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Fiction » General » Schokoladenkipferl und ein Hauch von Weihnachten font: B s : A A A . width: full 3/4 1/2
Author: Koishii
Fiction Rated: T - German - General/Romance - Reviews: 2 - Published: 12-23-04 - Updated: 12-25-04 - id:1789630

Schokoladenkipferl und ein Hauch von Weihnachten

Kapitel Drei

„Hi!“

Meine Güte, sah sie gut aus!

Ich hatte Mühe, die Türklinke loszulassen, nachdem sie eingetreten war, aus Angst, wegen meiner weichen Knie umzukippen.

Elin zog sich Jacke und Schuhe aus, ich schloss endlich die Tür, dann war es still.

Sicherlich konnte sie mein Herz hören, das mir bis zum Hals schlug. Und wenn nicht, so konnte sie es sich zumindest denken. Ich schluckte.

„Hätte nicht gedacht, dass du das tatsächlich ernst gemeint hast…“

Toll, Mirabelle, super Anfang!

„Ich hätte dir das ja nicht vorgeschlagen, wenn ich es nicht ernst gemeint hätte, oder?“ Sie lächelte, nahm ihren Rucksack auf und marschierte in die Küche. „Ich habe auch alles mitgebracht, was man braucht, außer Mehl und Zucker, aber das habt ihr ja sicher?“

Verwirrt folgte ich ihr und sah ihr dabei zu, wie sie dem Rucksack allerlei verschiedene Backutensilien entnahm.

„Deine Eltern sind nicht da?“, fragte Elin und wusch sich dabei die Hände.

Einen Schrank öffnend antwortete ich: „Nein, die sind bei meinen Großeltern. Du weißt doch, der Opa wird auch nicht jünger. –Was willst du eigentlich backen?“

Zugegebenermaßen war ich beim Anblick der vielen Kuvertüre und der Nüsse ziemlich neugierig geworden.

Elin steckte das Handrührgerät ein, stupste mich an die Nase und meinte mit funkelnden Augen: „Schokokipferl. Damit du Glückshormone bekommst!“

Eine Dreiviertelstunde später war die Küche verwüstet und die gebogenen, kurzen Teigschlangen waren im Ofen.

Während Elin die Schüsseln zusammenräumte und die Arbeitsplatte säuberte, stellte ich den Backofenwecker ein und goss das kochende Wasser, das ich zuvor aufgesetzt hatte, in zwei Tassen.

Dann setzten wir uns ins Wohnzimmer, jede eine Tasse Tee in den Händen, die Katze machte es sich zwischen uns bequem.

Elin nippte leicht an dem heißen Getränk. „Was ist das für eine Sorte?“

„Pfefferminztee mit einem Hauch Weihnachten.“, sagte ich und sie lachte laut auf.

„Das stimmt! So steht es auf der Packung.“ Ich sah sie gespielt beleidigt an.

„Echt? Schmeckt sehr lecker!“ Sie lächelte zufrieden. „Hat was von…hm…einen leichten Geschmack von Liebe oder kommt mir das nur so vor?“

Ich blinzelte. Was hatte sie gesagt?

Was wollte sie damit sagen?

Wollte sie damit auf mich anspielen?

Wenn ja: Warum?

Ihr Blick ruhte unverwandt auf mir, als ich meinen Kopf wegdrehte und sie mir plötzlich eine dunkle Locke hinters Ohr schob. „Belle…“

Ruckartig wandte ich mich wieder zu ihr und sah ihr verwirrt in die Augen, sie konnte meine innere Zerrissenheit, meine Zweifel und meine tiefe Zuneigung für sie mit Sicherheit in meinem Blick erkennen.

Belle…so nannte nur sie mich. Nur sie fand, dass die Abkürzung „Mira“ nicht zu mir passte.

„Aber ‚Belle’ schon, das bedeutet ‚die Schöne’, nicht?“, hatte sie mir einmal gesagt.

Bevor ich etwas erwidern konnte, durchdrang das laute Rasseln der Backofenuhr das Haus und wir fuhren beide erschrocken zusammen.

Freudig erregt machte sie sich auf in die Küche. „Lass uns die Plätzchen rausholen. Wenn sie abkühlen, können wir schon mal die Glasur machen.“

Ich blieb zurück und starrte ihr geplättet hinterher, bis sie mir durch die Tür zurief: „Soll ich das alleine machen?“

Ertappt sprang ich auf, merkte, dass ich rot wurde, und eilte in die Küche. „Nein, natürlich nicht!“

Gemeinsam holten wir die Kipferl aus dem Ofen, stellten die Bleche auf die Arbeitsplatte, damit das Gebäck abkühlen konnte, und machten uns an die harte Arbeit, die fast schwarze Blockschokolade in kleine Stücke zu teilen.

Anschließend füllten wie die einzelnen Stücke in eine kleine Schüssel und stellten diese in ein Wasserbad auf dem Herd.

Gedankenverloren stocherte ich mit dem Löffel in der langsam weich werdenden Kuvertüre herum.

Mir war unbehaglich, ich spürte, dass Elin mich beobachtete.

Ich wusste nicht, warum, aber irgendwie brachte ich es heute nicht fertig, mich in ihrer Gegenwart wohl zu fühlen, im Gegenteil: es machte mich beinah traurig.

Vielleicht lag diese Gemütsschwankung aber auch nur an der vorigen Situation im Wohnzimmer, in der ich das unbestimmte Gefühl hatte, sie wolle mir etwas sagen.

Wahrscheinlich hatte ich mir das alles doch bloß eingebildet, dieses Funkeln in ihren Augen-

„Darf ich die CD hier einlegen?“, unterbrach ihre Stimme mein Gedankenwirrwarr und ohne richtig nachzudenken gab ich meine Zustimmung.

Erst als ich die Anfangstakte des ersten Titels hörte und mein Herz einen Moment aussetzte, wusste ich, dass ich mich hätte erkundigen sollen, um welche CD es sich handelte.

Elin trat neben mich, lächelte und betrachtete meinen Löffel in der mittlerweile flüssigen Schokolade.

„Ich denke, wir können die Teile jetzt glasieren.“, sprach sie und holte das erste Blech von der Arbeitsplatte neben die Herdplatte. „Kaum zu glauben, dass du die CD aufgehoben hast.“

Erschrocken ließ ich das Gebäck in die Kuvertüre fallen.

Sie konnte sich tatsächlich daran erinnern?

An die CD, die wir uns einmal zusammen gekauft hatten; die ich immer dann hörte, wenn ich an sie denken musste.

Warum hatte ich sie nicht weggeräumt?

„Keine Panik, ich werd’s schon keinem verraten.“ Sie grinste. „Ich habe sie ja auch noch.“

Erstaunt sah ich sie an, erinnerte mich an meinen ertränkten Kipferl und fischte ihn mit den Fingern wieder aus der süßen, braunen Flüssigkeit heraus.

„Oh, Mann, das kann ja heiter werden. Jetzt weiß ich endlich, warum meine Mutter eine Abneigung gegenüber glasierten Plätzchen hat.“ Ich lachte, griff nach einem weiteren Gebäckstück und tauchte es bis zur Hälfte ein.

„Naja, für die Glückshormone muss man eben Opfer bringen. –Ich find’s lustig.“ Und schon hatte sie zwei neue untergetaucht.

„Es ist nicht so, dass ich unglücklich bin oder so.“, sah ich mich zu einer Rechtfertigung gezwungen, „Es ist nur…ich hatte nur einen Durchhänger, das ist alles.“

Unsere Hände kamen sich über der Schüssel irgendwie in die Quere, ich hatte nicht aufgepasst, dabei hatte sie meine Hand unabsichtlich mit der heruntertropfenden Schokolade ihres Kipferls „verziert“.

„Das tut mir Leid.“ Elin legte das Plätzchen zur Seite und sah mich an. „Ehrlich.“

Ich wusste nicht, auf was sie die Entschuldigung bezog. Auf meinen Durchhänger oder auf meine schokoladenbeschmierte Hand?

Also blieb ich still und betrachtete meine rechte Hand, auf der Schokoladentupfer und –linien verliefen, fast wie bei einem Henna-Tattoo.

Ich musste lächeln, driftete mit meinen Gedanken einmal mehr ab und erschrak umso mehr, als Elin auf einmal meine Rechte in ihre nahm und eingehend musterte, bevor sie meine Finger an ihre Lippen setzte und sie küsste.

You’re on your way

Findin’ the answers

For all

You’re asking for

Ich stand wie erstarrt.

Die Schmetterlinge überrannten mich von meinem rechten Arm aus wie eine Sintflut.

Take me with you now

Take me wherever

You go

Whenever you know

Bevor sie anfing, die Schokolade von meiner Haut zu lecken, schloss sie die Augen, als könnte sie es dadurch noch mehr genießen.

Is it burning

Or is it the love

We’re both

Slowly breaking off

Mir wurde schwindelig, was machte sie denn da?

Hatte sie vergessen, wer ich war?

Was ich war?

Need to get away

Can’t stand

This small-talk anymore

Can’t they let it go

„Elin…“ Meine Stimme klang rau und erstickt und Elin öffnete nur leicht ihre Augen, sagte: „Süß.“

Ja, dachte ich. Süß.

An ihrer Oberlippe war ein Schokoladenfleck zurückgeblieben.

Geistesabwesend hob ich meine linke Hand und berührte mit meinem Daumen ihre Lippe.

Doch sie ließ mich meine Arbeit nicht beenden, sondern zog mich an den Handgelenken zu sich heran und küsste mich stürmisch.

Süß, weich und zart lagen ihre Lippen auf meinen, ihre warmen Hände auf meinem Rücken drückten mich eng an sie, während ihre samtene Zunge meine Lippen teilte und in meine Mundhöhle glitt.

Überrumpelt hing ich in ihren Armen, als sie sich von mir löste.

Da ich nicht wusste, wohin ich mit meinen Schokoladenhänden sollte, befreite ich mich aus ihrer Umarmung und ging zum Spülbecken.

Das Rauschen des Wassers gab mir Zeit, meine Gedanken zu ordnen und nicht gleich sprechen zu müssen, ich spürte ihren Blick in meinem Nacken.

„Belle-“

„Was sollte das?“ Rasch drehte ich mich zu ihr um.

„Du weißt doch, was los ist, oder nicht?“, stellte sie mir eine Gegenfrage.

Perplex starrte ich sie an, es dauerte einige Sekunden, bis ich mich wieder gefangen hatte. „Lass diese Scherze, Elin. In dieser Sache verstehe ich keinen Spaß.“

„Ich auch nicht.“ Ihr durchdringender Blick jagte mir heißkalte Schauer über den Rücken, langsam kam sie auf mich zu und stützte ihre Hände rechts und links neben mir an der Kante der Spüle ab.

Ich war gefangen zwischen der Spüle und Elin, es gab kein Entkommen. Ich schwieg.

„Ich meine es ernst, Belle. Hör auf, vor mir wegzulaufen.“

„Hallo, meine Süße! Ich wünsche dir ein Frohes Weihnachtsfest!“

Ende

Diese kleine Geschichte widme ich den drei Mädels, die sogar Fachgespräche über meine Geschichten, insbesondere über die „Paula“, führen und mich mit ihrer Kritik und ihrem Feedback immer ein Stück weiterbringen. Danke! Unter diesen Mädels ist übrigens auch meine erste richtige Lektorin, der ich hiermit von ganzem Herzen für ihre Arbeit und ihre Tipps danke.

Special-Thanks geht an Ayanami, da sie für diese Geschichte das Beta übernommen hat. Sonst wäre ja die Überraschung futsch gewesen.

Ich wünsche euch allen ein Frohes Fest, geruhsame Feiertage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

Alles LiebeEure Koishii



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