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Fiction » Biography » News aus Okazaki Reisetagebuch Japan font: B s : A A A . width: full 3/4 1/2
Author: Ravana
Fiction Rated: K - German - General - Reviews: 12 - Published: 08-28-02 - Updated: 10-01-02 - id:937474
Hallo Alle,

Mit Ravana bald auf Urlaub und mir in Japan sollte es eine recht trockene Zeit geben (ich liebe die Interdimensionale Behoerde fuer temporale Angelegenheiten!), aber ein Freund machte mich darauf aufmerksam, dass mein "Ferientagebuch" aus Japan auch fuer die Fanfiction-Leser interessant waere. Also kommen hier die ersten zwei Artikel zum Thema "Japan aus deutscher Sicht". Wenn Ihr Interesse zeigt (sprich: Ich Reviews bekomme), werde ich mich auch bemuehen, mein Tagebuch weiter zu posten.

Noch ein paar einleitende Worte: Ich studiere Japanologie und Musikwissenschaft und bin fuer einen 4- woechigen intensiv-Sprachkurs in Japan. Die Sprachschule ist recht klein und ich wohne bei einer japanischen Familie. Da ich das Tagebuch fuer meine Famile und Freunde schreibe, solltet Ihr Verallgemeinerungen "die Japaner" nicht allzu woertlich nehmen. Irgendwann hat man mir in der Schule beigebracht, dass man fuer einen guten Sprachstil vieeeele verschiedene Woerter benutzen muss. Das ist das Ergebnis. Die Uebersetzung: Wenn ich "Die Japaner" schreibe, meine ich "die Japaner in Okazaki, die ich kennengelernt habe" (Okazaki ist eine Kleinstadt mit 100.000 Einwohnern). Und wenn ich "In Japan" schreibe, meine ich eigentlich "In Okazaki". Das Format dieses Tagebuches ist eMailmaessig, weil ich es per eMail schicke. Bis auf diesen Eintrag wird jede eMail ein eigenes Kapitel. Es beginnt mit "Hallo" und endet mit "Thea..." :-) Genug des Vorgeplaenkels - ein paar Takte zu meinem ersten Flug ueberhaupt, gefolgt von ein oder zwei Worten ueber meine Gastfamile...

Schon mal in Hong Kong

Ich schreibe das hier von einem umsonstigen MAC-Terminal in Hong Kong. Ihr habt jetzt wahrscheinlich so 2 Uhr nachts, und ich acht Uhr frueh. Um neun fliegt mein Anschluss, und um 8:20 muss ich auf der Matte stehen.

Der Hinflug war OK. Das Abheben hat mir nichts ausgemacht, der Rundflug um FFM war sehr interessant (es war Westwind, deshalb musste die Maschine nach Westen starten: Starten gegen den Wind und landen mit dem Wind...

Unsere Flughoehe war knapp unter 12 Kilometer und unsere Geschwindigkeit knapp unter 1000 km/h. Huebsche Geschwindigkeit, nicht? Ich habe versucht, die Sache auf Mach umzurechnen, aber das habe ich dann lieber gelassen. Das war viel zu anstrengend.

Mitten in der "Nacht" (so 17:00 daheim) hatten wir dann ein paar Turbulenzen - das obere Ende eines Sturms. Und beim Anflug auf Hong Kong (so bei 10 Kilometern Hoehe) gab's ein paar Luftloecher. Die eigentliche Landung war aber um einiges ruhiger als die Eiswolken am oberen Sturmende. (man hat es prasseln gehoert!) Aber bei 1000 km/h ist ein bischen Wasser auch recht hart, denke ich. Die Aussentemperatur war so bei -50 Grad Celsius, wenn ich mich recht erinnere (ich habe versucht, zu schlafen).

Jetzt muss ich aber Schluss machen, die Leute an meinem Gate reihen sich schon auf.

Schoene Gruesse (und mir geht's gut!)

Thea

Hong Kong, China

Hallo Alle,

Ihr kommt jetzt in den Genuss meines Ferientagebuches. Die letzte Mail war von einem handlichen Terminal in Hong Kong, gerade gegenuebeber von meinem ?Gate 66?. Habe ich schon mal erwaeht, dass Apple Macintosh-Rechner einfach toll sind? Der Bildschirm war gestochen scharf und die Tastatur hatte einen wunderschoenen Anschlag. Ganz abgesehen von den hervorragenden Bildschirmschriften? Ich bin begeistert.

Der Flieger von Frankfurt war am Tor 23 angekommen, und ich musste mich zum Weitertransfer noch einmal durchchecken lassen. Der Mensch vor mit trennte sich freiwillig von Schluesseln, Uhr etc. pp, aber die Piepseranlage liess sich davon nicht im geringsten beeindrucken und heulte los. Darauf folgte der Geldbeutel dem anderen Zeugs. PIEPS. Und weiter ging es mit anderem Krimskrams. PIEPS. Bis dann am Ende der arme Mensch auf Socken durchlaufen musste: Er hatte Stahlkappenschuhe an. Ich hatte mich mit meinen Wanderschuhen dann auf einen aehnlichen Tanz eingestellt, aber bin ohne Weiteres durchgekommen. Als der Check dann durch war, hatte ich ein paar Kilometer Laufbaender vor mir. Ich stand am Gate 1, und mein Ziel war Gate 66. Also immer den Wegweisern nach: die eine Rolltreppe `runter, die andere hoch, und dann nach dort ? habe ich hier nicht angefangen?? Und der naechste Versuch, eine Rolltreppe weiter. Runter nach Wegweiser, hoch nach Wegweiser, zurueck nach Los. Langsam wurde es laestig. Aber ich hatte eineinhalb Stunden zu verbraten, also bin ich ein bischen durch die Passage geschlendert, und, siehe da ? es gab einen Wegweiser ?Gate 20-80? ohne Zirkelschluss! Und das begann dann meine Laufbaender-Erfahrung. Ich habe ja schon in Paris und im Messezentrum Frankfurt Bekanntschaft mit ihnen geschlossen, aber das ist nichts gegen Hong Kong Airport, Gate 20-80. Jedes Tor zu einem potentiellen Flugzeug hat ca. 50 Meter Platz. Die geraden Tore sind rechts, ungerade links. Von Gate 1und 2 fuehrt ein 50-Meter-Laufband zu Gate 3 und 4. Ein ewig langer Gang deckt Gate 20 bis 60 ab. Dann macht die Geschichte einen Knick, und Gate 60 bis 80 findet sich im rechten Winkel daz, wieder verlaufbaendert. Und gegenueber von Gate 66 war ein Shop, der vier Apple iMacs fuer den Gebrauch von Passagieren anbot. Das musste man natuerlich ausnutzen. Soweit, so gut. Ich hatte meine Mails verschickt, und meinen zweiten Flug angetreten. Die Flugzeuguhr sagte mir, dass es jetzt 1:20 GMT war, und ich war endlich muede genug, um etwas zu schlafen. Die Stewardess gab mir eine Decke, Kissen lagen ja schon auf den Plaetzen, und ich muemmelte in meine Flugzeugecke. Nur, dass mein Kissen genau in die Woelbung des Fensters hinter mir paste. Und durchrutschte. Aus der Traum. Und im uebrigen wollte der Captain auch starten. Also Sitze hoch, Fuesse in die Schuhe (es tut ja nicht, wenn 3 kg schwere Schuhe durch das Flugzeug sausen, weil beim Start das Flugzeug huepft). Alle Ansagen zuerst in Englisch? ich musste mir die Kopfhoerer aufsetzen, um das alles auch nur akustisch zu verstehen! Dann in Chinesisch und dann in Japanisch. Wobei ich das erste kaum, das zweite ueberhaupt nicht und das letzte nur der Spracherkennung nach verarbeiten konnte (das war eine ?kudasai-Form, nicht?). Das kleinere Linienflugzeug (nur 3 mal 2 Reihen) hatte ungleich ?bessere? (wenn man das so nennen moechte) Beschleunigungswerte als sein grosser Counterpart. Ich fuehlte mich nicht nur in den Sitz gedrueckt, ich fuehlte mich gepresst. Auch dieses Flugzeug befleissigte sich einer Hoehe von 10 Kilometern - obwohl ich da nicht so sicher bin. Die Aussentemperaturen waren nicht die gleichen wie im ?Interkontinentalflugzeug?. Auf jeden Fall war die Reisegeschwindigkeit mit 1000 km/h ziemlich aehnlich. Ach ja, und ich habe meinen gestrigen Rechenfehler auch schon bemerkt. Wenn ich bei 60 km/h einen Meter pro Minute zuruecklege, macht der Schall bei 300m/sek = 18000m/Minute. Bis Schallgeschwindigkeit laesst sich also bei 1000km/h noch einiges verbessern.

Angekommen in Nagoya, musste ich zuerst einen ?Fremdenschein? ausfuellen - was ich in Japan machen will, wo ich wohne, wie lange ich bleibe, und was meine Heimatadresse ist. Dann durch den Quarantaene-Check. ?Where are you from?? - Germany.? ? ?OK, can pass.? Dann musste ich den Schein, den ich im Flugzeug schon bekommen hatte, im ?Immigration Office? vorlegen. Der Mensch wollte auch noch meine Bordkarten (alle) sehen, und dann bekam ich die Haelfte des Scheins als Visa in den Pass geheftet. Nachdem ich noch keine Adresse hatte, habe ich in den Aufenthaltsschein die Institutsadresse eingetragen. Ein Angestellter des Instituts holte mich vom Flughafen ab - in einem blauen Mitsubishi L300-Bus. Nur das Lenkrad war auf der falschen Seite. In Okazaki musste ich noch eine Stunde auf meine Gastfamilie warten, mir die Institutsregeln durchlesen (Melde dich immer bei deiner Gastfamilie ab, Mittagessen muss selber bezahlt werden und ist nicht im Homestay inbegriffen, ?) und um 6 Uhr wurde ich abgeholt.

Meine Gastfamile lebt in einem modernen (3 jahre alten, traditionell ausgeruestetem) Haus im ersten Stock. Eine Ausentreppe fuehrt hoch, und im Haus gibt es einen kleinen Aufzug. Die Grosseltern wohnen im Erdgeschoss. Der Grossvater ist Tanzlehrer und hat ein kleines Studio im Haus. Ich wohne im ausgebauten Dachgeschoss, wobei die Zimmer alle keine Schraege haben. Hier gibt es nicht viel Schnee, und so sind die Daecher gerade flach genug, dass der Regen den Weg nach unten findet. Und diese Schraege ist auf die ?fertigen? Zimmer aufgesetzt. So gut wie alle Tueren sind Schiebetueren. Ausnahmen sind die Speisekammer, die Klotuer und die Aussentuer. Ausserdem gibt es fuer jedes Sonderzimmer eigene Schuhe: Schuhe fuer das Tanzstudio, Schuhe fuer die Toilette, Schuhe fuer die Kueche. Ins Bad geht man grundsaetzlich Barfuss / auf Struempfen. Die Schlappen bleiben draussen. Wenn wir schon beim Klo sind: Die Wiederbefuellung des Spuelkastens geschieht nicht direkt, wie bei uns, sondern ueber einen Wasserhahn - man zieht ab, und dann geht der Wasserhahn an, unter dem man sich die Haende waescht. Das gebrauchte Wasser fliesst dann in den Spuelkasten. Das Bad ist auch ganz anders als unsere aufgebaut. Es gibt einen Vorraum, in dem ein grosses Waschbecken und die Waschmaschine ist (hier ist die Waschmaschine also im Haus, aber in diesem Wohnviertel stehen auch viele Maschinen vor den Haeusern). Der zweite Raum ist im Prinzip eine Riesendusche. Man duscht sich vor der Wanne ab - mit viel Seife etc. pp. und steigt dann sauber in die heisse Badewanne. Andersherum ist nicht statthaft. Zuerst waschen, und dann ?zum aufwaermen? in die Badewanne.

Das war`s dann fuer heute, ich muss auch noch etwas anderes anstellen als deutsche Briefe zu schreiben?

Schoene Gruesse,

Thea

Okazaki, Japan



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