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Der Unterricht, der noch folgte, war für Amras kaum zu ertragen. Die Lehrer behandelten ihn, als könne er in die Luft fliegen. Er war erleichtert, dass Ramona, ein Mädchen aus der Clique, mit der er sich angefreundet hatte, sich stets neben ihn gesetzt hatte. Sie hatte langes, dunkles, lockiges Haar war fast so groß wie Amras. In der Englischstunde hatte die Lehrerin Amras verhalten und eingeschüchtert begrüßt und ihm versichert, sie würde ihm genügend Zeit geben, sich einzuleben. "Du musst auch noch nicht sofort deine Hausaufgaben erledigen. Ich kann mir vorstellen, dass du dich lieber erst einmal überall zurechtfinden möchtest...", sagte sie gespielt fürsorglich und Amras atmete schnaufend durch die Nase aus. "Ich komme schon zurecht, danke." Ramona sah ihn an und grinste. "Ziemlich nervig, oder?" "Häh?" Amras drehte den Kopf zu ihr. "Die behandeln dich ja alle wie ein rohes Ei! Ich kann mir denken, dass dich das ankotzt!", flüsterte Ramona und Amras nickte. "Ja, stimmt. So krass wie hier war das noch nirgendwo! Echt schlimm!" "Ziehst du denn oft um?", fragte Ramona neugierig. "Bis jetzt erst drei Mal. Ich war lange in der Hauptstadt auf der Akademie. Aber...", Amras hielt inne. Er sollte ihr besser nicht so viel erzählen. Sie sollte unbeteiligt bleiben. Ramona hakte nicht nach.
Nach Unterrichtsschluss ging Amras nach Hause. Dort warf er sich kurz vier kleine Frühlingsrollen in die Pfanne und machte sich dann an seine ersten Hausaufgaben. Danach ging er in seinen Kraftraum, um seinem persönlichen Trainingsplan nachzukommen. Dann klingelte der Timer an seinem Pager, um ihn daran zu erinnern, dass es jetzt Abend war und er bei seinen Freunden eingeladen war. Also sprang er schnell unter die Dusche, zog sich wieder an und verließ das Haus. Die Wegbeschreibung, die ihm gegeben worden war, führte ihn zu einem Einfamilienhaus. Neben der Tür hing ein verziertes Keramikschild mit der Aufschrift "Rainhang". Amras drückte die Türklingel. Die Tür öffnete sich. Der Junge, der hier wohnte, Olaf (wuähähäh...), ließ ihn eintreten. "Hereinspaziert, Amras!" Olaf führte Amras in sein (großes) Zimmer, wo die anderen schon überall verteilt herumsaßen. Es waren insgesamt immerhin sechs Mädchen und drei Jungen, also neun Leute. Sie stellten sich nacheinander vor.
"Ich bin Luna!", sagte das Mädchen mit den langen, blonden Haaren und den blauen Augen freundlich.
"Eriol", stellte sich der große Junge mit den braunen Haaren kurz, aber nicht übellaunig vor.
"Ich habe dir meinen Namen schon gesagt!", sagte Julia, das blonde Mädchen mit den schulterlangen Haaren, fröhlich.
"Ich auch!", fügte Ramona, die neben Julia auf dem Bett saß, hinzu und lächelte Amras an.
"Ich schließe mich an!", meldete Karoline, deren langes braunes Haar von einem Mädchen mit kurzen braunen Haaren geflochten wurde.
"Ich heiße Anja!", sagte dieses.
"Hi, ich bin Nils!", der Junge mit den sehr kurzen blonden Haaren stand höflich auf, um Amras zu begrüßen.
"Ich bin Ina!", sagte das Mädchen mit dem halblangen, braunen, welligen Haar.
"Setz dich, Amras!", sagte Olaf und Amras folgte seiner Aufforderung und ließ sich auf dem Teppich am Boden nieder.
"Sorry, wenn ich das jetzt so sagen muss, aber es ist wichtig!", sagte Amras. "Weil ich ein Engelskrieger bin, muss ich euch warnen. Ihr dürft nicht in meine Angelegenheiten, die mit den Engelskriegern zu tun haben, hineinrutschen. Das kann nämlich äußerst gefährlich werden. Ich darf euch nur so wenig wie möglich davon erzählen, also fragt bitte nicht allzu oft nach und seid mir nicht böse, wenn ich manche Fragen nicht beantworte. Ich will euch nicht gefährden. Haltet euch aus allem raus, was mit Engelskriegern zu tun hat, okay?" "Okay!", bestätigte Olaf und die anderen murmelten ihre Übereinstimmung oder nickten einfach. "Darf ich denn ganz kurz eine Frage stellen?", fragten Julia und Ramona gleichzeitig, bemerkten, dass sie soeben dasselbe gesagt hatten, brachen in lautes Gelächter aus und schüttelten sich feierlich die Hände. "Sie verschmelzen wieder!", sagte Ina. "Immer zwischendurch (und eigentlich ziemlich oft) passiert es, dass sie dasselbe sagen, dasselbe tun oder dasselbe denken. Und dann lachen sie sich immer kaputt. Sie werden langsam aber sicher zu ein und demselben Individuum. Nur das Aussehen ist und bleibt widersetzlich."
Ramona und Julia hatten sich inzwischen erholt und Ramona konnte die Frage stellen: "Wie lange bist du jetzt schon bei den Engelskriegern?" "Seit ich denken kann.", sagte Amras. "Die meisten kommen als Kleinkinder zu den Engelskriegern oder ihre Eltern sind schon Engelskrieger. Ich kann mich überhaupt nicht an meine Eltern erinnern, das ist aber völlig normal."
"Du hast also keinen Schimmer, wer deine Eltern sind und du bist elternlos aufgewachsen?", fragte Anja betroffen. Amras nickte. Er wollte noch etwas hinzufügen, als ihn ein schrilles Piepen abwürgte. "Oh, mein Pager!", murmelte er und zog einen kleinen Computer aus der Jackentasche. Er klappte ihn auseinander und eine monotone Frauenstimme fuhr ihn an: "Erstatten Sie Bericht, Amras Narmolanya! Erstatten Sie umgehend Bericht!" "Ja, ja!", maulte Amras. "Du könntest mir das auch mal freundlicher sagen!"
"Verzeihung, aber der Text ist mir so vorgeschrieben!", verteidigte sich die Stimme. "DEIN COMPUTER REDET MIT DIR???", rief Nils ungläubig dazwischen und Julia und Ramona sprangen begeistert näher. "Oh, Sie sind ja gar nicht allein, Amras!", sagte der Pager. "Guten Abend, meine Damen und Herren! Bitte verzeihen Sie die Störung, ich muss nur kurz etwas mit Herrn Narmolanya besprechen!" "Das ist aber ein höflicher Computer!", sagten Julia und Ramona synchron. Karoline sah die beiden an und schüttelte verständnislos den Kopf. "Wie macht ihr das bloß??", murmelte sie. Amras wand sich dem Pager zu. "Ich habe doch erst gestern einen Bericht abgeschickt! Warum denn heute schon wieder? Es ist doch in der Zwischenzeit überhaupt nichts passiert!" "Tja, ich habe den Auftrag erhalten, Sie zu benachrichtigen. Weitere Informationen habe ich nicht. Aber Sie sollten zumindest melden, dass alles in Ordnung ist. Hier ist eine Textvorlage. Sie müssen nur schnell unterschreiben.", sagte der Pager und öffnete eine vorgeschriebene Berichterstattung. Amras nahm einen Elektro-Stift und kritzelte eine Unterschrift auf den Bildschirm. "Danke schön! Bitte warten Sie kurz... tralalilalala... Die Meldung ist verschickt. Einen schönen Abend noch.", sagte der Pager und schaltete sich automatisch aus.
"Bitte, fragt nicht!", sagte Amras, bevor jemand den Mund öffnen konnte. "Schade!", sagten Julia und Ramona.
-Fortsetzung folgt-