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Fiction » General » Postkartengeschichte font: B s : A A A . width: full 3/4 1/2
Author: Koishii
Fiction Rated: K+ - German - General - Reviews: 1 - Published: 12-03-07 - Updated: 12-03-07 - Complete - id:2446147

Der morgendliche Nebel schleicht durchs Gras, umfängt die Bäume und verschlingt sie. Das saftige Grün wird dumpf, der Himmel grau, ja trüb. Feuchtigkeit steigt vom Boden herauf, sie ist kalt und riecht modrig.

Die Stille dröhnt laut in meinem Kopf und macht mir Angst. Sie hetzt mich.

Ich höre das schwere Schnaufen meines Pferdes, aber nicht meinen Herzschlag.

Von weither dringt das Läuten einer Kirchenglocke zu mir durch und mir wird bewusst, dass ich in die Falle getappt bin.

Hinter dem Nebel, hinter dem Wald wartet schon der Tod.

Allmählich erkenne ich das Licht der brennenden Fackeln, ich höre die Rufe, das Grölen der Dorfleute, die bereits auf mich warten. Das Läuten der Glocken wird lauter und dröhnender, dann reite ich durch die letzten Baumreihen hindurch und sehe mich der versammelten Dorfgemeinschaft gegenüber.

Sie sehen mich hasserfüllt an, die Flammen der Fackeln werden von ihren weit aufgerissenen Augen reflektiert, der beißende Geruch des Feuers und dessen Rauch treiben ihnen und auch mir die Tränen in die Augen. Die Männer unter ihnen halten auch Mistgabeln und Äxte in den Händen, dieser Anblick lässt mich schaudern.

Der Dorfpfarrer tritt aus der Menge hervor, gefolgt von ein paar Bauern, die mich grob von meinem Pferd reißen und mich fesseln. Ich leiste keinen Widerstand, ich weiß, dass sich das nicht mehr lohnt, weil ich bereits alle Beweise geliefert habe, die für die Verurteilung ausreichen.

Das Seil ist rau und reißt mir die Haut an den Handgelenken auf. Die Männer stoßen mich, um mich zum Gehen zu bewegen, ich stolpere und falle in eine Schlammpfütze, einer der Männer drückt mich mit seinem Fuß weiter in den Matsch hinein und die Masse lacht. Ich nehme es ihnen übel, dass sie mich derart verhöhnen, nicht, dass sie mich verurteilen. Wäre ich an ihrer Stelle würde ich sicher auch so handeln.

Wer will schon zugeben, dass er freiwillig Hilfe bei mir geholt hat? Sie dort war bei mir, um sich einen Trank mischen zu lassen, der ihren Mann zärtlicher werden ließ. Er in der letzten Reihe verlangte ein Mittel, um seine schwache Männlichkeit zu stärken. Und die beiden Frauen hier vorn, die eine kam zu mir, weil sie ein Kind empfangen, die andere, weil sie ein Kind, das nicht von ihrem Manne war, loswerden wollte. Ich habe ihnen allen geholfen. Und ich würde es jederzeit wieder tun. Aber wenn ich an ihrer Stelle wäre, dann würde ich mich auch verurteilen.

Der Dorfpfarrer, der selbst auch einmal bei mir war, weist die Bauern an, mich durch die Menge auf den Kirchplatz zu bringen. Die Masse teilt sich, die Menschen springen zurück, sie haben Angst vor mir und ich funkele sie böse an, um meine eigene Angst zu überspielen.

Steine treffen mich, Fackeln werden dicht an meinem Körper vorbeigeschwenkt, die Hitze versengt mir die Haare und brennt Löcher in mein Kleid, das voll gesogen ist mit Wasser und Schlamm.

Der Platz ist bereits hergerichtet, Holzscheite stützen ein kleines Podest, auf dem senkrecht ein kahler Baumstamm befestigt ist, alles schön bedeckt mit trockenem Reisig und Stroh. Sie haben sich soviel Mühe gegeben und nun fängt es an zu regnen. Ganz feiner Nieselregen fällt auf uns herab, mir ist noch immer kalt, mein Kleid ist nass, der Regen kitzelt mich im Nacken und auf meinem Gesicht.

Ich werde auf den Scheiterhaufen gezogen und an den Baumstamm gefesselt. Das Seil schneidet mir in die Oberarme und die Brust, reißt mir die Haut an den Oberschenkeln auf und wird so fest gespannt, dass mir die Luft wegbleibt.

Der Dorfpfarrer zückt eine Papierrolle und verliest die Anklage. Ich verstehe nur die Hälfte davon, weil die Menge grölt und schreit und weiter Steine nach mir wirft. Auch so weiß ich, dass ich der Hexerei und des Kindmords angeklagt und zum Tode durch den Scheiterhaufen verurteilt werde. Wie vielen Kindern habe ich das Leben geschenkt? Wie vielen das Leben genommen? Die Kinder, die leben, überwiegen, eines der Kinder, das nicht mehr lebt, war mein eigenes. Auch deshalb werde ich verurteilt. In den Augen der Dorfbewohner bin ich so kaltblütig und abgebrüht, was fällt mir ein, mein eigenes Kind zu töten, schlimm genug, dass ich anderer Kinder Leben nahm.

Der Regen wird stärker oder sind es Tränen? Verschwommen sehe ich, wie einige der Männer ihre Fackeln auf das Stroh werfen, das nun schwer Feuer fängt, weil es feucht geworden ist. Ich höre den Pfarrer mit leiernder Stimme Gebete sprechen, die mir offenbar doch noch helfen sollen, im Fegefeuer gereinigt zu werden. Ich weiß nicht, ob mir das noch helfen wird, das Stroh fängt endlich Feuer, das sich schnell ausbreitet.

Ich strecke den Kopf gen Himmel und sehne mir meinen Liebsten und mein Kind herbei, ich höre das Gelächter der Menschen, die Schreie, die Kirchenglocken.

Dann erreichen mich die Flammen.



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