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Fiction » Fantasy » VS 1 Bekanntschaft font: B s : A A A . width: full 3/4 1/2
Author: Puh-Schell
Fiction Rated: M - German - General/Adventure - Reviews: 6 - Published: 04-26-07 - Updated: 04-26-07 - Complete - id:2353165

Epilog: Abschied

Natürlich hatte Silberklinge seine Gefährten zum Einhalten aufgerufen. Natürlich starrte Priester Toma entgeistert und etwas vorwurfsvoll in Darians Richtung. Natürlich freute Lydia sich darüber, dass ihr Notfallplan oder letzte Chance oder irgendetwas in dieser Art funktioniert hatte. Natürlich musste Darians Vater diesen Moment ausnutzen, um wieder rot im Gesicht und wütend zu werden. Wahrscheinlich, weil sein Sohn so idiotisch gewesen war, sich gefangen nehmen zu lassen.

Darian war nur froh, dass die Übelkeit in seiner Magengegend und diese komische Starre, die ihn gerade noch befallen hatte, plötzlich weg war.

Sein Atem ging in gleichmäßigen, kleinen Stößen, genauso, wie Kagami es ihm beigebracht hatte. Seine beiden Füße waren noch auf der Erde und standen fest, ebenfalls ein wichtiges Detail laut Kagami. So ruhig wie möglich, wenn man den Dolch an seiner Kehle bedachte, sah Darian sich nach Anzeichen der Geschwister um.

Er sah sie nicht, wusste aber, dass das nichts zu bedeuten hatte. Verstecken konnten sie sich gut und außerdem stand er jetzt mit dem Rücken zu den letzten paar Bäumen und Büschen, welche den Waldanfang markierten. Und dort hatten die anderen sich versteckt. Eine mögliche Rettung würde also von hinter ihm kommen.

„Jetzt sieht die Sache schon anders aus, nicht wahr, Paladin?!“, höhnte die Hexe über Darians Kopf hinweg. Silberklinge schien keine Antwort darauf zu wissen und deutete seinen Freunden nur an, sich Lydia in einer Linie gegenüber zu verteilen.

Darian achtete gar nicht auf das, was die beiden jetzt besprechen oder unter sich ausmachen würden. Er musste raus aus dieser Situation, so viel war ihm klar. Gedanklich ging er alles durch, was er von den Geschwistern gelernt hätte und ihm helfen konnte.

Lydia hielt ihn nicht für eine Bedrohung. Das war ein großes Bonus. Sie hatte keine Ahnung, dass er sie rein theoretisch töten konnte. Ihr herbeigezaubertes oder gerufenes Monster schaute nicht zu ihm, sondern zu dem vermeintlichen Feind: Silberklinge. Zweiter Bonus. Darians Freunde waren hinter ihnen, als Verstärkung. Dritter Bonus.

Darian hatte sein Schwert irgendwie gerade verloren, als Lydia ihn gegriffen hatte. Das war schlecht. Außerdem wusste er nicht, ob der komische Dolch an seiner Kehle nicht magisch oder vergiftet und somit durch einen Kratzer schon tödlich war. Auch schlecht.

Es war das Gefühl von Druck auf eine Stelle unterhalb seines Halses, die Darian handeln ließ. Lydias Arm war an das Medaillon von vorher geraten und hatte es in seine Haut gedrückt. Die Erinnerung an das Geschenk des Magiers hatte eine Art Kampfwut in Darian aufflammen lassen und der Dorfjunge besann sich der wenigen waffenlosen Kampftechniken, die Kagami ihm beigebracht hatte.

Lydia war leicht und hatte wenig Muskeln. Sie war eine Hexe. Es würde nicht schwer sein, sie nach vorne über sich hinweg zu ziehen. Er konnte ihren Arm, mit dem sie ihn festhielt, als Zugpunkt benutzen.

Lydia und Silberklinge sprachen noch miteinander, verhandelten über sein Leben. Darian überraschte alle gleichermaßen – vielleicht nur Kage nicht, doch den konnte er ja nicht sehen.

Mitten im Satz der Hexe machte Darian einen halben Schritt, um in eine bessere Ausgangsposition zu kommen, griff an Lydias Arm und tat einen schweren Satz nach vorne. Dabei duckte er sich runter auf den Boden und zog die überraschte und kreischende Hexe über sich hinweg, schmiss sie auf den Boden und sich auf sie drauf. Während sie auf den Boden klatschte, entriss er ihr fast automatisch den Dolch und rammte ihn blind einfach irgendwo nach unten.

Der dünne Blutstrahl kam unerwartet und traf sein Gesicht in vielen kleinen Tropfen. Einer landete fast in seinem Auge und ließ ihn blinzeln. Lydia röchelte, starrte verständnislos empor zu ihm und spuckte Blut.

Er hatte ihren Hals getroffen.

Das Ungetüm neben ihm verging mit einem Kreischen und einer komisch riechenden, gelben Wolke. Die Hexe atmete noch zwei, drei und ein viertes Mal, bevor ihre Bewegungen ganz aufhörten und ihre Augen sich verklärten. Der Blutstrahl hatte nur wenige Sekundenbruchteile angehalten und jetzt nur noch als ein langsames Rinnsal vorhanden, dass am hals der Hexe hinab lief und den umgebenden Boden dunkel färbte. Darian konnte kaum glauben, wie viel Blut in einem Menschenkörper stecken konnte.

Dumpf nahm er wahr, wie jemand nach ihm rief, jemand schrie, aber der rote Hals der Hexe ließ ihn nicht los, bis er jemanden an seiner Schulter zupacken und ihn hinauf wirbeln spürte. Erst da ließ er auch den Dolch los.

Es war Toma. Der Priester starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an. „Darian! Schau mich an, Junge.“ Irgendetwas in Darians Gesicht schien den Priester zu beruhigen, oder so aufzubringen, dass er sich um Darians Willen beruhigte. Auf alle Fälle wurden seine Augen normaler, sein Blick gefasster. „Bist du verletzt, Darian?“

Der Blonde schüttelte seinen Kopf. „Nein. Sie hat mich nicht erwischt.“ Er hatte sie erwischt.

Der Priester atmete hörbar auf. „Komm, Junge. Wir bringen dich in mein Haus… und waschen dir erst mal dein Gesicht.“ Toma wollte ihn an die Hand nehmen und führen, aber Darian nahm seine Hand weg und blickte in den Wald.

Die Geschwister waren nicht zu sehen, aber Niwa flatterte aufgeregt auf einem Ast umher und das war genug für den Dorfjungen im Moment. „Darian? Was ist Junge?“

Der Priester war besorgt, natürlich war er das. Silberklinge würde auch mit ihm sprechen wollen, wusste der Blonde. „Nichts, Priester Toma.“

Wie er sich schon gedacht hatte, kam Silberklinge näher, als er mit Toma in die Richtung des Haus des Priesters ging und musterte den Jungen. Eine Mischung aus Sorge, Wut und Nervosität lag auf den Zügen des Paladins. „Dir geht es gut?“

Darian erlaubte sich ein humorloses Lächeln. „So gut, wie es mir unter diesen Umständen gehen kann, Paladin Silberklinge.“ Der Paladin nickte. „Gut.“ An Toma gewandt fügte er hinzu: „Wir werden uns erst mal näher in der Umgegend umsehen, ob alle Gnolle tot sind oder sie Verstärkung hatte. Das muss mindestens ein ganzer Clan von den Dingern gewesen sein…“

Darian viel dem Mann ins Wort. „Im Wald, unweit vom Holzfällerlager liegen die restlichen Gnolle. Tot.“ Darian bemerkte die Monotonie in seiner Stimme kaum, aber die überraschten und besorgten Blicke der Erwachsenen sehr wohl. „Ich war im Wald. Wollte… einfach raus aus dem Familienhaus. Weg, kurzzeitig.“ Das Lügen fiel ihm plötzlich leicht. „Die Gnolle liegen da.“, fügte er noch einmal hinzu und ließ sich dann von Toma in dessen Haus führen, wo der Priester ihm erst mal sorgfältig das Gesicht wusch.

Als wenn das etwas daran ändern würde, dass Darian jetzt eine Person getötet hatte. Nicht nur ein Wesen wie einen Gnoll, eine echte Person. Auch wenn es eine böse Hexe gewesen war.

In Tomas Haus schien das Ganze langsam in den Hintergrund zu sinken. Lydia war tot, das Dorf gerettet, Darian hatte erste praktische Erfahrungen im Kampf mit anderen Menschen gemacht. Sein Gesicht war wieder sauber, seine Kleidung immer noch übersäht mit Blutspritzern. Von Lydia, von den Gnollen bevor.

Er saß an Tomas Tisch und sah zu, wie der Priester ihm einen Becher mit lauwarmen Tee in die Hand drückte. Der Blonde grinste schwach. „Kann man es diesmal ohne Gefahr trinken?“, murmelte er und brachte Toma so zum Stocken. „Ja, kann man.“, lächelte der Priester dann schwach zurück.

Vater Bilo zerbrach die nicht wirklich angenehme, aber entspannende Stille in der Küche des Priesters. Mit einem wütenden Ausdruck auf seinen Augen kam der alte Bilo ins Zimmer gerannt und baute sich vor seinem blutbeflecktem Sohn auf. „Was hast du dir dabei gedacht!? Was hast du getan!? Du idiotischer kleiner Bengel! Hatte ich dir etwas erlaubt, in den Wald zu gehen und Held zu spielen?!“

Darian sah die erhobene Hand seines Vaters, Paladin Silberklinge, wie er ebenfalls das Zimmer betrat und wusste, dass er gleich vor den Augen des Priesters und des Paladins eine Ohrfeige bekommen würde. Wenn er nichts dagegen tat.

Er duckte sich unter der Ohrfeige weg, ließ sich vom Stuhl unter den Tisch sinken und kam auf der anderen Seite des Tisches wieder hervor. Sein reichlich verdutzter Vater fing sich vom Ungleichgewicht durch die verfehlte Ohrfeige und drehte zu seinem Sohn um, jetzt einfach nur noch verwirrt.

Darian fing sich für einen Moment und grinste dann. „Du bist nicht so schnell wie ein Gnoll, Vater.“ Silberklinge nutzte diesen Moment, um ein blutiges Schwert – sein Schwert, das von Darian benutzte – auf den Tisch zu werfen. „Also hast du die Gnolle draußen im Wald getötet. Die beim Baum.“

Darian zögerte. Wenn er das behauptete, würde der Paladin nachfragen, wieso er diese Anzahl von Gnollen alleine aufhalten konnte, wo er das gelernt hatte. Und die Geschwister waren noch immer sein Geheimnis, das er für sich behalten wollte. Er wollte mit ihnen zusammen weg aus diesem Dorf, weg von seinem Vater und dem Rest. Der alte Bilo würde das sicherlich zu verhindern wissen, wenn er von den Plänen seines Sohnes bescheid wusste.

„Nein. Nicht alle.“ Mit einem Achselzucken gab der Dorfjunge zu: „Nur drei.“ Und das war die Wahrheit. Er hatte nur drei von ihnen erledigt. „Der Rest war schon tot.“ Das stimmte auch… fast. Die Geschwister waren schneller gewesen als er, somit waren ihre Gnolle auch schneller tot gewesen.

Als Silberklinge seinen Mund aufmachen wollte, fuhr Darian ihm direkt dazwischen. „Und ja, ich weiß, dass das Euer Schwert ist und ich es mir nicht hätte nehmen sollen… aber Ihr hattet drei Stück dabei. Die hättet Ihr eh nicht alle gleichzeitig benutzen können.“ Fast schon schmollend verschränkte Darian seine Arme und sank in einen der um den Tisch herum stehenden Stühle. Er wollte raus aus dem haus des Priesters und weg von dem Paladin. Kage hatte schon gut gewusst, warum er Silberklinge nichts zutraute. Der Mann hatte sich von einer blutjungen Hexe reinlegen lassen.

„Woher kannst du mit einem Schwert umgehen?“, fragte besagter Paladin den Dorfjungen.

Dieser sah den Mann nur augenrollend an. „Man nimmt sich eins und übt. Oder habt Ihr Euers anders handhaben gelernt? Göttliche Eingebung vielleicht?“ Im selben Moment, als die Worte aus seinem Mund kamen, wusste Darian, dass er etwas falsches gesagt hatte.

„Darian!“, rief Priester Toma pikiert und der Dorfjunge fuhr zusammen und ließ den Kopf hängen. „Verzeihung. Das war nicht so gemeint. Entschuldigung auch noch mal wegen Eurem Schwert, Paladin Silberklinge.“

„Das man bitte von meinem Tisch entfernen könnte.“, fügte Priester Toma hinzu.

Silberklinge seufzte, räumte das Schwert wie gewünscht weg und setzte sich dann neben Darian hin. Dem alten Bilo, der das ganze nur mit wütenden Augen zusah, sandte er nur einen kurzen Blick. Daraufhin verschwand Darians Vater wortlos.

Der Dorfjunge grinste. „Ihr müsst mir unbedingt beibringen, wie man das hinkriegt.“ Silberklinge grinste nicht und auch schon bald hatte Darian seines verloren. „Ich will von dir wissen, wie du auf die Idee gekommen bist, da mit einem Schwert raus in den Wald zu gehen – und woher du wusstest, wo die Gnolle zu finden waren.“

Darian rümpfte seine Nase. „Ich wusste nicht, ob und wo da Gnolle waren. Ich wollte nur weg. Aus dem Haus.“ Der Blonde schnaubte. „Und mit dem Schwert fühlte ich mich sicherer.“

Der Paladin glaubte ihm nicht, dass spürte Darian. „Also gut, Darian.“, gab Silberklinge dann auch endlich von sich. „Wir wissen beide, dass das nicht ganz stimmt. Wie wäre es damit… ich bitte Toma, kurz draußen zu warten und wir beide reden in Ruhe über das, was heute passiert ist und du erklärst mir, was draußen im Wald vorgefallen ist.“

Diese Variante mochte der Blonde nicht wirklich. Er wollte nichts über die Geschwister erzählen. Erst recht nicht diesem fremden Mann. Kage mochte den Paladin nicht und das war Grund genug für Darian, dem Älteren nicht zu vertrauen. Außerdem war das Ganze irgendwie auch Silberklinges Schuld.

„Heute wäre viel weniger passiert, wenn Ihr das Dorf vorgewarnt hättet. Ihr wusstet doch, dass hier etwas Schlimmes in der Gegend ist. War. Und trotzdem habt Ihr die Holzfäller gehen lassen.“

Der Priester stöhnte leise und sah dann Silberklinge an. „Ich überlasse euch beiden kurz einmal meine Küche.“ Toma schien kurz zu zögern, bevor er sich ein Herz fasste und noch hinzusetzte: „Ihr solltet dem Jungen vielleicht einiges erklären. Paladin Silberklinge.“

Zu dieser Erklärung kam es jedoch nicht, denn genau in dem Augenblick, als Toma durch die Tür verschwunden war und Silberklinge seinen Mund aufmachte, hörte man von draußen, außerhalb des Hauses, Geschrei und Gebrüll. Lautes Gebrüll. Nicht menschliches Gebrüll.

Silberklinge und Darian sprangen auf vom Tisch und hechteten hinaus ins Dorf. Geschockt blieben beide stehen und starrten. Sie hatten vieles erwartet… eine Rückkehr des von Lydia beschworenen Monsters vielleicht, einige übrig gebliebene Gnolle oder ein verschrecktes Tier, dass durch den Kampf und den Lärm ins Dorf gestürzt war, verwirrt und verängstigt… Keiner von beiden war jedoch für das gut drei Meter große, grau-blaue Ungetüm, dass kreischend durch das Dorf trampelte.

Das… Ding… hatte keine Ähnlichkeit mit irgendetwas, das Darian je gesehen oder gehört hatte. Es war einfach nur groß, dick, kräftig und besaß zwei Arme und zwei Beine, einen Kopf und ein großes, starrendes Auge. Im Mund des Wesens fletschten riesige Reißzähne und Krallen an den prankenartigen Händen deuteten auf die Gefährlichkeit des Dinges hin. Der Rest des Wesens war jedoch unbeschreiblich, da es zu verschwimmen schien, je deutlicher man es anstarrte. Als wenn es nicht gesehen werden wollte.

„Darian, bleib hier an der Hauswand.“, kommandierte Silberklinge und stürzte zu seinen Freunden, die das Ungetüm bereits umkreist hatten. Diesmal würde der Dorfjunge dem Paladin sogar gehorchen. Niemals würde er sich mit diesem Ding anlegen.

Während die Paladine das Ding umzingelten und angriffen und die Dörfler in die relative Sicherheit ihrer Häuser flohen, schaute Darian dem Spektakel zu. Bis eine Hand auf seiner Schulter landete und ihn um die Ecke von Tomas Haus zog.

„Na endlich.“ Es war Koji. „Dachte schon, du würdest da drin auf ewig festgehalten werden. Jetzt komm schon, Kages Illusion wird nicht mehr lange halten. Der große kann das nicht so gut.“

Der blonde Dorfjunge blinzelte. „Das ist eine Illusion?“ Koji kicherte leise. „Natürlich. Die beste, die Kage zur Zeit hinkriegt. Wenn er sich anstrengt. Jetzt mach schon, wir müssen hier weg, solange die abgelenkt sind.“ Ablenkung. Das war nichts weiter als eine Ablenkung.

Darian ließ sich von dem Barden führen; hinaus aus dem Dorf, vorbei an der alten Scheune, bis zur kleinen Lichtung mit der Trauerweide. Ein erschöpft aussehender Kage stand dort, an den Baum gelehnt, Kagami neben ihm, ihn mit einer Hand stützend. Koneko lief in kleinen Schritten auf und ab. Das Simulacrum war nirgends zu sehen.

Kage musterte Darian stumm, während der Dorfjunge zu ihm geführt wurde. Erst als Darian kurz vor ihm stand, lächelte der Magier schwach und fuhr ihm durch die Haare. „Das mit Lydia hast du gut gemacht. Kagami ist ganz groß vor Stolz geworden.“

Mit diesen Worten war es, als wenn eine riesige Bürde von Darians Schultern genommen worden war. Sein Körper entspannte sich sichtlich und es war, als wenn er wieder etwas freier atmen konnte. „Ja?“, hakte er einsilbig nach, plötzlich wortlos im Gegensatz zu seinem Gespräch mit Silberklinge vorhin.

Der Krieger ließ seinen Bruder an den Baum gelehnt stehen und nahm Darian in eine einarmige, lose Umarmung. „Ja. Das war ein kluger Schachzug von dir. Und gut durchgeführt. Sie hat es nicht mal kommen sehen.“ Und erst damit, mit diesen Worten, ist Lydias Tod – ihr Mord – auf einmal etwas Akzeptables für Darian. Er hatte nur sein Dorf beschützt. Seine Familie. Seine Heimat. Sich gewehrt. Da war nichts Böses dabei.

Koneko stoppte ihr Schreiten. „Ich unterbreche euch nur ungern, aber wir müssen uns jetzt entscheiden.“ Der Dorfjunge blinzelte verwirrt. „Entscheiden?“

Kage und Kagami sahen ihn an. Der Magier lächelte müde. „Wir ziehen weiter… Silberklinge ist nicht unsere Vorstellung von guter Gesellschaft.“ Darian fühlte einen Stein in seiner Brust. Der Magier fuhr fort. „Wir wollen noch vor dem ersten Schnee in Kupferfels ankommen. Wenn du mit willst,“ der Magier lächelte, „muss du dich jetzt entscheiden.“ Kagami fügte hinzu: „Wenn du mitwillst, dann sag einfach ja und wir gehen sofort los. Wenn nicht, dann kannst du zurück ins Dorf gehen. Das Simulacrum ist bereits zerstört.“

Darian schluckte und wurde sich plötzlich des Beutels bewusst, den er den ganzen Tag schon mit sich herum geschleppt hatte und in dem seine quasi Ausrüstung lag. Wenn er jetzt ging, würde er seine Familie wahrscheinlich sehr lange nicht mehr wieder sehen. Seiner Heimat den Rücken kehren. Das Dorf Kuppen verlassen.

Aber das würde ja nicht das Ende sein, erst der Anfang eines neuen Lebens. Die Geschwister wollten ihn dabei haben… er würde die Welt sehen können und vielleicht sogar irgendwo etwas finden, dass er für den Rest seines Lebens machen wollte. Bauer sein wollte er jedenfalls nicht.

„Ich komme gern mit.“

Kagami und Koneko lächelten, Koji grinste. Kage zog nur leicht seine Mundwinkel nach oben, aber seine Augen lachten auch. Der Magier löste sich vorsichtig vom Baum. „Na dann lasst uns gehen… Wir sollten uns beeilen, bevor Silberklinge böse wird, dass wir ihm schon wieder einen Streich gespielt haben.“ Kagami lachte leise und half seinem Bruder mit einer Hand beim Laufen. Der Zauber musste ihn wirklich mitgenommen haben.

Darian lief hinter den beiden ältesten Brüdern her, Koji und Koneko ein Stückchen hinter ihm. Sie waren noch keine zehn Schritte gegangen, als Niwaka-ame aus dem Blätterdach des Waldes herunter flog und sich behutsam auf Kages Schulter setzte. „Ja Niwa, wenn man uns nur auch tragen würde.“, kommentierte der Magier schmunzelnd die Tat seines Raben und die anderen Geschwister lachten oder lächelten.

Darian lächelte auch. Einen kurzen Augenblick dachte er zwar an seine Familie, aber die Zweifel verflogen schnell. Er konnte es gar nicht erwarten, was sein neues Leben alles mit sich bringen würde.


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