Es war vor so einigen Monaten bald,
da erschien mir im Traum eine fremde Gestalt.
Sie schwebte zu mir mit metallenen Schwingen
Man hörte die leisen Turbinen singen
Die erglühten in ihrer heiß-goldenen Pracht
Ein Hauch von Ozon, der umwehte sie sacht.

Und als dieses Wesen dann über mir stand,
da hob es beschwörend die zierliche Hand
und führte sie würdevoll, aber fest
zur Konsole der Robe aus feinstem Asbest.
Worauf sich der Stoff, der den Kopfteil verband
In einem hellrundlichem Schimmer verschwand.
*
So blickte ich ehrfürchtig in ein Gesicht,
Ganz zeitlos und starr in dem sengendem Licht.
Gar unirdisch schön über Knochen gezogen
War die bronzene Haut in dem straffesten Bogen.
Die silbrig-gebleicheten Haare umflossen
Eine Goldspange, durch ihre Braue geschossen.

Sie erhob ihre Stimme, die leicht moduliert
Die Worte, sie flossen gar sanft und geziert
Aus den Lippen so füllig mit dunklerem Rand
Dennoch glänzend gleich flüssigem Diamant:
„Ich bringe Euch Freude und ewiges Licht.
So folgt meinem Glühen und fürchtet Euch nicht !"
*
Da erwachte ich zitternd mit heiserem Schrei
Von Fieber geschüttelt, doch war ich noch frei.
So versuchte ich schnell, diese Nacht zu verdrängen
Ja, schaffte es fast nach zehn Tageslängen.
Nur ruhiger bin ich denn in vorigen Tagen
Und schweig' zu dem, was Philosophen so sagen.

Doch jetzt frag ich mich nächtens bei singendem Wind
Ob das wohl die heutigen Engel sind…