| Home Just In Communities Forums Beta Readers Dictionary Search | Login Register Extras |
Deux roses, black and white
Premier Chapitre
Schwarzer Wein – Blanche
Sie starrte auf das Plakat an dem grauen Stromkasten am Gehwegrand, tastete das Gesicht der zu vorderst abgebildeten Person mit ihren Blicken ab.
Er war wieder in der Stadt! Er war zurückgekehrt!
Eine seltsame Wärme umhüllte ihr Herz, ein leichtes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen, doch ihre Augen hatten einen beinah kalten, traurigen Glanz angenommen.
„Jean-By…“
Vorsichtig streckte sie eine behandschuhte Hand aus und fuhr fast zärtlich die Konturen des jungen Mannes auf dem Papier nach.
Am Freitag, 18. Februar, im Bronxx
„Jean-By…“
Der Raum im Kellergewölbe des Bronxx war düster, es roch vermodert, beinah nach Gruft, kalt, wahrscheinlich ausgelöst durch den Trockennebel, der vom Sockel der kleinen Bühne aus über den Boden hinweg in den Raum getrieben wurde.
Gelbe und grüne Scheinwerfer waren auf die Bühne vor der Tanzfläche gerichtet, Nebelpartikel tanzten gemächlich im starren Licht zur Rockmusik, die aus den Boxen neben der Bühne drang.
Blanche stand an einer der Säulen inmitten der Tanzfläche, sah sich scheu um, versuchte, manch schrägen Blick der seltsamen Gestalten zu ignorieren.
Natürlich hatte sie gewusst, dass sie auffallen würde, aber das hier hatte sie nicht erwartet.
Sie seufzte, strich sich eine Locke hinters Ohr und richtete ihre Aufmerksamkeit gebannt auf die Bühne, als die ersten Bandmitglieder diese betraten:
Der Lead-Gitarrist, vom Publikum aus gesehen auf der linken Seite der Bühne, schulterlange schwarze Haare, markantes Gesicht, eng anliegende schwarze Jeans, dunkelgraues Muskelshirt, seine schwarze Gitarre hielt er lässig in Nähe seiner Lendengegend, er grinste in die Menge; der Bassist auf der rechten Seite, ebenfalls in Schwarz gekleidet, allerdings mit dunkler Karo-Schirmmütze; der Keyboarder schräg hinter ihm in schwarzem Schlauchrock und eng anliegendem Shirt, seine blauschwarzen Haare lösten sich strähnchenweise aus dem kleinen Zopf und fielen ihm wirr in die Stirn; der Drummer, nur in verwaschener Jeans und mit schwarzer Krawatte um den Hals, fuhr sich einmal kurz über seinen schwarzen Erokesenschnitt, bevor er sich hinter sein Schlagzeug setzte und mit viel Körpereinsatz die ersten Takte anschlug.
Die Menge jubelte, im Raum wurde es dunkel, dann fiel der erste Spot auf den Keyborder, ein weiterer auf den Gitarristen, der ein Solo einlegte, bei dem begeisterte Zurufe aus dem Publikum laut wurden. Der dritte und der vierte Spot wurden auf den Drummer und den Bassisten gerichtet und nun erkannte man bereits die schwarzen Umrisse, die sich aus dem Kunstnebel erhoben.
Schreie, entzückt und erwartungsvoll, und das Licht zweier Scheinwerfer fiel auf die dunkle Gestalt am vorderen Rand der Bühne.
„Jean-By…“
Blanche krallte ihre Finger in den Stoff ihres Kleides.
Die Arme vor der Brust gekreuzt, die Augen geschlossen, stand der Sänger zunächst bewegungslos, bis er auf einmal die Augen aufschlug und mit tiefer Stimme die ersten Zeilen des Songs ins Mikro hauchte.
Der Raum war von Nebel, Düsternis und dunklem Rock erfüllt, die Konzertbesucher bewegten sich im schweren Takt der Musik, jubelten und applaudierten, als die letzten Akkorde gespielt waren und der Sänger die Hände ums Mikro schlang, sich lasziv vorbeugte, sodass seine langen Haare über seine Schultern glitten, und das Publikum begrüßte:
„Hello and good evening, guys! Wir sind Schwarzer Wein und das hier ist unser nächster Song!!“
Er drehte dem Publikum den Rücken zu, gab dem Drummer ein Zeichen, mit geschlossenen Augen lauschte er den Anfängen eines seiner neuesten Songs, in die sogleich die anderen Bandmitglieder einfielen.
Von harten Drums und dem tiefen Bass unterlegt, drang die melancholische Melodie, die der Keyboarder mit Begleitung des Gitarristen wie in Trance auf die Tasten zauberte, aus den Boxen; das Publikum klatschte erfreut, die Mädchen in den vorderen Reihen streckten begeistert ihre Hände nach den jungen Männern über ihnen aus.
Dann plötzlich Stille, keine Musik, nur die freudige Erwartung auf das, was kommen mochte.
Er liebte diesen kurzen, jedoch endlos scheinenden Augenblick, ein kleines Stückchen Ewigkeit.
Ein diabolisches Grinsen zeichnete sich auf seinen Lippen ab, als er sich schwungvoll umdrehte, die Augen öffnete und einen ganz bestimmten Punkt auf der Tanzfläche fixierte.
Im gleichen Moment stießen seine Kollegen und er das erste Wort des Songs sanft in ihre Mikrofone, bevor sie wieder mit der Musik einsetzten:
Blanche
Sie riss die Augen auf.
Er sah sie direkt an, schien nur sie zu sehen.
Ihre Knie zitterten, während ihr das Herz bis zum Hals schlug und sie jeden einzelnen Ton der Melodie bis in ihr Innerstes dringen fühlte.
You remember
Good old time
But it’ll never
Come back
Da stand sie nun.
Umringt von schwarz gekleideten jungen Frauen, die sich darum rissen, ihm so nah wie möglich zu sein und sei es nur für einen kurzen Moment, und Männern, die im hinteren Teil des Raumes bedächtig mit dem Kopf wippten.
Blanche
Ganz in Weiß unter den ganzen Gothic-Fans.
Sie hatte sich nicht verändert, sie sah noch immer so rein und unschuldig aus wie eh und je.
Und das mit ihren siebzehn Jahren.
The truth hurts, I know
We’re lost in the dark
Forever, mon amour!
So please, follow me
Sang er etwa zu ihr?
Meinte er sie, wirklich sie?
Die Worte trafen sie mitten ins Herz, sie fühlte die Tränen hinter ihren Augen und den harten Kloß in ihrem Hals, ihr Magen krampfte sich schmerzlich zusammen.
Nur er und sie existierten noch in diesem düsteren Gewölbe.
Blanche
Seine Hände umklammerten das Mikro.
Es war so lange her, woher kam dieses Ziehen in seinem Bauch?
You, angel in white
Me, devil in black
You’re evil for me
Ja, so war es.
So lange her und doch nicht abgeschlossen.
Seine Stimme zitterte, doch er hatte sich schnell wieder unter Kontrolle, schloss für einen Augenblick die Augen, konzentrierte sich auf die Musik.
Blanche
Als er die Augen wieder öffnete, stand sie noch immer wie gelähmt in der tanzenden Menge und blickte ihn an.
Er hatte sie erwartet, aber darauf war er nicht vorbereitet gewesen.
Mit seiner eigenen Verwirrung hatte er nicht gerechnet.
Look at me
Er sah sie an, hielt sie fest mit seinem Blick.
Virginity, my dear
Das teuflische Grinsen fand seinen Weg zurück auf seine Lippen, seine Augen funkelten gefährlich und lüstern und an ihrer Haltung konnte er erkennen, dass sie verstand und sich angesprochen fühlte.
Lost in the dark
With you til eternity
Er musste sie sehen.
Fin du Premier Chapitre
Salut! Tja, wieder was Neues von mir! Diese Story ist momentan der einzige Weg, um Ruhe und Geborgenheit zu finden, eine Art Flucht aus der realen Welt also. Ist für euch irrelevant, für mich aber sehr wichtig. Von allen meinen bisherigen Geschichten war mir diese hier noch vor Schreibbeginn extrem ans Herz gewachsen. Bitte schreibt mir, wie's euch gefällt, ja?
Alles Liebe Koishii