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Das Mädchen und der Drache
Author:
Arel o Imladris PM
Sie sind verschieden und sich doch so ähnlich. "Geh nicht!", sagte das Mädchen zum Drachen. "Bleib bei mir." Und jetzt ist er Tod.
Rated: Fiction K+ - German - Supernatural/Spiritual - Words: 689 - Published: 04-24-12 - Status: Complete - id: 3016313
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"Geh nicht!", sagte das Mädchen zum Drachen. "Bleib bei mir." Der Drache schüttelte den Kopf. "Ich muss gehen. Meine Zeit hier ist vorbei, mein Weg mit dir zuende. Wir sind dort, wo viele Wege sich trennen und es ist mir bestimmt, einen anderen Weg zu wählen als du." Tränen tropften auf den Schuppenpanzer des Drachens und er wischte sanft mit einer Kralle seiner linken Klaue eine Träne vom Gesicht des Mädchens. Fasziniert betrachtete er das Spiel des Lichtes auf dem schimmernden Tropfen, der an der Spitze seiner Kralle hing. Sie schlang die Arme um seinen Hals, der so mächtig war, dass sie nicht einmal ein Viertel umfassen konnte. „Vergiss mich nicht", sagte der Drache und ließ müde den Kopf zu Boden sinken. „Ich werde dich nie vergessen", versprach das Mädchen. Die Augen des Drachen richteten sich auf das Meer. „Verbrenne mich, wenn ich in das Wasser gegangen bin", forderte er schwach aber bestimmt. Auch das versprach ihm das Mädchen ohne zu zögern. „Ich bin müde", sagte der Drache dann und schloss die Augen, während das Mädchen den Kopf an seinem gepanzerten Hals vergrub. Zum ersten Mal seit der Drache und das Mädchen sich kannten, machte sie keine scherzhafte Bemerkung darüber, dass er viel zu hart zum Kuscheln war; achtete sie nicht darauf. Sie weinte leise und der Drache spürte, wie sein Herz schmolz. „Pass auf dich auf, Feuerherz", sagte der Drache sanft.

Dann hörte er auf zu atmen.

Das Mädchen schluchzte nur noch, hob aber den Kopf, denn der Drache hatte oft gesagt, sie solle seiner Seele zusehen, wie sie ins Meer gehen würde, wenn er einmal starb. Da! Von den Nüstern des großen Tieres stieg ein schwach grün funkelnder Nebel auf. Einen Moment verharrte die Kugel grünen Rauchs über dem Kopf des toten Drachen. Dann schwebte sie auf das Mädchen zu, das die Kugel erschrocken anstarrte. Ehe es jedoch etwas unternehmen konnte, verschwand der Nebel in ihrer Brust. Sofort wurde dem Mädchen warm ums Herz, als ob es jemand angezündet hätte und eine flüsternde Stimme, die wie die des alten Drachen klang, sagte leise wie ein Windhauch: „Das ist mein letztes Geschenk an dich." Dann löste sich der Nebel wieder aus ihrer Brust und schwebte zum Wasser. Als die Kugel die Oberfläche berührte, schien sie zu wachsen, zu einem Abbild des Drachen zu werden. Für einen Moment schwebte die grüne Gestalt unterhalb der Wasseroberfläche, dann gesellten sich andere Drachen in bunten Farben zu ihm und zusammen verschwanden sie in dem Sonnenuntergang. Das Mädchen stand noch eine ganze Weile am Wasser und starrte hinaus in die untergehende Sonne.

Er war gegangen.

Sie war wie betäubt.

Der Drache war gegangen.

Sie war allein.

Nach einer Weile erwachte das Mädchen wie aus tiefem Schlaf. Der tote Körper des Drachen lag neben ihr. Da erinnerte sie sich, dass der Drache gesagt hatte, sie solle ihn verbrennen und sie begann Holz zu sammeln. Den ganzen Abend arbeitete sie so und auch, als es eigentlich zu dunkel geworden war, auch nur einen Baum zu erkennen, machte sie unbeirrt weiter. Als sie später gefragt wurde, wie das hatte sein können, wich sie meistens aus. Das Licht in ihrem Herzen wäre so hell gewesen, antwortete sie oft. Das Feuer hätte so hell gelodert, dass sie kein anderes Licht gebraucht hätte. Als es erneut dämmerte, hatte sie genug Holz gesammelt und versuchte nun es zu entzünden, wie der Drache es ihr beigebracht hatte. Das Holz entzündete sich rasch, loderte hell auf. Der Drache jedoch verbrannte nicht. Ja, er verfärbte sich nicht einmal, zeigte keinerlei Reaktion auf die Hitze des Feuers. Das schmerzte das Mädchen, denn sie hatte ihrem Freund versprochen, ihn zu verbrennen. Versprechen musste man halten, das hatte der Drache sie gelehrt, immer und immer wieder. Der Schmerz brannte in ihrem Herzen und sie ballte die Hände zu Fäusten, um die aufsteigenden Tränen zurück halten zu können. Plötzlich schoss eine Stichflamme aus dem Körper des Drachen und das Feuer in ihrem Herzen wurde warm und sanft. Lächelnd stand das Mädchen am Meer, während sie die Hitze des hell lodernden Feuers in ihrem Rücken spürte. Sie wusste: Das Feuer war die letzte Gabe des Drachen an sie.

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