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Fiction » Biography » Erinnerungen font: B s : A A A . width: full 3/4 1/2
Author: S.M.Cortelly
Fiction Rated: K - German - Romance - Reviews: 4 - Published: 09-08-08 - Updated: 09-09-08 - id:2569324

Danke Franzi und Issachar, ihr guten Seelen.

Ja, es ist schlimm. Ich verhänge mich in meinem eigenen Gefühlschaos.

Ich bin seit knapp 5 Monaten getrennt, und komme irgendwie mit mir selbst nicht klar... fürchte ich.


Ich erinnere mich an einen Jungen.

Er war zweieinhalb Jahre jünger als ich. Was etwas ausmacht, wenn man selbst erst im 16. Lebensjahr ist. Dennoch war ich so glücklich mit ihm.

Unsere Beziehung hatte einen besonderen Reiz, da wir zusammen im Orchester spielten, und unsere Mitspieler eigentlich nichts davon mitbekommen sollten. Ich wusste, ich bin eigentlich schon zu alt, wollte deswegen den anderen nichts sagen. Ob ich im Kopf hatte, dass alles komisch wäre, wenn wir mal nicht mehr zusammen wären, weiß ich nicht mehr.

Wir trafen uns vorher, heimlich. Im Wald, schmusten eine Stunde auf einer Bank, und gingen dann zur Probe, etwas versetzt. Er musste noch sein Fahrrad anschließen, daher war ich immer etwas eher als er im Gebäude.

Es war schön, ihn mir gegenüber zu sehen. Wir lächelten uns an, packten unsere Instrumente – natürlich rein zufällig – nebeneinander aus und hatten nach der Probe immerhin noch ein paar Meter zusammen. Verabschieden konnten wir uns nicht richtig, eine kurze Umarmung musste reichen. Und sie reichte, weil wir uns meistens Freitag schon wieder sahen.

Wir hatten nie überlegt, was wir machen, wenn uns jemand begegnen würde. Eines Nachmittags aber kam ich gerade aus der U-Bahn-Station und wir begrüßten uns, da sahen wir noch jemanden aus dem Orchester. Ein Geigenspieler, genau wie mein damaliger Freund, der auch noch mit ihm an einem Pult saß. Er fragte natürlich, was wir machen würden.

Und wir stotterten uns eine Geschichte zusammen, dass sich unsere Eltern kennen würden, und dass wir uns zum Kaffeetrinken treffen und wir vielleicht auch ein bisschen Musik machen wollten und das war nicht zu Hause, und er hatte aus einem wichtigen Grund schon seine Geige dabei.

Der Typ hat uns die Geschichte ohne zu zögern abgekauft.

Aber es hat unserer Beziehung wieder diesen Kick verliehen. Wir haben etwas, was keiner weiß, was uns gehört.

Nach und nach erzählten wir einem kleinen Kreis von uns. Und irgendwie bekam unsere Dirigentin Wind davon, sie sprach aber nie mit uns darüber oder kommentierte es in irgendeiner Weise.

Und so wussten fast nur wir, dass wir mehr als Orchesterfreunde waren. Wenn wir unsere Instrumente nebeneinander auspackten, uns anschauten und auf Freitag freuten, uns dieses schöne warme Gefühl im Bauch hatten, das wir einander hatten.

Er schrieb mir ein Gedicht. Es war so voller Liebe, ich musste vor Rührung weinen.

Die Zeit mit ihm war schön.

Ich erinnere mich nicht mehr, wie ich ihn verletzen musste, als ich ihm sagte, er wäre zu jung für mich. Da ist nur noch die dumpfe Erinnerung, wie er mich anschaute, als wir das nächste Mal zusammen im Orchester spielten.



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