Koks vielleicht... und wenn schon.“
„Siggi?!“
Siggi verdrehte genervt die Augen und verfiel in einen leiernden Singsang.
„Ein paar Pillen für den Tanz, ein bisschen Poppers für den Schwanz und wenn zwei dasselbe wollen, immer erst was drüber rollen – keine Sorge, Schwesterchen. Ich nehm’ schon keine Drogen.“
Anna lächelte halbherzig.
Am nächsten Morgen blätterte sie am Frühstückstisch gemütlich durch die „Stuttgarter Zeitung“ als ihr Blick an einem der Artikel hängen blieb.
#Weiterer Mord an Homosexuellem
In den frühen Morgenstunden wurde die Leiche eines 22-jährigen Architekturstudenten in der Nähe des Planetariums aufgefunden. Der Fundort lag wie schon bei dem noch ungeklärten Mordfall des Richard K. unter einer Blutbuche. Aufgrund von zahlreichen Indizien schliesst die Polizei einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen nicht aus. Die Polizeidirektion Stuttgart hat daher die Sonderkommission „Blutbuche“ eingerichtet. Hinweise richten Sie bitte an...#
Architektur-Student... 22 Jahre... Norbert! Wie betäubt sah sie zum Fenster hinaus. Norbert, der gestern auf der Party laut Lex Jägermeister pur gesoffen hatte. Sie hatte Norbert eher vom Wegsehen gekannt, dennoch klang der Schock nur langsam ab.
Mit zitternden Fingern tippte sie die Nummer der Sonderkommission in ihr Handy ein.
Fortsetzung folgt
Ich bitte schon jetzt um Verzeihung, aber die Updates werden wohl nur sehr unregelmässig kommen...