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Kimono - Herstellung
Vor etwa einem Jahr bat mich meine Schwester, für sie einen Kimono zu nähen. Mit langen Ärmeln, so einen, wie Bunny Tsukino ihn im Fernsehen trug. Bunny Tsukino / Tsukino Usagi war eine damals populäre Anime-Figur, SailorMoon. Noch bevor mir klar war, auf was ich mich da einließ, versprach ich ihr, dass sie sich über ihr Weihnachtsgeschenk keine Sorgen machen müsste.
Dann machte ich mich auf die Suche nach passender Literatur - und hatte ein Problem. Weder im deutsch- noch im englischsprachigen Buchmarkt gab es auch nur ein Buch, das sich mit der Herstellung japanischer Kimono befasste.
Am Ende arbeitete ich, wie die Amerikaner es so schön sagen, from scratch. Ich durchforstete die Bibliothek der Japanologie nach Büchern, in denen Kimono abgebildet waren, möglichst von vorne, hinten und der Seite. Ich fragte meine Japanischlehrerin aus. Ich suchte im World Wide Web. Und postete Anfragen in Internet-Newsgroups.
Aus diesen gesammelten Gerüchten, Beschreibungen, Photos und Skizzen erstellte ich einen Schemaschnitt, den ich an alten Gardinen ausprobierte. Das Ergebnis war zwar nicht wirklich authentisch, aber tragbar. Und es sah wie ein japanischer Kimono aus.
Mit ein paar Verbesserungen gegenüber dem Prototyp übertrug ich das Schnittschema auf die Seide, die der Kimono meiner Schwester werden sollte, und nähte das Kleidungsstück nach europäischen Regeln mit der Maschine.
Schließlich war der Seidenkimono fertig. Ich improvisierte einen 20cm breiten Obi mit angeschnittenem Obi-Age, da jeder Obi auf den verschiedenen Fotos einen farbigen Oberrand hatte. Obi-Jime und andere Accessoires gesellten sich dazu. Der Kimono meiner Schwester war fertig.
Nur hatte ich immer noch keinen Überblick darüber, wie ein Kimono wirklich aufgebaut war, wie er funktionierte. Mittlerweile war es Teil meiner Bibliotheksroutine, bei Handarbeiten vorbeizugehen, nachzusehen, ob es etwas interessantes über Kimono gäbe, und nichts zu finden.
Eine einmalige Gelegenheit, mich in Sachen Kimono weiterzubilden kam mit einem Sprachkurs in Japan, der mit einem Familienaufenthalt verbunden war. Die Mutter meiner Gastmutter, Frau Oda, war die japanische Variante einer Schneiderin. Sie war sehr hilfsbereit und erklärte mir die einzelnen Arbeitsschritte und näherischen Details, die einen Kimono erst zu einem Kimono machen. Mein erster Kimono-Versuch wurde eingehend kritisiert. Ein großer Teil der vorliegenden Arbeit stützt sich auf ihre Bemerkungen und Anweisungen.
Die Herstellung von Kimono war bis vor ca. 100 Jahren Haus- und Frauenarbeit, die die Mutter der Tochter beibrachte. Jede Region Japans hat ihren eigenen Stil, jede Familie eine eigene Methode. Aber trotz der vielen Verarbeitungsvarianten ist die Grundform des Kimono in Japan doch einheitlich.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich also mit der Herstellung von Kimono - vom Seidenballen bis zum tragfertigen Produkt.
Thea Bergermann Kimonoherstellung Seite 1 von 1