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Sie schwingt ihre Waffe durch die Atmosphäre und ihr schwarzes Harr gleitet mit jedem Schwung durch die Luft. Ihr Harr geht ihr bis zur Taille und ist kunstvoll geflochten. Ihren Körper schmückt ein Seidenkimono, mit vielen Drachen darauf.
Dieses Gewand hatte sie von ihrem Meister geschenkt bekommen, zum Abschied. Seit mehreren Jahren durchquerte sie nun die Gegend, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und Kämpfen. Bisher hatte sie alle ihre Kämpfe für sich bestreiten können und sie hatte auch vor, es dabei zu belassen.
"Wie ich sehe, übst du schon für den Kampf mit mir. Hast du etwa Angst, Katjinka? Angst, dass du verlieren könntest?", schreckte sie Marcel in ihren Vorbereitungen für den morgendlichen Kampf auf. "Gewiss nicht, Marcel! Ich befürchte nur, dass du dich nicht mit einer Niederlage abgeben würdest und ich dich töten muss", flüsterte Katjinka gegen den Wind, mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen. "Ach, Katjinka, du wirst dich auch nicht ändern! Immer das Wohl des Anderen im Sinne! Das wird dir noch einmal das Leben kosten, das schwöre ich. Und wenn du nur einen Moment zögerst, den Gnadenstoß zu tätigen, dann wird dein Feind das für dich übernehmen. Und dann kannst du nichts mehr lernen! Denn dann bist du tot! Also sag mir Katjinka, wirst du morgen dein Bestens geben und mit mir um Leben und Tod kämpfen? Erfüllst du mir nur diesen Wunsch? Schwöre es, Katjinka, bei deinem Schwert", sprach Marcel ehrfürchtig.
Sie überlegte einen Moment und als sie nun ihre Sprache wiederfand, realisierte sie die Wirklichkeit. "Wenn du das von mir verlangst, Marcel, so schwöre ich es. Ich schwöre, mein Bestes zu geben und mit dir um Leben und Tod zu kämpfen, bei meinem Schwert", sie sprach die Wörter ruhig aus, aber ihr Herz zersprang in diesem Moment. Sie mochte Marcel über alles, jedoch wollte sie sich dies nicht eingestehen. Katjinka kannte ihn schon ihr ganzes Leben lang und seit kurzer Zeit empfand sie etwas anderes für ihn. Sie konnte das Gefühl zwar nicht deuten, aber das würde sich schon legen, dass dachte sie jedenfalls.
Sie waren gemeinsam in der Schule und lernten zusammen das Kämpfen. Katjinka war im Umgang mit einem Schwert ein Naturtalent, was sie an einem Tag lernte, dafür musste Marcel lange trainieren. Sie war besser als er, jedoch wollte er sich das nicht eingestehen. Er liebte sie zwar, jedoch hatte er Angst, dass sie ihn abweisen würde. Also wagte er nicht sie anzusprechen, ihr seine Liebe zu gestehen. Also wollte er seinen Tod, so dass er nicht mehr leiden musste. Er konnte diesen Schmerz nicht mehr ertragen und suchte seinen Tod, um neues Leben in sich tragen zu können, er wollte wiedergeboren werden. Dann würde er vielleicht sein erneutes Glück und seinen Mut finden. Er hoffte auf diese Erlösung und glaubte fest daran. Katjinka verabschiedet sich nun von ihrem Freund und ging auf den Wald zu. Marcel wusste, was sie dort machen würde, sie würde trainieren, für den Kampf! Er war oft mit ihr dort hingegangen, um sich für einen Wettstreit vorzubereiten. Im Wald war es ruhig und man konnte zu sich selbst finden. Der Wald strömte Ruhe und Frieden aus, genau der richtige Platz zum Kampf, deshalb würden sie dort auch morgen antreten. Heute würde er nicht mit ihr gehen, er musste sich selbst vorbereiten. Er schlug den gegenüberliegenden Weg ein und kehrte nach Hause zurück, um zu trainieren. Er wollte für morgen in Topform sein.
Am nächsten Morgen kam sie nur schlecht aus ihrem Bett, aber quälte sich jedoch heraus. Heute würde ihr schlimmster Albtraum in Erfüllung gehen, der Tag an dem sie um ihr Leben kämpfen musste. Sie würde diesen Tag gern verfluchen, oder aus ihrem Leben streichen, aber es würde nicht klappen. Also machte sie sich bereit, sie zog ihren besten Kimono an und band ihr Haar zusammen. Sie musste einfach hübsch aussehen und falls sie heute sterben sollte, wollte sie nicht dem Tod wie ein arme Bettlerin begegnen. Sie hoffte nur, dass sie diesem Tag übeleben würde, wie auch Marcel. Als sie sich nun fertig gemacht hatte, beschritt sie ihren Weg in den Wald. Dort würde Marcel schon auf sie warten. Sie hatte keine Chance, um diesen Kampf zu ignorieren.
Marcel stand bereits auf der Lichtung, voller Pracht stand er dort, sein Schwert bereit für den todbringenden Tanz. Sie betrat die Lichtung mit einem unwohlen Gefühl in der Magengegend. Am Liebsten würde sie diesen Kampf ohne kämpfen beenden, jedoch hatte sie ihren Schwur beteuert und sie würde nicht so leicht davon kommen. Marcel würde sie nicht mehr in Ruhe lassen, bis er seine Ehre kriegen würde. Er würde sie verfolgen, notfalls bis zum Ende der Welt, egal ob und was es kosten würde. Stille lag in der Luft und beide Rivalen standen sich gegenüber und beobachten sich. Beiden, Marcel und auch Katjinka tat es in der Seele weh, nun kämpfen zu müssen. Sie überlegten, wie es zu diesem Konflikt kommen konnte.
Und da fiel es Beiden wieder ein. Marcel hatte vor Jahren geschworen, dass er Katjinka zum Kampf heraus fordert, wenn er alles perfekt beherrscht. Marcel war schon immer von Neid und Stolz getrieben worden und nun musste er sich daran halten. Er hatte es vor gesammelter Mannschaft geschworen und nun hatte er endlich seine Ausbildung abschließen können. Katjinka war nur schleierhaft, wieso sie jetzt schon kämpfen mussten und nicht erst später.
"Nun Marcel, bist du soweit? Also von mir aus kann es losgehen", meinte Katjinka gelassen, jedoch mit Angst in der Stimme. Marcel nickte. Katjinka und Marcel verbeugten sich und gaben sich gegenseitig die Ehre. "Ich hoffe nur, dass ich, wenn ich sterbe, dein Gesicht vor mir habe. So kann ich noch an etwas schönes festhalten, wenn ich hinübergleite in den Tod. Sag Katjinka, würdest du das für mich tun?", flüsterte er ihr leise zu. Katjinka nickte und ihre Augen waren plötzlich feucht. "Oh Marcel, du Idiot. Wieso willst du gegen mich kämpfen ? Du beherrscht das Schwert nicht perfekt, dass kann niemand. Also lass dein Schwert sinken und lass uns nach Hause gehen. Es kann sich doch eh keiner mehr an deinen Schwur erinnern, außer uns beiden. Lass uns nicht kämpfen, tu mir dass nicht an. Ich könnte dich doch niemals töten, oder verletzen", schluchzte Katjinka Marcel entgegen und in seinen Augen sammelten sich nun auch Tränen. "Katjinka, du hast ja Recht, aber trotzdem müssen wir unseren Kampf bestreiten, egal ob ich nun perfekt mit dem Umgang des Schwertes bin oder nicht... wir müssen", stotterte er vor sich hin. Katjinka starrte ihn an und nun rannen ihre Tränen in einem Rinnsaal herunter. Marcel erhob sich und begann den Weg zu Katjinka, er versuchte sie zu trösten und nahm sie in den Arm, beide weinen zusammen und halten sich fest umschlungen. Die Schwerter, beide, lagen verlassen und ohne jegliche Aufmerksamkeit abseits. Keiner von Beiden bemerkte den Fremden, der sich anschlich und das Schwert mit dem blauen Griff nimmt. "Katjinka, ich liebe dich", flüsterte Marcel, bevor er einen Stoß in den Rücken erhielt und in den Armen seiner Geliebten zusammensackte. Katjinka wusste nicht, was sie machen sollte. Sie beugte sich über Marcel, den sie auf den Boden gelegt hatte, und sprach ihm gut zu. Als sie merkte, dass ihm nicht mehr geholfen werden kann, so gesteht sie ihm auch ihre Liebe und küsst ihn auf den Mund. Als schon auf sie das Schwert herunter stürzt und sie trifft. Beide liegen eng zusammen und atmen den letzten Atemzug gemeinsam aus. Der Fremde geht, mit dem Schwert in der Hand, er hat seine Mission erfüllt. Denn jetzt werden Katjinka und Marcel, zusammen gestorben, auch zusammen wieder geboren werden.
Und ob sich nun alles wiederholt, oder ob sie wieder die gleichen Fehler machen, das werden wir nicht erfahren. Wir können nur hoffen, dass sich alles zum Guten wendet und das die Menschen aus ihren Fehlern lernen können.