
Gedichte in neuer Anordnung
Rated: Fiction K - German - Poetry - Chapters: 10 - Words: 6,233 - Reviews: 28 - Favs: 2 - Updated: 03-09-10 - Published: 09-28-09 - Status: Complete - id: 2725169
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1
Mohn
Roter Mohn
blüht vor der Ruine.
Tausend kleine Flammen,
rot wie Blut
brennen sich ein
in mein Gedächtnis.
Noch im Schlaf sehe ich
den roten Mohn,
die Blume des Morpheus,
des Gottes der uns Träume bringt.
2
Der Traum
Heute Morgen träumte ich.
Wachend schlief ich
und schlafend war ich wach.
Ich träumte
und wusste doch,
der Traum war nicht real,
denn durch meine
geschlossenen Lider
sah ich die aufgehende Sonne.
Ich klammerte mich fest
an die verblassenden Bilder
meines Traums,
doch konnte ich sie nicht
halten.
Sie zerrannen
zwischen Auge und Verstand.
3
Der Schreck
Über dem blassen Mond schien das Flugzeug
im Vogelschwarm zu verschwinden.
Wie ein Wüstenschloss lockten die Ziegel
Des alten Schlachthofs in der Ferne
und ich dachte an Montaigne und seinen Turm.
Ich wanderte über die verlassenen Felder,
auf denen die Träume wachsen.
Ich war vollkommen glücklich.
Ich vergaß die Welt und mich selbst.
ooo
Als mir eine Bekannte von hinten
auf die Schulter tippte
Gefror ich zu Eis.
Ich fühlte mich
wie ein Selbstmörder,
der vom Eifelturm springt.
Mir war als ob ich
mit dem Lift abwärts führe,
bis in das zehnte Tiefgeschoß,
das gar nicht existiert.
ooo
Durch dichten Nebel
drang ihre Stimme zu mir.
Ich hörte sie,
wie man dem Regen lauscht.
Die Bekannte redete und ich nickte,
so verwirrt wie Lazarus,
von den Toten auferstanden,
so fremd wie ein Marsmensch,
der sich verflog.
4
Die süßen Früchte
Ein rothaariges Kind pflückt Beeren.
„Da sind noch mehr", ruft es,
auf den Brombeerstrauch zeigend.
„Warum wachsen die besten Beeren,
dort, wo niemand rankann?"
Schlagartig verfinstert
der Himmel sich.
ooo
Durch das Fenster der S-Bahn
Seh' ich Brombeerhecken,
ihre Zweige schwer
von schwarzen Früchten,
reif wie die Beeren des Holunders,
die neben ihnen locken.
Fast könnt' ich sie berühren
Als die Türen schließen.
ooo
Ein Mädchen im blauen Kleid
Mit weißer Schleife im Haar
Stellt auf die Zehenspitzen sich.
Sie reckt sich nach oben,
greift mit ausgestreckter Hand
Nach den Kirschen im Baum
Auf dem Theaterplakat.
5
Unerreichbar
Der Gummibaum strebt
Dem Fenster entgegen,
wo draußen im Regen
der Rhododendron bebt.
Sie berühren sich fast,
doch es trennt sie
für immer das Glas.
6
Erinnerungen
Oft lässt im Stich mich das Gedächtnis,
doch
die Erinnerungen
folgen mir wie ein Echo.
Die Erinnerungen
Haften an mir wie mein Schatten.
Sie sind ein rückwärts gerichteter Spiegel.
Die Erinnerungen
lassen sich nicht ausschalten
wie die Schlager der letzten Saison.
7
Hoffnung
Schiller sagte:
ein Flügelschlag und hinter uns Äonen,
was auch immer dies sei.
ooo
Hoffnung ist ein Wort
Mit acht Lettern,
zweimal die weltliche Vier
oder viermal die private Zwei.
Hoffnung ist der Name
eines Mantras,
ist ein Zauberwort aus uralter Zeit.
ooo
Die Hoffnung ist
ein wolkenloser Garten,
von einer Mauer umgeben
und unsichtbar,
ein allgegenwärtiger Ort,
doch nur für den Träumer erreichbar.
ooo
Die Hoffnung lässt mich entkommen,
lässt mich schweben über alles hinweg:
ein Flügelschlag und hinter mir Dämonen.
8
Sonntag
Am Sonntag,
wenn die Gläubigen in die Kirche eilen
und die Heiden segeln
auf dem weiten Ozean,
sitz' ich im Park,
belausche die Vögel
und träume von Pappeln
oder
träumt mich ein Baum?
9
Wie Regentropfen
Wie Regentropfen, die Blasen bilden,
Wie Regentropfen, die in den Fluss aufschlagen
Wie Regentropfen, die das Meer aufpeitschen
trommeln die Bilder auf mich ein.
Ich schwimme, ich treibe, ich lasse mich treiben.
Ich bin ein Chamäleon, eine Feder, ein Stein.
Ich stürze hinab und ich schwebe.
Ich bin ein Sandkorn, eine Kugel aus Blei.
Ich stehe am Wegrand und warte.
Die Welt zieht vorbei.
10
Magie
Zum Schreiben brauch ich:
etwas Zeit,
meinen Computer
oder Papier und Bleistift
und einen Traum.
ooo
Schreiben ist Magie:
Das Verwandeln
von Dingen in Worte,
Buchstaben,
die sich wie von selbst
aneinander reihen,
Worte wie tanzende Kreisel,
Sätze wie marmorne Wände,
Labyrinthe von Zeichen
und Pfade ins Nichts.
ooo
Zeile für Zeile
schreibe ich weiter
und im Schreiben erfinde ich
die Welt.
11
Magie II
Ich finde eine weiße Feder
und suche die passenden Worte:
Zufällige Worte auf imaginärem Papier,
Worte, wie unsichtbare Gemälde
Bilder, wie schweigende Gedichte.
Verse werden wie Schwerter
Geschmiedet aus Stahl.
ooo
Mit der Krähenfeder beschworen,
mit der Glasfeder enthüllt
mit der Stahlfeder fixiert.
mit dem Bleistift notiert,
in den Computer getippt.
durch Tränen verwässert,
mit Blut signiert
folge ich dem Flug
meiner Träume.
ooo
Schwarze Tusche
ergießt sich
Über die ganze Welt.
FP_/28.09.2009 / Seite8
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