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Es war ein wunderschöner Freitagabend, . . .
Es war ein wunderschöner Freitagabend; oder besser gesagt: Es hätte ein wunderschöner Abend werden können, wenn—ja wenn—Christoph sie nicht versetzt hätte! Mit einem missmutigen Grummeln trat Lisa zum x-ten Mal von einem Bein auf das andere, die Hände tief in den Taschen ihres Wollmantels vergraben, dann endlich gab sie die letzte Hoffnung auf ein Erscheinen ihres Freundes auf und setzte sie sich in Bewegung.
Eine geschlagene dreiviertel Stunde hatte sie vor dem Eingang des Kinokomplexes gewartet, und das in eisiger Kälte. Natürlich hätte sie die schützende Wärme des Foyers aufsuchen können, aber es war ja nicht so, als ob Christoph sich notorisch verspätete. Und ehrlich gesagt hatte sie ein wenig darauf spekuliert, dass er ihr bei seiner Ankunft die kalten Hände wärmen würde (wie er es am vergangene Wochenende getan hatte, als Lisa beim Besuch des Weihnachtsmarktes mit der gesamten Clique vergessen hatte, ihre Handschuhe mitzunehmen, und schon nach kurzer Zeit kein Glühwein der Welt mehr helfen wollte, das Gefühl von Leben in ihren Fingern aufrecht zu erhalten).
Soviel zum Thema Planung. Offenbar hatte Christoph ihre Verabredung vergessen. Dass er sie absichtlich hatte sitzen lassen, wollte Lisa ihm nicht unterstellen, und schon gar nicht bei ihrer ersten Verabredung zu zweit, ohne das Beisein anderer Freunde. Oder hatte er womöglich kalte Füße gekriegt? Aber nein, sie war sich sicher, dass diese Verabredung etwas gewesen war, auf das sie sich beide gefreut hatten; etwas, von dem sich beide Seiten eine grundlegende Veränderung in der Art von Beziehung erhofft hatten, die sie nun schon seit mehreren Monaten verband. Wenn hier jemand kalte Füße hatte, dann war sie es—und keineswegs im sprichwörtlichen Sinne!
Mit dem Seufzer verließ eine kleine Dunstwolke Lisas Lippen. Träge hing der sichtbar gewordene Atem in der Luft und verstob nur zögerlich, als Lisa mit leicht gesenktem Kopf hindurch trat. Ihr Schritt war raumgreifend und bestimmt; der Kurs, den sie eingeschlagen hatte, führte sie jedoch keineswegs schnurstracks in Richtung ihrer Wohnung. In Begleitung von Freunden kümmerte sie nicht so sehr darum, durch welche Straßen und Viertel sie ging, aber alleine und noch dazu in winterlicher Dunkelheit sah die Sache ein wenig anders aus. Ihre Oberschenkel mochten mittlerweile taub von der Kälte geworden sein (ganz zu schweigen davon, dass ihre Ohren und Wangen stachen als würden Tausende kleiner Nadeln in ihnen stecken), aber die Abkürzung über den Friedhof und an der Rückseite des Bahnhofs entlang würde sie dennoch nicht einschlagen.
So dauerte es dann auch fast eine halbe Stunde, bis Lisa endlich die Halbergasse erreichte. Bereits beim Einbiegen in die bürgersteiglose Kopfsteinpflasterstraße fischte sie in ihrer Manteltasche nach dem Hausschlüssel—und trat in ihrer momentanen Unachtsamkeit auf eine vereiste Stelle des unebenen Untergrundes. Ein hilfloses Rudern mit den Armen, den Mund zu einem überraschten „Oh!“ geöffnet, und schon fiel sie hintenüber.
Der erwartete Aufprall fiel aus. Statt mit schmerzendem Kopf rücklings auf der Straße liegend, fand Lisa sich im sicheren Griff zweier Arme wieder, die ihren Oberkörper von hinten umschlungen hatten. Wie dankbar sie auch über diese „Rettung“ war; sobald Lisa ihre eigenen Füße wieder unter ihren Schwerpunkt manövriert hatte, trat sie einen Schritt vor, um sich aus der unfreiwilligen Umarmung zu befreien.
Sie traf auf keinerlei Widerstand; die Arme ihres „Retters“ gaben sofort nach und glitten aus dem Weg, versuchten nicht, sie zurückzuhalten. Dennoch atmete Lisa einmal tief durch, als sie sich umdrehte, um zu sehen, in wessen Armen sie da gelandet war. In Anbetracht der Tatsache, dass sie zuvor nicht bemerkt hatte, dass überhaupt jemand hinter ihr gegangen war, fand sie die bloße Präsenz dieser anderen Person ein wenig beunruhigend.
Es war ein Mann mittleren Alters, dem sie sich gegenüber fand. Im englischen Sprachraum hätte man ihn ob seiner Kleidung sicherlich als „Gentleman“ betitelt; auch die Art, wie er in einem fließenden Bogen seinen Zylinder vom Kopf nahm und sich kurz verbeugte, den Hut mit perfekt manikürten Händen elegant vor den Körper gehalten, hätte perfekt zu diesem Ausdruck gepasst.
„Ich bitte zutiefst um Entschuldigung, sollte ich sie erschreckt haben, meine Dame“, ertönte seine Stimme, noch während der Fremde seine leicht antiquierte Geste vollführte.
Ein Schauer durchlief Lisa, und ein Gefühl der Wärme breitete sich von jenem empfindsamen Fleck unterhalb ihrer Kehle aus. Sie war sich nicht sicher, ob sie hierfür die Kälte, den Schock über das plötzliche Auftauchen dieses seltsamen Zeitgenossen oder den wohlig-schmeichelnden Klang dessen Stimme verantwortlich machen sollte. „Ist . . . ist schon gut“, hörte sie sich selbst stammeln. „Ich denke, ich sollte froh sein, dass sie zur Stelle waren. Vielen Dank.“
„Es war mir ein Vergnügen.“ Ein leichtes Kopfnicken, vom Anflug eines verschmitzten Lächelns begleitet, dann setzte der Mann seinen Zylinder mit einem geübt wirkenden Handgriff wieder auf.
So eindringlich Lisas innere Stimme ihr auch sagte, sie solle sich einfach höflich verabschieden und zusehen, dass sie die letzen paar Meter bis nach Hause hinter sich brachte, sie schaffte es dennoch nicht, ihre Augen von der dunkel gekleideten Gestalt vor ihr abzuwenden. Wie magisch angezogen wanderte ihr Blick vom Zylinder hinab über den schweren Mantel, dessen obere Knöpfe weit genug geöffnet waren, um einen Bausch weißer Rüschen hervorblitzen zu lassen. Und war das eigentlich schon seltsam genug (denn wer trug bitteschön noch Rüschenhemden?), so verschlug ihr der Anblick schwarz-weißer Lackschuhe dann doch fast den Atem.
Abgesehen einmal von der Eigenwilligkeit seines Kleidungsstils—wie um alles in der Welt konnte dieser Fremde sie in vollem Schwung auffangen, ohne auf den glatten Ledersohlen selbst das Gleichgewicht zu verlieren?
„Meine Dame? Ist alles in Ordnung?“
Der leicht besorgte Klang der nachtklaren Stimme ließ Lisa aufblicken. Sie fand das Gesicht des Fremden zum Greifen nah vor sich. Seine Augen musterten sie mit einer Ruhe und Kalkuliertheit, die Lisa einen neuerlichen Schauer den Rücken hinunterlaufen ließ.
„Ja, ja. Alles in Ordnung.“
„Sie schienen für einen Augenblick etwas abwesend zu sein.“ Ein warmes Lächeln umspielte seine Lippen, und seine rechte Hand erhob sich; strich mit kalten Fingern eine Haarsträhne aus Lisas Gesicht. „Ich befürchtete schon, Sie würden mir in Ohnmacht fallen.“
„Nein, alles in Ordnung.“ Wie hypnotisiert stand Lisa da, starr wie eine Salzsäule. Wieder flüsterte ihr Instinkt, dass sie sich nicht weiter aufhalten lassen sollte, doch das Flüstern war zum Hauch eines Echos abgeschwächt, den der Dezemberwind mit sich fortzutragen drohte.
„Gut, gut.“ Mit einem Kopfnicken trat der Fremde neben Lisa, wobei er einen Arm wie zum Schutz um ihre Schultern legte. „Nichtsdestotrotz werde ich Sie besser den Rest des Weges nach Hause begleiten. Wir wollen doch nicht, dass Ihnen auf dem letzten Stück noch etwas passiert.“
„Woher wollen Sie wissen—“
„Schlüsselklappern“, warf er ein, bevor Lisa ihre Frage zu Ende aussprechen konnte. „Offenbar kramten Sie in Ihrer Tasche nach Ihren Schlüsseln, als Sie ausrutschten. Daraus schloss ich, dass Sie nur ein paar Häuser entfernt wohnen müssen.“
Ein leichtes Nicken war alles, was Lisa erwiderte.
„Sollen wir?“ Mit seiner freien Hand bedeutete der Fremde Lisa, den Weg zu weisen.
Mittlerweile war jegliches Misstrauen dem sehnlichen Wunsch gewichen, schnell wieder nach Hause zu kommen, und so leistete Lisa der Geste Folge; selbst der Arm um ihre Schultern war ihr für den Moment nicht gänzlich unwillkommen, spendete die Berührung doch ein Fünkchen zusätzlicher Wärme.
Wortlos führte Lisa den Unbekannten in Richtung des Hauses, in dem sich ihre Wohnung befand. Im schwachen Licht der Straßenlaternen erhaschte sie einen kurzen Blick auf sein Gesicht, auf dem noch immer ein leises Lächeln verweilte. So seltsam dieser Typ auch sein mochte, sie musste zugestehen, dass er verdammt gut aussah. Wie einem anderen Jahrhundert entsprungen, aber ohne Zweifel eine Erscheinung, bei deren Anblick so manches männliche Model vor Neid erblassen würde. Kein Wunder, dass sie in seiner Gegenwart kaum ein klaren Gedanken fassen konnte. Nichtsdestotrotz wünschte Lisa, dass es jemand anderes wäre, der sie so kavaliersmäßig nach Hause geleitete.
Nach ein paar Schritten brach der Fremde das Schweigen. „Sie sollten übrigens wissen, Lisa, dass Ihr Freund Ihre Verabredung nicht vergessen hatte.“
Abrupt blieb Lisa stehen. Unbeirrt davon fuhr der Mann fort: „Er wurde in letzter Minute aufgehalten und konnte Sie nicht mehr erreichen. Da er jedoch besorgt um Ihr Wohl zu sein schien, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, persönlich dafür zu sorgen, dass Ihnen auf Ihrem Nachhauseweg nichts zustößt.“
„Sie . . . Sie sind ein Freund von Christoph?“
„Nun, Freund wäre etwas zuviel gesagt.“
„Aber was ist mit Christoph? Ich kann mir nicht vorstellen, was ihm dazwischengekommen sein könnte.“
Unter Andeutung eines Schulterzuckens sah der Fremde ihr in die Augen, mit einem Blick, der alles und gar nichts zu sagen schien. „Es tut mir leid, aber es ist nicht an mir, die genauen Umstände zu erklären.“
Skeptisch musterte Lisa seinen freundlich-neutralen Gesichtsausdruck. „Er hat doch keine kalten Füße gekriegt, oder?“
Für einen Moment runzelte der Mann die Stirn. „Kalte Füße? Kalte Füße . . . nein, nein, das war es nicht.“ Ein leises Lachen erhellte seine Mine. „Glauben Sie mir, junge Dame, Ihr Christoph hätte nichts lieber getan, als den Abend mit Ihnen zu verbringen.“
„Gehe ich recht in der Annahme, dass das alles ist, was Sie mir verraten werden? Dass er mich nicht vorsätzlich hat sitzen lassen?“
Ein leichtes Kopfnicken. „So ist es. Aber wollen wir nicht weitergehen? Sie müssen mittlerweile halb starr sein vor Kälte.“
So seltsam es auch war, die Kälte schien im Augenblick das geringste Problem darzustellen. Ganz im Gegenteil; das Gefühl der Wärme hatte sich auf Lisas gesamten Brustkorb ausgebreitet, und der leuchtend klare Blick des Fremden alleine ließ sie die vor Kälte prickelnden Beine und Füße vergessen.
Dennoch widersprach Lisa nicht, als er sich wieder in Bewegung setzte und sein Arm um ihre Schultern sie sanft mitzog. Nach einigen wenigen Metern war das Ziel erreicht.
„So, da wären wir. Nochmals vielen Dank.“ Mit einem verlegenen Lächeln drehte Lisa sich dem Fremden zu, so dass er wohl oder übel seinen Arm von ihren Schultern gleiten lassen musste.
Er schien es ihr nicht übel zu nehmen, sondern griff wie zum Gruß mit der Hand an seine Hutkrempe. „Wie ich schon sagte, es war mir ein Vergnügen. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend.“
Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte er sich zum Gehen, doch Lisas Stimme hielt ihn zurück: „Warten Sie!“
„Ja?“
„Verraten Sie mir noch eins: Wie konnten Sie aus dem Nichts auftauchen, als ich ausgerutscht bin? Ich bin mir sicher, dass ich bemerkt hätte, wenn Sie mir zuvor gefolgt wären.“
Ihr Kommentar wurde mit einem verschmitzten Lächeln quittiert. „Unter normalen Umständen bestimmt. Aber ich versichere Ihnen, ich habe Sie den ganzen Weg still begleitet.“
Lisa konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. „‚Den ganzen Weg still begleitet’ . . . das klingt fast so, als würde da ein Schutzengel sprechen.“
Mit einem seltsamen Blitzen in den Augen schüttelte er den Kopf. „Ein Schutzengel sicherlich nicht. Ich bin aus Fleisch und Blut.“
„Aber ungewöhnlich ist Ihr Auftreten schon—das müssen Sie zugeben. Was hat es überhaupt mit diesem Outfit auf sich, wenn ich fragen darf?“
Ein Schulterzucken. „Sagen wir einfach, ich bin ein wenig nostalgisch veranlagt, das ist alles. Manche Leute würden sagen, ich lebe in einer anderen Zeit, aber ihre Meinung kümmert mich nicht.“
„Es wundert mich, dass Christoph nie von Ihnen gesprochen oder uns einander vorgestellt hat. Ich dachte, ich würde all seine Freunde kennen.“
„Wir haben uns selbst erst kürzlich getroffen; das wird der Grund sein. Er hatte noch keine Gelegenheit, uns vorzustellen. A propos. . . .“ Er streckte seine rechte Hand aus. „Es scheint mir unfair, dass ich Ihren Namen kenne, aber Sie den meinen nicht. Ich heiße Allister.“
Mit einem leichten Stirnrunzeln legte Lisa ihre Hand in die seine, woraufhin er einen klassischen Handkuss vollführte—formvollendet; ohne dass die Lippen tatsächlich ihre Hand berührten.
„Allister klingt englisch.“
„Dann muss es wohl ein englischer Name sein.“ Mit einem Augenzwinkern ließ er Lisas Hand aus der seinen gleiten. „Aber ich werde jetzt besser gehen.“
Lisa zögerte einen Moment. „Ich möchte Sie nicht aufhalten, aber falls Sie sich kurz aufwärmen möchten. . . .“ Sie deutete in Richtung der Haustür.
„Vielen Dank für die Einladung, aber ich werde mich ebenfalls direkt nach Hause begeben. Zwar ist die Nacht noch jung, aber mein Durst nach . . . Unternehmungen ist aufs Erste gestillt. Ein anderes Mal gerne.“
„Wie Sie meinen. Dann noch einen guten Heimweg.“
„Ich werde ihn genießen, wenn auch nur halb so sehr wie in Ihrer Begleitung.“ Eine Hand fasste im Gruß an die Hutkrempe, dann wandte er sich um und schritt gemächlich und nahezu lautlos davon.
Lisa ihrerseits schloss mit zitternden Händen die Tür auf und trat ins Haus. Bevor sie jedoch die Tür zufallen lies, drehte sie sich noch einmal um und blickte auf die Straße hinaus. So sehr sie ihre Augen auch anstrengte, Christophs seltsamen Bekannten konnte sie nirgendwo mehr ausmachen. Es war als hätte die Erde ihn sprichwörtlich verschluckt. Mit einem ratlosen Kopfschütteln zog Lisa die Tür zu und lehnte sich von innen dagegen. „Seltsam. Wirklich seltsam.“
Ihre Gedanken wollten nicht von diesem merkwürdigen Zusammentreffen weichen, als sie die Treppen zu ihrer Wohnung hinaufstieg. Eines was klar: Wenn Christoph sich meldete, würde er ihr erklären müssen, wo um alles in der Welt er die Bekanntschaft dieses Allister gemacht hatte.
Kaum hatte sie den Gedanken vollendet, flackerten Bilder vor Lisas innerem Auge auf. Sie sah sich selbst draußen vor dem Kino stehen, Hände in den Manteltaschen vergraben, Ausschau haltend. Es war, als würde sie sich durch die Augen eines Dritten von der anderen Straßenseite aus betrachten. Dann das Gesicht des Mannes, der sich ihr als Allister vorgestellt hatte. Seine Lippen bewegten sich, doch es waren seine Augen, die alle Aufmerksamkeit auf sich zogen. Die Person, durch deren Augen die Ereignisse projiziert wurden, blickte kurz über die Schulter zurück, einen weiteren Blick auf Lisa erhaschend. Deutlich konnte sie die Dringlichkeit spüren, die in dem Blick mitschwang; den Anflug von Besorgnis. Es war genug um sicher zu sein, durch wessen Augen sie da blickte. Genug um ein Gefühl der Angst in sich aufsteigen zu fühlen, das ganz das ihre war. Schließlich Dunkelheit, begleitet von einem stechenden Gefühl an der Halsseite.
Überrascht griff Lisa nach dem Geländer, als sie das Schwindelgefühl überkam. Als sie wieder klar denken konnte, fand sie sich auf den Stufen der Treppe sitzend wieder, den metallischen Geschmack von Blut in ihrem Mund. Und die wohlige Wärme im Bereich ihres Décolletés war zu einem Brennen herangewachsen.
Reflexartig schob sie eine Hand unter den Mantel und griff an die Stelle, an welcher der Schmerz am größten war. Ein Zischen kam über ihre Lippen, als die Finger in Kontakt mit ihrer Silberkette kamen . . . und sich fast daran verbrannten, so heiß war das Kreuz, das in ihr hing.
‚Wie Sie sehen, Lisa, hatte Ihr Freund Sie in der Tat nicht vergessen’, ertönte in dem Moment eine samtige Stimme in ihrem Kopf, die Lisa sofort wiedererkannte. ‚Ich fürchte, es war meine Schuld, dass er Ihre Verabredung nicht wahrnehmen konnte. Aber ich werde mich bemühen, es auf meine Art wieder gut zu machen . . . wenn wir uns wiedersehen. Seien Sie gewiss, dass ich Ihre Einladung nicht vergessen werde.’
Dann endlich verstummt die Stimme, doch die letzten Worte hallten in Lisas Kopf wider. Einen Moment lang war sie wie gelähmt, dann rannte—nein stolperte—Lisa die restlichen Stufen zu ihrer Wohnung hinauf. Der Schrei, der währenddessen in ihr heraufkochte, war zu gewaltig; zu entsetzlich. Er blieb in ihrer Kehle stecken.
02.02.2005; ed. 07.02.2005