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Dies ist die letzte "News aus Okazaki", wenn man es denn so nennen kann. Ich bin wieder daheim. Angekommen bin ich, und gleich wieder in Arbeit gestürzt. So ein oder zwei Semesterarbeiten, die am nächsten Montag fertig sein müssen, und ein Stapel Post, der beantwortet werden will... Viel könnt ihr also nicht mehr von mir erwarten. Das Reisetagebuch ist mit dieser Mail auch abgeschlossen. Schönen Dank für all die netten eMails, die ich bekommen habe.
Ich vermisse Japan.
Jeden Abend, wenn ich mit Shampoo im Haar in meiner Mini-Dusche hocke (zum Stehen reicht die Höhe nicht) und mir das warme Wasser ausgeht, weil der Boiler halt nur 30 Liter fasst, will ich zurück nach Japan. Da gab es jeden Abend ein 40 Grad heisses Bad, pünktlich 10 Minuten vor acht, Mit freundlicher Empfehlung des Hauscomputers. Die Dusche hatte einen Temperaturregler und unbegrenzt heisses Wasser zur Verfügung. Nur das ich das in Japan nicht gebraucht habe. Ich habe so kalt geduscht, die es das Kaltwasser nur hergab.
Ich bin froh, wieder daheim zu sein.
Ich habe meinen Drahtesel wieder. Blau, Diamantrahmen, und riesengross. Als ich das erste Mal aufsteigen wollte, bekam ich mein Bein nicht hoch genug, um über den Sattel zu kommen. Und der Lenker war so weit unten... Aber ich kann auf der rechten Strassenseite fahren. Die Bürgersteige sind abgesenkt, und die Radwege zwar so schlecht wie eh und je, aber ich hüpfe nicht alle fünf Meter 20cm auf Fahrbahnebene und zurück.
Nach der letzten Mail habe ich mein erstes Erdbeben erlebt, bin mit dem Bus zum Flughafen Nagoya gefahren, wo ich mich erst einmal verlaufen habe, habe mich irgendwie mit viel zu viel Gepäck ins Flugzeug gemogelt, habe Ohropax vergessen, und bin morgens um 6 in FFM angekommen. Nach einer durchwachten Nacht. Und dann habe ich noch 18 Stunden wachsein 'draufgelegt, damit ich wieder nach Europazeit tickte, und habe mir einen abgefroren. Deutschland ist sooooo kalt!
Mein erstes Erdbeben. Ich hatte alles gepackt (der Koffer war genau 25 Kilo schwer, über das Handgepäck reden wir mal lieber nicht...), meine Abschiedsgeschenke verteilt, hatte eingekauft (Conbeni - Convenience Stores sind was feines...), und es wurde 9 Uhr früh. Frühstückszeit.
Der Gastvater war daheim (dieser Montag war ein happy Monday, ein Montag nach einem Sonntag, der ein Feiertag war - kompliziert, ich weiss. Aber diese Montage sind für öffentliche Angestellte frei) und machte "Sonneneier" - japanisch für Spiegeleier. Wir sassen dann gemütlich um den Tisch und vernichteten unsere Sonneneier mit Sojasauce unter Stäbcheneinsatz (ja, es geht wirklich!), als auf einmal das Haus zu rollen begann. Hinteres Stuhlbein hoch, Mensch hoch, vorderes Stuhlbein hoch, Tisch hoch... Als Nachgedanke der Bodenwelle fingen die Schiebetüren an zu klappern. Das Wasser in meinem Glas schwappte in einem verrückten Muster. Wir sassen still und lauschen angestrengt. Eine Minute lang. Dann entspannten sich die Gasteltern und meinten, das sei mein Abschieds- Erdbeben gewesen, es würde wohl nichts mehr kommen.
Kam auch nicht. Eine halbe Stunde später verkündete das Regionalfernsehen Nagoya, es wäre ein Erdbeben Stufe 2 gewesen. Naja, ich habe nicht unbedingt das Bedürfnis, ein Standarderdbeben Stufe 3-4 mitzubekommen... Das meinten die Gasteltern. Jeden Monat ein neues Erdbeben, irgendwo im Bereich zwischen 2 und 4.
Mein Flugzeug ging um 17:10 ab Nagoya. Der Bus fuhr eine Stunde. Und ich sollte 2 Stunden vorher einchecken. Also ging der knappe Bus um 14:00 Uhr, und der sichere um 13:00. Nachdem Taifun Nr. 21 gerade an der Küste von Aichi (die Präfektur von Nagoya) vorbeizog, wollte ich es nicht unbedingt darauf ankommen lassen und entschied mich für den Bus um eins.
Eine Stunde später war ich dann am Flughafen - und konnte nicht einchecken. Es war nämlich kein Sicherheitspersonal da, und in Nagoya wird die Gepäckkontrolle zentral erledigt. Die Sicherheitsleute kleben dann ein Siegel auf den Koffer, und den reicht man dann bei der Fluggesellschaft ein.
Überall klebten Plakate des Inhalts: Kein Besteck im Handgepäck. Nach New York (habe ich schon mal erwähnt, dass es mich absolut nervt, wenn man irgendwelche Gegebenheiten nach ihrem Ort benennt? Dann kann man diesen Ortsnamen als Stilmittel vergessen!) also, nach New York ist das erlaubte internationale Handgepäck 1 Tasche von den Massen so-und-so und mit maximal 5 Kilo Gewicht... Bei den Außenmaßen und dem Gewicht kam ich ganz schön ins Schwitzen. Ich hatte so 30 Bücher im Toter-Baum-Format im Rucksack, die Geta hingen aussen 'dran, weil ich keinen anderen Platz mehr gefunden hatte, und die Harfentasche war nicht nur mit der Harfe ausgestattet, sondern auch mit SunDancers Kimono und noch ein paar Mangas... Wenn das einer wog, war ich dran!
Als die Checks endlich losgingen, stapelte ich alle meine Gepäckstücke auf einen Kofferkuli, lächelte die Sicherheitsleute an und stellte meinen Koffer zum Röntgen hin. Wenn sie mich auf mein Handgepäck ansprechen würden, würde ich ihnen strahlend erzählen, dass ich das mit der Fluggesellschaft abmachen würde... Kein Wort ausser "Sumimasen...." und einem "Domo arigatou gozaimasu" von mir wurde gewechselt. Erste Hürde überlebt.
Ich legte meine Tickets vor, reichte meinen Koffer ein (25,7 Kilo, ganz knapp an der Grenze...) und sprach meine Harfe an. Zuerst auf japanisch, und dann, weil mir die Worte fehlten, auf englisch.
Das sei eine Harfe, ein Musikinstrument, und ich wollte sie gerne mit in die Kabine nehmen, ja, sie passt in die Gepäckfächer, aber sie ist im Gepäckraum sicherlich falsch aufgehoben... Das musste der Supervisor entscheiden. Er kam, ich entpackte die ungefährliche Hälfte der Harfe (am Hals hatte ich keine Bücher verstaut...), und ich bekam meinen Gepäckschein. Zweites Handgepäck. Und man würde die Gate-Crew vorwarnen. Noch mal durch. Puh.
Ich sammelte mein Zeugs ein und ging los, um meine letzten 800 Yen loszuwerden. Kleingeld wird man ja immer nur im Inland los. Ich kaufte mir noch ein paar Mini-Omiage zu überhöhten Preisen und setzte mich dann vor mein Gate.
Auf einmal wurde ich aufgerufen. Etwas mit der Harfe? Dem geringen Gewicht meines Gepäcks? Nein, die freundliche Dame von Check-In informierte mich, das mein Reisebüro die Flughafengebühr von 750 Yen für Nagoya nicht in mein Ticket eingerechnet hatte. Tja, 10 Minuten zu spät. Und was jetzt? Ich hatte noch 150 Yen und 3 Euro. Nicht genug. Aber die Kreditkarte? Ja, die ging. Ich habe die KK noch nie für eine solch horrende Summe eingesetzt. Irgendwann ist immer das Erste Mal, und manche Leute bezahlen ja selbst einen Kaffee mit der Kreditkarte.
Karte und Quittung kamen zurück, zusammen um einiges größer als der Betrag, der gerade eben transferiert wurde. Und als sie schon dabei war, wollte die Stewardess auch noch gleich mein Einverständnis, dass sie mich auf die Sicherheitsliste setzen dürfte - für beide Flüge, Nagoya-Taipeh-Hong Kong und Hong-Kong-FFM - weil ich so gut englisch sprechen würde. Als Übersetzer für weltungewandte Deutsche im Notfall... Ich willigte ein, und bekam einen neuen Platz im Flugzeug zugewiesen. Fensterseite, gleich neben dem Notausgang. Geht das immer so?
Der Flug war ereignislos, nur dass ich die ganze Zeit fror. Und die Japanerin aus Nagoya, die neben mir sass, auch. Wir baten erst um eine, und dann um eine weitere Decke. Die Stewardess, mit der wir die ganze Zeit quatschten, verstand es nicht. Ich denke aber, es lag (zumindest bei mir) daran, dass ich in Nagoya gelernt hatte, mit hohen Temperaturen zu leben. Als dann Abends und Nachts die Temperatur auf 26 Grad sank, lag ich mit Schlafanzug auf dem Futon und habe geschlottert. Ich musste die Fenster zumachen, um an etwas mehr Wärme zu kommen.
Ich weiss nicht, wie warm die Klimaanlage im Flugzeug eingestellt war - vielleicht 22 Grad. Eiskalt halt.
Wir kamen um 6 Uhr früh in Frankfurt am Main an. Vom klimatisierten Flugzeug in die klimatisierte Halle, Einsammeln vom Gepäck...
Ich war eine der letzten, die aus dem Flugzeug kam, weil ich meine ganzen Siebensachen nicht unbedingt jemanden auf den Kopf hauen wollte. Also wartete ich, bis alles schön leer war, und kleidete mich dann ein. Dann beeilte ich mich aber, um meinen Koffer nicht zu verpassen... Und war die erste oder letzte in der Halle. Gähnende Leere. Auf dem Band nicht ein Koffer, aber mein Flug wurde als "in Arbeit" gelistet. Langsam trudelten meine Mitpassagiere ein (Ich frage mich, was sie die ganze Zeit angestellt haben??) und ein paar Koffer und Pakete fielen auf das Band. Und ein paar mehr. Kein grosser blauer Koffer mit einem Leergewicht von 5 und einem Vollgewicht von 26 kilo in Sicht. Gepäck kroch weiter auf das Band. "Pling- Plong. Honored Passengers... economy class luggage... first class..." Ich war schon drüben, und da fiel mir mein Koffer auch schon in die Arme. Rums. Das schöne Porzellan...!
Ich hiefte den Koffer auf einen Rollwagen und suchte den Ausgang - also den Zoll. Ich hielt dem Beamten meinen Pass unter die Nase und meinte "Nichts zu verzollen" und machte mich vom Acker. Meine drei Rollen Kimonostoff waren vom Wert her weit über den Freibeträgen - auch wenn ich das nicht unbedingt nachvollziehen kann, denn fertige Kleidung des gleichen Wertes würde nicht unter Zollgesetz fallen. Ich wollte es aber nicht darauf ankommen lassen. Und "Kimono im Bausatz" ist zwar ein Familienwitz, aber ob ihn die Zoller verstehen würden?
Aber ich war glücklich durch. Und als ich mich zum Fernbahnhof aufmachte, ungefähr um 7 Uhr, bekam ich einen kalten Waschlappen deutscher Luft ins Gesicht. Ich verpasste den ersten Zug um eine Minute, der zweite Zug hatte 20 Minuten verspätung (es stand ein I vor der Zugbezeichnung...), und in Würzburg gab es keine Gepäckrutschen für meinen Koffer. Muskelkraft für 26 kilo Koffer und gleich viel Handgepäck...
Ach ja,Wilkommen daheim.
Schöne Grüße,
Thea
Erlangen, Germany