
| Katenha
Author: Violet.Miranda m/m f/f In Ravens Heimatsstadt geschehen seltsame Dinge, in die er unfreiwillig verwickelt wird, obwohl er eigentlich nur seine Ruhe haben möchte... -entstanden 2008-2009-
Rated: Fiction M - German - Drama/Adventure - Chapters: 6 - Words: 4,125 - Updated: 05-19-12 - Published: 01-04-12 - id: 2985521
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Treffen
Das Flüstern ließ ihn erstarren; es kam von Nirgendwo, schien direkt in seinem Kopf zu entstehen. Wurde er nun verrückt?
Seine Beine begannen zu zittern, doch er versuchte sich sofort wieder unter Kontrolle zu bringen. Es half nichts, wenn er nun panisch wurde, er musste sich zusammenreißen und überlegen, wie er Jevo und Noevy zurückholen konnte, obwohl er nicht einmal wusste, wo sie sich befanden.
„Hallo, antwortest du mir bitte?" Die Stimme wurde eindringlicher, sie sprach eindeutig mit ihm.
„Meinst du mich?" Wie erschreckend dünn seine eigene klang, das passte nicht zu ihm.
„Ja, wen denn sonst?"
Stimmt, jemand anderen sah er nicht, seine Frage war ziemlich überflüssig gewesen. Aber was sollte man zu einer körperlosen Stimme sagen? Leider passierte so ein Gespräch nicht so oft, dass er sich darauf hätte vorbereiten können.
„Könntest du mir nun meine Frage beantworten." Zwar hörte er es nicht heraus, aber Raven nahm an, dass der Besitzer der Stimme langsam ungeduldig wurde.
„Ja, ich suche wirklich jemanden. Einen Jungen, ungefähr so groß wie ich, dunkle Haare, nicht besonders schlau im Kopf. Er wurde gerade von einer Frau mitgenommen." Wieso erzählte er das? Er bildete sich diese Stimme sicher ein, also konnte sie ihm gar keine Hilfe sein.
„Das wird problematisch für dich, sie sind nämlich weg, du wirst sie nicht mehr einholen können."
„Woher willst du das wissen?" Wollte ihm sein merkwürdiger Gesprächspartner die letzte Hoffnung rauben? Reichte es nicht, dass er schon seinem Bruder nicht hatte helfen können?
„Ich habe sie gesehen. Dich sehe ich übrigens auch."
Blitzartig drehte sich Raven einmal um die eigene Achse und musterte konzentriert die Straße und die umliegenden Häuser, bemerkte allerdings nichts Auffälliges. „Wo bist du?"
„Hier." Hinter der kümmerlichen Hecke des gegenüberliegenden Grundstücks regte sich etwas und Raven wich instinktiv zurück, als er 'es' genauer betrachten konnte.
Absolut menschlich war es nicht, obwohl zumindest die Proportionen stimmten, ebenso wie die Anzahl von Armen, Beine, Ohren, Augen, Nase und Mund. Nur die extrem dunkelblauen Augen, die dunkelgrünen Haare und die ganz leicht grünlich gefärbte Haut irritierten ihn, genau wie die geringe Größe von höchstens 1,60.
Was auch immer vor Raven stand, er musste vorsichtig sein.
„Was bist du?" Besonders höflich klang er nicht.
„Ein Lebewesen", antwortete die kleine Gestalt und schritt langsam auf ihn zu. „Ich tu dir schon nichts."
„Das glaubst du ja selbst nicht. Gib wenigstens zu, dass du zu diesen was weiß ich gehörst und mich mitnehmen willst." Was wollte es denn sonst von ihm? Bestimmt nicht die Post vorbeibringen.
„Mitnehmen werde ich dich ganz sicher nicht." Das Wesen lächelte leicht oder zumindest sah es so aus.
„Aber?" Die ganze Wahrheit war das nicht, vermutete Raven. „Du bist einer von ihnen."
„Teilweise", gab es zu, „aber sie zählen mich nicht wirklich zu einen von ihnen." Beinahe nervös spielte es an seinem einzigen Kleidungsstück, ein sehr großes Tuch, dessen Farbe Raven nicht genau einordnen konnte; dunkelbraun oder etwas Ähnliches. „Ich bin nämlich auch ein Mensch."
„So ein Blödsinn." Je weiter das Gespräch voranschritt, desto verwirrter wurde Raven. Nur weil das Etwas menschliche Züge aufwies, durfte es sich nicht einfach als Mensch einstufen.
„Es stimmt aber wirklich."
„Du kannst sein, was du willst, verschwinde einfach." Raven drehte sich um, um wegzugehen, da ihm die ganze Angelegenheit zu seltsam wurde, doch eine Hand schloss sich um seinen Unterarm und hielt ihn zurück.
„Nehm mich mit in dein... Haus", bat es, „hier draußen ist es so kalt. Bitte."
Bei der Wenigkeit an Kleidung hätte wohl jeder gefroren, außerdem lagerte sich mit der Zeit der Nebel auf allem ab und so wie es glänzte, musste es schon eine Weile im Freien gewesen sein; außer das Glänzen gehörte zu ihm.
„Und wenn du gar nicht so harmlos bist wie du tust?", fragte Raven misstrauisch und versuchte die störende Hand abzuschütteln, was ihm nicht gelang, der andere ließ nicht locker.
„Ich hatte vorhin lange genug Zeit gehabt, dir sonst etwas anzutun. Außerdem könnte ich dir helfen, diesen Jungen hier her zu bringen und dir noch ein paar interessante Dinge erzählen."
„Na gut", seufzte Raven ergeben, „aber wenn du irgendetwas machst, was mir nicht passt, gehst du." Fast dasselbe hatte er auch Noevy gesagt, mal sehen, ob sich sein neuer Gast daran hielt. Bald konnte er eine Station für hilfsbedürftige kleine Kinder und andere schlimme Sachen eröffnen, wenn er noch mehr selbsternannte Gäste aufsammelte.
„Danke." Es lächelte ein weiteres Mal zurückhaltend, zog die Hand zurück und tappte neben Raven her, der es prüfend von der Seite musterte, bevor er das Wesen vorsichtig in seine Wohnung schob, sich schnell umblickte und schließlich die Tür schloss.
Er war eindeutig wahnsinnig geworden.
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