Home Just In Communities Forums Beta Readers Dictionary Search Login Register Extras
Fiction » Fantasy » Relicts of Gods: Göttertränen font: B s : A A A . width: full 3/4 1/2
Author: Achtzehnzehn
Fiction Rated: K+ - German - General - Published: 02-18-05 - Updated: 02-18-05 - id:1837787

(2) Soldaten der Finsternis

"Euer Majestät, die Truppen der Schwarzen Flagge haben Genda genommen! General Arulak ist in der Schlacht gefallen, und...", der alte König hob die Hand, um den Fluss der schlechten Neuigkeiten seines Vasallen zu unterbrechen. Die Jahre hatten ihn gezeichnet, sein Gesicht faltig, sein Haar grau, beugte sich sein Haupt unter der immensen Last der Krone. Die alten Augen fokussierten nur langsam den Blick auf den Untergeben, als die zittrige Stimme erklang:

"Die Mauern von Genda sind die Stärksten dieses alten Reiches gewesen, unsere Armee hatte dort ihr Lager...“, ein Schluchzen drang aus der Kehle des Königs; „Wie sehr wurde die Armee der Schwarzen Flagge dezimiert?"

Voll Trauer ließ der Vasall das Pergament, von dem er ablas, sinken. "Die Kundschafter haben keinen Hinweis dafür gefunden, dass auch nur ein Soldat der Schwarzen Armee gefallen ist.", die Stimme des Mannes war erfüllt von Furcht und Ungläubigkeit. Der König erhob sich langsam und trat an den westlichen Ausguck.

Die alten Augen suchten den Horizont ab und er erblickte dort, wo in weiter Ferne die Festung Genda gestanden hatte, dünne Rauchwolken, die dort wohl den Himmel verdunkelten für die Menschen, die bald wehrlos dem Feind gegenüberstanden um massakriert zu werden.

Er sah zurück zu seinem Vasall und sagte in matter Stimme: "Unser altes Land ist an die Schatten verloren. Und bald ist die Erde so dunkel wie der Herrscher, der die Klinge der Zerstörung gegen uns erhoben hat. Das Land, das einst von den Dreien errettet wurde, ward nun erneut vernichtet von den Kreaturen der Nacht. Wir, die alten Überbleibsel von Roktrosen werden fallen... evakuiert die Wehrlosen, versammelt alle Kriegstauglichen."

Wenige Wochen später fiel der Turm des Schlosses, umgeben von Flammen und Gestank in sich zusammen und der Himmel wurde durch Rauchwolken verdunkelt. Wieder rote Augen, die sich in die Ferne richteten. "Noch immer sind Schwert und Drache weit entfernt, meine Brüder, doch eines der alten Reiche ist schon unserer Macht erlegen." Der dunkle Feldherr wandte sich den Bergen zu, die schon immer das Ziel seiner Armee gewesen waren, und betrachtete sie gierig, während um ihn herum schwarz gerüstete Soldaten noch immer Frauen schändeten und Männer lynchten.

Sitoka blinzelte dem neuen Tag mit einem mulmigen Gefühl entgegen. Irgendetwas war seltsam am heutigen Morgen, die Sonne war irgendwie nicht so hell wie sie es gestern gewesen war, das Wasser des Flusses war dunkler und einige Pflanzen schienen über Nacht verdorrt zu sein.

Aber schon bald hatte sich das seltsame Gefühl einer schlechter Vorahnung in das gewohnte seltsam warme Gefühl gewandelt, dass er immer hatte, wenn er Wenzio erblickte.

Er erkannte die blonden, gepflegten Haare sofort, selbst wenn sich alle Menschen des Dorfes auf dem Marktplatz drängten.

Er bedauerte zutiefst, dass er jetzt zum Schmied musste, um seine Tätigkeiten als Gesell wahrzunehmen, er hätte Wenzio gerne angesprochen- zumal sie sich gerade umwandte und ihm offen und warm zulächelte.

Am Ende eines sehr monotonen Arbeitstages, der Sitokas Muskeln mal wieder zum schmerzen gebracht hatte, schleppte sich der junge Gesell durch die dunkler werdenden Gassen des Dorfes.

Er war ziemlich müde und wäre fast mit jemandem zusammen gestoßen, der grade in die Gasse einbiegen wollte. Sitoka sah nur die Umrisse eines Menschen, denn direkt hinter der Figur ging die Sonne schimmernd unter.

Eine Sekunde lang erinnerte sich Sitoka an rote Augen aus einem im Schatten liegenden Gesicht.

Die Tatsache, dass es Wenzio war, die er fast umgerannt hätte, wischte alle Gedanken an andere Dinge beiseite, er vergaß sogar kurzzeitig seinen Namen.

Sein Herz begann, schmerzhaft schnell zu schlagen, als er den Duft ihrer Haare roch. Sie war ihm näher als jemals zuvor.

Er setzte ein verlegenes Lächeln auf und sah zu ihr herab, inständig bemüht, das zittern in seinen Beinen zu ignorieren. Seine Nervosität ließ sein Herz schneller schlagen und vernebelte ihm den Verstand.

Wie er da direkt vor der blonden Schönheit stand und ihre Blicke sich trafen, drohten seine Beine ihm beinahe den Dienst zu versagen.

Sie hielt seinen Blick eine ganze Weile gefangen und brachte seinen Verstand damit in endgültigen Leerlauf- er war unfähig auch nur "Hallo" zu sagen, sog dafür aber jedes Detail Wenzios in sich auf- ihren Duft, jeden Zug ihres Gesichts, die Schönheit ihres blonden Haares, ihre Augen, die zarten Lippen, die auf einmal begannen, sich zu bewegen. Es dauerte einen Moment, bis Sitoka den Sinn der Worte erfasste und nicht mehr einfach nur den Klang ihrer Stimme genoss. "... aus dem Weg gehen? Ich muss leider wirklich weiter, sonst würde ich dir noch beibringen, Frauen nicht so penetrant anzustarren..." Sitoka hatte zwar nur die hälfte des Satzes mitbekommen, aber die reichte vollkommen aus, seinen Verstand in die Realität zu stoßen- in eine überaus unangenehme Realität. Er senkte verlegen seinen Blick und machte den Weg in die Gasse frei.

Die junge Frau ging an ihm vorbei, drehte sich um und meinte lächelnd „Wenigstens bist du gefügsam, kleiner Schmied, brav gemacht. Das nächste Mal kannst du dich vielleicht auch dazu bewegen mit mir zu reden...“

Wenzio lächelte ihn zwinkernd an und kurz danach wehte ihr goldenes Haar um eine Hausecke und Sitoka blieb wie festgefroren allein zurück. Sein Geist musste sich aus den Bemerkungen Wenzios ausrechnen ob diese Begegnung jetzt gut oder schlecht verlaufen war.

Am Ende plädierte ein Teil in ihm dafür, dass eine Begegnung mit Wenzio immer Positiv sein musste und Sitoka setzte sich taumelnd wieder in Bewegung.

Seit einigen Wochen war sein Schlaf ruhig und lang gewesen, doch erneut erschienen Sitoka die Bilder fernen Grauens:

In der Dunkelheit sammelten sich zwei gewaltige Armeen, eine Trug das vertraute Wappen vom Königreich Roktrosen auf den Schilden, die andere Armee war dieselbe schwarze Armee, die ihm schon einmal den Schlaf geraubt hatte.

Auf der Seite der hellen Armee ritt ein in schimmerndem Stahl gepanzerter General auf und ab- der legendäre General Ziok! Auf der anderen, dunklen Seite zog einer der Schwarzen Truppenführer- wie zum Hohn nur in seinen Umhang gehüllt- sein seltsam funkelndes Schwert.

Zeitgleich mit der Klinge des Rotäugigen stieß auch die tödliche Silber-Stahl Klinge des Generals in die Luft, und gleich darauf dirigierten beide Heerführer ihre Armeen in den Kampf. Das Schimmernde, mit poliertem Stahl gepanzerte Heer stieß auf das schwarz gepanzerte Heer, Menschen schrieen und Blut floss.

Unbeachtet von den Soldaten hackten ein silbern und ein golden schimmerndes Schwert aufeinander ein- die Wucht mit der die beiden Heerführer einander attackierten verursachte wilde Funken.

Die Klinge des dunklen Feldherrn aber glitt nicht einfach von der des Generals ab, sondern schlug langsam Furchen in das mondhelle Schwert Zioks. Dieser schien die Zerstörung seines Schwertes kaum zu interessieren, er führte immer wieder verschiedene Seitenhiebe und Ausfallschritte aus, doch das Schwert des Gegners war immer zur Stelle, um die Klinge ins Leere abgleiten zu lassen.

Die roten Augen folgten der Klinge des Generals während dieser immer nur auf die Hände seines Widersachers achtete. Dann blitze die Goldene Klinge unverhofft zur Seite, das Schwert des Generals wehrte ab- doch mit durch den gewaltigen Schlag des dunklen Feldherrn durchschnitt die Goldene Klinge das Silberstahl Schwert, bevor sie an der Rüstung des Generals abprallte und zur Seite wegglitt.

Schwer Atmend betrachteten sich die beiden Kämpfer- die blutige Hölle um sie her war vergessen, nur noch die beiden Feldherren existierten füreinander.

Die kalte Stimme zischte "Ich hätte nichts anderes vom Nachfahren der legendären Dämonenjägerin erwartet- ihr seid gut!" das goldene Schwert, dessen Spitze gerade eben noch zum Boden gezeigt hatte, wurde wieder nach oben gerissen, der schwarze Umhang flatterte auf und die Stimme zischte "Doch Göttertränen triumphieren selbst über das Blut der legendären Drei!" Der General hob den Stumpf seines Schwertes noch einmal, um mit der restlichen Klinge den Körper seines Feindes zu zerreißen- doch bevor die Klinge überhaupt den schwarzen Umhang berühren konnte, schnitt das goldene Schwert durch den Stahlpanzer des Generals wie durch Butter- und aus dem nun klaffenden riss im Torso strömte langsam das rote Blut.

Der General sank auf die Knie. Seine Griff um die Reste seines Schwertes lockerte sich und es schlug dumpf neben ihm auf- die Augen waren ungläubig und überrascht aufgerissen. Er spuckte Blut, sah zu seinem Gegner hoch , dann durchtrennte die goldene Klinge den Hals des stolzen Generals.

Rote Augen wanderten über das Schlachtfeld- die schwarze Armee war leicht im Nachteil gewesen ohne die Unterstützung ihres Feldherrn. Schon blitzte die goldene Klinge, dürstend nach Blut, auf und der schwarze Umhang verschmolz mit dem Kriegsgetümmel.

Sitoka fuhr schweiß gebadet auf- der Kampf, von dem er geträumt hatte, war viel zu real gewesen! Kein Mensch konnte da noch an zufällige Traumbilder glauben.

Im nächsten Moment aber übermannte ihn erneut eine eigentümliche Müdigkeit, die ihm einen Traum bescherte, der den anderen rasch verdrängt hatte: Wenzio, wie sie ihn anlächelte, ihn begrüßte und dabei einen Kuss auf seine Wange hauchte.



Return to Top