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Fiction » Fantasy » Words in Brighton font: B s : A A A . width: full 3/4 1/2
Author: color-of-her-eyes
Fiction Rated: M - German - Drama/Fantasy - Reviews: 2 - Published: 12-13-06 - Updated: 12-13-06 - id:2289591

"Words in Brighton"

Prelude:

Ned grub die Fäuste tiefer in die Manteltaschen und blickte leicht beunruhigt die Straße entlang.

Es war Dezember, doch Weihnachten war fern und keiner schien an die bevorstehenden Feierlichkeiten zu denken. Im Gegenteil. Londons Straßen wirkten so kalt und abweisend wie noch nie zuvor und was Schnee hätte sein sollen, war Asche und Staub, der von den Plätzen herüber wehte zu dennen die deutsche Bomber ihren Weg gefunden hatten. Die Wände der umstehenden Häuser waren grau, als hätten sie die Farbe verloren, wie die Leute ihre gute Stimmung, und sie schienen höher zu ragen als sonst. Drohend erhoben sich die Mauern und sollten sie getroffen werden, gäbe es keinen Fluchtweg für Ned, so dicht standen sie beisammen. Der Geruch, den sie verströmten war der einer kürzlich gereifeten Fäulniss, als hätten die Bewohner evakuiert und dabei alle Lebensmittel für den Schimmel offen stehen lassen.

Hier und da raschelte ein Vorhang, hastig zu geschoben bei dem Anblick einer fremden Gestalt in den Straßen und Ned war sich bewusst, dass trotz der Verwahrlosung sich immer noch Gestalten in den Gebäuden befanden. Gestalten, die nun jedem seiner Schritte folgten.

Ned seufzte und zog die Hutkrempe tiefer ins Gesicht, doch schob gleichzeitig die Brust nach vorne,

so dass das Kreuz, das er darum trug, sichtbar wurde.

Im selben Moment fegte ein Windstoss durch die Straße und es schien, als würde das ganze Viertel auf atmen an gesichts der Tatsache, dass es nichts schlimmeres als ein Priester war, der es durch wanderte.

Die Temperatur schien ein wenig zu steigen und Ned näherte sich der ersten Haustür.

Mit einem bestimmten Klopfen adressierte er das Holz, doch keiner öffnete ihm und das Innere blieb mucksmäuschen still.

Im Zweiten glaubte er gedämpfte Geräusche zu hören, kindliche Stimmen, die schnell unterdrückt wurden, doch auch hier wurde nicht geöffnet.

Die Reaktion, die er an der dritten Tür bekam, war jedoch um so schneller und verwunderlicher.

Noch bevor er seine Hand zum Klopfen erheben konnte, wurde die Tür auf gerissen und ein paar Zentimeter unter ihm stand ein junges Mädchen, das blonde Haar ungewaschen und zerwurschtelt, die Augen panisch und das gesamte Gesicht aufgebracht. Schweiss schien ihr auf der Stirn zu stehen, doch so mitgenommen sie auch wirkte, die Worte quellten aus ihrem Mund ohne Unterhalt.

"Sie sammeln Gaben für die Kirche, sir?"

Ned nickte knapp und fand sich im nächsten Moment mit einem Bündel aus dunklen, kratzigen Leinen im Arm wieder.

"Nehmen Sie, nehmen Sie es."

Ihr kleinen Hände drückten die Sachen fester gegen seine Brust und gleichzeitig fühlte sich Ned aus der Tür geschoben.

"Nehmen Sie es und machen Sie es gut", murmelte sie während plötzlich eine aufgebrachte Stimme im Hintergund ertönte.

Ned wusste nicht was sie brüllte, denn die Worte waren zu hastig, zu rau, beinahe zu alt, um verstanden zu werden, doch das Mädchen zuckte nur zusammen, warf ihm einen kurzen Blick zu und schloss dann die Tür vor seiner Nase.

Ned stand davor wie versteinert, die Augen auf das verzierte Holz gerichtet, doch eigentlich den Blick des Mädchens suchend, der sich vor einer Sekunde noch so dankbar in seinen gebrannt hatte.

Er hatte die Panik gesehen, die Hektik in jeder ihrer Bewegungen gespürt und doch hatte sie von dem Augenblick an, in dem das Bündel zu ihm über gegangen war, so erleichtert ausgesehen, dass sie beinahe zu lächeln schien.

Und dieses Lächeln hatte sich in seinem Kopf festgesetz, denn es war so lange her, dass er das letzte mal jemanden hatte lächeln sehen.



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