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Fiction » General » Die liebe Ordnung font: B s : A A A . width: full 3/4 1/2
Author: Luineturiel
Fiction Rated: K - German - General - Reviews: 1 - Published: 03-10-05 - Updated: 03-10-05 - id:1855343

„Da gibt es nichts zu lachen, das ist für mich ungeheuer. . . .“

„Da gibt es nichts zu lachen, das ist für mich ungeheuer wichtig.“ Noch während sie sprach, machte sich ein Schimmer verlegener Röte auf Veras Wangen breit. Mit leicht gesenktem Kopf machte sie sich eilig daran zu beenden, wobei Clara sie unterbrochen hatte.

„Also wirklich, ich kenne außer dir niemanden, der seine gesamten Bücher alphabetisch sortiert. Jetzt erzähl mir bloß noch, dass du das komplette Regal umräumst, wenn du ein neues Buch kaufst, das ganz an den Anfang gehört.“

Veras leicht verletzter Blick ließ Claras Lachen im Ansatz ersticken. „Natürlich. Das ist schließlich, worum es bei einer solchen Sortierung geht, oder nicht? Es würde wohl kaum Sinn machen, wenn ich nur Teile in der richtigen Reihenfolge arrangiere und den Rest nicht.“

„Jaja, ist ja schon gut.“ Clara trat einen Schritt vorwärts, so dass sie neben ihrer Freundin zum Stehen kam. „Das wäre einfach nur nicht mein Stil, das ist alles. Für solche Ordnung bin ich viel zu chaotisch.“

„Das stimmt allerdings.“ Der Anflug eines Lächelns zeigte sich auf Veras Gesicht, und sie sah von den Büchern in ihrer Hand auf, um eines davon in das noch halbleere Regal vor ihr einzureihen.

„Kann ich dir trotzdem irgendwie beim Einräumen helfen?“

Vera schüttelte den Kopf. „Nein, ich glaube nicht, danke. Aber du kannst in die Küche gehen und schauen, ob du die Kaffeemaschine in Gang kriegst. Sie müsste in einem der beiden ganz großen Kartons sein. Kaffee und Filter hoffentlich auch“, fügte sie mit einem kleinen Seufzer hinzu. Eigentlich sollte beides in genau dem gleichen Karton sein wie die Kaffeemaschine, aber man weiß ja, wie das so bei Umzügen ist. Einer packt etwas ein, jemand anderes packt die Hälfte davon wieder um, und am Schluss kann man froh sein, überhaupt etwas wiederzufinden.

Nur einen kurzen Moment später war aus Richtung der Küche ein Geraschel und Gerumpel zu hören. Als kurz darauf wieder Stille eintrat, ohne von Flüchen durchbrochen zu werden, schloss Vera daraus, dass Clara wider Erwarten alles gefunden haben musste. In aller Ruhe fuhr Vera mit dem Einräumen der Bücher fort. Erst als sie damit fertig war, erhob sie sich aus ihrer knienden Position um zu sehen, wie weit der Kaffee wohl mittlerweile war. Zumindest roch es schon gut.

Der Anblick, der sich ihr bei Betreten der Küche bot, ließ sie schmunzeln. Da stand Clara an der Arbeitsplatte, konzentriert auf ihrer Unterlippe kauend, und studierte diverse Teedosen und Packungen mit losem Tee. Wo immer kein Etikett auf der Außenseite zu finden war, öffnete sie die Verpackung, um hineinzusehen.

„Ich dachte, du wolltest uns Kaffee machen?“

Clara zuckte beim Ertönen von Veras Stimme leicht zusammen, bevor sie sich zu ihr herumdrehte. „Hab ich auch.“ Sie deutete zu der Ecke hinüber, in der die Kaffeemaschine vor sich hin schmauchte wie ein asthmatischer Drache. „Aber ich hab in dem Karton auch deinen Tee entdeckt, und da dachte ich, ich räume ihn schon mal ein, während du mit deinen Büchern beschäftigt bist. Der Tee sollte doch hier auf das Regal, oder?“

Vera nickte zustimmend. „Weit gekommen bist du mit dem Einräumen aber noch nicht.“

„Ist ja auch nicht so ganz einfach“, betonte Clara. „Du weißt doch, ich trinke keinen Tee. Und Hellseherin bin ich schließlich auch nicht.“

„Wie? Was?“ Vera runzelte die Stirn. „Ich glaub, ich weiß grad nicht, wovon du redest.“

„Na, von den ganzen verschiedenen Sorten, die du hast“, erwiderte ihre Freundin. „Ist nicht einfach zu erraten, was in einer Packung oder Dose ist, wenn’s nicht draufsteht.“

Vera schüttelte lachend den Kopf. „Aber ist doch ganz egal, wo was drin ist.“

„Ist es?“ Ein irritiertes Augenbrauenzucken. „Und wie soll ich den dann bitte schön richtig sortieren?“

„Was meinst du mit richtig sortieren?“

„Na, alphabetisch.“

„Du glaubst allen Ernstes, ich sortiere auch meinen Tee nach dem Alphabet?“

„Tust du nicht?“

Bei dem ratlosen Anblick, den ihre Freundin bot, zwei Teedosen vor sich haltend als könnten diese ihr sagen, was sie hier die ganzen letzten zehn Minuten getrieben hatte, konnte Vera sich kaum noch halten vor Lachen. „Nein, doch nicht den Tee! Da ist sowieso nur in der Hälfte der Fälle das drin, was die Aufschrift sagt.“

„Hm. Ja. Gut.“ Zögernd stellte Clara die beiden Dosen wieder auf der Arbeitsfläche ab.

„Die Bücher habe ich übrigens fertig eingeräumt. Was hältst du davon, wenn wir erst mal einen Schluck Kaffee trinken?“

Clara nickte zustimmend. „Ja, einen Kaffee kann ich jetzt auch gut gebrauchen.“ Sie schnappte zwei Tassen aus einem der offenen Kartons, die auf dem Fußboden standen, und reichte eine davon an Vera weiter.

„Und dann kommen die ganzen Lebensmittel dran. Die hätte ich gerne schnell aus den Kartons raus; dann steht uns auch nur noch halb soviel im Weg.“ Vera zog die Kaffeekanne unter der Maschine hervor und goss sich und Clara etwas von dem himmlisch duftenden Aufguss ein.

„Du bist hier der Boss.“

„Ach, und übrigens. . . .“ Vera lächelte Clara an. “Meine Lebensmittel sortiere ich nach Verfallsdatum.”

„Das meinst du jetzt doch nicht ernst, oder?“

Das Lächeln verbreiterte sich zu einem Grinsen, während Vera vorsichtig an ihrer Tasse nippte. „Natürlich nicht, aber du hättest grad dein Gesicht sehen sollen.“

Clara lachte. „Blöde Kuh.“

„Gleichfalls.“ Vera zwinkerte ihr zu. „Nichtsdestotrotz muss ich zugeben, der Kaffee ist gut geworden.“

„Du hast doch wohl nichts anderes erwartet?“

„Natürlich nicht.“ Mit einem zufriedenen Seufzer ließ Vera sich auf einen der Klappstühle sinken, die sie bereits in der Küche aufgestellt hatten, zwischen Kartons und anderen Gerätschaften. Kaum hatte sie Platz genommen, da klingelte es and er Tür. „Das muss Michael sein. Er hatte mir versprochen, noch vorbeizukommen und uns mit dem Sofa und den ganzen Schränken zu helfen.“

Clara grinste sie verschmitzt über den Rand ihrer Tasse hinweg an. „Wie wär’s, wenn wir das selbst machen?“

„Und Michael?“

„Na, der darf erst mal den Tee sortieren.“

Vera schüttelte lächelnd den Kopf, während sie aufstand und in Richtung Wohnungstür marschierte. „Der fällt darauf bestimmt nicht rein.“

Clara zuckte mit den Schultern. „Schade. Obwohl . . . ich glaub, ihm beim Möbelrücken zuzusehen, ist ohnehin viel interessanter.“

„Clara!“ Veras Kopf erschien im Türrahmen.

„Was?“ Clara setzte ihre beste Unschuldsmine auf. „Frau wird doch wohl noch schauen dürfen?“

„Du bist echt unverbesserlich.“

„Ich weiß.“ Ein breites Grinsen. „Aber nun geh und lass den armen Kerl nicht noch länger da draußen stehen. Am Ende denkt er noch, es sei keiner da, und geht wieder.“

Veras Kopf verschwand aus der Küchentür, und einen Augenblick später konnte Clara sie die Wohnungstür öffnen und Michael begrüßen hören.

„Und? Wobei seid ihr gerade?“ klang seine Stimme aus dem Flur herüber.

„Wir machen grad eine kleine Pause, dann geht es in der Küche weiter“, informierte Vera ihn. „Wenn du magst, kannst du uns dabei helfen, den Tee zu sortieren.“

04.01.2005



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