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Fiction » Fantasy » Lux Veritatis Das Licht der Wahrheit
Ayu and Ihu
Author of 2 Stories
Rated: K+ - German - Adventure/Drama - Reviews: 1 - Published: 07-23-09 - id:2699997

Titel: Lux Veritatis - Das Licht der Wahrheit
Autoren: Ayu & Ihu Productions
Thema: Original
Genre: Fantasy, Action, Drama
Warnungen: Nicht Beta gelesen

Anmerkung der Autoren:
Bei »Lux Veritatis - Das Licht der Wahrheit« handelt es sich inzwischen um unser drittes Original und Großkampfprojekt. Außerdem ist es unser erster Vorstoß in das Action/Adventure-Genre. Witzigerweise entstand die Story aus einem Plot, den wir ursprünglich für eine Fanfiction aufgestellt und dann wieder verworfen haben. Man kann also nicht genau sagen, wann die Geburtstunde von »Lux Veritatis« war, aber wir werkeln schon eine ganze Weile daran herum. Und sogar jetzt wissen wir noch nicht genau, wohin uns die Geschichte von Jason, Quinn und den anderen führen wird.

Die Story gibt es auch als pdf unter der Website lux-veritatis(dot)ayu-und-ihu(dot)de


LUX VERITATIS

Das Licht der Wahrheit

Prolog

London, England

Das Büro war ruhig. Henry Hudgson lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und schloss einen Moment die Augen, als er daran dachte, was er nun tun würde. Er wusste, dass es notwendig und hoffte, dass es nicht vielleicht sogar schon zu spät war. Noch einmal tief durchatmend griff er also schließlich zum Telefon und wählte hastig eine Nummer. Es dauerte auch nicht lange, bis jemand abhob und eine freundliche Frauenstimme sich meldete.
»Verwaltungsamt für Umweltschutz, was kann ich für sie tun?«
»Guten Tag, Miss. Ich wollte mit Mr. Benningtonsprechen. Hätten Sie die Güte mich mit ihm zu verbringen?«
»Worum geht es denn Sir? Und ich bräuchte Ihren Namen.«
»Henry Hudgson und es geht um die Statistiken über die zunehmende Umweltverschmutzung. Ich sollte mich deswegen noch einmal bei ihm melden.«
»Einen Moment bitte.«
Eine Weile war nur die nervtötende Warteschleifenmusik zu hören, dann meldete die Dame sich am anderen Ende wieder.
»Herr Hudgson? Mr. Bennington ist zurzeit nicht im Haus. Ich werde Sie mit Miss Parker verbringen.«
»Sicher, tun Sie das.«
Noch einmal kam er in den Genuss der Musik. Dann wurde der Hörer erneut abgehoben.
»Henry?« ertönte eine ruhige, freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung. Ein leichtes Lächeln legte sich auf sein Gesicht, als er sich etwas in seinem Sessel entspannte.
»Juan, schön von dir zu hören. Ist die Leitung sicher?«
»So sicher, wie sie nur sein könnte. So wie immer, wenn du anrufst. Was gibt es? hast du Ärger?«
»Als Ärger kann man es noch nicht direkt bezeichnen. Vor zwei Tagen sind zwei Studenten hier aufgetaucht und haben angefangen Fragen zu stellen.«
»Denkst du sie wissen etwas?« Ihre Stimme hatte sich geändert und war nun härter und kühler. Nun konnte man deutlich, die berechnende Persönlichkeit ausmachen, die ihnen allen schon so manches Mal aus der Klemme geholfen hatte.
»Eher nicht. Aber einer der Jungen würde dich vermutlich interessieren. Es kann sein, dass er zur Familie gehört.«
»Wie kommst du da drauf?«
»Es ist nur so ein Gefühl. Ich kann es noch nicht genau beschwören. Ich habe Riley darauf angesetzt. Sie wird mir vermutlich bald genaueres sagen können. Auf jeden Fall könnte es sein, dass wir hier gerade Personen vor uns stehen haben, die alles mitbringen könnten, was wir suchen.«
»Wir sollten keine voreiligen Schlüsse ziehen. Behaltet sie im Auge und seit vorsichtig.«
»Das werden wir. Ich melde mich sobald ich etwas Neues weiß. Bis bald, Juan.«
Damit legte er auf ohne auf eine Antwort zu warten. Er hatte alles was er brauchte. Und nun musste er nur noch dafür sorgen, dass alle noch vorhandenen Zweifel aus dem Weg geräumt werden konnten.

1

Cambridge, England
Einen Monat zuvor

Das Haus unterschied sich im Grunde nicht viel von den anderen in der Straße. Es war klein und schmal, in schlicht-englischem Stil gehalten. Die schmalen, hohen Fenster im Erdgeschoss waren mit Gardinen verhangen oder von geschlossenen Fensterläden bedeckt, was keinerlei Aufschluss über die Geschehnisse im Inneren gab. Der schmale Rasen, der eigentlich als Vorgarten dienen sollte, war nur sporadisch gemäht und wirkte im Vergleich zu den Vorgärten der Nachbarhäuser nahezu ungepflegt. Überall schoss Unkraut und Löwenzahn aus dem Boden.
Auf dem Schild an der Tür stand in plumper, serifenloser Schrift »EBERSOLE/BERRIDGE« geschrieben. Risse zogen sich durch Plastikverkleidung der Klingel, die wie der bröckelnde Putz der Hausfassade vom Schmutz der Jahrzehnte bedeckt war.
Vorsichtig klopfte der kleine, untersetzte Mann in Khakishorts an die schmucklose Eingangstür, nachdem er bereits zweimal geklingelt hatte. Auf der anderen Seite ließ sich Rascheln und murmelnde Stimmen vernehmen, als jemand die Treppe hinunter polterte.
»Ich geh schon!«
Der Mann in den Khakishorts seufzte frustriert. Manche Menschen dachten vielleicht, dass die Zeit eines Postboten niemals knapp bemessen war, doch da irrten sie. Es gab Tage, an denen er so viele Lieferung im Laderaum seines LKWs hatte, dass er nicht wusste, wie er das alles in einer Schicht schaffen sollte. Und gerade heute war einer dieser Tage.
Dreimal hinter einander machte es klack, klack, klack in perfektem Gleichklang, als er hörte wie sich der Riegel im Türschloss zurück schob. Mit einem Quietschen schwang die Tür nach innen auf.
Ein junger Mann – er konnte nicht älter als 26 oder 27 sein – starrte den Postboten unverwandt ein. Laute Technomusik dröhnte als dem drahtlosen Kopfhörer, den er um den Hals trug. Sein blütenweißes T-Shirt kontrastierte mit seiner cremigen, dunkelbraunen Haut und den buschigen, pechschwarzen Haaren.
»Ja?«, fragte der junge Mann und taxierte den Postboten eingehend. Sein Blick blieb für den Bruchteil einer Sekunde an dem Aufnäher eines berühmten Logistikunternehmens auf der rechten Brusttasche des anderen Mannes hängen.
»Ein Einschreiben für Jason Berridge«, sagte der Postbote und reichte dem jüngeren Mann den Pappumschlag, den er bislang unter dem Arm getragen hatte.
Sein Gegenüber runzelte die Stirn, nahm den Umschlag an sich und legte ihn auf ein Sideboard neben der Tür. »Wo muss ich unterschreiben?«
Der Postbote hielt ihm sein elektronisches Pad hin und drückte ihm einen kleinen Plastikstift in die Hand. Der junge Mann unterschrieb mit einer sehr ausschweifenden Schrift.
»Und Ihr Name war?«, fragte der Postbote, während er das unleserliche Gekrakel auf dem Pad studierte.
»Quinn Ebersole«, kam die prompte Antwort, dann warf der junge Mann die Tür ohne weitere Umschweife ins Schloss.

»Wer war denn das?«, rief Jason ohne vom Bildschirm seines Laptops aufzusehen. Den ganzen Vormittag saß er nun schon zusammengekauert am Küchentisch und tippte auf der Tastatur herum. Hin und wieder schlürfte er dabei an einer Tasse Kaffee oder kaute gedankenverloren auf altem Gebäck herum. Um in herum türmten sich die schmutzige Teller und das Besteck der vergangenen Woche. Ein paar angebrochene Packungen Taschentücher lagen zwischen anderem Krimskrams auf dem Tisch oder der Arbeitsplatte verteilt, doch es gelang ihm, nicht darauf zu achten. Er war allerdings noch nicht dazu gekommen, sich zu waschen und anzukleiden. Daher saß er immer noch in einem ausgeleierten Hemd der L.A. Lakers und einer verwaschenen Hose da, die dunkelblonden Haare ungekämmt und das Kinn von den ersten Anzeichen eines Bartes gekennzeichnet.
»Post für dich«, sagte Quinn und klatschte einen dicken Pappumschlag vor Jason auf den Tisch.
»Oh, super, das sind die Bücher, die ich mir im Internet bestellt habe«, kommentierte Jason. Ein freudiges Glitzern zeigte sich in seinen Augen, als er den Umschlag aufriss und hinein sah. Wie ein Kind, dass seine Geschenke am Weihnachtsmorgen öffnete.
Quinn hielt inne und betrachtete seinen Mitbewohner einen Augenblick mit der Andeutung eines Lächelns auf seinem Gesicht. »Alter, du solltest dich echt mal rasieren.«
»Was kümmert es dich denn?«, erwiderte Jason. »Du hast dir auch schon mal einen Bart stehen lassen und zwar zwei volle Monate lang!«
»Damals war ich ja auch gerade mit Gill auseinander«, verteidigte sich Quinn. »Und ich weiß mittlerweile, dass ich ziemlich beschissen ausgesehen habe. Es gibt nur wenige Männer, die meiner Meinung nach ungestraft einen Bart tragen dürfen, und du gehörst definitiv nicht dazu, J. Al Pacino kann einen Bart tragen, ja, oder Sean Connery. Aber nicht du.«
»Anstatt dir Sorgen über mein Erscheinungsbild zu machen, solltest du lieber daran denken, dass du diese Woche Küchendienst hast«, erwiderte Jason scharfsinnig und warf Quinn über die Ränder seiner Lesebrille hinweg einen bohrenden Blick zu.
»Ja ja ja«, verteidigte sich der andere und hob abwehrend die Arme. »Bin noch nicht dazu gekommen.«
Schweigen kehrte ein, als Quinn sich daran machte, das Geschirr zusammen zu tragen und neben der Spüle aufzuschichten. Jason ließ sich davon nicht weiter irritieren. Stattdessen blätterte interessiert in den Büchern, die soeben eingetroffen waren. Fast einhundert Pfund und stundenlange Recherche im Internet hatte ihn diese Anschaffung gekostet, doch sie war es wert gewesen. Es handelte sich um zwei Werke, die er bislang weder in der gut sortierten Universitätsbibliothek noch in irgendeinem Antiquariat gefunden hatte. Dass er sie ausgerechnet bei einem Online-Auktionshaus gefunden hatte, war reines Glück gewesen. Normalerweise gab er nicht besonders viel auf ebay und Co.
»›Natura – Die Geister, die die Erde beherrschen‹ von Alexander Bennington«, las Quinn mit nachdenklicher Miene über Jasons Schulter hinweg und fischte ein Handtuch von dem Hacken an der Wand. »Klingt ja ziemlich abgespact.«
»Das ist für die Dissertation«, sagte Jason schlicht. »Sozusagen eine Pflichtlektüre.«
»Aha? Hat Professor Brings deinen Themenvorschlag also doch akzeptiert?«, fragte Quinn neugierig. »Ich dachte, ihr hättet diese unglaublich hitzige Auseinandersetzung gehabt, als du das letzte Mal bei ihm gewesen bist?«
Jason kannte diesen seltsam sarkastischen Unterton in der Stimme seines Mitbewohners nur zu gut. Noch immer traute er dem jungen Mann es nicht zu, sich in eine hitzige Debatte mit einem angesehenen Gelehrten zu stürzen und energisch seine Meinung zu vertreten.
»Ich habe ihm vorgestern eine e-Mail geschrieben und darum gebeten, das Thema noch einmal mit ihm diskutieren zu dürfen«, erklärte er daher in ruhigem Ton und beobachtete Quinn dabei, wie er die Teller abwusch. »Er hat mich dann gestern Nachmittag, als du bei der Arbeit warst, noch einmal in sein Büro in der Downing Street bestellt. Und letztendlich hat meine Argumentation dann doch gesiegt.«
»Ich würde ja eher sagen, dass das an deinen Förderpreisen und deinen Sympathiepunkten beim Kollegium liegt«, erwiderte Quinn sachlich. »Du bist schließlich ihr Goldjunge. So was wie der britische Indiana Jones oder so.«
Jason verzog den Mund.
»Oh bitte!«, stöhnte er. »Diese Filme entstellen das Bild von der Archäologie bis aufs Äußerste. In acht Jahren Studium ist mir noch nicht eein angesehener Archäologe untergekommen, der sich wie Harrison Ford Peitschen schwingend durch den Urwald kämpfen würde, um irgendein goldenes Götzenbild zu ergattern!«
An dieser Stelle ließ Quinn ein perlweißes Lächeln aufblitzen und seine fülligen Lippen kräuselten sich amüsiert.
»Aber geil wär's schon«, war sein einziger Kommentar.
Einen Moment lang wusste Jason nicht, was er darauf erwidern sollte.
»Mal sehen«, brachte er schließlich zustande.
»Jetzt schmoll hier nicht rum«, sagte Quinn. »Ich weiß sehr gut, wie wichtig dir dein Studium ist. Wenn jemand absolut keinen Zweifel daran hat, dass du in ein paar Jahren der Leiter des Department of Achraeology bist, dann bin das wohl ich! Außerdem weiß ich genau, dass du nicht so bist wie die anderen langweiligen Spießer an deiner Fakultät, die alle herumlaufen, als hätten sie einen Stock im Hintern und wüssten Dinge, von denen ein Normalsterblicher keine Ahnung hat.«
»Natürlich nicht«, erwiderte Jason und kam nicht umhin zu lächeln, als eine alte, wenn auch peinliche Erinnerung in ihm aufstieg. »Spätestens seit ich nach der Erstsemesterfeier im Wohnheim die ganze Nacht auf der Toilette verbracht und gekotzt habe.«
Nun ließ auch Quinn ein schallendes Lachen ertönen. »Ja, und das nach nicht mal einem Liter Guiness. Du bist echt erbärmlich!«
Jason speicherte das Dokument auf seinem Laptop und machte sich daran, seine Sachen beiseite zu räumen.
»Was hast denn du heute noch vor?« fragte er Quinn, der immer noch einen Teller nach dem anderen abspülte.
»Um 14 Uhr treffe ich mich kurz mit dem Jungs. Die brauchen irgendwie noch Hilfe bei der Verkabelung für die Feier am King's College dieses Wochenende. Und danach treffe ich mich noch mit Gill. Und selbst?«
»Auch nicht viel mehr«, sagte Jason. »Ich werde gleich in die Uni fahren und sehen, ob ich dort noch etwas an meiner Dissertation schreiben kann. Ich brauche ein bestimmtes Buch, dass ich nur per Genehmigung des Dekans ausleihen kann und der ist zurzeit auf einer Tagung in Washington.«
»War ja mal wieder klar«, kommentierte der andere. »Immer dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann.«

2

Das Haddon Library, die offizielle Bibliothek der Faculty of Archeaology and Anthropology an der Universität von Cambridge, war in geschäftiges Schweigen gehüllt. Nur hier und da konnte man geflüsterte Unterhaltungen, das Rascheln von Buchseiten und das Kratzen eines Stiftes auf Papier vernehmen.
Jason genoss diese Ruhe, während er zwischen den Regalen umher streifte und sich nach einigen Unterlagen für seine anstehende Doktorarbeit umsah. In den letzten Wochen war es nicht oft vorgekommen, dass er die Zeit gefunden hatte sich hier aufzuhalten. Zwar hatte er umfangreiche Recherchen durchführen müssen, doch hatten sich diese zumeist auf die Abschlussklausuren seiner Pflichtkurse bezogen. Den Rest der Zeit hatte er damit zugebracht, Berichte seiner Arbeiten in den vergangenen Semestern für die Forschungseinrichtung der Fakultät abzutippen. Außerdem hatten einige Kommilitonen ihn gedrängt, ihnen bei einer Sammlung von Thesenpapieren zu helfen, die als eine Art Anthologie erneut publiziert werden sollten.
Alles in allem hatte ihn also das Akademikerleben ganz schön auf Trab gehalten und ihm kaum Möglichkeiten gelassen, sich auf die wichtigste aller Aufgaben zu konzentrieren: Seine Doktorarbeit.
Wenigstens habe ich nun ein Ahnung, was mich nach dem Studium erwartet, dachte er.
Es ärgerte ihn, dass er zurzeit von seiner Arbeit so genervt war. Im Grunde freute er sich auf darauf, endlich frei arbeiten zu können, ohne störende Vorlesungen und andere Veranstaltungen im Nacken. Mit etwas Glück würde er einen Hörsaal in Zukunft nur noch als Dozent betreten. Doch durch den massiven Papierkrieg, der seit fast drei Monaten zu hause auf seinem Schreibtisch herrschte, fühlte er sich urlaubsreif.
Und dann war da noch die Auseinandersetzung mit Professor Brings gewesen. Dieser hatte sich nämlich mehr als hartnäckig geweigert, Jasons Themenvorschlag für die Doktorarbeit auch nur im geringsten in Betracht zu ziehen.
»Ein talentierter, junger Mann wie Sie, Jason, sollte seine Aufmerksamkeit Dingen von Bedeutung zuwenden", hatte der ältere Mann geantwortet und sich dabei immer wieder über gönnerhaft über den Saum seiner Tweedjacke gestrichen.
»Dingen von Bedeutung?«, hatte er darauf nur geantwortet. »Sie meinen wie die Narren aus dem Labor, die jetzt schon seit wie vielen Jahren an Stonehenge forschen? Zehn?«
»Nun werden Sie nicht gleich schnippisch!«, hatte Brings gerufen. »So kenne ich Sie ja gar nicht!«
In der Tat war es Jason in diesem Moment selbst schwer gefallen, sich wieder zu erkennen. Es war wirklich nicht seine Art, so einfach seine Contenance zu verlieren.
Er wusste selbst nicht genau, was ihn an diesem Thema so sehr fesselte. Vielleicht lag es an den Gute-Nacht-Geschichten seiner Mutter oder den durchgeknallten Ideen seines Vaters, vielleicht aber auch einfach nur daran, dass er es leid war, sich mit den immer gleichen Themen zu befassen wie Pyramiden, Pompeji oder Troia. Natürlich gab einem die Geschichte noch immer viele Rätsel auf, die es zu entschlüsseln galt. Aber Jason hatte sich noch nie zu den eher klassischen Disziplinen der Archäologie hingezogen. Römische Feldherren oder die Entwicklung der germanischen Kultur interessierten ihn zwar, übten aber keine magische Faszination aus.
Stattdessen ging ihm, seit er im Alter von zwölf Jahren zum ersten Mal einen Bericht über diese mythischen Naturgeister im National Georaphic gelesen hatte, ein Wort einfach nicht mehr aus dem Sinn: Elementale. Manchmal kam es ihm sogar so vor, als ob er sein ganzes Leben nur der Archäologie gewidmet hatte, um herauszufinden, was es damit wirklich auf sich hatte.
Sicher, es war ungewöhnlich, aber nur weil ein Großteil der Menschen auf diesem Planeten die Aufzeichnungen über Elementale für reine Erfindung hielten, musste das noch lange nichts bedeuten. Jason war schon immer der Meinung, dass jeder Sage irgendetwas Wahres zu Grunde lag und durch sein Studium in Archäologie war diese Ansicht nur noch gefestigt worden. Und wenn die Elementalen nie wirklich real gewesen waren – was sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht sein konnten, wenn man all die Berichte über nahezu magische Fähigkeiten bedachte – dann musste es irgendetwas gegeben haben, was manche Menschen einst an ihre Existenz hatte glauben lassen. Doch um sich dieser Aufgabe widmen zu können, musste er erst einmal so viele Informationen wie möglich über sie finden.
Was er Quinn allerdings verschwiegen hatte: Professor Brings hatte sich lediglich dazu bereit erklärt, seinen Themenvorschlag noch einmal einer Prüfung zu unterziehen, wenn er, Jason, ihm einen ganzen Katalog an Ergebnissen vorlegen konnte, die ihn zu einem intensiveren Studium der Materie berechtigte. Brings hielt die Elementale nämlich, genau wie der Großteil seiner Kollegen weltweit, für reinsten Humbug. Bis dahin stand seine Dissertation noch immer auf der Kippe. Und alles stand und fiel in diesem Moment mit dem Werk von Dr. Henry Hudgson, an welches er nur mit einer Genehmigung des Dekans herankommen würde. Bis dahin konnte er sich nur dem Kleinkram widmen, um seine Thesen allenfalls zu untermauern.
Wenigstens war es ihm gelungen, die Bücher von Alexander Bennington aufzutreiben. Neben Hudgson gehörte er zu den verlässlichsten und umfangreichsten Quellen.
Nachdem er fast eine halbe Stunde ohne jeden Erfolg zwischen den Regalen umhergestreift war, begab er sich schließlich zu einem der freien Tische. Seine Tasche stellte er neben sich auf einen freien Stuhl und zog »Natura« von Bennington daraus hervor. Er blätterte ein wenig darin und begann schließlich die Einleitung zu lesen.
Es kam nicht selten vor, dass Jason tief in seine Literatur versunken war und nicht merkte, was um ihn herum passierte. So wunderte er sich auch nicht, dass er nicht bemerkte, wie sich einer seiner Kommilitonen zu ihm an den Tisch setzte und ihn mit einem schmallippigen Lächeln beobachtete.
»Das Buch scheint ja ziemlich spannend zu sein«, ließ dieser ihn nun gutmütig wissen.
Verblüfft hob Jason den Blick und überlegte einen Moment, wer der junge Mann vor ihm war. Erst nach einer Weile nickte er zustimmend.
»Peters, richtig? Und ich kann mich nicht beklagen. Ich hab zwar noch nicht viel, aber es sieht nicht so aus, als würde mir bei dieser Arbeit langweilig werden.«
Michael Peters grinste zustimmend und strich sich eine Strähne seines braunen Haares aus dem Gesicht. Mit seiner dick umrandeten Brille und den biederen Klamotten wirkte er ziemlich harmlos, doch sein Lächeln war eine Spur zu ölig und in seinen sturmgrauen Augen blitzte es seltsam interessiert.
»Ich habe gehört, du hast dich für die Elementalen entschieden. Stimmt das?«
»Ja«, erwiderte Jason überrascht. »Ich wusste gar nicht, dass das die Runde macht.«
»Tut es auch nicht. Ich habe Brings mit einem der anderen Dozenten davon reden hören. Zu dem Zeitpunkt hieß es jedoch noch, du würdest dich vielleicht noch anders entscheiden.«
»Wie du siehst, hab ich das nicht getan. Aber wieso interessiert dich das so brennend?«
»Ich hatte auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, mich näher damit zu befassen. Die Geschichten sind schon ziemlich interessant. Und wer weiß, wenn man nur lang genug gräbt, findet man am Ende vielleicht doch was raus. Du weißt schon: Dass doch was an der ganzen Sache dran ist. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass alles reine Erfindung sein soll. Und seien wir doch mal ehrlich, wenn es sie wirklich geben würde, wäre das die Sensation des Jahrhunderts. Richtige Naturgeister!«
»Ich würde nicht so weit gehen und behaupten, dass es sie tatsächlich gibt. So etwas ist meiner Meinung nach kaum möglich. Wenn es sie wirklich geben würde, hätte das außerdem schon lange jemand festgestellt. Ich werde durch meine Arbeit hier sicher keine neuen bahnbrechenden Ergebnisse entdecken. Das will ich schließlich auch gar nicht.«
»Oh, ich wäre mir da an deiner Stelle nicht so sicher. Ich bin mir sicher, dass sie existieren.«
Peters Stimme hatte einen seltsamen Klang angenommen und für einen Moment konnte Jason nicht anders, als ihn verwirrt anzustarren. Dann schüttelte er einfach nur den Kopf.
»Wenn du so überzeugt davon bist, hättest du vielleicht besser dieses Thema gewählt.«
»Oh nein.« Peters grinste leicht und musterte ihn genau. »Ich denke, dass genau der richtige diese Aufgabe bekommen hat.«
»Was?«
»Du wirst es noch früh genug verstehen.«
Peters schnappte sich seine Tasche und grinste Jason noch einmal breit an.
»Ich lass dich dann auch mal wieder mit deinen Büchern alleine. Vielleicht finde ich ja auch noch ein paar Texte, die dich interessieren könnten. Viel Erfolg noch.«
Und damit war er auch schon wieder verschwunden. Jason blickte ihm noch eine Weile hinterher, ehe er sich kopfschüttelnd wieder seinem Buch zu wandte. Er würde schon noch früh genug erfahren, was der andere gemeint hatte.

Wird fortgesetzt...

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