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Leere.
Stumme, einsame Leere.
Um mich herum Menschen, zu viele.
Ich mittendrin.
Und dann diese Leere, schrecklich.
Sie ist in mir.
Ich fühle mich als gehörte ich hier auf keinen Fall her.
Absolut fehl am Platze.
Die Musik ist laut, dröhnend, gar nicht mein Geschmack. Ich stehe regungslos am Rand der Tanzfläche, werde von den nach vorn drängenden Leuten geschubst, darunter auch meine Freunde, die mich mit sich ziehen.
Notgedrungen bewege ich mich auf die Musik, die dumpf aus den Boxen dringt. Von hinten tanzt mich jemand an, ein Kerl, ein bisschen größer als ich und ich frage mich, was so ein Noch – nicht – ganz - Chapo mit einer wie mir will, als ich auch schon seine Hände auf meiner Hüfte spüre.
Okay, jetzt weiß ich’s auch. Aber warum nicht ein bisschen mitspielen?
Die Einsamkeit vertreiben, ein wenig Spaß haben.
Also tanze ich.
Wenn man das Denken abschaltet und von der Freundin immer wieder Alkohol in grellen Farben „zum Probieren“ bekommt, lässt sich diese Sache mit dem Tanzen sogar noch ertragen. Die Hände auf meiner Hüfte geben mir sogar ein kleines bisschen Wärme; ich wünschte, es wären deine, aber du würdest dich nie in solch einen Schuppen wagen und erst recht nicht so mit mir tanzen.
Der „Chap in Ausbildung“ drückt sich näher an mich, sein Kopf erscheint neben meinem, er atmet schwer. Offenbar habe ich ihn *zu* heiß gemacht, blöd.
Der denkt doch jetzt nicht ernsthaft, dass ich einen Schritt weitergehe?
Um ehrlich zu sein würde ich momentan lieber wieder einen Schritt zurück machen. Seine Hände sitzen auf meinen Hüften wie festgeklebt, langsam wird es nervig, auf diese Art und Weise zu tanzen.
Da ist sein Kopf schon wieder… – Und jetzt drückt er meinen Po auch noch gegen sein Becken! Also so geht’s ja hier mal gar nicht!
Unwirsch befreie ich mich aus seiner Umklammerung und drehe mich empört um, starre aufgebracht in ein 08/15 – Gesicht eines Minderjährigen und muss innerlich sogar beinahe lachen, weil mir plötzlich der Begriff „Verführung Minderjähriger“ einfällt.
Das hält mich jedoch nicht davon ab, diesem dämlich grinsenden Möchte – gern – Macho die Meinung zu sagen: „Habe ich irgendwann darum gebeten, nach deinen Spielregeln zu tanzen?“
Fragend sieht er mich an, streckt eine Hand nach mir aus, die ich mürrisch wegschlage.
„Nur weil ich tanze, ist das nicht auch gleich eine Einladung, dir bei mir einen runterzuholen. Es reicht jetzt!“
Damit lasse ich ihn stehen und mache mich die Suche nach meinen Leuten, die ich schon wieder aus den Augen verloren habe.
Immerhin habe ich wenigstens eine Begleitung nicht abschütteln können: diese Leere in mir ist die ganze Zeit über nicht verflogen. Wie kann das sein, umgeben von solchen Massen an Menschen?
Eine Freundin greift mich am Arm, ruft mir etwas zu; ich erwidere: „Ich habe einfach kein Glück mit Männern.“
Vielleicht liegt das an dir.
Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass du schon mal gar kein Mann bist.
Ich weiß es nicht.
Ich will es, glaube ich, auch gar nicht wissen.
Und du wirst nie wissen, dass ich so etwas über dich denke oder was ich für dich empfinde.
Obwohl…doch, das könntest du wohl schon mitbekommen haben.
Wir haben schließlich viele Klatschbasen in unserem Bekanntenkreis, die auch nur beim kleinsten Verdacht bereits Gerüchte in die Welt setzen.
Ist mir egal.
Ich wünschte nur, du wärst wenigstens irgendwie hier, in Reichweite, um ein kurzes Lächeln von dir einzufangen.
Die Leere geht nicht weg, dafür ändert sich nun aber die Musik und ich tanze, ausnahmsweise mal, begeistert mit.
Ein fast geglückter Versuch, sich selbst abzulenken und auf andere Gedanken zu bringen, wäre da nicht nach einiger Zeit der DJ auf die grandiose Idee gekommen, „Für alle Verliebten unter uns: die Schmuserunde“ zu spielen.
Frustriert verdrehe ich die Augen, schlendere zur Bar, an der einer meiner noch nicht vergebenen Freunde steht, und schnorre mir erst einmal noch einen Schluck Alkohol.
Mir ist schlecht.
Ich fasse meinen Freund bei der Hand und ziehe ihn von der Tanzfläche weg in die Richtung, in die der zweite Floor liegt.
Als wir die vier Stufen hinaufgehen, deutet er mit dem Zeigefinger auf eine Person in Jeansbaggys und grünem Spaghettishirt, die kurzen blondierten Haare wirr in alle Richtungen stehend.
Mein Freund sieht mich an. „Ist das nicht…?“
„Ja.“
Das bist du, auf die ich schon so lange gewartet habe.
Im bunten, aber beruhigten Scheinwerferlicht beobachtest du die Pärchen unter dir, dann drehst du den Kopf und schaust mich direkt an.
Dein Blick trifft mich hart, durchbohrt mich und lässt ein leichtes Kribbeln in meinem Bauch zurück, anstelle des fahlen Geschmacks.
Ich lächle und spüre auf einmal deine Hand, die meine nimmt und mich zurück zur Tanzfläche zieht.
„Tanzen wir?“
Du erwartest keine Antwort, denn schon längst hast du mich an dich gezogen und meine Hände in deinen Nacken gelegt.
Selig lege ich den Kopf an deine Schulter, schließe die Augen und träume mich weg.
Mit dir.
Dein Duft hüllt mich ein, deine Arme halten mich sanft und lassen doch nicht los. Die Wärme deines Körpers lässt mein Herz höher und auch schneller schlagen und ich spüre, dass es dir genauso geht.
Du bewegst dich mit mir im Takt der Musik und ganz allmählich, fast unbemerkt, vertreibst du diese kalte Leere aus meinem Körper.
~~ Ende ~~
So, das war’s. Dieses Mal ohne Beta, weil meine Lektorin auf Studienfahrt ist und ich leider nicht mit dabei*snif* Naja, wird also noch mal upgedatet. Oh, und falls es so rüberkommt als hätte ich was gegen Chapos(oder wie auch immer man sie schreibt…): nehmt’s nicht ernst! Ist absolut nicht böse gemeint.
Alles Liebe Koishii 2004-10-28