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Titel: Bleeding Love
Teil: 1/6
Autor: Ayu
Rating: PG-16
Claimer: Alle hier aufgeführten Charaktere entstammen meiner und Ihus Fantasie. Jegliche Ähnlichkeit mit Realen Personen ist Zufall. Auf das Lied „Bleeding Love“ erhebe ich natürlich keinerlei Ansprüche!
Prompt: 074 Erschaffen
Word Count: 1.626
Anmerkung: Nachdem ich das Lied „Bleeding Love“ von Leona Lewis hörte musste ich irgendwie an Lily und Mikail denken. Und auch wenn die Charaktere außer Ihu und mir noch keiner kennt und ich mir daher nicht sicher bin ob man das hier versteht musste ich es trotzdem schreiben.
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Es war ein stürmischer Tag in St. Eden. Seit Tagen hatte die Sonne sich kaum am Himmel gezeigt, verdeckt von schweren Regenwolken, die darauf bedacht waren ihre schwere Last genau über dieser Stadt niederprasseln zu lassen. Kaum ein Mensch wollte bei einem solchen Wetter lange draußen bleiben und doch sah man einige vereinzelte Wesen, die durch die Straßen huschten, auf dem Weg zu ihren Zielen. Fast schon unwirklich erschien einem da die junge Frau, die durch die dunklen, nassen Straßen wanderte, ihre kurze Lederjacke fest um ihren Körper geschlungen. Sie gab ihr kaum Schutz vor dem Regen und der Kälte, die sich durch die Nässe in ihrem Körper ausbreitete. Ihre Haare klebten ihr bereits im Gesicht und ihre schwarze Schminke war verlaufen, aber das schien sie nicht weiter zu stören. Für einen Moment gen Himmel schauend schien auch sie ihr Ziel endlich erreicht zu haben, als sie einen Schlüssel aus ihrer Jackentasche zog und die unscheinbare Tür vor sich öffnete.
Leicht zitternd schüttelte Lily sich kurz, blickte sich im dunklen Flur ihrer Wohnung um, während sie ihre Schuhe auszog. Die Jacke von ihrem nassen Körper zerrend und unachtsam in eine Ecke werfend, ging sie mit hastigen Schritten weiter in Richtung Badezimmer, wo sie sich ihrer Sachen entledigte und unter die Dusche stieg. Das warme Wasser fühlte sich seltsam an. Für einen Moment wünschte sich die Rothaarige schon wieder nach draußen in den Regen, der ihre melancholische Stimmung so gut unterstrich, doch sie konnte es sich nun einmal nicht leisten krank zu werden.
Über sich selbst den Kopfschüttelnd drehte sie schließlich das Wasser ab und wickelte sich in ein großes Handtuch ein, welches nur kurze Zeit später durch Alltagskleidung ersetzt wurde.
Ihre Hände in den Ärmeln ihres Schwarzen Pullovers versteckend, ließ Lily sich an ihrem momentanen Lieblingsplatz, der Fensterbank, nieder und blickte hinaus in die graue, kalte Welt die es nicht interessierte was in ihr geschah. Sie wusste nicht, wie oft sie nun schon hier gesessen hatte und ihren Gedanken nachgehangen hatte, aber and diesem Ort schien die Zeit um sie herum einfach still zu stehen. Egal wie viele Tage auch vergingen, alles schien einfach beim Alten zu bleiben. Ein leichtes, wenn auch trauriges Lächeln, umspielte ihre Mundwinkel als sie mit einer Hand die Regentropfen nachfuhr, die an ihrem Fenster hinunter glitten. Wie unendlich viele Tränen kam sie ihr vor. Auch schon, als sie noch draußen gestanden hatte. So viele kleine Tränen, die vom Himmel vielen und niemand da um sie aufzufangen. Und wieder einmal musste sie an Mikail, Eve, Chase und all die anderen denken, die sie dort oben zurückgelassen hatte um noch ein wenig Zeit in ihrem irdischen Leben zu verbringen, bevor sie sich ihrer Aufgabe stellte und ihren Platz im ewigen Gefüge einnahm. Und wie immer in solchen Momenten hingen ihre Gedanken besonders bei Mikael, den sie nun schon so lange nicht mehr gesehen hatte, von dem sie sich nicht einmal richtig verabschiedet hatte, dem sie nicht gesagt hatte, dass sie hier bleiben würde, bis sie sich sicher war ihren Traum erfüllt zu haben. Für ihn war die Zeit unbedeutend und für ihn verging die Zeit auf der Erde wie im Flug, doch sie war hier und selbst wenn es für ihn nur ein kurzer Augenblick war, so war es für sie eine Ewigkeit. Niemals, ja wirklich niemals hätte sie gedacht, dass es für sie möglich sein würde eine andere Person so sehr zu vermissen, wie ihn. Einzig Chase hatte es jemals geschafft, dass sie sich dermaßen hilflos und alleine gefühlt hatte und auch er hatte es niemals beabsichtigt. Aber Mikail war anders als Chase, er hielt ihr Herz fest, so wie sie seins in ihren Händen hielt.
„Du weinst doch nicht etwa, oder?“, murmelte sie leise vor sich hin. „Das würde dir sicher nicht stehen.“
Und sie wollte nicht daran denken, dass es wirklich so sein konnte. Es war nicht das erste Mal, dass sie ihre Entscheidung vorerst auf der Erde zu bleiben bereute. Vielleicht hätte sie es Eve gleichtun sollen und mit ihr zurückkehren sollen in das Chaos, das sie zurück gelassen hatten. Aber alles wurde neu aufgebaut und bald würde es egal sein, welcher Seite man vorher angehört hatte. Ob man „Gut“ oder „Böse“ gewesen war. Aber davon würde sie nichts mitbekommen, denn sie war hier und lebte ein Leben, dass sie haben wollte auch wenn es nur ein kurzer Augenblick in der Ewigkeit sein würde.
Aber genau das war es doch, weswegen sie sich keine Sorgen machen sollte, oder? Sie würde die Ewigkeit an seiner Seite verbringen können. Zusammen mit Eve, Katan und ihrem Bruder. Was waren ein paar Jahre, die dort oben nichts weiter bedeuteten schon?
Leicht nickend erhob die Rothaarige sich von ihrem Platz und streckte sich erst einmal ausgiebig. Die Kälte des Tages war noch immer nicht ganz aus ihrem Körper gewichen, doch sie würde versuchen Wärme um sich herum aufzubauen. Mikail würde es sicher nicht gutheißen, wenn sie hier unten in Selbstmitleid versank. Stattdessen sollte sie sich lieber mal wieder um ihre Arbeit kümmern. Immerhin rückte der Termin für ihr nächstes Album immer näher und sie hatte immer noch nicht alle Lieder geschrieben. Jonathan würde ihr die Ohren lang ziehen. Ein leises Lachen entwich ihrer Kehle, als sie an ihren Cousin dachte. Jonathan hatte sich in den Jahren in denen sie fort gewesen war so sehr verändert, dass sie ihn beinahe nicht wieder erkannt hätte. Er war so anders als sie und Chase. So viel ruhiger und vernünftiger und somit genau das, was sie jetzt brauchte. Lily war ihm wirklich dankbar, dass er sie immer an ihrem Platz hielt, wohl wissentlich, dass sie teilweise zu viele andere Dinge hatten, die sie beschäftigten. Dinge von denen er zwar wusste, aber die er niemals vollkommen verstehen würde.
„Grübelst du schon wieder?“ riss sie eine Stimme aus ihren Gedanken. Bei der Mischung aus Amüsement und Frust die ihr mit diesen paar Worten entgegengebracht wurde, brauchte sie sich nicht einmal umzudrehen um zu wissen, wer dort gerade das Zimmer betreten hatte.
„Eigentlich musste ich gerade an dich denken, J.“ lachte Lily, als sie sich mit einem Grinsen zu ihm wandte und ihn mit gehobener Augenbraue musterte. Früher hätte dieser Blick den braunhaarigen, jungen Mann verunsichert, aber mittlerweile kannte er seine Cousine gut genug um zu wissen, wann man vorsichtig sein musste. Und auch wenn sie heute in einer seltsamen Stimmung war, so schien doch alles in Ordnung. Zumindest das was man bei ihr Momentan so als „in Ordnung“ bezeichnen konnte.
„Ach, wie komme ich zu der Ehre?“
Einen Moment lang sah Lily ihren Cousin einfach nur an, ehe sie schließlich langsam zu ihm rüber schlenderte und einen Arm um ihn legte. „Jonathan… Du liebst mich, nicht wahr?“ fing sie an und ein breites Grinsen legte sich auf ihr Gesicht. Das alleine war genug um Jonathan einen Schritt zurückweichen zu lassen. Was auch immer Lily vorhatte, es war vermutlich nichts Gutes. Wie immer, wenn sie solche Fragen stellte. Er betrachtete sie misstrauisch und musterte sie von oben bis unten als wolle er direkt in ihr Innerstes sehen um das Geheimnis zu erfahren. Doch sehr zu seinem Leidwesen hatte man Lily nie einfach lesen können und so stand sie dort mit einem unschuldigen – nun ja, so weit das bei ihr zumindest möglich war – Gesichtsausdruck vor ihm und sah ihn abwartend an.
„Was willst du, Lily?“ fragte er sie schließlich, da es offensichtlich war, dass sie anders nicht weiterkommen würden.
„Du weißt ja sicher, dass ich noch ein paar Lieder schreiben muss, damit das Album fertig werden kann, nicht wahr?“ begann sie unverfangen und deutete mit einer wegwerfenden Handbewegung auf die Zettelwirtschaft, die sich auf ihrem Schreibtisch ausgebreitet hatte. „Und du weißt ja sicher auch dass ich momentan nicht unbedingt die besten Vorraussetzungen mitbringe dieser Tätigkeit nachzugehen, ja? Also wäre es doch wunderbar, wenn du die anderen davon überzeugen könntest, dass wir einen Lovesong auf unserer neuen Platte haben müssen.“
Blinzelnd musterte er sie. „Was für ein Lovesong?“
Es war ihm neu, dass seine sonst so ausgeflippte Cousine überhaupt darüber nachdachte Lovesongs zu schreiben. In der Zeit in der sie verschwunden waren und er und seine Mutter Agatha wirklich irgendwann geglaubt hatten, dass sie tot war, hatte er viel Zeit damit verbracht sich ihre alten Texte anzusehen und einige davon sogar zu spielen. Und kein einziger dieser Songs hatte auch nur annähernd die Ähnlichkeit mit einem Liebeslied. Er wusste zwar, dass sie angefangen hatte die jüngsten Ereignisse in ihrem Leben durch ihre Lieder zu verarbeiten, aber ein Liebeslied? Ein Liebeslied, wo die Liebe doch eigentlich das war, was sie beinahe immer an einem konstanten Tiefpunkt gehalten hatte? Jonathan war so sehr in seine Gedanken vertieft, dass er beinahe nicht mitbekommen hätte, was sie antwortete.
„Na den, den ich gleich schreiben werde. Die Idee dazu spukt mir schon ganzen Tag im Kopf herum und ich werde die Melodie einfach nicht mehr los. Anscheinend hat es doch was gebracht ein wenig durch den Regen zu laufen. Ich habe dir ja gesagt, so was steigert meine kreative Energie.“
Schmunzelnd den Kopf schüttelnd schob Jonathan ein paar Sachen von Lilys Bett, ehe er sich darauf niederließ und sie abwartend ansah.
„Dann zeig mir mal was du dir gedacht hast.“
Zustimmend nickend griff Lily nach der alten Gitarre von Chase, die sie niemals weggeworfen hatten und begann ein paar Akkorde zu spielen. Sich durch die braunen Haare fahrend wunderte Jonathan sich - wie so oft – wieso sie immer wieder zu dieser alten, abgenutzten Gitarre griff, wo sie doch eine bessere im Schrank stehen hatte? Aber das war vermutlich wieder eine Sache zwischen ihr und Chase, die er niemals verstehen würde. Lächelnd schloss er die Augen und lehnte sich zurück, während er Lily lauschte, die langsam aus ein paar Tönen und Wörtern ein Lied formte, das sein Herz bewegte.
Closed off from love
I didn’t need the pain
Once or twice was enough
And it was all in vain
Time starts to pass
Before you know it you’re frozen