Albanacs weiche Lederstiefel passten sich präzise dem steinigen Erdboden an. So dass sich der silberhaarige Elf fast lautlos durch die langen dunklen Tunnel bewegte. Doch jeder Schritt schien ihn noch einen Tick zu laut, selbst nur das Reiben des Leders auf dem kantigen Stein hörte sich in seinen Ohren an wie eine laute Explosion. ´Beruhige dich!` schallte sich Albanac in seinen Gedanken. Und eine Art der Frustration baute sich in ihm auf. Warum sollte er denn noch leiser gehen? Nicht nur Geräusche würden Gholans finstere Kreaturen zu ihm locken. Laute waren wirklich nicht alles, Geruch, das Gefühl, dass sich ein fremder im Revier befand. In Albanac Kopf kreisten viele Erinnerungen an vergangene Zeiten, in denen er mehr als einmal unbekannten Gegner begegnet war. Auch sein Studium in den Hallen seines Vaters und der großen Bibliothek von Marimana bestätigten diese Vermutungen und Begegnungen. Es erschien ihm als wäre es schon eine unvorstellbar lange Zeit vergangen, dass Albanac das letzte Mal seinen Vater oder nur einen anderen Elfen gesehen hatte. Und nun, in dieser Finsternis mit der Gefahr im Nacken, fasste er einen Entschluss. Es wurde Zeit zu den seinen zurückzukehren und sich seinem Schicksal zu stellen, falls er je hier rauskam und mit den Geschöpfen der Finsternis fertig wurde. Ein bitteres Lächeln huschte über Albanacs Gesicht. Er war nicht mehr als eine Schachfigur in Gholans Wahnsinnigen Spiel. Ein Studienobjekt, wie ihn der Feuermagier selbst erklärt hatte, dass keinen berechtigten Grund zur Existenz hatte, außer dem Magier und seinen Schülern darüber aufzuklären was ein Elf war, ihre Neugierde zu befriedigen und ihnen zu zeigen welche Magie die Elfen befähigten. Nur für einen Moment schloss Albanac seine Augen und beschwor die Worte Gholans in sich: "Lebe! Enttäusche mich nicht Elf, denn solltest du dies tun so wird dein Freund meinen Zorn zu spüren bekommen!" Ein Zweifel in Albanac. Vielleicht hatten die anderen Elfen doch recht und es war besser sich nicht mehr in die Welt der Menschen einzumischen. Er hätte sich wie die anderen auf der Insel Marimana verstecken sollen und nie wiederkehren, aber nein stattdessen war er Albanac Scey geblieben und hatte sich mit den Menschen angefreundet. Was hatte es ihm gebracht? Ein Magier, ein Menschenmagier hatte seinen Tod bestimmt. Aber so sollte es nicht enden, nicht wenn es nach Albanac ging. Er atmete tief durch und öffnete die Augen, schloss sie erneut. Er hatte genug von dieser fluoreszierender Flechte, die der einzige Lichtspender in der Dunkelheit war. Seine Augen brannten vor Überanstrengung und seine Schläfen pochten. Er musste einen Ausweg finden und zwar schnell, denn er wollte zurück in die Sonne, ihre wärmenden Strahlen auf seiner Haut vernehmen. ´Nur etwas Ruhe.` Es brachte ihm nichts völlig entkräftet in den Tunneln umher zu stolpern. Und kaum hatte er dies gedacht, so saß er schon auf dem Boden, den Rücken an eine der Wände gelehnt. Wie er die Finsternis hasste!

Ein Gefühl, nicht mehr als ein Lufthauch dünn riss den schlanken Elfen aus seiner Ruhephase. Magie, er konnte es ganz deutlich spüren, nicht weit entfernt war Magie angewendet worden. Mit einer schnellen Bewegung und einem federleichten Satz stand er auf den Füßen und lief, nach dem sich seine Augen wieder an das spärliche Licht gewöhnt hatten los. Langsam und vorsichtig, seine Schritte noch lautloser. Mit der Anmut eines Jägers und trotzdem sich im Inneren mehr als bewusst, dass er hier der Gejagte war. Albanac hatte nicht mehr bei sich als die Kleidung auf seinem Leib und eine fast leere Wasserflasche. Natürlich war da sein Köcher mit den Pfeilen, aber diese waren so gut wie nutzlos, da er seinen Bogen verloren hatte. Noch einen leisen Schritt nach vorne. Er kontrollierte seinen Atem, zwang ihn nicht vor Aufregung schneller zu werden. Mit einer geschmeidigen Bewegung duckte er sich hinter einen Felsen. Seine Gedanken überschlugen sich, er kannte das Gebiet vor ihm. Aber das konnte, durfte nicht wahr sein. ´Nein! Nein!` Der Gang öffnete sich vor ihm und wurde zu einer offenen Höhle. Stumm trat der Elf aus dem Tunnel und ging mit einem entsetzten Seufzen in die Knie. ´Fünfzehn Tage, fünfzehn Tage bin ich umsonst durch die Finsternis gestolpert.` Tief atmete er durch und blickte die Wand hoch bis zur Decke. Eine menge von Tunneln und Wegen erstreckte sich vor ihm, nicht weit entfernt erschien ein silbernes Licht. ´Mein Bogen!` Albanac rannte los und warf einen Blick auf die Stege über ihm, er würde eine weise Entscheidung treffen müssen. Und schlagartig zog sich sein Magen zusammen und er erinnerte sich, warum er so überstürzt geflohen war. Sein Atem wurde flacher und sein Brustkorb hebte und senkte sich in einem unregelmäßigen Takt. Die veilchenblauen Augen verzogen sich zu Schlitzen, er würde seinen Bogen nicht noch einmal zurücklassen.