In der selben Zeit, in der der Steg unter Albanac zusammenstürzt

Lan konnte spüren, dass sich dort etwas oder jemand befand, er fühlte es tief in sich, die Präsenz von etwas Mächtigen, dicht neben ihn, so nah, ohne dass er es kommen gehört hatte. Sofort schlug er seine Augen auf. Denn erst jene Wahrnehmung hatte ihn aus seinen Schlaf gerissen. Der Gestaltwandler sprang ohne zu zögern, von seinem zum Teil wölfischen Instinkt geleitet, auf die Beine. Ein Knurren entfuhr seinen Lippen, während seine Gedanken seine Handlung straften. ´Du bist ein Mensch, kein Wolf, du wirst nie ein wahrer Wolf sein!` Ein Schwindel durchfuhr ihn, so dass er beinahe wieder in die Knie gegangen wäre. ´Verdammte seien diese Schwächeanfälle!` fluchte er stumm.

Etwas unruhig nach Atem ringend, ihn versuchend zu kontrollieren, drehte er sich, nachdem die schwarzen Punkte vor seinen Augen verschwunden waren, um. Kurz zuckte Lan zusammen, als er in goldene Augen blickte. Nein nicht golden! Eher strahlend weiße Diamanten, welche mit aber Tausenden von goldenen Sternen gesprenkelt waren. Der große, muskelreiche Körper war mit Schuppen, die sanft im Mondschein glitzerten, bedeckt. Jede Schuppe schillerte in der Sonne wie pures Gold, aber nur wenn es ihr Träger wollte, ansonsten glänzten sie nur im matten goldroten Ton.

„Bryòn, .... ?" hauchte der Mensch voller Ehrfurcht, während auf des Drachen Antlitz ein freundlicher Gesichtszug erschien. Fast so als würde er Lächeln. Und für einen Moment vergas Lan seinen Kummer, seinen Schmerz, wankte ein Wenig unsicher dem Lindwurm entgegen. Bryòn der Goldene war hier, Lans Freund war erschienen.

Tränen stiegen in Lan auf, die strahlend blauen Augen ein See von Gefühlen. Dann endlich nach langem Zögern fiel Lan dem Drachen um den muskelgewölbten Hals. Hier konnte er sein wer er wirklich war; ein Mensch, voller Angst und Trauer. Ein Gestaltwandler, der vergas ob er nun als Wolf oder Mensch sein wollte. Es war fast als wäre er wieder das Kind, das er sein sollte und nicht der Krieger, der in dieser Zeit erschaffen worden war. Es machte Lan nichts aus, all diese Gedanken und Gefühle dem Drachen darzulegen. Es war wie eine Erleichterung für seine Seele.

´Wo Bryòn nur solange gewesen ist?` Dies wusste Lan genauso wenig, wie warum der Drache nun hier, weit ab von dem Lande Hugh, war. Aber nie würde Lan es wagen, so etwas wissen zu wollen. Es kam ihn erst gar nicht in den Sinn. Sowie es Bryòn nicht in den Sinn kam eine Erklärung abzugeben. Langsam löste sich Lan von dem Drachen und sah zu ihm auf. Der große Lindwurm senkte den Hals, sodass seine Augen mit Lans auf einer Höhe waren. Für einen Fremden musste das Ganze ziemlich bedrohlich wirken, schon alleine dadurch, dass Bryòns Kopf fast die dreifachen Ausmaße von Lans hatte. Doch für den Menschen mit dem Namen Lan Hugh war da nicht mehr als Vertrauen und vielleicht Freundschaft. Konnte man es so nennen?

„Was bedrückt dich?" die laute, mächtige, aber nicht bedrohlich wirkende Stimme riss Lan aus seinen Gedanken. Auf ghar keinen Fall klang sie drohlich, nein noch eher weich und irgendwie melodisch. Lan überlegte und setzte sich dann ins Gras. Ein Wind kam auf und wehte ihm einige blonde Strähnen ins Gesicht. ´Wie soll ich nur beginnen?` „Es ist viel geschehen, seit dem wir die Grafschaft Hugh verlassen haben," er suchte noch immer nach den richtigen Worten, aber statt dessen keimten andere Gedanken in ihm auf. Fast wäre in Selbstmitleid versunken, aber er konnte sich zusammenreißen.

Der Drache wartete stumm, bis Lan sich wieder gefasst hatte und weiter erzählte: „Arranur ist krank und seit dem wir ihn befreit haben ist er nicht mehr erwacht." Bryòn nickte und sah zu der hell scheinenden Mondsichel, sie war zunehmend und bald würde es Vollmond geben. Die Nacht der Magie war nahe und Bryòn sehnte sich jetzt schon danach. „Ja Arranur ist mehr als krank!" und beinahe hätte Bryòn weitergeführt: ´So wie du Lan` aber er wollte den Gestaltwandler nicht noch mehr auf das unvermeidbare hinweisen. „Ich weiß es, du weißt es Lan, aber es zu wissen bringt uns nicht weiter, denn er muss seinen eigenen Kampf bestreiten. Und dies nicht nur gegen die Wirkung des Todeskrautes. Nein mein Menschenfreund, er muss gegen einen Teil von sich selbst in den Krieg ziehen, gegen seine Erinnerungen." Nun wanderte der Blick des Drachen zu den sternen, welche sich in seinen Augen wiederspiegelten. „Die Schuld in ihm, ... die Schuld überlebt zu haben!" Die weißen Augen wanderten zu Lan und kaum hörbar flüsterte Bryòn: „Die Schuld leben zu wollen, die in sich keine Schuld ist! Doch er weiß es nicht!"

Lans Kopf fing an zu schmerzen und rein instinktiv massierte er sich die Schläfen, was bis jetzt immer Milderung gebracht hatte. Schuld? Welche Schuld? Sprach der Drache wirklich nur von Arranur? Und wenn ja warum blickte er ihn in diesem Moment so eindringlich an? Ein kleines Fünkchen des Misstrauen loderte in Lan und sagte ihm, dass da noch mehr war. Was wusste der Drache von jener Nacht an der Schlucht? Von jener Nacht, als er beinahe ...? Er kannte die Antwort nicht und Bryòn würde es ihm nicht sagen.

„Aber dir liegt noch mehr auf dem Herzen," schon wieder riss ihn der Drache aus seinen Gedanken. Lan nickte und antwortete: „Albanac? Er war nicht dort und nun wo ist er? Lebt er denn noch?" Die Lieder des Drachen senkten sich und Lan zitterte ein wenig vor Furcht um den Elfen.

„Ich bin stiller Beobachter, das sind wir Drachen seit Anbeginn der Zeit." Sollte, dies bedeuten, dass Bryòn wusste wo sich Albanac befand? „Ein Drache greift nie in die Geschehnisse der Welt ein!" Bryòn seufzte und bewegte seinen langen Hals hin und her. „Macht haben wir, Stolz, Kraft. Was interessiert uns die Menschheit? Was interessiert uns ein winziger Elf?" Dann schwieg er und blickte dem Menschen in die Augen, tief und immer tiefer, fast so als würde er in die tiefsten Abgründe von Lans Seele vorstoßen. Lan erwiderte den augenkontakt ruhig, freundlich, denn er konnte auf gewisser Weise den Drachen verstehen. Soweit dies für einen Menschen möglich war.

Dann sprach Lan: „Und doch mischen sich die Drachen ein in dieser Zeit. Molech der Schwarze Zerstörer an den Meereslanden, Ish´n der todbringende Rote, Yade der Grüne brachte Leid über das Volk Niarnath. Oder ist das anders, weil die Drachen niemals halfen?" Er hätte die Liste erweitern können, immer länger, aber er ließ es. Eigentlich wollte er Bryòn nicht angreifen, auch wenn er es nun tat. Bryòn schwieg eine Weile und auch Lan sagte kein weiteres Wort. Nur das Wispern des Windes, das Rauschen der tanzenden Blätter durchbrach die Stille.

„Bryòn es tut mir leid!" Plötzlich kam ein Rumoren aus des Drachen Kehle. Dann plötzlich spuckte dieser Feuer. Ein Gemisch aus Lava und heißen Flammen trafen einen Felsen, das Gestein schmolz sofort. Die Hitze brannte auf Lans Haut, die Augen tränten. Hatte er den Lindwurm verärgert? Doch nun geschah etwas, das Lan fast die Sinne raubte. Bryòn fing an zu lachen. Leise aber doch hörbar. Er lachte immer weiter, während Lan fassungslos dastand. „Du warst schon immer ein seltsamer Mensch. Ja so ist es, das bewies unser erstes Treffen. Keine Furcht in deinem Herzen, soll es so sein!"

´War das nun gut oder schlecht!` Lan wusste es nicht. Die Antwort folgte zu gleich: "Geh und hole deine Sachen, ich brine dich zu dem Elfen, aber mehr verlange nicht von mir!" Lan nickte zustimmend. "Danke Bryòn." "Jetzt mach schon, ich hab nicht die ganze Nacht Zeit!" Lan rannte los.

Oben auf dem Gipfel des Berges machte Bryòn einen mächtigen Satz auf einen Felsvorsprung und sah dem Menschen nach. Ein Lächeln im Herzen, dass sich bald zu Kummer wandelte. Warum sollte er dem Jungen nicht helfen, Lan hatte schon genug zu kämpfen. Und noch mehr Trauer machte sich in Bryòn breit. Schatten kamen auf...

@selen: ich hab mich diesmal wirklich beeilt...nur jetzt geht es gerade nicht mit unsrem Armen Silberelfen weiter *gg*

Wer Weiß ob der noch lebt *räusper...*

Im nächsten Kapitel klär ich dass