
| Raven - Der Anfang
Author: KateFire Origin von Raven. Wenn du mich findest, finde ich die anderen. Wir sind nicht allein.
Rated: Fiction T - German - Supernatural/Mystery - Words: 14,059 - Published: 02-14-13 - id: 3100923
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RAVEN
Es begann an einem Freitagabend um 19 Uhr im September.
Draußen riss der Sturm an den Ästen der Kastanien, die ihm im letzten Monat noch die Tränen in die Augen trieben.
Der Regen schlug an das Fenster als wollte er herein brechen.
Blitze durchzuckten den Himmel, das Gewitter war fast da, es gab einen lauten Donnerschlag... der Blitz musste irgendwo eingeschlagen sein.
Leise packte er seine Sachen zusammen. Wie seltsam, eigentlich mochte er Gewitter (wenn sie nur nicht so nass wären) dachte er sich, während er den Anzug den er letzte Nacht trug sorgfältig im neuen, schwarzen Lederkoffer platzierte.
Doch an diesem Tag, schon als sich die Wolken vor die Sonne zogen, beschlich ihn dieses seltsame, unbehagliche Gefühl als würde ein Teil von ihm in genau diesem Moment zerbrechen.
Er wusste nicht was für ein Teil das sein sollte, er kannte doch niemanden hier, jeder, den er kannte, war tot.
Egal, was er jetzt fühlte, egal was er nun dachte, er hatte keine Wahl, seine Zeit lief ab.
Wenn er sich nicht beeilte, käme er zu spät und was ihm dann blühte wollte er sich nicht einmal im Traum ausmalen.
Dieser war sowieso seit Wochen derselbe Alptraum…verdammt, warum musste er gerade jetzt in Gedanken schwelgen? Er hat keine Zeit mehr...
Hastig schlug er den vollgepackten Koffer zu, das kahle Zimmer war dunkel, der Strom funktionierte mal wieder nicht.
In einer ausladenden Bewegung zog er sich seinen schweren, schwarzen Loden- Mantel über und zog die Kapuze tief ins Gesicht, welche seine schulterlangen, glattgekämmten schwarzen Haare verdeckte.
Dazu trotz der Dunkelheit eine getönte Sonnenbrille, um sein Geheimnis, dass er bis jetzt immer getarnt hatte, zu verstecken. Heute hatte er keine Lust zu zaubern, heute nicht mehr, wofür?...
Als er die Tür aufschloss heulte ihm der Sturm entgegen, grantig trotzet Adrian Michaelis Corbeau ihm.
Mit schnellen Schritten eilte er die Straße hinab, den Koffer fest in der Hand, als eine schwarze Limousine mit quietschenden Reifen direkt vor ihm zum Stillstand kam.
Aus getönten Fenstern drang ihm eine kratzige Stimme entgegen "Einsteigen!".
Leicht geschockt zögerte er erst bevor er den Griff der Wagentür nahm und einstieg.
Drinnen war es recht hell dank der Wagenbeleuchtung, die beigen Ledersitze wurden durch das von dem Lodenmantel abperlende Wasser nass.
"Du weißt ja wo es hingeht" die krächzende Stimme meldete sich wieder aus dem Lautsprecher.
Leider sah Adrian NICHTS als Schatten durch die dunkle Scheibe in der Mitte der Limousine.
Er ließ den Kopf hängen, es war so gut wie vorbei, sein Leben fand hier und jetzt ein Ende.
Genauer genommen hatte es schon vor Monaten ein Ende genommen, als seine geliebte Tanja ermordet wurde. An diesem Tag schwor er Rache zu üben an denen, die in die Konzerthalle eingebrochen waren und das Feuer auf die Tribüne eröffneten.
Seine Frau... sein Kind... seine Freunde... alle Tod... Niemals würde er auch nur einen von ihnen wiedersehen und die Leute, die das veranlasst hatten sollten, dafür büßen, mit all seiner Kraft würde er sie bekämpfen, sie verfolgen bis in die Hölle, überall hin bis zum verwinkelsten Punkt der Erde.
Als hätten sie diesen stillen Schwur gehört, erreichte ihn noch am Abend der Beerdigung seiner Geliebten dieser verhängnisvolle Anruf.
Hätte er doch niemals Ja gesagt!
Scheinbar hatte die Limousine eingebaute Kameras, denn die krächzende Stimme meldete sich erneut "Nicht so betrübt Corbeau, du bist auf den Weg in ein neues Leben!"
- "Ein Neues Leben..." murmelt er "Ja... das ist es ... aber ist ein neues Leben gleich ein besseres?" und so er sah er keinen Deut fröhlicher aus als zuvor...
Die Fahrt, auf der kein Wort mehr gesprochen wurde, schien endlos und doch viel zu kurz für Adrian Corbeau.
Durch die dunklen Fenster sah er matt die Linien der Straße, der Häuser, des Landes über das sie fuhren, bis zur Landesgrenze.
Kein Zoll hielt sie an, leider, dachte sich Adrian, es wäre ihm sehr lieb gewesen.
Ihm fiel seltsam schnell der Schlaf in die Augen und als er aufwachte war es Tag. Immer noch fuhren sie über Land, doch am Horizont konnte er die Umrisse einer Stadt ausmachen.
Nach langer Zeit des Schlängelns durch breitere und schmalere Straßen kam der Wagen zum endgültigen Stillstand.
Die Tür öffnete sich automatisch, sie sollte ihm Aussteigen geheißen.
Corbeau stieg aus und zog missmutig seinen Koffer hinter sich her während die Limousine abfuhr.
Adrian stand nun vor einem hohen, weiß-grauen Betongebäude mit verspiegelten Fenstern. Eine Treppe mit 13 Stufen führte zu einer Glastür, vor der Treppe saß auf einen Sockel anmutig die Skulptur eines weißen Löwen.
Soll ich es wirklich tun? Zweifel kamen ihm in den Sinn und als es fast so weit war, dass er sich auf dem Absatz seiner Boots umdrehte und weglief, egal wohin, hörte er wie die Glastür per Hand geöffnet wurde.
Im Türrahmen stand nun eine junge Frau, ca. Mitte Zwanzig, im feuerrotem Kostüm, die brünetten Haare elegant bis auf wenige Strähnen hochgesteckt, und lächelte ihn aus ihren kristallblauen Augen freundlich an "Sie müssen Herr Corbeau sein, kommen Sie doch herein! Keine Sorge wir, beißen Sie schon nicht"
Da ihm nun nach seiner Entdeckung keine andere Möglichkeit mehr blieb, folgte er der jungen Frau ins Innere des Gebäudes.
Es musste sich wohl um die Empfangsdame handeln, dachte er sich, denn die Rezeptionstheke war unbesetzt und tatsächlich setzte sich die junge Dame, auf deren Namenschild der Name "Evelyn Schönberg" eingedruckt war, genau hinter diese.
"Einen Moment bitte mein Herr, Sie werden gleich abgeholt, setzen Sie sich doch so lange, wenn Sie wollen" säuselte Fräulein Schönberg mit honigsüßer Stimme auf ihn ein.
Ihm war nicht nach sitzen, er hatte genug gesessen. Stattdessen begann er sich in der riesigen Empfangshalle umzusehen.
Weißer Marmorboden, ein buntgemusterter Teppich lag aus. Rechtwinklig zur Eingangstür stand ein Aquarium, azurblaues Wasser, tropische Fische, alles Schnickschnack dachte er sich. ´Protzerei, die verdeckt was hier wirklich passiert!
Aber was das denn nun genau war wusste er selbst nicht, doch beschlich ihn eine dunkle Ahnung.
Von einer jungen Knabenstimme wurde er aus seinen Gedanken gerissen "Herr Corbeau? Ich bin Martin Heffel, aber Martin reicht völlig, ich soll Sie zu Herrn Magnus bringen, richtig?"
"Stimmt" drehte sich Adrian um. Ihm blickte tatsächlich ein Knabe in sportlicher Kleidung an, sein rotbraunes Haar war strubbelig mit Gel durchtränkt, auch seine Augen waren Kristallblau.
"Die Treppe hier hoch" Er zeigte auf eine dünne Wandeltreppe aus Stahl, die in die oberen Etagen reichte. Gemeinsam machen sie sich an den Aufstieg.
Oben angekommen standen sie vor einem langen Flur.
In ihm lag derselbe wellengemusterte Teppich wie in der Empfangshalle, an den Wänden hingen verschiedenste Wandteppiche, die von klaren Gelbleuchten belichtet wurden.
Sie bewegten sich auf die am Ende des Flures zu erkennende Tür zu.
Adrian sah sich dabei die Wandteppiche aufmerksam an: Sie zeigten Bilder von Elfen, Feen, Kobolden, Hexen und Magiern, Drachen, Greifen und Einhörnern, einige grobgestickt, die anderen wertvoll und feingearbeitet. Diese Teppiche dürften ein Vermögen wert sein, dachte sich Corbeau.
Dieser Magnus musste sehr viel Vertrauen in seine Mitarbeiter haben, wenn er sie so einfach und ungesichert im Flur hängen ließ.
Sie kamen an der massiven dunklen Eichentür an, über ihr war ein langes Seidenbanner verhängt mit einem weißen Löwen darauf.
"Einen Moment bitte," entschuldigte sich Martin, klopfte kurz und trat in das Zimmer ein das hinter der Tür lag, Adrian wartete draußen.
Nach einiger Zeit öffnete sich die Tür und Adrian trat ein, Martin war nirgendwo mehr zu sehen.
Der Raum war in einem metallischen Blau gehalten, die Kacheln auf dem Boden pechschwarz, ein sandfarbener Teppich schlängelte sich vorwärts bis zu einem Schreibtisch, hinter dem ein Sessel stand, der ihm den Rücken zu wandte.
Vor dem Schreibtisch standen zwei Stühle, die an eine Arztpraxis erinnerten, die Fenster waren umrahmt von Blumenranken und an der Innenwand war ein riesiges Seidentuch gespannt, auf dem sich die Szenerie einer alt-Ägyptischen Stadt abspielte, im Mittelpunkt der Blick auf eine Pyramide.
Langsam und leicht nervös trat Adrian über den Teppich zum Schreibtisch vor. Auf halben Wege sprach die Gestalt, die im Sessel saß, ein Wort aus: "Ja."
Adrian war verwirrt "Was meinen Sie?"
"Die Antwort auf deine Frage, sie lautet: Ja"
- "Welche Frage?" meinte Adrian perplex.
"Auf alle Fragen, ob all deine Fragen hier beantwortet werden, Ja."
Langsam drehte sich der Sessel nach vorn, so dass Adrian die Person, die mit ihm sprach sehen konnte.
Es handelte sich um einen Mann mit blasser Haut, die Augen waren Bernstein und Seine überlangen Haare fielen ihm schneeweiß über die Schultern bis in den Rücken, genau wie sein Rundbart, der ebenfalls schneeweiß war. Dennoch schien der Mann nicht gerade alt, er war bestimmt nicht älter als 35, schätzte Adrian.
Seine Kleidung war ungewöhnlich für dieses Land, es war eine Art weißer Yukata mit einer violetten Schärpe. Um seinen Hals schlang sich ein goldenes Collier mit Feuertopas eingefasst.
"Mein Name ist Alexander Magnus" sagte diese bizarre Gestalt hinter dem Schreibtisch "Ich habe Sie herbestellt."
"Dann sagen Sie mir doch bitte, was der ganze Aufstand soll, ich fühle mich wie in einem schlechten Mafiastreifen!" meinte Adrian, er wollte jetzt endlich wissen was eigentlich los war!
Alexander Magnus brach in lautes Lachen aus, das den Raum zum Klingen brachte: "Machen Sie sich darum keine Sorgen! Es ist ganz anders als Sie denken. Ich hörte ihren Ruf nach Rache und ich gebe zu, ihn stillen zu können war nur ein Vorwand um Sie nach Deutschland zu locken."
Adrian war schier begeistert, erst wurde er durch Halbeuropa geschifft, nur damit sich alles als ein Vorwand herausstellte.
"Was wollen Sie nun von mir? Wenn Sie mir nur eine Lebensversicherung andrehen wollen verschwenden Sie meine Zeit!"
Kurz nachdem er die Worte ausgesprochen hatte, wurde Adrian bewusst was für einen Blödsinn er da vom Stapel gelassen hatte.
Und wieder brach Magnus in Gelächter aus.
"Sie haben wirklich keine Ahnung, gut so. Ich werde ihnen alles erklären. Ich habe Sie aufgrund ihrer Fähigkeiten herkommen lassen, die ich in Form eines verzweifelten jungen Mannes einfach als verschwendet ansah"
Adrian verzog verärgert das Gesicht, dann meinte er leise "Meine... Fähigkeiten? Soll ich Ihren Kirchenchor komplettieren?" der Sarkasmus war kaum zu überhören.
Alexander Magnus lacht leise "Aber nein, Sie wissen schon was ich meine und das ist nicht Ihre Stimme" ein amüsiertes Grinsen zog sich über sein Gesicht.
Adrian wurde langsam unruhig... "Sie irren sich, ich habe absolut keine Ahnung."
Magnus fühlte sich langsam beleidigt "Lügen Sie mir nicht ins Gesicht, das kann ich auf den Tod nicht ausstehen!" trotz der Verärgerung in seiner Stimme blieb sein Gesicht recht ausdruckslos, blickte höchstens neugierig drein "Aber vielleicht kennen Sie sich selbst nicht…" Ironie in diesem Satz, "Nehmen Sie doch ihre Sonnenbrille ab."
Adrian war geschockt und zuckte leicht zusammen, sollte etwa? Sein Geheimnis, dass er immer zu vertuschen gesuchte… warum hatte er gerade HEUTE nur eine Sonnenbrille aufgesetzt?
Er weigerte sich und der Ärger schlug sich nun auch in Magnus Gesicht nieder "Nun machen Sie schon! ich werde Ihnen nicht den Kopf abreißen, nur wenn Sie mir nicht den geringsten Respekt erweisen, mir bei unserem Gespräch in die Augen zu sehen!"
Adrian beschlich ein seltsames Gefühl und mit einem Mal wusste er, dass er keine Wahl hatte.
Er ließ den Kopf hängen, stieß halb ein Seufzen, halb ein Schnalzen aus und nahm seine Sonnenbrille ab, faltete sie zusammen und steckte sie in seine Manteltasche.
Langsam hob er den Kopf und sah Alexander Magnus direkt ins Gesicht...
Alexander Magnus lachte auf "WIE ERWARTET!" er jauchzte regelrecht "Ich habe es gewusst! Ja, Sie sind der richtige Corbeau!"
Adrian war leicht geschockt von der heftigen Reaktion des sehr ruhig wirkenden Mannes, aber scheinbar hatte er ihn wohl sehr glücklich gemacht.
Er hob misstrauisch die Augenbrauen und wich einen Schritt zurück.
"Erschrecken Sie sich doch nicht gleich" meinte Magnus, der langsam seine Ruhe wiederfand.
"Setzen Sie sich lieber, das Ganze wird wohl etwas länger dauern"
Adrian hatte die Stühle vor dem dunklen Schreibtisch bisher ignoriert, dennoch setzte er sich, die Sonnenbrille hatte er schon wieder auf der Nase.
"Also..." Magnus wurde ernst "Sie sind ja Franzose... haben Sie schon mal von den 'de Illusion' gehört?"
Adrian kramte kurz in seinem Gedächtnis, schüttelte dann aber stumm den Kopf.
"Das hätte es etwas verkürzt... nun gut" er holt weit aus "Vielleicht haben Sie draußen die Treppen mitgezählt, es sind genau 13 und das hat einen Grund, es ist das Markenzeichen der Europäischen Magierzirkel"
"MAGIERZIRKEL?!" warf Adrian erstaunt ein.
"Ja, sie haben es erfasst. In Großbritannien gibt es die Red Hawk, ab Frankreich die de Illusion und im mitteleuropäischen Bereich die White Lions, diese leite ich."
"Soso" meinte Adrian, der nun fest überzeugt war einen Irren vor sich zu haben.
"Sie glauben mir nicht, aber das kann ich gut verstehen. In der heutigen Zeit ist der Glaube an das Übersinnliche geradezu ausgelöscht. Das mag man im Allgemeinen jedenfalls glauben, aber wir haben mehr Anhänger als Sie jetzt denken."
Adrian grinst seelenruhig "Es ist nicht so, dass ich nicht an Magie glauben würde, aber ich denke so etwas sollte man Gott und den Heiligen überlassen"
Magnus machte ein Gesicht, dass deutlich und etwas mitleidig 'Oh nein ein CHRIST!' sagte.
"Nicht doch, jeder Mensch hat bestimmte Fähigkeiten und Magie umfasst weit mehr als diese, sie umfasst die Psychologie, Medizin, Geister, Dämonen und Zauberei..."
"Sie wollen also Hexen züchten?" schmiss Adrian ein.
Scheinbar hatte er wohl die falschen Worte gewählt, denn an Alexander Magnus Gesicht ließ sich ablesen, dass dieser nun zutiefst beleidigt war.
"Ich wollte Sie nur vor einigen bösen Erfahrungen bewahren, Herr Corbeau. Erfahrungen, die Sie ja nun scheinbar machen WOLLEN. Glauben Sie daran, dass der Vorfall in Springfield ein Zufall war? Ich warne Sie, Sie werden gejagt und irgendwann werden Sie hier vor dieser Tür stehen und um Einlass betteln und dann werde ich da sein und Sie mit offenen Armen empfangen, weil ich ein guter Mensch bin."
Adrian setzte ein Pokerface auf "Drohen Sie mir, Monsieur Magnus?"
Magnus Blick wurde Eiskalt "SIE haben NICHTS verstanden, aber ich zwinge Sie zu nichts. Gehen Sie, verlassen Sie dieses Gebäude und sehen Sie, wie Sie zurechtkommen. Im Plaza Hotel ist ein Zimmer gemietet, dort können Sie übernachten, aber treten Sie mir nicht mehr mit diesem Hohn unter die Augen!" Alexander war wütend, mehr als er sein sollte.
Adrian erhob sich emotionslos "Es war mir keine Freude Sie kennenzulernen" dann ging er hinaus, ohne aufgehalten zu werden.
Als er die Etage verlassen hatte griff Alexander Magnus zum Hörer des sich auf dem Tisch befindlichen Telefons, wählte eine kurz Nummer und meinte dann "Martin? Meine Vorahnung hat sich bestätigt, er denkt noch zu rational, trotz dieser Anhäufung von Geschehnissen, die einen sensiblen Geist schon lange überzeugt hätten. Er ist stärker als ich dachte. Sag Evelyn Bescheid, ihr wisst, was ihr zu tun habt..."
Adrian schwebte die Wendeltreppe quasi hinab und wollte gerade hinausstürmen, als Evelyn ihn festhielt:" Herr Corbeau, ich soll ihnen das hier geben, bitte nehmen Sie es, auch wenn Sie es vielleicht niemals brauchen werden, ich bitte Sie".
Ihrem freundlichen Lächeln und den großen blauen Augen konnte Adrian nicht widerstehen und nahm das Kärtchen, dass sie ihm entgegenhielt, an.
Er ging hinaus, doch als er vor die Tür trat regnete es in Strömen.
"Mist" dachte er sich. Er zog die Kapuze wieder tief ins Gesicht, lief schnell bis zu einer Telefonzelle, wo er sich ein Taxi bestellte.
Er ließ sich von dem Taxi bis zum Plaza Hotel chauffieren, wo er dann feststellte, das er gar kein deutsches Geld dabei hatte, doch Gott sei Dank seine Kreditkarte und da Deutschland ja modern war, wurde diese auch angenommen.
Schnell checkte er ein und begab sich auf sein Zimmer im 3. Stock.
"Was habe ich doch für einen Glückstag erwischt" Sagte er mehr zu sich selbst.
"Ich werde erst einmal duschen gehen" murmelte er, wobei er den Koffer mit seinen Sachen aufs Bett schmiss.
Er hing seinen Mantel an einen Haken an der Tür und knöpfte sein Hemd langsam auf... Sein Körper sah noch mehr wie sein Gesicht erstaunlich jung aus, man hätte ihm sein Alter nicht angesehen...
Eine halbe Stunde später stand Adrian mit einem Handtuch um die Hüften vorm Spiegel und kämmte seine Haare, als sein Spiegelbild verschwamm und sich wieder begradigte.
Verdutzt sah Adrian in den Spiegel Spinn ich?.
Er dachte an den harten Tag und ignorierte es, doch es passiert wieder und im Spiegelbild lief die Szenerie aus Springfiel wie ein Film ab, wie ein maskierter Mann mit einen Maschinengewehr auf Tanja zielt und abdrückt. "NEIN!" Er stolperte zurück, rutschte aus und knallte gegen die Wand, das Zimmer verschwamm vor seinen Augen...
Adrian fand sich auf einer Bühne wieder, vor ihm tosende Menschenmassen, alles dröhnte wie Druck auf seinen Ohren.
Gepardôu spielte das Schlagzeug, sein Kumpan Logan die E-Gitarre, Kate und Tanja sangen aus voller Kraft während Remy neugierig am Bühnenausgang hervorlugte um seinen Vater bei der Arbeit zu beobachten.
Nein, nicht schon wieder Dachte sich Adrian, doch es war zu spät, schon hörte er den Knall und wie die Scheiben der Halle barsten und die vermummten Gestalten herein stürmten, unbewusst rief er "Logan! Kate! bringt die Menschen hier raus!" Schnell wollte er seine Familie in Sicherheit bringen, doch es war zu spät, der vermummte Mann eröffnete das Feuer und Tanja wurde getroffen, sie war sofort tot, auch Gepradôu wurde getroffen und schwer verletzt, einzig Adrian blieb verschont durch sein schnelles Abrollen Remy? Wo ist mein Sohn?! 'hörte' er sich denken Nicht schon wieder... schoss ihm nun durch den Kopf, doch wieder war es zu spät. Als er sich zum Bühnenausgang wandte, sah er seinen Sohn zappelnd in den Klauen von 2 vermummten Gestalten "Pére! Pére!" diese Worte klangen ihm noch heute in den Ohren, er wollte ihm helfen doch er wurde selbst niedergeschlagen.
Als er aufwachte befand er sich in einem Krankenhaus, schmerzlich sollte er erfahren, dass seine Frau und Gepardôu tot waren, sowie sein Sohn, Kate und Logan verschwunden. Die Jacke seines Sohnes fand man später am Ufer eines reißenden Kanals...
Nicht schon wieder... dachte er NEIN, nicht schon WIEDER!
Adrian fand sich auf kalten Fliesen wieder.
Sein Blick war noch etwas verschwommen, er hatte Rückenschmerzen und sein Kopf dröhnte wie verrückt, als er in seinen Nacken griff war seine Hand voller Blut.
Wie lange hatte er auf dem Boden gelegen? Er wusste es nicht.
Doch allmählich wurde ihm kalt und er stand langsam, sich an der Wand hertastend auf.
Er torkelte noch etwas schwindlig ins Zimmer und bestellte dort telefonisch den Zimmerservice mit etwas medizinischem Nähzeug und Desinfektionsmittel.
Seine Haut war schon getrocknet, er zog sich wieder eine Hose und ein Hemd an.
Allerdings war er noch ein wenig daneben, er konnte es wohl nie loswerden, dachte er sich.
Diesen Albtraum von Springfield, als alle die er geliebt hatte starben... warum nur er nicht?
Er saß auf dem Bett und grübelte über der Welten Sinn als es Klopfte.
"Zimmerservice" rief die helle Stimme eines Mädchens.
Adrian stand auf und öffnete die Tür. Ein an ihrem Wagen arg beschäftigtes junges Mädchen stand davor, lockige kastanienbraune Haare und ebenso dunkle Augen "Ihre Bestellung, mein Herr" sie hielt ihm das Medizinkit hin, während sie abwesend auf ihrem Wagen nach dem Desinfektionsmittel suchte.
"Merci," kam es kurz von Adrian, doch dann blickte ihn das Mädchen entsetzt an.
"Ist etwas?" fragte er leicht grantig ob dieser Indiskretion.
"N-N-Nichts, mein Herr" meinte das Mädchen eingeschüchtert und verzog sich in Windeseile.
Adrian zuckte mit den Augenbrauen und schloss die Tür.
Irgendwie hatte er das Gefühl, etwas vergessen zu haben, nur was? Warum hatte das Mädchen ihn so angestarrt?
Als er sich ins Bad begab, um die Wasserpfützen wegzuwischen und dabei in den Spiegel blickte, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.
Die Sonnenbrille!
Er hatte sie vergessen, kein Wunder, dass das Mädchen sich erschreckt hatte, bei seinen Augen!
Er blickte etwas von sich selbst enttäuscht in den Spiegel, warum sahen seine Augen nicht so aus, wie die anderer Menschen?
Warum fragte er sich jedes Mal, wenn ihm so etwas passierte.
Er betrachtete sich im Spiegel, sein schmales, markantes Gesicht mit dem flachen Kinnbart; die sandfarbene Haut, das glänzende schwarze, halblange Haar. Eine schmale Nase, ein voller Mund. Und seine Augen... seine vollkommen unmöglichen Augen, ein schwarzer Augapfel, wo Menschen ihn weiß hatten. Leuchtendgelbe Iris… seine Augen wirkten wirklich unheimlich und die meisten schreckten vor ihm zurück, wenn sie ihm in die Augen sahen. Das war der Grund, warum er immer die Sonnenbrille trug und in Notfällen die Augen färbte.
Warum konnte er nicht wie alle andern sein? Und warum war dieser Magnus so außerordentlich interessiert an ihm?
Er war gerade in Gedanken, als er eine Bewegung auf dem Balkon wahrnahm...
Blitzschnell drehte er sich um. Nichts war zu sehen aber... war die Balkontür nicht vor einigen Sekunden noch geschlossen gewesen?
Langsam und vorsichtig schlich er an der Wand auf die ins Zimmer wehenden Vorhänge zu... HALT! War dort nicht ein Schatten?
Schon verschwunden... Seltsam dachte sich Adrian.
Vielleicht wäre es besser wenn ich zuerst... doch er wusste, das dafür keine Zeit war, irgendetwas sagte ihm, das wenn er überleben wollte, sofort handeln musste.
Mit leisen Schritten näherte er sich dem Vorhang, quetschte sich an die Wand geschmiegt durch die Öffnung, er blieb im Windschatten und siehe da: Er erblickte eine völlig in schwarz gekleidete Gestalt!
An der Silhouette erkannte er, das es sich um eine Frau handeln musste. Ihre flinken Finger arbeiteten an einen kleinen Kästchen, dass am Balkongeländer angebracht war. Mehrere Drähte führten aus dem Kasten.
Eine Bombe?! dachte sich Adrian. Er schlich sich näher an die Frau, sie war völlig in ihre Arbeit vertieft, sie bemerkte ihn nicht oder wollte ihn nicht bemerken.
Adrian stand fast direkt hinter der Frau als er ein Geräusch hinter sich wahrnahm, doch es war zu spät.
Er spürte wie er einen harten Schlag auf den Kopf bekam, und wie die Gestalt fluchte "Hat der Kerl einen harten Schädel!".
Doch Adrian wurde schwarz vor Augen. Er lag auf dem Boden mit dem Gesicht zur Erde, er spürte die harten Schritte eines Mannes neben sich her bis zu Frau gehend.
"Wie weit bist du?" fragte eine junge Stimme "Nur noch zwei Drähte muss ich anschließen" antwortete die Stimme einer jungen Frau.
Doch Adrian war nicht lange K.O er kam schon wieder zu sich Bei den massigen Anschlägen auf meinen Kopf bin ich wohl schon abgehärtet dachte er sich während er die Augen leicht öffnete, der Mann stand direkt neben ihm.
Adrian sah darin seine Chance, er griff blitzschnell an das Fußgelenk des Mannes und zog ihm das Bein weg. Der Mann fiel auf den Rücken, ein Stöhnen war zu hören.
Die Frau drehte sich um.
Adrian sprang so schnell er konnte auf und als die Frau Anstalten machte ihn anzugreifen warf er sie mit einem leichten Judogriff über die Schulter.
"Verschwinden wir, SCHNELL!" rief der Mann der Frau zu, beide sprangen über das Geländer und... KLEBTEN an den Wänden! Sie flohen über die Fassade aufs Dach bis zum nächsten Gebäude.
Noch geschockt über diesen seiner Meinung nach unprofessionellen Angriff, musste er mit Entsetzen erkennen, dass die Bombe bereits im letzten Countdown war.
Er riss an dem Kasten doch er ließ sich nicht lösen.
Er versuchte in die Wohnung zu kommen mit dem Wissen, dass er dem Tode nicht entrinnen könnte und in Gedanken zählte er den Countdown mit.
9...8...7...6...5...4...3...2...
Adrian war gerade bei der 2. Sekunde vor der Detonation angelangt und drehte sich blitzschnell, um wenigstens dem Tod ins Auge zu sehen... doch er sah Erstaunliches!
Die Bombe hatte sich, wie von Geisterhand, von dem Geländer losgeeist und flog nun im hohen Bogen durch die Luft, bis sie sich über dem Springbrunnen auf der Mitte des Platzes vor dem Hotel befand und explodierte!
Adrian bekam nicht mehr als einen warme Druckwelle ab, die durchs Fenster drang.
Das alles geschah in wenigen Sekunden und für Adrian spielte es sich in Zeitlupe ab.
Er stand da mit offenem Mund, immer noch unter Schock, während sich auf dem Hotelplatz eine Menge an Leuten und Hotelgästen ansammelte, darunter der Hotelchef, der den Schaden begutachtete.
Die Druckwelle der Explosion hatte die einst kunstvoll gearbeitete Spitze des Springbrunnens weggesprengt und einen großen Teil geschmolzen.
Von irgendwoher hörte Adrian, immer noch still im Zimmer stehend, Sirenen, jemand musste die Polizei gerufen haben.
Wie war das eben passiert? Bomben flogen nicht einfach so durch die Gegend und für einen Windstoß war die Bombe zu fest verankert gewesen.
Irgendeinen Grund musste es doch geben!
Doch aus dem vielleicht selben unerklärlichen Grund wusste er, dass genau in diesem Moment drei Beamte des BKA die Treppe hinauf auf den Weg zu seinem Zimmer waren. Und er wusste dass ein paar Augenzeugen die Flugbahn der Bombe beschrieben hatten... von SEINEM Balkon.
Der Schock legte sich langsam, doch er spürte ein Gefühl, das Gefühl das er fliehen sollte. Warum? Doch es war so stark, dads er begann seinen nur halbausgepackten Koffer wieder zusammen zu packen und zu verschließen.
Vor seinem innersten Auge blitze das Wort "Polente" auf, während er seinen Mantel und seine Sonnenbrille an bzw. aufzog.
Warum?
Er hatte nie Angst vor der Polizei gehabt, erst recht nicht in einem solchen Jargon. Und es war auch nicht seine Schuld gewesen.
Dennoch siegte dieses Gefühl und er versteckte sich genau in dem Moment neben der Zimmertür, als die drei Beamten den verschlossenen Eingang aufbrachen und blindlinks ins Zimmer stürmten.
Anfänger. Dachte er und schob sich geschmeidig durch den Türrahmen auf den Flur, ohne dass die Polizisten ihn auch nur wahrgenommen hatten.
Der Flur war ruhig. Alles war vor Aufregung rausgerannt, so hatte Adrian keinerlei Schwierigkeit mit dem Koffer aus dem Hotel zu verschwinden.
Seltsam... Dachte er zum wiederholten Male an diesem Samstag, der schon bald ein Sonntag war Was hat das alles nur zu bedeuten?
Draußen hatte es zum Glück aufgehört zu Regnen.
Bei dem Wort regen fielen ihm die Worte von Alexander Magnus wieder ein "Ich wollte Sie nur vor einigen bösen Erfahrungen bewahren, Herr Corbeau. Erfahrungen die Sie ja nun scheinbar machen WOLLEN."
So bald wie möglich würde er diesen Herren wieder besuchen.
Doch nicht mehr Heute.
Er mietete sich unauffällig ein winziges Zimmer in einer Gaststätte und er hoffte, er fände hier nun endlich den erwünschten Schlaf...
Kapitel 2: Flucht!
Am Morgen verließ Adrian früh die Gaststätte, um das riesige Haus in dem er mit Alexander gesprochen hatte wieder aufzusuchen.
Doch als er an der Straße ankam musste er mit Schrecken feststellen, dass dort wo gestern Morgen noch das monströse Gebäude mit der Löwenskulptur und den 13 Stufen gestanden hatte nun ein leeres Grundstück sein Dasein fristete.
Als er einen Passanten auf Deutsch ansprach, sagte ihm dieser, dass das Grundstück schon seit Jahren leer stünde und angeblich niemand darauf bauen wolle, weil der Untergrund hohl sei.
Hatte er sich in der Straße geirrt? Nein er hatte sich nicht geirrt!
Aber wie war das möglich?
Adrian bekam Kopfschmerzen, zu viele seltsame Ereignisse in zu kurzer Zeit.
Wäre er doch in Lyon geblieben!
Niedergeschlagen kümmerte er sich erst einmal um sein Frühstück, indem er ein kleines Straßenlokal aufsuchte.
Drinnen roch es angenehm nach frischen Brötchen, Obst und Kuchen.
Es war ein gemütliches Lokal, die Tische hatten viel Freiraum und waren aus dunklem Holz gearbeitet, wie auch die Rückwand des Lokals.
Es war noch nicht all zu voll, so das Adrian sich eine wunderschönen Platz in der vorderen Ecke des Raumes aussuchen konnte, so dass er zwar aus dem Schaufenster sehen konnte, aber so das ER nicht zu erkennen war.
Er musste nicht lange warten bis ein junges Mädchen mit braunen zu Zöpfen geflochtenen Haaren und einer randloser Brille zu seinem Tisch kam um ihn zu bedienen.
"Sie wünschen?" fragte sie, er bestellte sich eine Baguette mit Käse und Schinken. Die Bedienung schwirrte ab und sah ihn noch etwas seltsam an, fragte sich wohl ob er überhaupt bezahlen könne. Kein Wunder, er sah durch die Ereignisse letzte Nacht etwas ramponiert aus.
Seine Haare lagen nicht richtig, er war unrasiert (der Rasierer lag noch im Hotelzimmer), sein Mantel hatte Kalkflecken und seine blickdichte Sonnenbrille machte ihn auch nicht gerade vertrauenswürdiger.
Nach einiger Zeit kam aus den hinteren Räumen ein weiteres junges Mädchen geschlendert.
Hätte nun Adrian keine verspiegelte Sonnenbrille aufgehabt hätte man sehen können, wie sich seine Augen weiteten. Dieses junge Mädchen sah Tanja mit ihren roten Haaren und rotbraunen, fast orangen Augen und dem dunklen Hautton unglaublich ähnlich.
Das Mädchen lächelte freundlich und fragte ihn höflich nach seinem Ausweis und ob er wirklich bezahlen könne.
Adrian lachte amüsiert, warum erinnerte ihre direkte Art ihn so an Tanja? Dann zeigte er ihr seinen Ausweis und das Portemonnaie.
Sie lächelte wieder und entschuldigte sich "Wissen Sie, unser Lokal ist neu und wir müssen auf jeden Cent achten, und, entschuldigen Sie, Sie sehen nicht sehr kreditwürdig aus, meinte jedenfalls Melanie,Ssie bekommen ihre Bestellung in zwei Minuten" und schon war das Mädchen wieder weg.
Melanie musste wohl die andere Bedienung gewesen sein... Hm, vielleicht würden andere Kunden sich nun aufregen aber Adrian war es eigentlich ziemlich egal, er wollte einfach etwas essen.
Tatsächlich kam das rothaarige Mädchen nach zwei Minuten mit einem Tablett hereinspaziert auf dem die bestellte Baguette ruhte.
Sie stellte es vorsichtig auf den Tisch und sortierte Messer, Gabel, Serviette und Teller aus.
Adrian bedankte sich und aß.
Als er sein Frühstück beendet hatte ging er zur Theke, wo das rothaarige Mädchen stand und bezahlte.
"Ich hoffe wir sehen Sie mal wieder" lächelte das Mädchen "Natürlich," antwortete Adrian lässig "Aber nur unter einer Bedingung" - "die wäre?", Adrian lächelte "Verraten Sie mir Ihren werten Namen."
Das Mädchen zögerte, aber schließlich zeigte sich ein fröhlicher Ausdruck auf ihrem Gesicht, den Adrian hinreißend fand und sie antwortete:"Talia, Talia Leen".
"Merci Mademoiselle, ich wünsche einen schönen Tag." Adrian verließ das Lokal, kurze Zeit hatte es ihn von seinem stressigen Wochenende abgelenkt. Talia... der Name klang so ähnlich, das Adrian es kaum fassen konnte... und ihre ganze Art glich Tanja aufs Haar, obwohl Talia wenigstens 10 Jahre jünger war.
Er beschloss sich in dieser fremden Stadt einmal umzusehen.
Adrian lief drauf los und bewegte sich entlang einer Allee, vorbei an alten Häusern und an einer Funker Kaserne.
Die Straße, die abzweigte mündete in einer Baustelle neben der sich gerade Schüler auf dem Weg zur gegenüberliegenden Schule am Gatter vorbei quetschten.
Es war nicht gerade warm, Adrian klappte den Kragen seines Mantels hoch.
In der nächsten Straße entdeckte er einen Kiosk, so etwas kannte er gar nicht.
Schließlich führte sein Weg an einem kleinen Kristallwarengeschäft vorbei und aus reiner Neugier (und einer verkappten Leidenschaft für Kristall) betrat er das Lädchen, um sich umzusehen.
In dem Laden war alles verspiegelt, um die Kristalle zu betonen.
Klare Figuren, Kristallgläser, aber Drusen, Edelsteine...
Langsam schritt er durch den nicht gerade großen Raum an dessen Ende sich eine Theke befand.
Die Theke war nicht besetzt Leichtsinn. dachte sich Adrian Wie einfach man hier etwas stehlen könnte. er schaute sich weiter um und sah in der Mitte des Geschäfts kurz vor der Theke eine einzelne Säule, auf der in einem Glaskasten eine Kugel gebettet war. Sie war glatt geschliffen, mehrere Farben vereinten sich wie Wolken auf ihrer Oberfläche, doch die Grundfarbe war scheinbar ein auberginefarbener Ton.
Fasziniert besah Adrian sie von allen Seiten, sie schien ihn förmlich anzuziehen.
Völlig im Bann der Kugel wurde er nur von einem plötzlichen Rumpeln aus dem Hinterzimmer aufgeschreckt.
Heraus kam ein älterer Mann mit zerzaustem, kurzem grauen Haar, faltigem Gesicht und einer Nickelbrille gestolpert.
"Wollen sie etwas kaufen?" fragte er etwas aufgeregt. Scheinbar bekam er nicht oft Besuch von Kunden.
Adrian schaute auf die Kugel und grinste "Ja. Wie teuer ist die Kugel dort drüben?"
Der Mann war etwas überrascht "Ohhhh das ist ein sehr altes und teures Stück, ich bin mir nicht sicher ob Sie sich die leisten können!"
Adrian grinste nur verschmitzt. " Was macht sie so teuer und woraus besteht sie?"
Der Verkäufer grübelte "Woraus sie besteht weiß niemand so genau, es scheint eine Verschmelzung von verschiedensten Edelsteinen zu sein" antwortete er "Sie ist sehr alt und als ich sie kaufte sagte man zu mir, das starke Kräfte in ihr schlummern und diese nur von demjenigen geweckt werden könnten, dem die Kugel bestimmt ist" Davon, das er auch gehört hatte das sie demjenigen, der sie missbraucht, Unglück bringe, erwähnte er natürlich nichts.
"Sie kostet 9000 Euro " sagt der Verkäufer.
Adrian besah sich die Kugel noch einmal genau. Sie war einfach wundervoll, dachte er sich, seltsam vernarrt. Er musste sie haben, über einen weiteren Sinn dachte er nicht nach.
"Ich kaufe sie!" meinte er und der alte Mann war wohl doch etwas erstaunt als Adrian ihm seine Geldkarte unter die Nase hielt. Er hatte nicht erwartet, dass dieser Mann über so viel Geld verfügte. Er packte Adrian die Kugel ein, sich sicher ein unverkäufliches und überteuertes stück Schrott losgeworden zu sein.
Doch er ahnte nicht, welche Geheimnisse die Kugel in sich hielt... als Adrian das Geschäft verließ bewegten sich die roten Wolken auf ihrer Oberfläche...
Als Adrian wieder auf die Allee trat und sich die Kugel besah, bemerkte er, dass sich die Wolken auf ihr bewegten.
Plötzlich ging von ihr ein gleißendes Licht aus.
Die Menschen um ihn herum merkten seltsamerweise gar nichts.
Das Licht umhüllte nun auch ihn und mit einem Mal erlosch das Licht und Adrian und die Kugel waren verschwunden.
In einer dunklen Höhle in den Sümpfen von Louisiana regte sich etwas und rote Augen durchstießen die Einsamkeit.
-
Zur selben Zeit in New Orleans, ein Junge bricht in eine Wohnung ein, kurz bevor er einen riesigen Rubin zu fassen bekommt wird er von einer unsichtbaren Welle durch das Fenster wieder hinausgestoßen, verängstigt läuft er weg.
Wispern. Tropfen, Kälte, Helligkeit, Wind, dröhnen... All dies nahm Adrian nun wahr.
Dann schlug er die Augen auf.
Er fand sich in einem weißem Etwas wieder.
Er spürte Boden unter seinen nackten Füßen doch es waren keine Wände zu sehen, überhaupt keine Begrenzung.
Seine Kleidung hatte sich verändert, er trug eine weiße Stoffhose und ein weißes Jackett.
"Was ist denn jetzt los?" er sah sich verwirrt um, doch dann wurde er zu Boden gedrückt...
Der unkenntliche Boden schwand einem feuchten Gefühl auf der Haut.
Plötzlich roch er Gras.
Und als er den Blick hob befand er sich im Gras, seine Kleidung war Ebenfalls wieder dieselbe wie die, die er heute Morgen angezogen hatte.
Etwas lag ihm im Rücken, als er sich herumdrehte, traf ihn fast der Schlag!
Das, was ihm in den Rücken drückte war eine mittelalterliche Lanze. Allerdings brandneu!
Er ließ seine Augen an der Lanze entlang nach oben wandern und stieß auf ein dunkles Kaltblut.
Zu dem Pferd gehörte der Reiter, der die Lanze hielt. Ein großgewachsener Mann, langes rotbraunes Haar wallte ihm über die Schultern, edle Kleidung aus vergangenen Jahrhunderten, ein samtener roter Gehrock, halbverborgen unter einem langen schwarzen Umhang.
Zu Adrians Schrecken blickten ihn unter der Krempe des schwarzen Schlapphutes Augen von der Art an, die er von sich selber kannte.
Böse schauten sie, verärgert.
Die dunkle Stimme des Fremden fragte :"Who are You? What do you do on MY Land?!"
Engländer. dachte sich Adrian.
"Das ist Ihr Land? Entschuldigt mein Eindringen, Sir, ich wusste nicht wo ich mich befinde, bitte nehmt die Lanze aus meinem Rücken." sagte Adrian etwas verschreckt in gebrochenem Englisch.
"SCHWEIG!" antwortete der Mann auf dem Kaltblut ärgerlich "Ich will nur wissen WER du bist und WAS du auf MEINEM Land machst!".
Adrian Zuckte zusammen "Ich bin Adrian Michaelis Corbeau, ich habe mich... verirrt. Dürfte ich erfahren, wer Ihr seid?" fragte Adrian so höflich wie möglich mit einer Lanze im Rücken...
Nach einigem Zögern erhob der Mann die Waffe und zog sie in ihren Halter "Ich bin Sir Remington of Cornwall" meinte dieser stolz.
"Und jetzt verschwindet von hier, ehe ich meine Hunde auf euch hetze!"
Adrian war verwirrt und er fürchtete sich vor dem großen Mann, der so gefährlich aussah.
Darum stolperte er durch die Matschig aufgeweichte Wiese als wieder die Stimme des Ritters erklang "DU GEHST IN DIE FALSCHE RICHTUNG!" Adrian drehte sich so rasch in die entgegengesetzte Richtung und lief so schnell ihm seine Füße tragen konnten...
Was war denn nur passiert? Wie kam er hierher? Wer war dieser Mann, der aussah wie aus dem tiefsten Mittelalter entflohen?
Nicht lange musste er laufen und er kam in eine Stadt. Nein es war mehr ein Dorf, dennoch waren die Häuser recht hoch gebaut. Ihm kamen die Häuser irgendwie bekannt vor... nur woher?
Natürlich fiel er in seiner Kleidung ziemlich auf unter den Marktfrauen und Dienerinnen, die einkauften oder die Kinder reicher Eltern spazieren führten.
Als der Himmel sich mit Wolken zuzog beeilten sie sich in die Häuser zu kommen und schon begann es zu regnen.
Kein Gasthaus in der Nähe...
Adrian musste unter dem Vordach einer ausgebauten Kirche Zuflucht suchen.
Er saß keine lange Zeit dort, als er Stimmen vernahm.
Es waren zwei Männer, die sich unter einem Schirm unterhielten, der von drei Dienern getragen wurde.
Sie unterhielten sich über einen Ritter und Landherren, der angeblich zu einem Teufel betete und wahrscheinlich sogar vom Satan persönlich besessen war, so wie er ritt.
Außerdem solle er ein Verhältnis mit der Hexe haben- die beiden Männer brachen das Gespräch ab als sie Adrian entdeckten.
Sie rümpften ihre bleichen Nasen und schritten schnell von Dannen.
Adrian hatte keine andere Wahl, er musste die Nacht wohl unter dem Kirchenvorbau verbringen...
Am nächsten Morgen wachte er auf. Es war früh, doch er hatte ein Geräusch gehört.
Aufmerksam lauschte er... da war doch etwas gewesen?
Hatte er sich geirrt?
"AHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!"
Der kreischende Schrei einer Frau durchzog die Stille des Kirchplatzes.
Adrian war sofort hellwach, er machte sich geschwind auf, dem Schrei auf den Grund zu gehen.
Er schritt durch das Dorf, das wie ausgestorben war, bis er auf dem großen Marktplatz ankam, wo sich eine Menschenmenge versammelt hatte.
Er bahnte sich seinen weg und sah eine Frau.
Sie hatte ein altmodisches, weißblaues Kleid an und weiße, hochgesteckte Haare, obwohl sie sehr jung aussah.
Die Männer die sie umringten packten sie gewaltsam an. Die Frau schrie aus aller Kraft als ginge es um ihr Leben, das war immerhin wohl auch der Fall.
Mitten auf dem Platz war ein mächtiger Scheiterhaufen aufgestellt worden.
"TÖTET DIE HEXE!" schrie die Menge "SCHMEIßT SIE INS FEUER! TÖTET DIE HEXE!" Die wilde Meute wurde für die "Hexe" zu einer einzigen, reißenden Bestie.
Mit Händen und Füßen wehrte sie sich gegen ihre Peiniger, die mit glühenden Eisen versuchten sie im Schach zu halten.
Immer näher zerrten sie sie zum Scheiterhaufen, ihre Hände wurden verbunden, ein Fetzen ihres Kleides wurde zerrissen als sie zu Boden stolperte.
Wie vor einer Schlange schreckten die Männer und die Menschenbestie zurück, nur um kurz später wieder aufzurücken und die Hexe nun endgültig auf den Scheiterhaufen zu bringen.
Sie wollten sie Brennen sehen.
Vor dem Scheiterhaufen postierte sich ein gut gekleideter Mann. Adrian erkannte ihn als einen der Männer, die am gestrigen Abend über den Kirchplatz geschritten waren.
Der Mann hatte einen rotschwarzen Gehrock aus feinstem Samt und Brüsseler Spitze geschneidert an, sowie einen roten Spitzhut. Er hielt eine Fackel in seiner Hand hoch erhoben.
Das Licht reflektierte sich auf der bleichen und gepuderten Haut.
"Höret! Heute ist der Tag an dem wir unser Dorf von der elendigen Pein der französischen Hexe befreien werden!" verkündete der Mann stolz. Die Menge jauchzte und jubelte.
"Doch eine Chance geben wie dir, Sybille Brévès!" er zeigt auf die am Scheiterhaufen festgebundene Frau "Gibst du zu, den Bürgermeister mit deiner dämonischen Hexenkunst verführt und dann vergiftet zu haben? SPRICH!"
Sybille sah den Mann hart an "Ich gebe NIEMALS eine Tat zu, die ich nicht begangen habe!" Sprach sie mit dem Stolz einer Todgeweihten.
"Dann Hexe, wirst du sterben!"
Die Menschenbestie schrie auf vor Blutlust "Tötet die Hexe! Tötet die HEXE! TÖTET DIE HEXE! so lange ertönte der Ruf bis er nur noch ein lautes aber unverständliches Geraune war.
Sybille ran eine Träne über die Wange, sie wollte nicht sterben.
Der Mann in der teuren Kleidung schwang die Fackel "In die Hölle mit dir! Auf das du ewige Qualen erleiden musst!" der Mob tobte als der Mann die Fackel in das mit Zunder durchsetzte Holz warf und die Flammen aufschlugen.
Die Frau schrie aus ganzer Lungenkraft, lange würde ihr diese nicht mehr bleiben.
Adrian konnte nur zusehen... in ihm tobte die Wut! Er konnte diese bedauernswerte Dame doch nicht einfach sterben lassen!
Doch das musste auch nicht sein denn...
In diesem Moment hörte man ein Wiehern und Kampfgeschrei.
Ein apfelschimmelfarbendes Kaltblut flog beinahe über den Platz und hätte fast einen alten Mann zertrampelt.
Auf ihm Sir Remington von Cornwall, wie Adrian ihn erkannte.
Diesmal ohne Hut. Er ritt tatsächlich wie der Teufel, den Degen gezogen in der Hand trieb er sein Pferd an, bis es über das Feuer sprang, im Sprung zerschnitt er die Fesseln von Sybille Brévès.
Das Feuer war noch nicht hoch, er blieb stehen und hob sie auf sein Pferd, trieb es an und ritt weiter durch die Menge, die wütenden Angreifer stur mit seinem Degen vertreibend, versuchter er über den Platz in die Gassen zu gelangen, um zu entfliehen.
Doch es gelang nicht, der Platz war umringt und nun stürzte sich ein junger blonder Hüne auf Sybille und stieß sie vom Pferd.
Sir Remington konnte ihr nicht helfen, denn er wurde selbst von drei Angreifern mit Degen angegriffen.
Adrian konnte sich nicht mehr halten, er zog die Schusswaffe (MPi), die er seit Springfield immer bei sich hatte und feuerte einen Schuss in die Luft ab.
Die Menge stob schreiend aus einander "Der Teufel! Der Teufel! Der Teufel ist erschienen! Rettet euch"
Wie abergläubisch die Menschen in dieser Zeit doch waren!
Sybille, die angebliche Hexe, versuchten sie dennoch zu beseitigen.
Der blonde Hüne stand mit gezogenem Degen an ihrer Kehle über ihr. Er wollte gerade zustechen, als Adrian, der einen schweren Stein erhoben hatte, ihn niederschlug.
"Darf ich Ihnen die Hand reichen, Lady?" fragte er höflich und half ihr auf.
In der Zeit hatte sich auch Sir Remington von seinen Angreifern befreit, deren Leichen nun auf dem Pflaster lagen "Sie holen die Garde, sorgen wir dafür, dass wir diesen Hort des Schreckens so schnell wie möglich verlassen," meinte der Ritter "Und Sie haben uns geholfen. Wollen Sie das Risiko auf sich nehmen und mit uns reiten? So nehmen Sie die Stute, die dort am Brunnen festgebunden ist!"
Er half Sybille auf das Pferd und stieg selber auf.
Adrian lief zu der Stute, ein großes, schlankes isabellfarbenes Warmblut. In einer Gasse sah er schon, wie sich die vorher so schreckhaft aufgelöste Bestie wieder zusammenraufte und nun hatten sie drei Gegner!
Ein Glück, dass er in seiner Jugend Reiten lernte, er schwang sich schnell auf das schöne Tier und trieb es an.
Mit zwei Pferden ritten sie zu dritt auf dem schnellsten Wege aus dem Dorf.
Nach längerer Zeit erreichten Sie das Stück Wiese, auf dem Adrian sich wieder gefunden hatte und danach ein größeres, von einer Mauer umrandetes Anwesen, ein älterer Diener öffnete das Tor.
Sie stiegen ab und Adrian fragte erschöpft auf Englisch "Und was machen wir jetzt?"
Sir Remington ließ das Tor zuschließen.
"Uns zuerst einmal in das Gebäude begeben"
Es war ein langes, großes aber sehr flaches Haus, schlossähnlich gebaut, mit schweren, breiten Steinquadern gemauert.
Drinnen hauchte Adrian ein warmer Luftzug entgegen, Sybille und Sir Remington liefen vor ihm durch den mit Fackelleuchtern belichteten Flur.
Am Ende des Flures war ein schönes, kleines Glasgemälde angebracht, auf dem ein Engel dargestellt war.
Mit einem Schlüssel schloss der alte Diener, der keinen Laut von sich gab, die schwere Eichentür auf und entfernte sich.
Sir Remington hieß Sybille und Adrian eintreten und hielt die schwere Tür offen. In dem Zimmer brannte ein Feuer im Kamin, in einem Grünen, leinenbezogenen Sessel auf dem Perserteppich saß eine alte Frau apathisch in sich selbst versunken. Das Zimmer war mit schönen Gemälden geschmückt, wahrscheinlich die Ahnenreihe.
Sir Remington hieß Adrian Geduld und brachte Sybille in ein anderes Zimmer.
In dieser Zeit sah sich Adrian in dem Zimmer um, es war schlicht und doch konnte man erkennen, wie reich Sir Remingtons Besitz sein musste.
Er ging die Ahnengalerie entlang.
Sie zeigte Männer und Frauen aus den früheren Jahrhunderten, in einem Bild weit hinten an der Rückwand des Zimmers war eine rothaarige Frau zu erkennen, sehr jung und sie hatte rot-schwarze Augen! An der Unterschrift des Malers (Tombolt) erkannte er, dass das Bild in Irland entstanden sein musste.
Mit einem Räuspern machte sich Sir Remington bemerkbar, er stand schon wieder hinter Adrian.
Dieser drehte sich leicht erschreckt um, weil Sir Remington so plötzlich aufgetaucht war.
"Setzen Sie sich" Sir Remington deutete auf eine mit Polstern überzogene Holzbank. Er Selbst ließ sich in einen thronartigen Polstersessel nieder.
"Der Bauernpöbel wird nicht lange damit warten uns zu verfolgen, die Garde ist bei der Hexenverbrennung immer schnell zur Stelle. Auch Sie werden sie verfolgen und verbrennen, oder hängen, wenn sie Sie bekommen, Sie haben uns ja geholfen. Sybille und Ich werden nach Südfrankreich fliehen, das Schiff ist schon lange gebucht und meine Ehre als Ritter verpflichtet mich darauf zu bestehen, dass Sie mit uns kommen, schlagen Sie ein?"
Adrian wusste immer noch nicht was eigentlich passiert war, doch er wusste, dass er alleine gegen die Bauern keine Chance hatte und dass er zu sehr am Leben hing, um zu sterben, also reichte er Sir Remington seine Hand und schlug ein, die Flucht war seine einzige Chance jemals herauszufinden, was vor sich ging.
"Sybille schläft ein wenig, am Mittag brechen wir auf, wenn Sie etwas zu essen wünschen, läuten Sie nach Henry, meinem Kammerdiener, er wird ihnen jeden Wunsch erfüllen der möglich ist. Wir sehen uns wenn die Sonne mittig am Himmel steht." Henry war der letzte im Haus verbliebene Diener, alle anderen waren zu ihrer eigenen Sicherheit fortgeschickt worden, sie würden nach dem Sturm das Anwesen sichern.
Der Ritter erhob sich und schritt trotz der Situation würdevoll auf den Ausgang zu, dann war er verschwunden.
Über die alte Frau, die da im Sessel saß, hatte er kein Wort verloren… hatte er sie überhaupt gesehen?
Adrian ging um den Sessel rum und... er war leer!
Seltsam, dachte sich Adrian, er setzte sich an das vergitterte Fenster und spürte den Luftzug der von draußen hineinwehte.
Er würde warten müssen...
Er war eingenickt, als er ein Wiehern hörte. Sybille rüttelte an seiner Schulter "Monsieur, bitte wachen Sie auf, wir wollen aufbrechen!"
Adrian folgte Sybille, die ein frisches Kleid anhatte, nach draußen, dort wartete Sir Remington vor einer Kutsche auf deren Bock der alte Diener saß.
Als sie drei auf der Kutsche saßen, gab der Diener den Pferden die Sporen und es ging los zum nächsten Hafen.
Am Abend kamen sie nach einer langen Fahrt an.
Scheinbar problemlos kamen sie durch die Straßen und Sybille und Sir Remington waren schon auf dem Aufschritt zum Schiff, als ein Messer zwischen den beiden hindurch flog und in der Hafenmauer landete.
"Schnell!" rief Adrian, so dass die beiden sich an Bord in Sicherheit brachten, er zog seine MPi und schoss auf den Werfer, der sich hinter einer Fischtonne halb in Deckung hielt, dann wurde er niedergeschlagen, er hörte noch, wie Sybille schrie und jemand das Ankerseil durchschnitt...
Nach Adrians nun auf alles Mögliche eingestellter Logik hätte er nun wieder in seiner Zeit aufwachen müssen.
Dem war nicht so. Wieder einmal fand er sich auf kaltem Boden wieder, diesmal war er aus schwarzem, groben Gestein.
Eine Gefängniszelle wie es schien. Gitterstäbe, tropfendes Wasser, Durchzug, es roch nach Verwesung.
Als er sich aufgerichtet hatte und sich umsah, erschrak er sich, denn er sah in einer Ecke der Zelle saß eine halb verweste Leiche, deren Augen und Mund offen standen und Fliegen ein und aus flogen. Ihm wurde übel und er übergab sich in die Ecke, die scheinbar als Klo diente.
"An den Anblick gewöhnt man sich" meinte eine Stimme, die hinter ihm erklang.
Er sah einen sehr jungen Mann, keine 20 Jahre alt. Er hatte kurzes, feuerrotes Haar und fast weiße Augen. Frech lächelte er Adrian an. "Ich bin Morgan (O')Magnus" stellte er sich vor, "Du hast wohl Pech gehabt, hm? Die Wachen haben über dich geredet, du hättest zwei Hexern bei der Flucht geholfen" er grinste breit.
Adrian setzte sich auf ein Holzbrett, dass als Liege diente. Hexer? Ach ja, Sir Remington und Sybille... was war mit ihnen geschehen?
"Weißt du, ob sie entkommen sind?" fragte er den Jungen höflich auf Französisch, wie dieser ihn auch angesprochen hatte.
"Sie wären fast erwischt worden, in Calais haben die Wachen gemeckert, aber sie sind entkommen" meinte der Junge.
Auf Adrians Gesicht zeigte sich ein Lächeln "Ein Glück...".
Morgan wich erschreckt zurück "W-Wie kannst du das sagen? Bist du des Wahnsinns? Die Hexe ist die Zofe der französischen Königin, wenn sie ihr erzählt was hier passiert ist, könnte ein Krieg ausbrechen!"
Adrian meinte darauf nur trocken "Sie hätten halt nicht versuchen sollen, sie zu verbrennen."
Morgan dachte nach "Das ist nun einmal so in dieser Zeit... was glaubst du denn, was sie mit dir machen werden, Schwarzauge? Zum Ball einladen? Nein, du wirst auch verbrannt werden wie, alle in diesem Kerker, so ist es eben..."
"Ganz schön trübsinnig für einen jungen Mann" meinte Adrian, das erinnerte ihn an sich selbst.
"Tja..." Morgan schaute zum vergitterten Fenster.
Eine Zeit lang herrschte Stille.
"Warum bist du hier?" fragte Adrian.
"Ich…" meinte Morgan "Ich komme aus Irland, bin mit meiner Familie hierhergekommen um besser leben zu können... aber unsere Tiere wurden krank und verendeten, so wie die des ganzen Dorfes. Wegen meiner Haarfarbe und der Tatsache, dass wir fremd waren, wurden wir verdächtigt, ich wär der Sohn des Teufels. Meine Mutter und der Hof wurden im Gelage verbrannt, ich flüchtete und wurde geschnappt. Nun droht auch mir der Feuertod."
Adrian hörte sich die Geschichte aufmerksam an, er grübelte.
"Und wenn wir hier heraus könnten?" meinte Adrian plötzlich "Ohne Gitter wäre das Fenster groß genug um hindurchzukriechen."
"Das Gitter ist aber da" meinte Morgan resignierend.
"Und wenn es nicht da wäre?"
"Es IST aber DA!" meinte Morgan leicht wütend über ihre Hilflosigkeit.
"Und wenn wir es rausbrechen?" überlegte Adrian
"Es ist zu stabil", konterte Morgan.
Adrian dachte nach. Die Wachen spielten Karten, doch nach einiger Zeit passierte das, was Adrian sich erhofft hatte, sie verdrückten sich.
Er stand auf und stellte sich direkt vor das Fenster, grub in seinen Erinnerungen, lange starrte er energisch auf die Gitterstäbe... Bei Gott, sag mir das es funktioniert.
Adrian konnte solange starren wie er wollte... es würde sich eher ein Loch in der Luft bilden als das eintreffen, was er sich erhofft hatte.
"Was machst du da?" fragte Morgan nach einer Weile.
Adrian seufzte und setze sich wieder "Ich hatte gehofft die Gitter öffnen zu können..."
Morgan musste lachen "Du spinnst!"
"Glaubst du?"
"Absolut," meinte Morgan mit einen Blick auf die längst wiedergekehrten Wächter. Er beugte sich zu Adrian rüber und flüsterte "Sei nicht so laut, so wie du sprichst, denkt man ja du wärst wirklich ein Hexer."
Adrian lehnte sich an die Wand, seine Sonnenbrille und die Waffe hatten sie ihm abgenommen und... DIE KUGEL! Das war es, sie musste diese Reise bewirkt haben! Wo war sie nun?
Aus den tiefsten Adern des Schlosses vernahm man plötzlich ein Jauchzen... ein Stöhnen... und schließlich einen Schrei. Einen Todesschrei! Er ließ die Wände erzittern.
Dann herrschte Stille.
Dunkle, niederschmetternde an den Nerven zerrende Stille...
Man hörte eine schwere Tür knallen, schlurfende Schritte, eine Art Mönch bewegte sich auf die Zelle zu, die Wachen gingen auf einen Wink zur Seite.
Der dickliche, grauhaarige Mann mit faltigem, fetten Gesicht und kleinen Stechenden Augen sah wütend aus.
"DU!" er zeigt auf Adrian "DU HEXER! DU hast die Kugel des Verderbens in dieses Haus gebracht! Ich rate dir, wenn dir Dein Leben lieb ist, nimm den Fluch von unserem Haus!"
Adrian schaltete blitzschnell und lächelte:" Warum sollte ich das tun? Womit drohen Sie mir? Sterben werde ich so oder so unter Qualen, warum sollte ich Sie begnadigen?"
Der Mönch war sauer "Du WAGST es in DIESEM Ton mit mir zu sprechen? Was fällt dir ein! Nimm den Fluch von diesem Haus!"
"Und was bringt mir das?" Adrian ging bis zu dem Gittertor "Lässt du mich und O'Magnus dann frei?"
Der Mann wurde glutrot "Gleich zwei Hexer?! Vergammel doch in deiner Zelle! Ich werde einen Weg finden den Fluch zu brechen!" er wollte schon gehen.
Adrian lachte so böse er konnte "Du wirst nur noch mehr Leid über dieses Haus und deine Familie bringen!"
Der Mönch drehte sich langsam um, ein Funkeln stand in seinen Augen...
Kurze Zeit später stand Adrian in einer Art Asservatenkammer, Morgan stand in einer Ecke. Adrian hatte energisch darauf bestanden, dass Morgan mitkam.
Morgan O'Magnus selbst fühlte sich ganz und gar nicht wohl. Dieser Adrian Corbeau kam ihm unheimlich vor und solche Augen hatte er noch nie gesehen.
Die Tatsache, dass zwei Leichen auf dem Boden lagen, fürchterlich verbrannt, machte die Sache auch nicht eben leichter.
Wie der Mönch, Bruder Laventis, erklärte, war die eine Leiche der Wächter der Asservatenkammer, die andere war die Leiche eines diebischen Dienstmädchens, laut Beschreibung gingen die Körper in Flammen auf, als sie die Kugel berührten und verbrannten in wenigen Sekunden bis zur Unkenntlichkeit.
Adrian bewegte sich vorsichtig über die Leichen hinweg zur Kugel, die auf einem Samtkissen gebettet war, hin. Die Wolken hatten sich zurückgezogen und es war fast nur der Aubergine Grundton zu erkennen.
Wenn es wieder funktioniert... komme ich hier weg und Morgan auch.
Er streckte seine Hand aus, um die Kugel zu umfassen.
Leider spürte er in diesem Moment einen spitzen Gegenstand in seinem Rücken.
"So einfach machen wir es dir auch nicht, Hexer!" meinte Bruder Laventis.
"Ich muss die Kugel anfassen, um den Fluch von ihr zu nehmen" erwiderte Adrian entschieden.
Morgan wusste nicht so ganz was er von der Situation halten sollte, ihm war die ganze Sache nicht geheuer.
"Soll der Hexer doch verbrennen!" fluchte ein Wächter dann.
In dem Moment schnellte Adrian vor und schnappte die Kugel, die smaragdgrünen Wolken begannen zu beben und zu wabern und bewegten sich über die ganze Kugel, das Messer, dass man in Adrians Rücken stoßen wollte prallte ab.
"Morgan! Beeil dich, du musst hier rüber!" rief er Morgan zu.
Der zerrte sich los und lief auf Adrian zu, doch kurz bevor er Adrians ausgestreckte Hand erreichte zog ein gleißendes Licht auf und Morgans Hand prallte kurz vor Adrian ab, wie schon das Messer zuvor.
Adrian sah noch wie der Wachmann ihm einen Degen durch den Rücken ins Herz stieß "Morgan! NON!" Doch es war zu spät...
Fast im selben Moment fand er sich wieder auf der Alleestraße im Gehen.
Nichts hatte sich weiter bewegt, als er weg war, immer noch ging nicht weit vor ihm eine blonde Frau im roten Kleid.
Er hielt die Kugel, die wieder ihren auberginefarbenen Zustand angenommen hatte, immer noch in der Hand. Schnell packte er sie wieder in die Ummantelung aus Watte und Papier und in seine Manteltasche zurück.
Das Geschehene musste er erst einmal verarbeiten.
War das nur Einbildung gewesen? Oder hatte er tatsächlich eine Reise durch die Zeit geschafft?
Was war diese Kugel eigentlich?
Zu gerne hätte er die Antworten auf diese Fragen gehabt, doch er kannte sie nicht.
Und er kannte auch niemanden, der sie ihm hätte geben können. Außer diesem mysteriösen Mann namens Alexander Magnus, der samt seinem Haus und seinen Bediensteten verschwunden war.
Er bewegte sich weiter zurück, bis er wieder an dem kleinen Lokal in der Nähe des leeren Grundstückes, wo sich einst das riesige Haus des Alexander Magnus befand, ankam.
Es waren nun ein paar Gäste mehr da. Natürlich, es war Mittagszeit, aber voll konnte man es nicht nennen.
In Gedanken versunken schlenderte er hinein und setzte sich an den Ecktisch an dem er sich schon am Morgen niedergelassen hatte.
Adrian dachte an Morgan.
Zu gerne hätte er ihm geholfen. Stattdessen musste Morgan durch die Klinge eines Wachmanns sterben.
Warum war er abgeprallt?
Konnte die Kugel nur eine Person befördern? War es einfach nur, weil Morgan nicht in die heutige Zeit gehörte?
Oder war es Schicksal?
Blödsinn!
An so etwas wie Schicksal und Vorhersehung glaubte Adrian nicht wirklich.
Obwohl er zugeben musste, dass sein Leben seit einigen Tagen mehr als merkwürdig wurde.
Gott, warum musste das alles ausgerechnet IHM passieren?
WAS hatte er verbrochen? Er hatte eine Karriere und eine Familie und Freunde! Und all das am Ende so schnell verloren...
Was bin ich nur für ein Versager, schoss es Adrian durch den Kopf.
Wütend über sich selbst knallte er die Faust auf den Tisch und vergrub sein Gesicht in der freien Hand.
Er wollte einfach nichts mehr denken... konnte nicht jemand in dieses Café kommen und ihn einfach erschießen?
Dann fühlte er eine Hand auf seiner Schulter, aber er sah nicht hoch.
Eine zögerliche Mädchenstimme sprach ihn an "Ehm... mein Herr, geht es Ihnen nicht gut? Haben Sie schmerzen? Soll ich Ihnen einen Arzt Rufen?"
Nun blickte er doch auf. Es war Talia, sie sah ihn besorgt an.
Er lächelte gequält und meinte "Non, ma chère, es ist alles bestens... alles bestens..."
Talia hob eine Augenbraue "Nun mein Herr, das glaube ich Ihnen aber nun wirklich nicht! Sehen Sie sich doch nur an!" meinte sie und deutete auf die zerzausten Haare und die Kalkflecken auf seinem Mantel.
"Wissen Sie was? Melanie bringt Sie nach hinten in unseren Aufenthaltsraum, ich habe in einer halben Stunde Schluss und dann erzählen Sie mir, was los ist und ich seh' zu, ob ich Ihnen helfen kann. Einverstanden?" Sie blickte ihn mit ihren großen rotbraunen Augen an.
Adrian wollte abwinken "Non, nicht nötig, ich komme schon zurecht," wollte er sagen. Doch dazu kam es nicht.
"Keine Widerrede!" unterbrach ihn Talia und ließ ihn von Melanie schlicht abschleppen, ob er nun wollte oder nicht...
Im Hinterzimmer war es noch etwas dunkler, es war angenehm warm und roch nach frischen Brötchen. Durch ein Gitterfenster mit grünen Gardinen fiel helles Tageslicht ein, eine Zeit lang wurde er alleine gelassen. Dann kam Talia hinein, setzte sich ihm gegenüber und lächelte ihn an.
"Nun mein Herr..."
"Sie können mich Adrian nennen."
"Adrian. Schöner Name. Erzählen Sie mir doch, was Ihnen so zu denken gibt"
"Ich glaube wirklich nicht, dass Sie mir das glauben würden, werte Talia."
Talia stand auf und ging zu einer Kaffeemaschine, die auf einem kleinen Schrank abgestellt war.
"Kommen Sie schon, auch wenn es sich komisch anhört. Und wenn schon! Ich denke nichts ist unmöglich. Nun erzählen Sie schon." sie stellte sich und ihm je eine Tasse Kaffee hin.
Adrian begann zu erzählen und Talia hörte ihm aufmerksam zu. Nach ca. 1 1/2 Stunden hatte Adrian geendet. Talia sah ein wenig bedrückt auf die Tischplatte.
Adrian sank etwas den Kopf und versuchte Talia anzugucken "Nimmt Sie das so mit?"
Sie schwieg kurz und meint dann "Hmhm... es ist nicht mal die Geschichte selbst nur... hat mein kleiner Bruder vor kurzem einen ganz ähnlichen Traum gehabt."
Das versetzte Adrian nun doch einen leichten Schock.
"Was denn? Wirklich?"
Talia nickte nur "Ja... Er hat mir davon erzählt. Er träumte davon in der Renaissance gewesen zu sein und zwar in Lyon, dort sollte eine Hexe verbrannt werden, doch er lenkte die Leute ab und dann wurde das Mädchen von einem Mann im Umhang gerettet, dieser nahm auch ihn dann mit. Als sie auf einer entlegenen kleinen Burg außerhalb der Stadt ankamen, nahm der Mann den Hut ab und es stellte sich heraus das es eine junge Frau war mit langen blonden Haaren. Naja, mein Bruder hatte das Ganze noch etwas ausgeführt bis er in einem Kerker gelandet ist... Ich hab das Ganze für jugendliches Geschwätz gehalten, aber ist schon seltsam"
Adrian lächelte "Ich komme aus Lyon... es gibt da eine Sage über so einen Vorfall," er legte den Kopf schief "Irgendwie passieren mir in letzter Zeit nur unnachvollziehbare Dinge..."
Er empfing einen mitleidig warmen blick von Talia, sie war wirklich ein sehr hübsches Mädchen und glich Tanja auf eine seltsame Weise bis aufs Haar.
"Wo wohnen sie eigentlich?" fragte sie.
"Momentan nirgendwo... " meinte Adrian auf die Frage... er war sich sicher nicht wieder in das selbe Hotel zurückzukehren, er würde nur seinen Koffer abholen und dann wo anders einchecken.
"Hm... also meine Eltern sind momentan verreist und wir haben ein Gästezimmer. Sie könnten sich dann auch einmal mit meinem Bruder unterhalten. Interesse?" Sie stützte das Kinn auf ihre gefalteten Hände und sah ihn mit großen, erwartenden Augen an.
Adrian antwortete ihr mit einem Lächeln...
Einige Zeit später:
Talia stand vor dem Lokal. Sie hatte Dienstschluss und wartete auf Adrian.
Dieser war in das Motel zurückgefahren, um seine Sachen zu holen.
Ihr Gesicht erhellte sich, als sie ihn kommen sah. Er hatte zwar immer noch einen Dreitagebart und eine verspiegelte Sonnenbrille auf, doch er hatte sich immerhin Die Haare zurückgekämmt und den fleckigen Mantel gegen eine halblange Lederjacke eingetauscht. Insgesamt machte er einen Eindruck, als wäre er bei einem Men in Black Film ausgebrochen. Doch das störte sie nicht. Talia fand diesen mysteriösen Mann ausgesprochen interessant.
Sie hakte sich bei ihm unter und führte ihn durch die Straßen zu sich nach Hause. Es war ein einfaches zweistöckiges Haus. Weißer Putz und taubenblaue Fensterrahmen. Eine kleine Treppe führte zur gläsernen Klinkertür.
"Ich finde es äußerst freundlich von dir, einen wildfremden Mann einfach so eine Herberge zu spendieren" meinte Adrian zu Talia. Diese lächelte einfach nur und schloss die Tür auf.
Drinnen war es dunkel und obwohl Talia schnell das Licht einschaltete blieb es dämmrig, die Wohnung war in Taubenblau und Grautönen gehalten. Die Möbel waren blaugrau oder aus dunkler Eiche. Es sah alles sehr einfach doch auch sehr edel aus.
Eine weiße Marmortreppe mit einem Drillgeländer aus schwarzem Metall führte hinauf in den nächsten Stock.
Adrian konnte geradeaus weiter eine Küche erkennen und wenn man links abbog kam man wohl in das Wohnzimmer.
Talia führte ihn hinauf in die 2. Etage.
Ein Gang mit blauem Velourteppich führte nach links und rechts. Auch hier war es recht dunkel, aus der linken Seite des Ganges klang leise Popmusik.
"Ich denke mein Bruder ist zuhause. Komm, ich zeige dir das Gästezimmer" sie zog ihn hinter sich her in den rechten Gang. Dort war es nun wirklich nötig Licht zu machen, der Gang erhellte sich und war mehr in einer Art warmen Grün gehalten.
Adrian bezog das Gästezimmer währen sich Talia hinab in die Küche begab.
Es verging einige Zeit bis es früher Abend war.
Talia rief ihn hinunter in die Küche sie hatte gekocht, es gab ein Hirschgulasch mit Knödeln.
Adrian hatte nun aus bestimmten Gründen in seinem Leben noch keine Knödel gegessen und sah Talia darum etwas misstrauisch zu wie sie diese von ihrer Plastikhülle befreite.
Talia grinste darüber nur und bot ihm einen Stuhl am Küchentisch an.
"Mein Bruder, Logan, kommt nachher auch, er macht noch Schulaufgaben. Ich hab ihm von dir erzählt. Er ist sehr gespannt was du ihm erzählen kannst."
Sie saßen schon eine Weile am Küchentisch und Talia war dabei aufzuscheppen, als Adrian ein Knarren von der Treppe hörte. "Wer wollte mich sprechen?" kam eine jugendliche Stimme von dort.
"Komm erst einmal runter und zeig dich, oder hast du Angst vor dem Licht?"
Adrian beugte sich etwas zur Seite um auf die Treppe sehen zu können.
Ihm kam ein wahrer Riese entgegen (1. 99m) leicht gebräunte Haut, gut durchtrainiert, ausrasierte, Blonde und gegelte Haare, meeresblaue Augen. Logan trug ein weißes Muskelshirt und eine aschgraue Jeans.
Als er unten angekommen war reichte er Adrian zur Begrüßung die Hand "Logan Leen" meinte er um sich vorzustellen.
"Adrian Corbeau"stellt sich Adrian seinerseits vor
Adrian bemerkte es zunächst nicht, oder wollte es nicht merken, hatte doch der Name schon ein seltsames Gefühl ausgelöst… doch als er Logan genauer betrachtete, seine Gesichtszüge... fiel es ihm wie Schuppen von den Augen! Dieser junge Mann sah genauso aus wie sein früherer Bandgitarrist, der vor einigen Monaten spurlos verschwand.
Wie war das möglich?
War Deutschland das Land der Doppelgänger?
Doch seltsamer Weise kam auch Logan dieser fremde Mann bekannt vor, obwohl er sich sicher war ihn noch nie im Leben zu Gesicht bekommen zu haben. Wen hatte seine Schwester nur jetzt wieder mit nach Hause gebracht?
Talia sah etwas peinlich berührt von ihrem Bruder zu Adrian und wieder zurück "Ähm, Jungs? Ihr könnt euch später noch anstarren jetzt wird erst einmal gegessen!" sagte sie Energisch.
So überrumpelt setzten sich die beiden natürlich sofort brav an den Tisch um das Essen zu genießen.
Nach einer Weile war das Essen beendet und Talia beim Tischabräumen geholfen. Dann zog sich Talia zurück um Logan und Adrian In Ruhe reden zu lassen.
"Sie sind Franzose, richtig?"
"Ja, Ich komme aus Lyon, wenn ich Talia richtig verstanden habe seid ihr Kanadier?"
"Genau." antwortete Logan.
"Deine Schwester erzählte mir das du... manchmal etwas seltsame Träume hast."
"Hm, jaa" Logan sah nachdenklich aus, er war nicht sicher ob er es erzählen sollte.
"Also... vor einer Woche fing das an, ich fand mich in einem Wald wieder, scheinbar in England. Ich konnte beobachten, wie jemand auf einem Pferd mit einer Frau dabei aus dem Dorf oder was auch immer es war ritt und kurz hinterher ein weiterer Mann" er zögerte "... Dieser Mann sah Ihnen sehr ähnlich."
Adrian setzte einen nachdenklichen Gesichtsausdruck auf "Ich denke wir werden viel zu besprechen haben..."
Nachdem Logan und Adrian festgestellt hatten, dass sich die Träume mit dem, was Adrian erlebt hatte, in allen Details ähnelten – ohne, bis auf die hauptsächliche Handlung – saßen sie sich zunächst ratlos gegenüber. Logan war noch jung und als Sohn eines Anwalts hatte er sich nie mit solchen Dingen befasst, sein Vater wäre bestimmt nicht davon begeistert zu erfahren, dass er diesen Träumen tatsächlich Bedeutung beimaß. Seine Mutter wäre eher ansprechbar, doch er fürchtete, dass dies auch ihre Kenntnisse überschritt. Auch für Adrian machte das alles keinen Sinn. Gut, da war etwas, seine Eltern hatten ihn in vielen Dingen wie ein rohes Ei behandelt – ein Grund dafür, warum sie so geschockt auf seine Entscheidung Musiker zu werden reagierten – aber seine Mutter hatte, als er noch klein war, immer davon gesprochen er sei etwas Besonderes. Irgendwann hatte sie damit aufgehört und er hatte es vergessen, doch jetzt wurde er das Gefühl nicht los, dass sie etwas Bestimmtes damit gemeint hatte. Er hatte bereits versucht sie zu erreichen, doch sie ging nicht ans Telefon, das beunruhigte ihn sehr.
„Ich… weiß nicht wo wir anfangen sollen," sagte er. Logan zuckte mit den Schultern, ebenso ratlos.
„Vielleicht sollten wir morgen noch einmal den Weg abgehen, zurück zum Magierzirkel… oder wo er sein sollte. Ich weiß nicht ob das etwas bringt, aber vielleicht erkennst du ja noch etwas wieder, vielleicht gibt es noch irgendwo einen Zusammenhang, irgendetwas das… Sinn ergibt."
Wieder ein Schulterzucken, was sollte er von einem Teenager erwarten?
„Du solltest dann deine Sachen mitnehmen. Hey, tut mir Leid aber unsere Eltern kommen bald zurück und naja, Talia bringt sonst nur ihre Freunde mit nach Hause, die sie dann schon kennen."
„Aber ich bin doch nicht ihr Freund," wandte er ein, Rast war ihm wohl nicht vergönnt.
„Das macht es nicht besser! Mein Vater ist Anwalt, also…"
„Verstehe schon." Adrian stand auf und streckte sich „Alles klar… darf ich euer Bad benutzen?"
„Ja, klar, also… hey, ich bin morgen auf jeden Fall dabei, klar?"
Adrian lächelte „Gut."
Nachdem er sich wieder hergerichtet hatte zog Adrian sich in das Gästezimmer zurück, er hörte, wie die Geschwister leise miteinander tuschelten, es war schon eine ungewöhnliche Situation. Wie alt mochte Talia sein? 20? 22?
Er ließ sich aufs Bett fallen und starrte an die Decke, schloss dann die Augen. Das war alles zu verrückt… die Welt war vollkommen verrückt geworden und er konnte nur an das Gesicht dieser Frau denken, die Tanja so ähnlich war. Nicht nur ihr Aussehen, auch ihre Art und ihre Bewegungen, sie glich ihr in allem, es schmerzte sie zu sehen und gleichzeitig auch nicht. Doch das ganze bekam einen weitaus gruseligeren Aspekt als ihr Bruder dazugekommen war. Logan… sah aus wie Logan, sein Logan und bester Freund, nur viel jünger – wie konnte das nur sein?
Er schlief nicht gut, aber traumlos. Dafür war er am nächsten Morgen irgendwie dankbar. Talia hatte Frühstück gemacht, war aber bereits zur Arbeit. Logan versicherte ihm glaubhaft, erst am Nachmittag Schule zu haben und wenn er ehrlich war sah er sich auch nicht in der Verantwortung, die Bildung des Jungen zu überwachen.
Nach dem Frühstück machten sie sich auf den Weg und verfolgten den Pfad, den Adrian am Tage zuvor noch gegangen war- doch das war nicht leicht, irgendwie schien sich die Umgebung verändert zu haben. Adrian hätte schwören können die Allee war am Tag zuvor noch heller und weniger bewachsen, die Straße ruhiger… aber mittlerweile glaubte er sich selbst schon kaum noch. Irgendwie fanden sie doch den Ort, an dem das Gebäude hätte stehen sollen. Nun stand dort nur ein großer Gitterzaun, der mit einem Vorhängeschloss verschlossen war. Auf dem Schild stand das Grundstück zum Verkauf, doch es fehlte jeder Ansprechpartner. Seltsam.
Logan hatte die Hände in den Taschen, stellte sich auf die Zehenspitzen und lugte über den Zaun „Sieht ziemlich öde aus, da wächst noch nicht einmal etwas." Er wippte zurück, „also ich erkenne hier nichts wieder. Du bist sicher, dass es hier ist?"
Ja verdammt, wollte Adrian sagen, behielt es aber für sich. Er war sich sicher, absolut sicher, doch das Grundstück war genau so leer wie zuvor…
„Ich geh mal hier rum und seh mich um, ob ich etwas finde, aber ich denke nicht. Vielleicht war es doch nur ein seltsamer Traum." Das wollte Logan zumindest so wahr haben, doch das würde auch bedeuten, die blonde Frau nie wieder zu sehen und… das hätte er so gern. Er hatte ihr Gesicht nur einen Moment gesehen sie… kam ihm bekannt vor. Doch in Adrians Version gab es diese Frau nicht, ein Mann hatte die angebliche Hexe gerettet.
Adrian nickte ihm nur zu, starrte den Zaun an als sei er sein persönlicher Feind, versuchte irgendwas auf dem öden Feld zu entdecken. Unbewusst hob er die Hand und wollte sie durch die Stränge stecken doch als er den Zaun berührte, fiel das Vorhängeschloss einfach zu Boden, die Tür war offen.
Einen Moment blieb er überrascht stehen, doch dann ging er hindurch. Plötzlich waren die Geräusche der Straße nur noch ganz dumpf, es war leise, still. Er rief Logan zu, dass er einen Eingang gefunden habe doch als er sich drehte, schien Logan ihn weder gehört zu haben, noch zu sehen.
Es wurde warm, ihm wurde schwindelig, alles drehte sich und plötzlich war er nicht mehr allein. Neben ihm stand die bekannte Gestalt des Alexander Magnus, mit einem zusätzlichen weißgrauen Mantel bekleidet, der Schwindel legte sich.
„Du…!" Adrian richtete sich auf und wusste nicht, ob er ihn wütend anspringen sollte oder nicht, doch Magnus bot ihm keinerlei Angriffspunkt, er stand ruhig da, mit hinter dem Rücken verschränkten Händen.
„Hast du sie getroffen?" Die Antwort kannte er natürlich schon, Adrian wusste das.
„Was soll das? Wollen Sie mich quälen?! Sie sieht genauso aus wie…"
„Sie ist Tanja."
Das verschlug Adrian die Sprache, er starrte ihn nur an, sah zurück zum Zaun wo Logan ihn suchte und nicht finden konnte und wieder zu Magnus zurück „Aber wie…?"
„Das hier," sagte der weißhaarige Mann „ist ein Ausblick. Ein kleiner Moment in der Zukunft, die du haben könntest."
„Wovon sprechen Sie?" fragte Adrian mit Herzklopfen, Tanja war tot, wie konnte das nur sein, wie konnte sie hier herumlaufen?
„Deine Welt, Adrian, existiert nicht mehr."
Nun wurde ihm schlecht, sein Hals krächzte. Magnus sagte das mit einer solchen Bestimmtheit, er zweifelte nicht mehr daran. Er musste sich setzen. Glücklicherweise landete er auf einer weißen Gartenbank, die Welt um sie herum verschwamm und sie fanden sich in einem kleinen, viereckigen Innenhof des großen Gebäudes wieder, das hier sowieso hätte stehen sollen.
„Deine Welt, Adrian, ist vergangen," setzte Magnus wieder an und nahm neben ihm Platz, „dir war großes bestimmt, doch durch einen magischen Eingriff wurdest du einen Tag zu spät geboren, im falschen Zeichen."
Adrians Hirn ratterte, er wurde am 1. Mai geboren… nur einige Minuten nach Mitternacht.
„Nun bist du ein Relikt… das Relikt einer fehlgeschlagenen Prophezeiung."
„Prophezeiung? Was für eine Prophezeiung?!" fragte er entsetzt, sollte ihn noch irgendetwas schockieren? Drehte er vielleicht einfach durch und der Mann war gar nicht real, vielleicht bildete er sich das nur ein, vielleicht lag er mit einem psychotischen Anfall noch in seinem Hotelzimmer in Lyon?
„Es gab eine, nur so viel kann ich dir sagen. Deine Freunde und du… ihr solltet die Welt retten. Doch die Prophezeiung scheiterte, zu viel ging schief und die einzigen, die die Welt hätten retten können, starben… bis auf dich. Du bist die Anomalie, der zu spät Geborene. Als deine Welt verging, ging dein Bewusstsein in diese Welt über, in deinen Körper, teilweise verschmolzen die Welten, das passiert manchmal offenbar."
Adrian legte den Kopf in den Nacken, der Himmel über ihm war leuchtend Blau und mit wenigen Wolken unterbrochen, er lachte nervös. Jetzt fing Magnus auch noch an sich unsicher anzuhören, auf diesem Gebiet war er wohl kein Experte. „Sie wollen mir sagen, meine Welt ist tot? Alle sind tot? Nicht nur meine Familie, meine Freunde starben, jetzt soll ich dafür verantwortlich sein, dass alles gestorben ist?" er schüttelte den Kopf, das konnte er nicht akzeptieren, das könnte niemand akzeptieren.
„Nein, nein!" wehrte er ab „Prophezeiungen treffen ein oder gehen fehl, es muss immer beides geben aber eben das ist das Problem…"
„Hören Sie auf!" rief Adrian, der es im Herzen schon glaubte, doch es nicht glauben konnte, „Ich kann das nicht glauben, wie soll ich so etwas glauben können?! Sie sind verrückt!" Oder ich bin verrückt.
Magnus schüttelte den Kopf, er hatte Verständnis für den verzweifelten Mann neben sich. Auch für ihn war es das erste Mal, so jemanden zu treffen, so eine Botschaft überbringen zu müssen, war er doch selbst ein Relikt und begriff nur grob, was er zu tun hatte.
„Sieh an dir herab," sagte er „im Spiegel hast du dich auch gesehen. Worauf schiebst du deine Verjüngungskur? Dein Körper ist viele Jahre jünger als dein Geist."
Das konnte Adrian nicht verneinen, ihm war aufgefallen, dass er jünger war, auch kräftiger und von einer unterschwelligen Stärke, die ihn durchdrang und die er nicht verstehen konnte.
Magnus sah, dass seine Worte auf fruchtbaren Boden gefallen waren.
„Du bist ein Relikt und seit wir wussten, dass du hier angekommen bist, haben wir alles getan um deinem Bewusstsein, dass mit dem dieses Körpers verschmolzen ist, entgegen zu kommen, damit du deine Erinnerungen behältst. Es gibt einige Differenzen zu der Welt, die du kennst, aber es ist wichtig, dass du sie ausnutzen kannst."
Er drehte sich ihm zu und nahm Adrians Hand, erstmals merkte dieser, wie aufgeregt der Mann ihm gegenüber war, er konnte seinen Puls ganz genau fühlen.
„Die Prophezeiung gilt auch in dieser Welt," fing er an „aber die Katastrophe droht sich zu wiederholen! Das Universum, es verkraftet keine weitere Welt im Niedergang, die Balance muss erhalten werden!" er sah ihm intensiv in die Augen „Wenn du uns nicht hilfst, dann wird nicht nur diese Welt zerstört werden, sondern vielleicht noch viel mehr."
Adrian schwieg. Was sollte er dazu sagen? Wenn das alles wahr war...
„Du möchtest Talia doch wiedersehen, oder? Tanjas Bewusstsein und das ihre sind jetzt eins."
Adrian schluckte, sein Hals fühlte sich immer noch trocken und rau an „Geht… geht das denn?" Kann ich wirklich wieder mit ihr zusammen sein?
Magnus erahnte seinen Gedanken „Das liegt ganz an dir."
Adrian lehnte sich wieder zurück, legte die Hände übers Gesicht, ächzte und jaulte.
„Du kannst uns alle retten, du kannst sie alle retten," sagte Magnus eindringlich.
„Alle?" fragte Adrian hellhörig „Du meinst…"
„Deine Familie. Ja. Du kannst sie alle retten."
„Aber… wie? Ich … ich bin nichts besonders. Ich bin Musiker, Geschäftsmann, das wovon Sie reden… das alles ist mir fremd. Ich weiß nicht, wie ich helfen soll."
Magnus klopfte ihm auf die Schulter „Wir werden dir helfen, zu helfen. Wir werden dich und deine besonderen Fähigkeiten ausbilden."
„Meine… besonderen Fähigkeiten?"
„Das Universum… das Schicksal… Gott.. nenn es wie du willst, es… es will sichergehen, dass du deine Rolle ausfüllen kannst. Du bist der Mentor, du musst die Akteure dieser Prophezeiung zusammenführen, alles liegt an dir… deshalb hast du besondere Fähigkeiten erhalten, um sicher zu stellen, dass du dich durchsetzen kannst."
Adrian musste an die Bombe im Plaza Hotel denken, die sich von allein gelöst hatte. Magnus legte nach: „Wenn du mitmachst, wenn du dein Bestes gibst… wird alles gut werden. Doch es gibt einen Preis."
„Einen Preis?" fragte der erschöpfte Franzose matt.
„Einen… hohen Preis," sagte Magnus schwer „Springfield." Der Name war Drohung genug und Adrian erbebte „wenn alles nach Plan verläuft… wirst du bei dem Massaker sterben," sagte Magnus ernst „aber dein Sohn, Adrian, dein Sohn wird leben. Verstehst du mich, Adrian? Dein Sohn wird leben und ein erfülltes Leben haben, deine Familie wird leben, deine Freunde, diese Welt…"
„Wenn ich mich opfere," stellte Adrian dunkel fest und sah Magnus in die Augen „Gut."
„Gut?"
Adrians Augen glänzten plötzlich mit einem inneren Feuer „Gut. Wenn mein Sohn lebt… wenn sie alle leben… dann bin ich bereit alles zu opfern." Denn wie es war, als einziger zurück zu bleiben, kannte er ja nun zur Genüge. Die Aussicht, doch noch etwas ändern zu können, gab ihm Kraft.
Magnus wusste nicht wie er sich fühlen sollte, leicht, überrascht und… vor allem überrascht. Vor diesem Mann lag ein schweres Schicksal und vor ihnen beiden viel harte Arbeit doch nun auch Hoffnung und so wie dieser Mann ihn ansah… er konnte sich auf ihn verlassen. Adrian war entbrannt und seine Flamme würde hell leuchten, nun musste er nur in die richtige Richtung gelenkt werden.
„Was muss ich tun?" fragte er und dachte gleichzeitig Wann kann ich Talia wiedersehen?
„Ganz langsam," antwortete Magnus „Du brauchst Zeit. Zeit um dich in dieser Welt zu Recht zu finden, Lücken zu entdecken und deine Dinge zu regeln. Mach dir keine Sorgen, das, was du gesehen hast, ist noch Jahre entfernt. Wenn du alles geregelt hast…" er griff in die Tasche seines Mantels und reichte Adrian eine Metallkarte „kommst du zurück und zeigst dies dem Nachtwächter, Frau Schönberg wird dich dann in Empfang nehmen. Dann werden wir mit deiner Ausbildung beginnen und dich nach besten Kräften unterstützen, deine Bestimmung zu erfüllen."
„Wer.. ist wir?"
Magnus lächelte „der ganze Zirkel der Weißen Löwen, Adrian. Wir stehen alle hinter dir und wenn du so weit bist, werden wir dich gerne in unserem Kreis willkommen heißen."
Adrian atmete tief durch „Also gut. Ich bin dabei." Ich will es… ich will das hier bestreiten und es diesmal richtig enden lassen.
Adrian reiste zurück in seine Heimat. Er traf seine Eltern, die ihm völlig normal vorkamen. Das Anwesen war etwas anders, es waren Details. Blumen waren anders gepflanzt, die Farben der Hofkacheln anders. Niemandem fiel das auf, es war schon immer so, er war der einzige, der es wusste, der wusste, dass es noch eine andere Welt gab die dieser so sehr ähnelte aber anders war. Vergangen war. Dieses Wissen wog schwer auf ihm.
Er regelte seine Dinge, stellte fest, wo er im Leben war. Offenbar hatte er seine Ausbildung abgeschlossen, offenbar war er nicht Sänger, sondern Pianist, offenbar hatte er sein Erspartes hier nicht aufgebraucht sondern gut angelegt und so fiel es ihm nicht schwer seinen Eltern vorerst Adieu zu sagen und seinen Wohnsitz nach Deutschland zu verlegen.
Er begann die Ausbildung im Zirkel. Ihm war bereits aufgefallen, dass er anders war. Er brauchte niemanden, der ihm bei Tisch den Salzstreuer reichte und er musste auch nicht von einem spannenden Buch aufstehen, um sich Kaffee zu holen… mit dem Einschenken funktionierte es nicht so gut. Mittlerweile wusste er, wie man das nannte. Seit er Zuhause angekommen war, hatte er alle möglichen Bücher über das Übersinnliche verschlungen, sich selbst in Geschichte fortgebildet, und in Psychologie – nur um sicher zu gehen. Er war ein Telekinet, so nannte man das. Das alles war für die Mitglieder des Magierzirkels nichts neues, in dem riesigen unterirdischen Komplex gab es alle möglichen Wesen. Adrian lernte sie langsam kennen und mit ihnen den Druck, der auf ihm lastete. Die Mitglieder waren gespannt auf ihn, aber man erwartete auch viel, er wurde besonders und gleichzeitig wie aussätzig behandelt.
Doch nach den ersten Wochen beruhigte sich alles und er kam mit den meisten auf einen guten Zweig.
Die Ansprüche waren enorm, er wurde in verschiedenen Kampfkünsten trainiert, Ermittlungs- und Verhandlungstechniken geschult und seine Telekinese ausgetestet.
Über die Jahre wurde er immer besser und kam schließlich in den Außendienst. Er hatte gelernt, dass es neben der Welt der gewöhnlichen Menschen eine verborgene Realität gab, in der die dunkelsten Wesen die Menschheit heimsuchten und quälten. Diese Gefahren wurden von den aktiven Mitgliedern des Zirkelst gejagt und entweder ungefährlich gemacht oder vernichtet, die Mitglieder des Außendienstes waren die Jäger und auch er wurde ein Jäger. Man gab ihm den Codenamen Raven, das war nicht kreativ aber so musste er sich nicht stark umgewöhnen, außerdem gefiel ihm das Image.
Rein zufällig war er Talia in einer Fußgängerzone begegnet. Sie war bezaubernd, so voller Lebenslust und Energie. Ihre Unterhaltung war kurz, doch so erklärte sich warum sie so fasziniert von ihm war… sein würde.
Adrian passte den Zeitpunkt seines Verschwindens genau ab und so konnte er Logan folgen, als dieser sich schon frustriert auf den Heimweg gemacht hatte von dem Gebäude, das tagsüber von einem Tarnzauber geschützt war. Adrian war über die Jahre keinen Tag gealtert, dass er fort war, fiel den beiden gar nicht auf – sie kannten ihn ja auch kaum.
Adrian warb um Talia mit allen Kräften, nichts hätte er unversucht gelassen, ihre Liebe zu gewinnen war sein einziges echte Ziel, das er erst erreichte nachdem er sich eng mit Logan befreundet hatte
Wie durch Zauberhand lernte er dann auch „den" Gepardou – Gerard – kennen, er war einer von Logans Freunden und rein zufällig… Schlagzeuger, so wie Logan Gitarrist war und Talia, wenn man sie etwas dazu zwang, auch eine wunderbare Sängerin.
Alles machte plötzlich wieder Sinn. Fast alles. Mit fortschreitender Zeit überkam ihn eine innere Unruhe und er spürte, dass er nicht der einzige war. Einzelne hohe Mitglieder des Zirkels, in dem er nun selbst initiiert war, betrachteten ihn ebenso unruhig.
Adrian hatte sein Ziel erreicht, er hatte Talias Liebe gewonnen… doch das Ziel seiner Existenz war nicht erreicht.
Er musste sich eingestehen, dass er nicht wusste, wie er es erreichen sollte. Er wusste was er war, er wusste was der Welt verborgen war, hier waren drei Mitglieder seiner alten „Familie" und er wusste, dass sie zur Prophezeiung gehörten… doch er kannte sie nicht. Er hatte nicht die leiseste Ahnung, was er tun sollte, was seine Aufgabe war und wie er sie ausführen sollte.
Es traf ihn und immer öfter konnte er nicht schlafen, selbst wenn er nicht Dienst hatte, oder einen Gig. Als DJ arbeitete er vor allem nachts, niemand fragte wenn er tagsüber müde war, vor und nach dem Job konnte er jagen gehen, doch jetzt fand er auch in ruhigen Nächten keinen Frieden. Er wurde immer verzweifelter und langsam konnte er Talia nicht mehr ins Gesicht sehen. Wenn er die Prophezeiung nicht durchbrachte… würde er sie dann retten können? Wenn er versagte, würden wieder alle sterben?
Er richtete seinen Blick gen Himmel, auf freiem Feld, und fragte sich wie in aller Welt er den Weg vor sich noch gehen sollte… als es ihn wie eine Welle überkam. Ein Kribbeln, in inneres Brennen begleitet von einem zermarternden Kopfschmerz. Er sackte in sich zusammen und als er die Erde unter seinen Fingern spürte, den Löwenring an seiner Hand im Mondlicht glänzen sah, da wusste er, was er tun musste.
Es war dieselbe Art von intrinsischem Wissen, dass ihn zum Meister im Umgang mit seinen Fähigkeiten hatte werden lassen, das ihn die Kampfkünste so leicht lernen ließ. Er lernte sie, um sie zu lehren.
Er war der Mentor.
Er würde sie alle zusammenführen.
Mit einem Mal wusste er wo sie waren, wer sie waren und mit wem er anfangen musste.
Kate. Das war nicht ihr Name in dieser Welt, doch er würde es sein. Sie war Kate und er musste sie finden.
Alle Elementae spürten, teilweise unbewusst ihrer selbst, das Brennen in der Brust das klar machte: Wir sind nicht alleine. Der Rabe würde sie aufspüren und sie alle zusammenbringen, die Welt war noch nicht verloren.
Adrian sammelte sich und machte sich auf den Weg, der nun klar und deutlich für ihn war.
Es beginnt in diesem Moment.
Und jedes Wort dieser Geschichte ist wahr.
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