| Home Just In Communities Forums Beta Readers Dictionary Search | Login Register Extras |
Ich wollte mal meinen Penname erklären, und das hier ist dabei herausgekommen :).
Die gefrorene Königin
Frosterstarrtes Winterweiß
Die Wangen kalt, der Atem heiß
Geht er hinunter in das Tal
Wo vor Jahrhunderten einmal
Ein Königreich versank im Eis.
Aus der Ferne sieht er Höhen
Scharfe Schemen unter Schneewehen
Kaum noch erkennbar als Mauern und Haus
Eiswind pfeift aus Fensterhöhlen heraus
Und um Türme, die lang nicht mehr stehen.
Die knirschenden Steine der Gassen
Die Pracht all der uralten Straßen
Ist im endlosen Winter vergangen längst schon
Ist von Sonne und Wärme und Licht und auch Ton
In der ewigen Dämmerung verlassen.
Und er geht den verschneiten Hügel empor
Wo sich einst Fackellicht in der Weite verlor
Auf den hellblauen Treppen zum Marmorschloss
Dessen Höfe nun still sind, und so groß
Wie ein Drachenmaul gähnt das offene Tor.
Er kennt den Weg gut, ist nicht
Zum ersten Mal hier, sein Gesicht
Ist gerötet vom Frost und vom Bangen;
Die Dunkelheit nimmt ihn gefangen
Im Schloss ist mehr als nur fehlendes Licht.
Der Wind heult in marmornen Hallen
Irgendwo schabt es, wie von Krallen
Die Furcht bringt sein Herz zum Jagen;
Die Gänge und Kuppeln, sie klagen
Noch immer, doch die Schreie verhallen.
Durch Fenster in blausilbernen Tönen
Scheint ein Frostmond, er scheint zu verhöhnen
Des späten Besuchers so langsamen Schritt;
Und er fröstelt, ein seufzendes Echo hallt mit –
Aus der Tiefe ein schmerzdumpfes Stöhnen.
Das Mondlicht vertreibt alle Schatten
Die Mauern, die einst Farben hatten
Hauchen unheimlich seinen Namen
Sie, die einst Musik vernahmen
Hör’n nun nur noch die Stimmen der Ratten.
Und er steigt hinab in das tiefste Verlies
Das früher den Menschen nur den Tod verhieß
Dort findet er das, was er suchte
Das, was er auf ewig verfluchte
Weil es ihn, seit er’s sah, nie wieder los ließ.
Atemberaubend kalt ist hier unten die Luft
Und todesmorsch bitter, wie in einer Gruft;
Schwarz und ganz glatt ist der Sarg aus Stein
Der in der Mitte steht, wie ein Mahnmal, allein
Und der ihn unerbittlich zu sich ruft.
Der Sarg ist nicht abgedeckt, er sieht
Es ist eine Frau, die still darin liegt
So unversehrt wie am Sterbetag
So ernst und ruhig, wie’s nur der vermag
Der willkürlich, nach Wunsch, aus dem Leben schied.
Sie hat das schönste Antlitz, das er je gewahrt
Die Lippen blutrot, die Wangen blasszart
Und dunkelbraun und weich das Haar
Smaragdgrün ihr Kleid, und glänzend, fürwahr
Als hätt’ ihr der Tod das Vergehen erspart.
Er steht und starrt sie an, dies Bild
Vergangener Pracht, zugleich würdig und mild
Und trauernd fragt er sich, wer sie war
Berührt ganz behutsam und zögernd ihr Haar
Und erschrickt, es ist hart, wie ein eisiger Schild.
So kalt und hart ist auch ihre Haut
Und ihr Kleid und die Wimpern, so unvertraut
Ist es, er fühlt sich verloren
Es ist, als wär’ sie gefroren
Auf ewig erstarrt, ohne Blick, ohne Laut.
Und doch ist da ein Gespür, ein Hauch
Von Atem, und das Blut fließt ein wenig, auch
In seiner Brust stockt das Leben;
Er weint fast, spürt bohrend das Streben
Weiß nun, was geschah, jene Nacht voll Rauch.
Seine Seele vergeht in dem Grauen, darin
Erblickt er ihre Augen, feuerlodernd, der Sinn
Seines Lebens ist plötzlich eindeutig und klar
Wie Kristall, er versinkt ruhig, ganz und gar
In den schneeweißen Händen der Königin.