
Ein berühmter Bergsteiger gerät auf einer Expedition an seine Grenzen. Was will er vom Leben und was will das Leben von ihm? Wie läuft man erfolgreich vor seinen Problemen davon? Und ist das Glück auch abseits der Berge zu finden? Die Geschichte basiert auf den wahren Ereignissen einer Himalaya-Expedition in den 50er Jahren.
Rated: Fiction K+ - German - Adventure/Friendship - Chapters: 25 - Words: 59,478 - Reviews: 7 - Follows: 1 - Updated: 10-26-12 - Published: 07-10-12 - Status: Complete - id: 3040654
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Author's Note: Die meisten in dieser Geschichte vorkommenden Personen sind historisch und der grobe Handlungsstrang ebenfalls. Trotzdem ist die Geschichte fiktiv, Handlungen und Aussagen dieser Personen erfunden. Das Ansehen der in der Story vorkommenden und häufig erst vor wenigen Jahren verstorbenen Personen soll auf keinen Fall geschmälert werden.
Der Titel ist der Name des Dokumentarfilmes, der auf dieser Expedition gedreht wurde.
Für Feedback jeglicher Art, insbesondere auch für Kritik, bin ich sehr dankbar.
Überarbeitete Version
Es hatte alles ganz unscheinbar angefangen. Zuerst schrieb Anderl das Zittern seiner Muskeln der Überanstrengung zu, das Schwitzen der schweren Arbeit beim Spuren und Steigen und der leichte Hustenreiz in der Lunge der Höhe. Erst später im Biwacksack, als ihn der Schüttelfrost ergriff und seine Zähne so stark aufeinander schlugen, dass er fürchten musste, jeden Moment die Füllung seines Stockzahns zu verlieren, erkannte er den tatsächlichen Ernst der Lage. Ab Mitternacht stellten sich auch noch Hustenanfälle mit solcher Heftigkeit ein, dass ihm die Luft für mehrere Minuten wegblieb und er das Gefühl hatte, seine Lunge würde sich überstülpen wie eine alte Socke. Die Expeditionskameraden, allen voran Martin, der mit ihm den Schlafsack teilte, zeigten sich äusserst besorgt und flössten Anderl Tee ein, was beim andauernden Schüttelfrost gar nicht so einfach war.
„Lungenentzündung", murmelte einer vor sich hin, entweder Martin oder Hias, Anderl konnte es nicht genau ausmachen. Ihm war auch im Liegen schwindlig, das Fieber spürte er in Wellen über sich hereinbrechen. Die Eishöhle über ihm verschwamm vor seinen Augen und der heulende Wind wurde durch seinen Herzschlag, der ihm in den Ohren pochte, rhythmisch unterbrochen, was ihn in einen seltsamen, schwebenden Zustand versetzte.
War es das nun? Hier am „Arsch der Welt", wie er es im Scherz vor einigen Tagen gemeinsam mit Martl auf einen Stein gepinselt hatte, kurz bevor sie die Strasse verlassen hatten und dem Rakaposhi entgegengestiegen waren. Immerhin hatte sich sein Wunsch erfüllt, nach den heimatlichen Alpen auch den Himalaja zu sehen. Nur hatte er nicht damit gerechnet, dass es vielleicht das letzte war, was er überhaupt noch sah. Irgendwie dämlich, wenn man überlegte, wie oft er bereits sein Leben hätte verlieren können, durch Steinschlag, Lawinen, Wächtenabbrüche, Erfrieren und nicht zuletzt an der Ostfront. Und jetzt sollten ihn winzig kleine Tierchen dahinraffen, die sich im Innern an ihm zu schaffen machten. Irgendwie lächerlich. Doch immerhin befand er sich in guter Gesellschaft, den einen oder anderen Bekannten, allesamt auch nicht gerade Schwächlinge, hatte sich die Krankheit ebenfalls bereits geholt... in der Heimat... oder im Morast des Ostens...
Ob man wohl in der Zeitung von seinem Tod berichten würde? Wie würde sein Bruder reagieren? Seine Frau? Vielleicht brächte sein Tod neben der Trauer auch eine gewisse Erleichterung, würden doch die ewigen Vorwürfe und Prophezeiungen ein Ende nehmen. Der Hans hatte bereits nach ihrer ersten gemeinsamen Tour geschimpft, mit seiner waghalsigen Art würde sich Anderl bald den Tod in den Bergen holen. Und Mariele... Nach der Einweihung des neuen Schulungsgebäude der Bergführerausbildung in Oberstdorf hatte sie ihn zu Hause angeschrien, es wäre eine Erleichterung für die Familie, wenn er doch endlich draufgehen würde. Anstatt an die Kinder denke er nur an sich, an sich und die Berge! Als er sie beruhigen wollte, warf sie ihr Weinglas nach ihm. Danach hatte er das Haus schweigend verlassen. Wie wird man glücklich ohne Berge? Keine Ahnung.
Jemand hob seinen Kopf und flösste ihm erneut Tee ein, was ihn von den schweifenden Gedanken zurückholte. Wo war er? Was geschah mit ihm? Sein Gegenüber war nur ein vager, grauer Fleck, er konnte eine Kapuze erkennen, mehr nicht. Mühsam versuchte er sich aufzurichten, aber es gelang ihm nicht. Was hatten sie ihm gegeben? Furcht wallte in Anderl hoch, quälend und würgend, sein Herz klopfte auf einmal wie wild. Sie wollten ihn ruhig bekommen, damit sie ihn ohne Gegenwehr hier oben würden zurücklassen können! Blindlings schlug er um sich, versuchte sich frei zu kämpfen. Ein dumpfer Aufschrei erklang, dann rann ihm heisser Tee über die leicht angefrorenen Finger. Es stach wie mit tausend Nadeln gleichzeitig und er hätte losgebrüllt, wenn ihn nicht in diesem Moment der Husten gepackt hätte. Arme umschlangen ihn, gegen die er sich verzweifelt wehrte. Aber die Kraft rann ihm aus dem Leib wie Wasser durch die Finger und der Husten klemmte ihm die Luft ab, weshalb er schliesslich erschöpft aufgab, um nach Atem ringen zu können.
„Ruhig, Anderl. Beruhige dich doch, du machst alles nur noch schlimmer", redete ihm jemand zu. Es war Hias. Anderl erkannte die ruhige Stimme, den weichen Tirolerdialekt, und kämpfte seine Angst nieder. Wenn Hias da war, dann würden sie ihn schon nicht hier zurücklassen. Nicht Hias, nicht sein Freund, der würde so etwas nie tun...
Anderl dämmerte vor sich hin. Zwischen zwei Hustenanfällen bemerkte er dumpf, dass er allein in der Höhle war und dass ein Sonnenstrahl auf seinen Schlafsack fiel, weshalb der Tag angebrochen sein musste. Langsam stellten sich die Zusammenhänge her. Er hatte gerade eine furchtbare Nacht überstanden. Seine Glieder schmerzten bis in die sensiblen Fingerkuppen und in die Zehen hinab. Das war aber kein Vergleich zu der rasenden Pein in seinem Schädel, die jegliches Denken erschwerte. Und das Atmen war eine Qual. Jeder Atemzug tat weh und es rasselte in seiner Lunge.
Dazu kam noch, dass seine Blase ungemein drückte, was ihm von all seinen Leiden am meisten beschäftigte. So weit war er noch nicht, dass er sich einfach gehen lassen konnte. Vorsichtig versuchte er sich aufzurichten, was ihm zu seinem Erstaunen auch gelang. Die Eishöhle verdrehte sich zwar unangenehm in alle Richtungen, doch war es ihm möglich, aus dem Loch zu kriechen. Draussen wehte ein eisiger Wind, aber die Sonne strahlte und schien ihm direkt aufs Hirn zu brennen.
Ein pakistanischer Träger, der neben der Höhle stand und gerade die Rucksäcke neu verpackte, half ihm auf die Beine. Von Hias und Martin war nichts zu sehen, doch schaute er sich auch nicht zu genau um, da ihm der in der Sonne gleissende Schnee seine Kopfschmerzen noch verstärkt. Er riss sich vom Pakistani los, der seinen Oberarm immer noch in klammerndem Griff hielt, und stolperte einige Schritte bis zur Wächte hinüber um sich zu erleichtern. Der Strahl wollte nicht aufhören und als sich Anderl schon fragte, wieviele Tassen Tee die andern ihm genau eingeflösst hatten und ob er ohne Erfrierungen davonkommen würde, machte er den Fehler und schaute über den Grat hinab in die Tiefe der Wand hinein. Es ging mehr als Tausend Meter senkrecht hinunter, dann kamen irgendwelche spitzigen Felsen und zuunterst lag der Gletscher.
Der glitzernde Schnee, der über die Wächte geblasen wurde, bewegte sich spiralförmig in die Tiefe und ein heftiger Schwindel ergriff ihn, so dass er für kurze Zeit nicht unterscheiden konnte, wo nun oben und wo unten war. Gleichzeitig versagten ihm seine Knie den Dienst, doch bevor er in die Tiefe stürzen und der Bergungsmannschaft mit heruntergelassenen Hosen ein unrühmliches Bild hätte bieten können, packte ihn der Pakistani erneut am Arm und riss ihn vom Grat zurück, worauf Anderl gerade noch die Hose hochziehen konnte, bevor er in den Schnee plumpste. Der Pakistani redete in seiner stets wütend klingenden Sprache auf ihn ein, so dass sein Schnurrbart nur so zitterte und Anderl versuchte, ihn mit einer beschwichtigenden Handbewegung zum Schweigen zu bringen. Es nützte alles nichts, doch war der Redeschwall ein niedriger Preis dafür, dass er diesem Mann sein Leben zu verdanken hatte.
Auf einmal waren auch Hias und Martin wieder an seiner Seite und hatten wohl das peinliche Zwischenspiel mit angesehen.
„Du hättest auch was sagen können, bevor du uns über die Wächte abstürzt", murmelte Hias und legte sich Anderls rechten Arm über die Schulter, während Martin sich den anderen Arm griff. Gemeinsam zogen sie Anderl auf die Beine und führten ihn zurück zur Schneehöhle. Keiner der beiden machte einen dummen Spruch über das Beinahe-Malheur, was Anderl doch recht erstaunte. Er hätte sich in umgekehrter Situation den Spott wohl nicht verkneifen können.
„Ich pisse lieber allein", erwiderte er schliesslich etwas trotzig. Hias schenkte ihm nur einen langen Blick, während Martin ihm in den Schlafsack half.
„Dir geht's etwas besser. Wir sollten es bald mit dem Abstieg versuchen, so lange das Wetter mitmacht", meinte Martin.
Anderl nickte. Seine Kräfte kamen allmählich zurück und als es um den Aufbruch ging, fragte er sich bereits, ob er nicht einfach noch eine Nacht abwarten sollte, um dann gemeinsam mit den anderen den Aufstieg zum Gipfel zu versuchen. Als er Hias seine Gedanken mitteilte, winkte dieser aber nur ab.
„Nein, lass das. Du warst letzte Nacht über Stunden hinweg nicht ansprechbar und du hast mir im Delirium den Becher aus der Hand geschlagen. Ich fragte mich bereits, ob wir uns etwa auf dich draufsetzen sollten, um dich davon abzuhalten, unsere Schneehöhle zum Einsturz zu bringen. Wenn du unbedingt am Berg abserbeln willst, dann mach es auf einer Expedition, bei der jemand anderes die Leitung hat. Wir steigen ins Bärenlager ab, zu Dr. Paule."
Die Bestimmtheit in Hias' Stimme und seine Antwort stimmten Anderl gleich wieder mürrisch. Natürlich war Hias von seiner Verantwortung geleitet, aber ihm gegenüber hätte er trotzdem auf den Ich-bin-hier-der-Expeditionsleiter-Ton verzichten können. Immerhin hatte er ihn vor seinem Mitleid verschont, weshalb Anderl die Entscheidung schliesslich akzeptierte.
Sie brachen auf. Am Anfang war Anderl noch etwas unsicher auf den Beinen und musste sich widerwillig ans Seil nehmen lassen, da er bereits auf den ersten hundert Metern Abstieg zweimal gestürzt war und beim zweiten Mal einige Meter abrutschte. Doch bereits nach einigen Seillängen wurde er sicherer und jedes Gefühl von Krankheit war verschwunden. Sogar der Husten war weg.
Auf dem gleichen Weg, den sie abstiegen, kamen ihnen nach einiger Zeit in aufsteigender Richtung das Expeditionsfilmteam und die Wissenschaftler entgegen.
„He! Ihr geht in die falsche Richtung, der Gipfel ist dort oben", begrüsste sie Eugen, der vorausgestiegen war.
„Wir steigen ab, der Anderl hat sich was eingefangen", sagte Hias, verzichtete aber nicht auf einen langen Blick zum Gipfel des Rakaposhi, der im besten Wetter vor ihnen erstrahlte.
„Der sieht aber doch ganz munter aus", meinte Eugen darauf und musterte Anderl aufmerksam. Hinter ihm staute sich eine lange Kolonne von Trägern, und schnaufend kam nun auch Karl bei ihnen zu stehen.
„Bin ich froh, dass ich diese Schinderei grösstenteils euch überlassen kann. Man sollte seine Neugierde auf Abenteuer besser mit seiner körperlichen Kondition vereinbaren", brachte Karl keuchend hervor und holte seine selbstangefertigte Karte sowie seinen Höhenmesser hervor und notierte sich einige Zahlen.
„Wir sind auf knapp Sechs Tausend Meter Höhe, da darf man schon etwas ins Schnaufen kommen", bemerkte Martin grinsend.
„Ja, grins du nur, wenn ich fünfundzwanzig wäre, würde ich das hier auch locker schaffen", erwiderte Karl gutmütig.
Anderl überlegte sich während dem Hin und Her in der Unterhaltung seiner Expeditionskameraden etwas ganz anderes. Es war reinste Zeitverschwendung, dass nun Hias und Martin mit ihm abstiegen, wenn sich sogar der Geodät den Berg hinaufgeschunden hatte und das Wetter prächtiger nicht hätte sein können. Sogar der Wind war praktisch verschwunden. Ausserdem fühlte er sich wieder gut, obwohl ihm seine schnelle Genesung selber etwas verdächtig vorkam. Noch nie hatte er eine Grippe oder auch nur eine Erkältung gehabt, die nur eine Nacht gedauert hatte. Zudem gefiel ihm auch die Heftigkeit des Krankheitsgefühls nicht so richtig. Doch im Moment ging's und bis ins Lager waren es nur etwa sechs Stunden, dafür brauchte er nicht die anderen von einem möglichen Gipfelerfolg abzuhalten.
„Ich steige allein hinunter", sagte Anderl schliesslich. „Geht ihr wieder mit hinauf und holt euch den Gipfel. Ich komm dann morgen oder übermorgen nach, wenn der Doktor bestätigt hat, dass alles wieder einwandfrei funktioniert."
Hias runzelte die Stirn.
„Ich weiss nicht so recht. Im Moment wirkst du zwar gesund, aber wenn du einen Rückfall hast..."
„Mir geht's gut! Ich fühl mich blendend und würde wieder mit euch hinauf wenn ich nicht genau wüsste, dass du das nicht zulässt und wir abgemacht haben, nicht miteinander zu streiten."
Hias zögerte noch, aber Anderl spürte bereits, dass er nachgeben würde. Auch Hias, der Entscheidungen meist ruhig und sachlich anging, konnte sich dem Lockruf des Gipfels nicht entziehen.
„Also gut, ich vertrau deinem Urteil. Nimm aber noch einen Träger mit, zur Sicherheit."
Anderl nickte und löste sich bereits vom Seil. Der Pakistani, der ihn am Morgen vor dem Absturz bewahrt hatte, wurde ihm zur Seite gestellt. Anderl gefiel das nicht so recht, hatte es sich doch dieser Mann seitdem zum Ziel gemacht, ihn wie eine Glucke zu überwachen. Doch wollte er jetzt nicht auch noch Zeit mit der Auswahl des Trägers verschwenden. Kurze Abschiedsworte, dann stiegen die andern wieder hinauf und Anderl stieg mit dem Träger weiter ab.
Die beiden kamen ganz gut voran, doch ergriff Anderl auf einmal eine Unruhe, die ihn zur Eile drängte. Er wurde immer schneller, der Pakistani konnte kaum mehr mithalten. Der Schweiss lief ihm in Strömen vom Gesicht, aber sein Blick suchte fieberhaft das Lager unter sich, das im schattigen Seitental lag und durch einen Gletscher von der Bergflanke getrennt war. Ein Kribbeln in der Brust kündete bereits den Husten an, der ihn wenig später schüttelte. Er liess sich noch einige Schritte Zeit, um sich dann selber eingestehen zu müssen, dass er nicht gesund war und ihm seine Genesung durch einen Zustand vorgegaukelt wurde, den man auch als „Euphorie" bezeichnete. Dieser kam meistens bevor es endgültig zu Ende ging. Gleichzeitig mit dem Husten kam auch der Schwindel zurück, auf einmal fiel es ihm schwer, sicheren Halt zu finden. An den Rändern seines Sichtfelds schlichen sich bereits Sterne ein, als er endlich den Gletscher erreichte. Weiter reichte seine Kraft nicht mehr und er fiel erschöpft auf die Knie, gebeutelt von einem Hustenanfall.
Aus, weiter ging's nicht. Während das ganze Gebirge rings um ihn herum Karussell fuhr, legte er sich hin, im Bewusstsein, dass er nicht mehr aufstehen würde. Das war aber nicht so schlimm, nein, statt dessen erfüllte ihn eine Ruhe, die er so vorher in seinem dynamisch geprägten Leben nicht gekannt hatte. Er lag auf der Seite und sah gleichzeitig den unberührten Gletscher und den endlosen Himmel, die sich ihm in einer vollkommenen Schönheit präsentierten. Es fühlte sich richtig an, so zu sterben und er wehrte sich nicht dagegen.
Auf einmal verwehrte ihm ein schmutziger Schuh den Blick auf die Unendlichkeit: der Pakistani. Eine Hand rüttelte an seiner Schulter und eine regelrechte Wortsalve prasselte auf ihn nieder. Sanft und immer noch dem schönen Gefühl der Ruhe nachhängend, versuchte Anderl dem Träger klar zu machen, dass er ihn liegen lassen solle. Die Nachricht kam nicht an, statt dessen versuchte der Pakistani nun, Anderl auf seinen Rücken zu zerren, was diesem überhaupt nicht gefiel. Vehementer wehrte er sich nun gegen den Griff des Trägers, der ihn wie einen Sack Mehl über den Rücken geworfen hatte und Richtung Lager losmarschierte.
„Du Depp, lass mich runter! Ja, hör auf! Bist du taub? Du sollst mich liegen lassen!"
Die Proteste kamen nicht an und bald musste Anderl mit dem Fluchen aufhören, da er nicht genügend Luft in seine Lungen bekam. Gleichzeitig drang ihm der Schweissgeruch des Trägers in die Nase und machte ihm auf einen Schlag klar, dass er im Begriff gewesen war, aufzugeben. Die Lebensgeister wieder geweckt, schaffte er es tatsächlich, sich vom Rücken des Pakistani zu lösen und bedeutete ihm, voranzugehen, während er hintendrein stolperte. Meistens blieb sein Blick auf dem unmittelbaren Boden haften, nur zweimal löste er sich davon und schaute auf den riesigen Gletscher und zweimal zwang ihn die Schönheit wieder in die Knie und bat ihn darum, aufzugeben. Beide Male erwies sich aber der Willen des Trägers als stärker und sie setzten ihren Weg fort.
Auf einmal hörte er Rufe aus der Ferne und der Pakistani vor ihm blieb stehen. Anderl stützte sich auf dessen Schulter und schaute teilnahmslos zu, wie die verbliebenen Personen im Lager, zuvorderst der Dr. Paule, ihnen entgegenkamen. Sie mussten sie schon eine Weile beobachtet haben. Schliesslich sah er sich umringt, überall Hände und Gesichter, die ihn verwirrten.
„Andreas, was fehlt dir? Was ist mit den anderen? Ihnen ist doch nichts passiert?"
Anderl konnte noch schwach den Kopf schütteln, dann versagten seine Kräfte erneut. Er kippte langsam zur Seite, aber die Hände fingen ihn auf. Noch bevor sie ihn zu Boden legen konnten, verabschiedete sich sein Bewusstsein.
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