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Fiction » Mystery » Die Herren der Apokalypse font: B s : A A A . width: full 3/4 1/2
Author: Ayu-the-Messiah
Fiction Rated: T - German - Romance/Drama - Reviews: 5 - Published: 11-19-04 - Updated: 01-17-05 - id:1762716

Wrong Turn (By Ayu und Viii-chan)

Sin

Ich hasse diesen Tag… Wirklich… Es ist kaum etwas Schlimmeres passiert, als dieser Tag. Und alles nur wegen diesen Idioten. Ich habe Cal ja immer gesagt, dass sie zu nichts zu gebrauchen sind und heute haben sie es mal wieder eindrucksvoll bewiesen… Normalerweise könnte mir das egal sein… wenn es da nicht das Problem gäbe, dass diese Trottel meine Pläne mitgenommen haben. Und ich weiß noch nicht mal welche… Ich weiß nur eins: Wenn die - ach so tollen - Herren der Apokalypse meine Pläne bekommen haben wir ein Problem…
Und somit bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als diesen Idioten zu folgen und zu hoffen, dass ich nicht zu spät komme. Sonst hätte ich mir die ganze Arbeit umsonst gemacht. Und wir würden Gefahr laufen selbst Opfer von Attacken zu werden. Alles Dinge, an die Cals Leute nie denken… Aber was will man von Dämonen, deren IQ der einer Stubenfliege ist auch anderes erwarten...

Cal

Es war nicht so, dass ich wirklich wütend oder genervt war. Dazu ließ ich mich nur in den seltensten Fällen hinreißen. Aber jetzt, als ich auf meinem Balkon saß und in die langsam aufgehende Sonne starrte spürte ich, dass mich etwas störte. Ich war aufgewacht und Sin war verschwunden gewesen. Nun, es war nicht wirklich das erste Mal, dass Sin fort ging bevor ich wach war. Vermutlich kümmerte er sich um einige organisatorische Dinge was unsere Belagerungen anging oder sorgte für Ordnung innerhalb der Truppen. Aber aus irgendwelchen für mich unerklärlichen Gründen wirkte es falsch auf mich. Etwas war heute definitiv anders als heute. Obwohl ich in der Gabe der Voraussicht nie sonderlich gut gewesen war und auf diese Gabe auch nicht wirklich viel setzte - ich nahm mein Leben immer noch selbst in die Hand - störte mich etwas. Ich schloss die Augen und spürte die stärker werdende Sonne beruhigend auf meinem Gesicht. Zumindest hätte sie beruhigend auf mich wirken sollen...

Sin

Wie nicht anders zu erwarten, haben sie es vermasselt… Schade nur, dass ich nicht fünf Minuten früher da gewesen bin. Dann hätte ich vermutlich ein paar Dinge verhindern können und mir diese - durchaus nicht als angenehm zu bezeichnende - Situation ersparen können.
Denn leider haben die Herren der Apokalypse meine Pläne nun doch bekommen und ich sitze - netter weise magisch gefesselt - vor ihnen und darf zusehen, wie sie diese genauestens studieren. Wenn ich wenigstens wüsste, was dort steht… Man kann das alles hier nicht gerade als… Entspannend bezeichnen. Und alles nur wegen diesen Trotteln. Ich hätte wissen müssen, dass man besser niemals irgendetwas unbeaufsichtigt liegen lassen sollte, wenn die in der Nähe sind… Wenn ich hier - in einem Stück und möglichst lebendig - wieder raus komme, werde ich alles was irgendwie wichtig sein könnte wegschließen… So etwas tue ich mir sicher kein weiteres Mal an. Am meisten stört mich momentan, dass ich wirklich Hilfe gebrauchen könnte. Etwas was sonst eigentlich nicht der Fall ist… Wo ist eigentlich Cal, wenn man ihn mal braucht?

Langsam aber sicher frage ich mich, was die beiden wohl mit mir vorhaben. Sie unterhalten sich nun schon eine Weile leise und ignorieren mich dabei gekonnt. Nicht das mich das stören würde, aber ich wüsste doch schon gerne was ich zu erwarten habe... Eigentlich hatte ich ja erst gedacht, dass sie mit mir genauso verfahren wie mit den anderen auch. Und wenn ich genauer darüber nachdenke frage ich mich dann doch, warum sie es nicht getan haben. Doch ich hab das ungute Gefühl, dass ich es ziemlich bald erfahren werde und das es mir nicht gerade gefallen wird. Genauer gesagt, habe ich das Gefühl, dass es mir lieber wäre sie hätten es getan. Und auch wenn ich es wirklich nur sehr ungern zugebe… Ich bin nervös… Ich bin genauer genommen sehr nervös. Das alles gefällt mir gar nicht und die Blicke, die die Beiden nun immer wieder in meine Richtung werfen machen das Ganze nicht unbedingt besser.
Wenn ich könnte, wäre ich jetzt überall… Nun nicht hier… Ich kann ein leises Seufzen nicht unterdrücken, was sie wieder zu mir sehen lässt. Können sie das nicht einfach lassen und mir sagen, was sie wollen?
Anscheinend nicht… denn nun unterhalten sie sich nur noch angeregter… Ich werde wahnsinnig, wenn die beiden so weiter machen. Hoffentlich geht das hier einiger maßen gut…

Na also… scheinbar sind sie sich nun endlich einig… Worum es auch immer ging. Doch die Blicke, die sie mir jetzt zuwerfen gefallen mir noch weniger. Ich kann nicht sagen, dass ich oft die Fassung verliere… Wirklich nicht… Aber das was die Beiden hier machen, treibt mich langsam aber sicher wirklich zur Verzweiflung.
Nun stehen Beide vor mir und scheinen sich nicht entscheiden zu können, wer von ihnen mir was auch immer mitteilen soll. Anscheinend haben sie sich entschieden, denn dieses dumme Weib Ayu mustert mich nun noch intensiver und dann fängt sie auch schon an zu sprechen…
„Du bist also Sin, Cals rechte Hand… Sehr interessant.“
Ja wunderbar… furchtbar interessant… wirklich… Weiß sie nicht, was sie sagen soll, oder meint die das am Ende auch noch ernst? Wenn ja, dann würde ich ihr dringend empfehlen eine Beschäftigungstherapie zu machen. Anscheinend hat sie mitbekommen, dass ich zu diesem - wirklich wunderbar passenden - Satz nichts sagen werde, denn sie redet schon wieder weiter.
„Es war wirklich sehr zuvorkommend von euch, uns diese netten kleinen Pläne zu beschaffen. Sie sind wirklich sehr interessant. Doch wie du dir sicher denken kannst, können wir das so nicht zulassen. Und du wirst uns helfen, dass es nicht passiert.“
Ja natürlich… so sehe ich auch aus… Hallo? Als ob ich euch helfen würde… Also wirklich…
„Aber natürlich…“ Hm… der Sarkasmus, scheint den Beiden wohl nicht so zu gefallen, aber das stört mich nicht weiter. Ich wünschte nur, sie würden endlich zum Punkt kommen.
„Es interessiert uns nicht sonderlich, ob dir das gefällt oder nicht. Du hast sozusagen nicht wirklich die Wahl. Besser gesagt… Es gibt schon eine… Aber am Besten erklären wir dir erst einmal, was wir überhaupt von dir wollen.“
Oh... sie mal einer an. Der Herr der Apokalypse hat schlechte Laune… Wirklich bedauerlich… Und ich fände es auch wirklich sehr zuvorkommen, wenn die Beiden endlich mal mit der Sprache rausrücken würden…

Jay

Das Erste was ich feststellte war, dass ich im Staub lag. Nun, es war nicht das erste Mal, dass ich im Staub lag, passierte so von Zeit zu Zeit, von daher dachte ich mir nicht viel dabei. Was mich viel eher erstaunte war die Tatsache, dass ich noch am Leben war. Die Frage war allerdings, wie lange das noch der Fall sein würde, da ich nicht wirklich ausmachen konnte wie schwer meine Verletzungen waren. Gut, okay, eins nach dem anderen. Ich. Verletzt. Warum? Ach ja... Ich war einem rasenden Sin gefolgt, der wiederum dem Zug von Wahnsinnigen gefolgt war die auf die Zeitlosen Hallen des Nichts zugestürmt waren. Nachdem Aki und Ayu Sin gefangen genommen hatten hatte ich noch versucht etwas auszurichten, war allerdings entdeckt worden und zwischen den ganzen anderen gefallenen Dämonen von mehreren Energieblitzen erfasst, durch die Luft geschleudert und von weiteren schmerzvollen Energie- und Feuerattacken der beiden apokalyptischen Glühwürmchen durchzuckt auf den Boden geknallt worden. Tolle Beschäftigung für meinen freien Tag. Ich hatte mich noch nie so beschissen gefühlt. Aber ich war am Leben... noch. Vielleicht sollte ich die Augen einfach geschlossen lassen. Sobald ich sie öffnen würde, würde ich all meine Verletzungen sehen und mein Verstand würde sofort denken "Hey, kannst du nicht überleben" und mein Herz daran hindern weiter zuschlagen, oder nicht? Andererseits konnte ich auch nicht hier liegen bleiben... wenn ich hier liegen bleiben würde, würden sie irgendwann wieder zurückkommen um "aufzuräumen" und ich hatte nicht vor mich mit einem Haufen von Dämonenleichen entsorgen zu lassen. Wirklich nicht. Also, Jay, Augen auf... ach du Scheiße. Augen wieder zu. Blut, überall Blut... Mir wurde schlecht. Ich konnte das nicht überleben, ich konnte nicht, bestimmt würde ich jeden Moment aufhören zu atmen! Ich spürte, wie ich in Panik geriet. Wenn ich mich doch nur bewegen könnte...

Sin

Genervt sehe ich zwischen den Beiden hin und her und anscheinend haben sie nun endlich begriffen was ich will, denn Ayu ergreift erneut das Wort.
„Wir wollen, dass du Cal davon abhältst seine Pläne zu verwirklichen…“
„Und das du dich von ihm trennst.“ Beendet Aki den Satz… Moment… was haben die da gerade gesagt? Plane verhindern? Von Cal trennen? Als ob ich das tun würde… Sicher nicht… Was denken die sich eigentlich… Ok… nun habe ich wirklich schlechte Laune. Das können die nicht von mir verlangen!
„Dann bringt mich lieber gleich um. Als wenn ich das machen würde… Also ehrlich…“ Ich blicke die Beiden spöttisch an, doch irgendwie scheinen sie damit gerechnet zu haben… Und das wissende Grinsen auf ihren Gesichtern gefällt mir gar nicht…
„Nun… es gäbe da schon eine andere Möglichkeit… Allerdings wird dir die auch nicht besser gefallen denke ich. Denn die würde bedeuten, dass wir erst dich und dann Cal und seine Truppe vernichten würden. Bei der anderen Möglichkeit, stirbt niemand und wir haben trotzdem dasselbe erreicht. Also… was ist dir lieber? Verhinderst du eure Pläne, oder lässt du lieber zu, dass wir euch vernichten?“
Ich muss ziemlich geschockt aussehen, denn die Beiden amüsieren sich köstlich. Ich finde das alles andere als komisch… Unruhig beiße ich auf meine Unterlippe, etwas was ich seit Jahren nicht mehr getan habe… Was soll ich bloß tun? Ich kann ihn nicht einfach verlassen… Ich will es nicht… Aber noch weniger will ich, dass er meinetwegen sterben muss. Nur weil ich so egoistisch war. Ich wünschte wirklich Cal wäre hier und würde mir helfen. Eine solche Entscheidung zu treffen… Was denken die sich denn? Egal, wie ich mich entscheide ich werde es bereuen… Aber ich kann nicht zulassen, dass Cal wegen mir stirbt… Ich kann nicht…
„Er wird das nicht einfach so hinnehmen…“
Das triumphale Aufblitzen in den Augen der Beiden lässt mein Blut kochen. Wie ich sie doch hasse! Am schlimmsten war aber, dass meine eigenen Gefühle mich völlig durcheinander brachten. In meinem innern tobte ein Chaos aus Scherz, Hass und Trauer. Ich würde nichts lieber tun, als jetzt einfach in Tränen auszubrechen. Egal wie untypisch das auch sein mochte. Das ganze hier war aber auch wirklich nicht zum aushalten.
„Richtig… Und darum wirst du ihn auch davon überzeugen, dass du ihn nie wieder sehen willst.“
Ich sah ruckartig auf und blickte Aki hasserfüllt an. Was erlaubte er sich eigentlich?
„Vergiss es!“
Und diese dumme Bitch lachte darauf hin auch noch… Was ist daran bitte lustig? Ich frage mich ernsthaft, ob sie auch noch lachen würde, wenn sie in meiner Lage wäre. Jetzt beugt sie sich auch noch näher zu mir. Mein Gott widern die Beiden mich an. Können sie nicht einfach verschwinden?
„Das ist ganz einfach, Kleiner. Tu ihn weh… Verletz ihn und rette ihn gleichzeitig. Eine andere Möglichkeit hast du nicht.“
Am schlimmsten ist, dass sie Recht hat. Ich habe keine andere Möglichkeit… Zumindest keine, die ich leichter hinnehmen könnte… So kann ich wenigstens noch hoffen, dass Cal sich nicht beirren lässt und die Beiden trotzdem vernichten wird… Auch wenn er mich zu diesem Zeitpunkt vermutlich hassen wird…
Ich nickte lediglich und brauchte nicht einmal in die Gesichter der Beiden zu sehen, um zu wissen, dass sie sehr zufrieden waren.
„Sehr gut… Dann solltest du jetzt gehen…“

Jay

Ich hatte längst aufgehört zu denken. Ich konnte mich auch nicht mehr erinnern wie ich es geschafft hatte mich auf den Bauch zu rollen und Zentimeter für Zentimeter vorwärts zu kriechen. Mir war noch viel zu schlecht um auf die Beine zu kommen aber zumindest war ich mir sicher, dass ich zumindest vorerst überleben würde. Ich musste einfach nur schnell genug Hilfe finden. Ich hatte nicht vor, heute zu sterben. Nicht in dieser Situation.
"Wie ich das hasse..."
Ich zuckte zusammen und vergaß vor Schreck mich weiter abzustützen. Mein Kinn knallte auf den staubigen Boden und ich unterdrückte mühsam einen Hustenanfall.
"Aki, das ist mir egal. Ich habe nicht vor diese... Überreste hier liegen zu lassen."
Oh nein.
"Glaubst du er wird es tun?"
"Natürlich wird er es tun. Er hat überhaupt keine andere Wahl. Er wird Cal verlassen, dafür sorgen, dass die Belagerung beendet wird und wir haben endlich unsere Ruhe... und keine toten Dämonen mehr vor unserer Haustür."
Meine Gedanken begannen zu rasen. Verlassen? Dafür sorgen, dass die Belagerung beendet wird? Aber das bedeutete ja...
"Aki... da vorne. Ich glaube, er lebt noch..."
Oh, na PRIMA! Jetzt hatten die beiden mich auch noch entdeckt! Ich war so erschöpft, dass ich noch nicht einmal mehr Angst empfinden konnte. Aber ich musste hier weg. Wenn ich das, was die beiden gerade miteinander besprochen hatten richtig verstanden hatte brauchten sowohl Cal als auch Sin dringend meine Hilfe.
Im nächsten Moment wurde ich gepackt und brutal herumgerissen. Mehr Schmerzen. Mir wurde kurz schwarz vor Augen, dann sah ich das Gesicht des Herrn der Apokalypse bedrohlich nahe vor meinem. Und etwas weiter entfernt eine Hand die einen Energieblitz formte... Nein. Nein, dieses feindliche Gesicht war nicht das letzte, was ich sehen wollte.
"Aki. Er kann sich nicht wehren."
Der Energieblitz schwebte noch ein paar Sekunden vor meinem verschwommenen Blick, dann wurde ich losgelassen und schlug erneut auf dem harten Boden auf. "Er ist sowieso schon so gut wie tot."
Halt den Mund! Noch bin ich nicht tot, du Miststück! Ich hob den Kopf und den beiden einen nicht besonders netten Kommentar an den Kopf zu werfen, doch sie waren bereits verschwunden. Oh, PRIMA! Ich konnte mir nichts erniedrigenderes vorstellen als so von den beiden verschont zu werden... was wahrscheinlich auch nur der Fall gewesen war, weil sie mich für zu schwach gehalten hatten um ihr Gespräch wirklich verfolgen zu können. Aber ich hatte jetzt andere Sorgen als meinen Stolz. Ich würde die Pläne der beiden durchkreuzen. Wir würden sehen wer hier so gut wie tot war...

Sin

Das war alles, was die Beiden dazu noch zu sagen hatten. Allerdings schienen sie nicht vorzuhaben, mich sehr bald loszumachen. Sie wissen wohl, dass ich nicht sehr freundlich reagieren würde… Stattdessen führen sie mich nach draußen. Wie sehr ich mir doch wünsche ich müsste nicht da raus… Ich frage mich wirklich, wie ich das schaffen soll… Cal kennt mich. Wie soll ich ihn davon überzeugen, dass ich ihn nicht liebe, wenn ich das gar nicht will? Wie soll ich dieses Gespräch bloß überstehen?
Ich hasse mich dafür, dass ich zugestimmt habe. Und ich hasse sie dafür, dass sie mir keine andere Wahl gelassen haben. Ich frage mich, ob sie überhaupt wissen, was sie da von mir verlangen. Vermutlich nicht… Aber selbst wenn… es hätte sie wohl nicht davon abgehalten…
Ich war so sehr in meine Gedanken versunken, dass ich erst bemerke das ich draußen stehe, als die Türen der Großen Halle sich geräuschvoll hinter mit schließen und meine Fesseln sich endlich lösen. Und trotzdem bewege ich mich nicht, sondern starre einfach nur auf die Mauern, in welchen ich mich noch eben befand. Ich kann mich einfach nicht dazu bringen mich auf den Weg zu machen. Ich kann und will Cal jetzt nicht gegenüber treten. Aber genau das wird mir nicht erspart bleiben.
Ich schließe für einen kurzen Moment gequält die Augen, ehe ich mich auf den Weg mache. Ich versuche mir zu überlegen, was ich sagen soll. Doch ich bezweifle, dass ich jemals die richtigen Worte finden werde. Falls es für so etwas überhaupt wirklich richtige Worte gibt… Ich wie meine Beine führen mittlerweile mich schon fast automatisch zurück. Und in gewisser Weise bin ich froh darüber. So kann ich wenigstens nicht darüber nachdenken umzukehren.
Für meinen Geschmack viel zu früh habe ich mein Ziel dann auch schon erreicht. Ich schließe ein weiteres Mal die Augen, ehe ich die Tür öffne und unsere - na ja, eigentlich eher Cals - Wohnung betrat. Geräuschvoll ließ ich die Tür zufallen und achtete noch nicht einmal darauf. Am liebsten würde ich alles auseinander nehmen. Aber das konnte ich mir jetzt nicht erlauben.
Ich brauchte mich nicht umzusehen, um zu wissen, dass Cal da war. Ich spürte es. Also begann ich einfach meine Sachen zusammen zu packen, seinen Blick dabei die ganze Zeit auf mir spürend.
„Bevor du mich fragst, was ich hier mache Cal…Ich packe. Genauer genommen. Ich werde gehen. Ich kann dich nicht mehr sehen.“
Ich bin erstaunt, dass ich meine Stimme so kühl und sicher klingen lassen kann, bei dem Chaos das in mir tobt. Alles in mir schreit, dass ich diese Worte nicht sagen wollte, nicht sagen sollte. Doch ich darf jetzt nicht daran denken… Es tut mir Leid Cal…

Cal

Ich hätte direkt auf mein ungutes Gefühl heute früh hören sollen. Ich hätte Sin direkt suchen sollen. Sin packte seine Sachen, hatte mir gerade diesen Satz an den Kopf geworfen und mir passierte etwas das mir noch NIE in meinem ganzen Leben passiert war: Ich fand keine Worte. Es war das erste Mal seit... es war das erste Mal überhaupt dass ich einfach sprachlos war.
Er log. Ich wusste, dass er log. Ich wusste es einfach. Sin war ein perfekter Schauspieler und er konnte die ganze Welt täuschen. Nur mich nicht. Es war etwas, das ich in der Zeit die ich mit ihm verbracht hatte gelernt hatte. Ich wusste nur nicht warum er so etwas tat. Aber es musste wichtig sein. Es musste einen Grund haben. Er würde es nicht einfach so machen. "Oh. Na das ist ja interessant." Ich zuckte mit den Schultern. Eigentlich wollte ich ihn packen und schütteln und fragen wer oder was zur Hölle ihn dazu gebracht hatte... aber ich wusste dass ich so garantiert nichts herausfinden würde. Ich musste das tun, wozu mir am wenigsten zumute war: Mitspielen. "Dann wünsche ich dir noch einen schönen Tag."

Sin

Auch wenn ich es nicht zeigte. Cals Worte verletzten mich… Mehr als alles andere. Doch ich konnte und durfte es ihm nicht zeigen. Irgendwie hatte ich mir gewünscht, dass er anders reagieren würde… hatte gehofft es ihm vielleicht doch irgendwie sagen zu können. Aber eigentlich war das hier doch genauso wie es ein sollte, nicht war? Ich musste mich schwer zusammen reißen um das alles weiter ruhig durchzuziehen, als ich als letztes noch die Pläne einpackte. Nun hatte ich endlich alles… und ich war vermutlich noch nie in meinem Leben so froh von Cal wegzukommen. Ich warf mir meine Tasche über die Schulter und begab mich zur Tür.
„Ich würde dir raten, die lächerliche Belagerung aufzuheben. Du machst dir nur Ärger. Außerdem können deine so genannten Truppen eh nichts. Ich wünsche dir auch noch einen schönen Tag.“
Nun konnte ich endlich gehen. Ich hatte alles gesagt… Hatte alle Teile der Vereinbarung eingehalten. Ob Cal machen würde was ich ihm gesagt habe, ist immer noch seine Sache. Mit schnellen Schritten machte ich mich auf den Weg. Nur weg von Cal… Ich war mehr als froh, dass ich den Weg zu meiner alten Wohnung blind kannte. Ich bezweifelte nämlich stark, dass ich ihn sonst wirklich gefunden hatte.
Dort angekommen, warf ich die Tür zu, ließ meine Tasche fallen und sank erst einmal auf den Boden. Ich war wirklich froh, dass niemand hier war und mich so sehen konnte. Völlig fertig lehnte ich mich an die Tür und schloss die Augen. Ich unterdrückte die aufkommenden Tränen, da ich mich weigerte jetzt zu weinen. Immerhin war es meine Schuld.
Ich blieb noch eine Weile so sitzen, ehe ich mir sicher war irgendetwas anderes tun zu können ohne in Tränen auszubrechen. Instinktiv griff ich nach meiner Tasche und kramte die Pläne wieder heraus. Wenn ich nun schon alles gemacht habe, wollte ich wenigstens wissen, welche Pläne sie hatten. Doch schon bald wünschte ich mir nicht nachgesehen zu haben. Sie hatten die alten Pläne… Die alten, völlig unbrauchbaren Pläne… Es war alles umsonst… Ich hatte alles völlig umsonst getan…
Nun konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Es brach einfach alles aus mir heraus. Wut, Hass, Schmerz, Trauer, Verzweiflung…
Es war einfach alles umsonst…

Jay

Cal musste mich von seinem Balkon aus gesehen haben... ich hatte mich immer darüber lustig gemacht wozu er so eine große Wohnung brauchte wenn er doch eh den ganzen Tag auf diesem seltsamen Ding rumhing und in die Sonne starrte. Ich würde es nie wieder tun. Seine goldenen Augen tauchten aus dem Nichts auf und ich spürte, wie eine wahnsinnige Erleichterung über mich hereinbrach. Ich konnte kaum glauben, dass ich es wirklich geschafft hatte den ganzen Weg zurückzulegen... "Hi Cal."
"Hallo Jay. Interessant wie du deine freien Tage gestaltest..."
Oh Mann. Ich musste echt mies aussehen, denn Cals typischer sarkastischer Kommentar war besorgter als alles, was ich je aus seinem Mund gehört hatte. Und wenn Cal durch seine undurchdringliche Mauer und Maske vor Gesicht und Verhalten so etwas wie Sorge durchkommen ließ... "Ich seh ganz schön scheiße aus, was?"
Er gab mir keine Antwort sondern hob mich einfach hoch und brachte mich in seine Wohnung.

Cal

Ich kümmerte mich um Jays Verletzungen so gut ich nur konnte. Eigentlich wollte ich ihn vom Sprechen abhalten - ich wusste nicht genau wie es um ihn stand und er sollte sich nicht überanstrengen - aber er kümmerte sich gar nicht um meine Einwände und begann zu erzählen. Während seine brüchige und von Schmerzen belegte Stimme mir berichtete was vorgefallen war spürte ich, wie ich immer mehr in Rage geriet. Mein Blut begann zu kochen und meine Hände ballten sich zu Fäusten. Eigentlich hätte ich es mir denken können. Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Zu sehen was meine zwei Todfeinde den beiden - und einzigen - wichtigsten Personen in meinem Leben angetan hatten schaltete jeden logischen Gedanken in meinem Kopf einfach aus. "Jay, du bleibst hier und ruhst dich aus.", erklärte ich ihn mit gepresster Stimme, während ich mich langsam neben meinem Bett wieder erhob. "Und ich rate dir bei meiner Rückkehr noch am Leben zu sein, sonst wird deine Seele von mir bis in alle Ewigkeit dafür verfolgt werden, verstanden?" Ich wartete seine Antwort gar nicht erst ab, sondern rannte zum Balkon, sprang mit einer fließenden Bewegung über das Gelände und in die langsam hereinbrechende Abenddämmerung.

Jay

Ich wusste was Cal vorhatte: Zu den Zeitlosen Hallen des Nichts rennen und sowohl Aki als auch Ayu gehörig in den Arsch treten. Nichts würde ihn davon abhalten, das hatte ich an seinem Blick gesehen. Und was seine Drohung betraf... ich wusste, dass er MIR in den Arsch treten würde wenn er wüsste, was ich gerade tat: Ich stand auf. Ich stand auf und ging zur Tür, denn ich war noch nicht fertig. Ich musste mit Sin reden, denn ich hatte an Cals Blick gemerkt, dass ich zu spät gekommen war. Sin war bereits hier gewesen. Er hatte bereits getan, was diese Apokalypsenbastarde von ihm verlangt hatten.
Okay, jetzt war ICH derjenige der wirklich angepisst war. Niemand, NIEMAND versuchte ungestraft die Beziehung der beiden zu zerstören! Nicht, so lange ICH noch hier war und da Cal mir ja gerade offiziell verboten hatte zu sterben würde ich mich weiterhin in die Dinge einmischen. Yeah, glaubt nur nicht, dass eure miesen Pläne funktionieren solange Jay hier ist um euch verdammt noch mal kräftig zwischen die Beine zu treten! Nun, ich war zwar nicht gut auf den Beinen und brauchte eine Ewigkeit um zu Sins alter Wohnung zu gelangen aber zumindest kroch ich nicht mehr... das allerdings auch nur weil ich mir eins von Cals Übungsschwertern, uhm, ausgeliehen hatte und als Stütze verwendete. Der zweite Punkt für den Cal mich in den Arsch treten würde wenn er dahinter kam. Ich schleppte mich mühsam zu der Tür, riss mit einer unglaublichen Anstrengung den Arm hoch und hämmerte mit letzter Kraft dagegen bevor das Schwert unter meinen Armen nachgab und ich auf dem Flur in die Knie brach.

Sin

Nachdem ich erfolgreich über die Hälfte meiner Einrichtung zu Asche verarbeitet hatte, fühlte ich mich eindeutig etwas besser. Ok… besser war nicht der richtige Ausdruck… Ich konnte wieder klarer Denken und hatte nicht mehr das Gefühl, mich vom nächst besten Turm zu stürzen oder ähnliches.
Und ich war doch etwas durcheinander, als ich ein Klopfen an meiner Tür vernahm. Wenn ich nicht wüsste, dass ich von Dämonen umgeben bin, die es gewohnt sind, dass irgendwo Krach ist hätte ich vermutlich gedacht es wäre ein Nachbar oder so… Doch nun da dies nicht der Fall sein konnte… Ich wusste, dass es nicht Cal sein konnte. Er wusste nicht, wo ich vorher gewohnt hatte… Das Einzige was sein könnte wäre, dass er mir gefolgt wäre. Aber auch das konnte ich ausschließen. Denn dafür war ich schon zu lange hier.
Wenn ich ehrlich mit mir war, fiel mir momentan niemand ein, der jetzt vor meiner Tür stehen könnte. Und ich fragte mich ernsthaft, ob ich sie öffnen sollte oder nicht.
Aber was sollte es schon… Schlimmer konnte der Tag eh nicht mehr werden, also ging ich missmutig zur Tür und riss diese auf.
Er irritierte mich doch sehr, Jay - eindeutig schwer verletzt - vor meiner Haustür zu finden. Ich schob den Gedanken beiseite, hob ihn hoch und brachte ihn erst einmal rein, wo ich ihn auf mein Bett legte. Eines der wenigen Möbelstücke, die ich in Frieden gelassen hatte…

Jay

Oh na prima, das zweite Bett das ich heute ruinierte... Ich schüttelte den Kopf. Innerlich, versteht sich, denn ich hatte nicht das Bedürfnis direkt wieder bewusstlos zu werden. Sin sah furchtbar aus. Nun, seine Augen sahen furchtbar aus. Der Ausdruck in seinen Augen machte mir klar, dass seine Seele ungefähr so viele Verletzungen davongetragen hatte wie mein Körper. Vielleicht sogar noch mehr. Ein weiteres Mal fühlte ich wie sich Wut in mir breitmachte aber gleichzeitig war die Erschöpfung von dem doch relativ anstrengenden Weg mit einem Mal so einnehmen, dass ich nur noch die Augen schließen und schlafen wollte. Der Raum begann sich vor meinen Augen zu drehen und ich klammerte mich hilfesuchend am Bettlaken fest, da ich das Gefühl hatte auf dem Kopf zu stehen. "Sin... ich glaub ich werd gleich bewusstlos, deshalb hör einfach zu und frag jetzt nicht wie, warum oder irgendein anderes von den ganzen W-Wörtern...", murmelte ich angestrengt. Whoa, hey, normalerweise fand ich Karussellfahrten lustig, aber das hier war mir ein wenig zu extrem. Der Raum begann sich immer schneller zu drehen, wie ein Kreisel, der außer Kontrolle geriet. Ich nahm meine ganze Willenskraft zusammen. Nein, Jay, wachbleiben. Hey, du bist der Retter des Tages, keine Zeit sich auszuruhen wenn du endlich mal den Helden spielen kannst! "Mach dir keine Sorgen. Cal weiß bescheid."

Sin

Zu sagen ich war geschockt, wer eine maßlose Untertreibung… Cal konnte nicht Bescheid wissen… Er durfte nicht Bescheid wissen…
„Was???“ Oh mein Gott… Oh mein Gott… Oh mein Gott!!
Ich wusste nicht, ob ich jemals in meinem Leben in Panik verfallen war… Aber ich wusste definitiv, dass ich es jetzt war. Wenn er es wusste, würde er etwas - vermutlich recht dummes - unternehmen. Ich wusste nicht um wen ich mir mehr Sorgen machen sollte, Jay oder Cal. Vermutlich musste ich darüber nicht einmal nachdenken… Ich machte mir um Beide Sorgen, wobei es bei Jay darauf hinaus lief, dass er das Ganze übersteht und bei Cal, dass er nichts Dummes tat.
„Sag mir nicht, dass auf dem Weg zu den Zeitlosen Hallen ist…“
Ich wusste, dass meine Stimme schon fast flehend klang, aber es hätte mich nicht weniger interessieren können. Eigentlich war ich mir sehr sicher, dass er auf dem Weg dorthin war. Doch ich wollte es hören. Oder besser gesagt… ich wünschte mir, es würde verneint werden… Auch wenn die Chancen gleich null standen…
Eigentlich dachte ich bis eben, dass ich das schlimmste hinter mir hatte. Aber dem war scheinbar nicht so. Meine Gefühle spielten schon wieder verrückt, doch dieses Mal konnte ich es einigermaßen ertragen. Zumindest soweit das ich nicht gleich raus rannte und mich auf die Suche nach Cal machte.
Aber es gab noch eine weitere Frage, die mich nicht losließ.
„Woher weißt du das eigentlich alles? Und woher kommen deine ganzen Verletzungen?“
Gut… ich wusste, ich stellte zu viele Fragen und ich konnte froh sein, wenn ich sie beantwortet bekam… Aber ich konnte nicht anders. Immerhin lag hier mein langjähriger - und auch eigentlich einziger - Freund, schwer verletzt und mein Partner war vermutlich auf direktem Weg zum Feind…
Jetzt konnte es definitiv nicht mehr schlimmer werden...

Jay

"Das waren jetzt insgesamt drei W-Wörter, Sin...", murrte ich und hob mühsam eine Hand zu meinem Kopf. "Nicht schreien...", flehte ich dann, während die dunklen Flecken vor meinen Augen immer größer wurden. Schlafen... ich wollte einfach nur schlafen... "Sin, du musst ihm hinterher... ich kann jetzt echt nicht mehr lang genug wachbleiben um dir von meinem freien Tag zu berichten. Cal hat mir verboten zu sterben, deswegen kannst du ganz beruhigt sein, ich werde seinen Befehl ganz bestimmt nicht missachten." Whoa, okay, jetzt war der Raum schwarz. Aber ich war mir sicher, dass ich die Augen noch offen hatte. "Hau schon ab und lass mich schlafen, Sin..."

Sin

„Dann schlaf mal.“
Ich konnte nicht verhindern, dass sich ein leichtes Lächeln auf mein Gesicht schlich. Auch wenn ich alles andere als glücklich war.
Mir schnellen Schritten verließ ich die Wohnung, wobei ich die Tür möglichst leise hinter mir schloss. Schließlich wollte ich nicht, dass Jay nachher noch wirklich unleidlich wurde. Doch darüber konnte ich mir später Gedanken machen. Nun hieß es erst einmal schnellst möglichst erneut zu den Zeitlosen Hallen zu kommen und Cal möglichst davor zu bewahren eine Dummheit zu begehen. Immerhin war jetzt klar, dass es alles nicht stimmte und da würde ich Cal sicher nicht den Beiden überlassen. Einen solchen Fehler begeht man kein zweites Mal.
Unruhig sah ich mich an der ersten Barriere um, konnte Cal allerdings nirgends entdecken. Das war nicht gut… Gar nicht gut… So schnell ich konnte, begann ich mich den Zeitlosen Hallen zu nähern, immer wieder ihre Bewohner und die Barrieren verfluchend.

Cal

Mit einem grimmigen Lächeln schlug ich die Tore hinter mir zu. Ich hatte die beiden nicht getötet. Nun, ich hätte es tun können. Nichts hatte mich aufgehalten, keine Abwehreinrichtung die pausenlos auf mich schoss, kein Energieblitz, nicht einmal der Tod hätte mich gestoppt. Aber ich hatte die beiden nicht getötet. Das wäre nichts gewesen verglichen mit der Schande die ich über unsere beiden ach so tollen, unbesiegbaren Bastarde gebracht hatte. Ich war mir sicher dass Akis Gesicht eine ganze Weile brauchen würde um wieder halbwegs normal auszusehen. Ja, ganz recht: Ich hatte die beiden verprügelt. Ich hatte die beiden mit bloßen Fäusten verprügelt, auf eine menschliche und primitive Art und nichts von ihrer sogenannten apokalyptischen Magie hatte mich davon abhalten können. Nun, genau das meinte ich mit Schande. Ihre ganze Magie hatte mich nicht aufhalten können dort hineinzugehen, die beiden zu verprügeln und eine ganze Reihe von Drohungen auf sie niederprasseln zu lassen was geschehen würde, wenn so etwas noch einmal vorkommen würde. Jetzt musste ich Sin finden...

Sin

Ich konnte es nicht fassen. Nur wenige Meter vor mir trat doch tatsächlich Cal durch die Tore, der Zeitlosen Hallen. Lebendig… Erleichterung machte sich in mir breit und das erste Mal an diesem verdammten Tag, hatte ich das Gefühl, dass nun vielleicht wieder alles in Ordnung kommen würde. Jedenfalls soweit das möglich war. Ich fragte mich, was er dort drinnen gemacht hatte, doch diese Frage schob sich immer mehr in den Hintergrund. Das Einzige, was für mich zählte, war das er lebte. Und das tat er… Ich wusste selbst nicht, warum ich mir das immer wieder vor Augen führen musste. Vermutlich, weil es mir einfach viel zu unglaublich vorkam.
Erst jetzt bemerkte ich, dass ich stehen geblieben war und ihn einfach nur ungläubig anstarrte. Aber auch das konnte mich nicht dazu bewegen, irgendetwas anderes zu tun. Ich war einfach nur froh, dass er wirklich noch lebte.

Cal

Ich sah Sin erst relativ spät. Ich hatte etwas Mühe zu blinzeln und bemerkte jetzt erst, dass ich mir ein blaues Auge eingefangen haben musste aber das war wirklich das Letzte, das mich jetzt noch interessierte. Er war stehen geblieben und starrte mich mit einer Mischung aus Unglauben und Erleichterung an - anscheinend hatte er mitbekommen was geschehen war. Nur woher zur Hölle wusste er, dass ich hier in den Zeitlosen Hallen... oh. Alles klar. Ich machte einen gedanklichen Notiz davon was ich mit Jay vorhatte und richtete dann meine gesamte Aufmerksamkeit wieder auf ihn. Eigentlich gab es tausend verschiedene Sachen die ich ihm jetzt sagen wollte aber keine davon erschien mir auch nur in der geringsten Weise passend für diesen Moment, von daher packte ich ihn einfach am Arm, zog ihn leicht nach vorne und hauchte ihn einen Kuss auf den Mundwinkel. "Hey Darlin'.", grinste ich ihn gut gelaunt an. "Das ist aber lieb von dir, dass du mich abholst."

Sin

Ich lächelte leicht, als eine weitere Welle der Erleichterung sich in mir ausbreitete. Scheinbar war er nicht sauer. Zum ersten Mal an diesem Tag relativ zufrieden, lehnte ich mich an ihn und schloss die Augen.
„Aber natürlich, honey…“ Ich sah auf und grinste ihn an. „Immerhin muss ich ja darauf achten, dass du auch wieder gut nach Hause kommst, nicht wahr?“
Ich hatte immer noch das unbändige Verlangen, mich ihm einfach um den Hals zu werfen, aber ich ließ es dann doch lieber bleiben. Schließlich konnte ich das später immer noch tun und das hier war nun wirklich nicht der richtige Ort für so etwas. Denn immerhin konnte man hier nie wissen, was einen erwartete. Wobei mich der der Gedanke daran, was die beiden apokalyptischen Spinner wohl dachten, wenn sie zwei offensichtlich sehr… beschäftigte… Dämonen vor ihrer Haustüre fanden, doch sehr amüsierte.
Wenn auch etwas widerwillig löste ich mich von ihm, lächelte ihn noch ein weiteres Mal an.
„Ich denke wir sollten gehen, honey. Meinst du nicht?“

Ende



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