Hi !
Hiermit versuche ich jetzt also auch einmal eine Geschichte anzufangen, die ich wohl auch
nur fortsetzen kann, wenn ich ordentlich Schubser von Euch bekomme ;-)

Wenn ich das Genre beschreiben müsste, das mir vorschwebt, würde ich es tragikomische
Pseudo-Historienromanze nennen *ggg* Wenn ich so weit komme ( wenn ihr mich so weit
TREIBT !! ), dann erlebt Cornelius wahrscheinlich groteske Situationen mit einer gewissen
Prinzessin. Zumindest ist das bis jetzt mein Plan *hrhr*
Also R&R ;-)

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„Cornelius !"
Der Junge schob beiläufig seine schweißverklebten blonden Haare aus dem staubigen Gesicht
und hielt damit inne, einen halbvollen Getreidesack auf den Handkarren vor sich zu hieven.

„Cornelius, beeile Dich gefälligst, wenn das Getreide nicht vor Mittag an der Mühle ist,
kannst Du heute Nacht mit Deinem Körper die Ferkel wärmen!"
Cornelius verdrehte die Augen. Letzten Monat hatte seine Familie ihre letzte Sau als Abgabe
an den König zahlen müssen und seitdem hatte seine Mutter Angst, dass ihr letzter Wurf die
kühlen Nächte nicht überstehen würde. Deshalb war sie der Meinung, dass man sich beständig
um die Ferkel kümmern müsse, um sie zu wärmen.
„Ja, Mutter !" Ausnahmsweise verkniff er sich eine freche Entgegnung. Seine Mutter war die
einzige Person, bei der er sich das nicht traute. Das letzte Mal hatte sie ihn gleich eine ganze
Woche „zur Sau" gemacht und er fand nichts schlimmer als kleine Schweinchen, die die
ganze Nacht verzweifelt versuchten, mit ihren Schnauzen eine Milchquelle zu finden, wo
keine war.
Er fragte sich nicht, wieso sie immer IHM damit drohte, denn es war nahe liegend. Von den
vier Kindern seiner Mutter, die noch im Haus waren, war er offensichtlich dasjenige, was am
Nutzlosesten war. Sie war mit 16 mit ihm schwanger geworden und obwohl er mit 13 der
drittälteste Sohn und somit eigentlich schon erwachsen war und den Hof mittragen sollte, war
er doch nur ein überflüssiger Esser.

Sein Blick wanderte vom Eingang des Bauernhauses, wo seine Mutter mit verschränkten
Armen stand über die kleine Scheune, wo sein jüngerer Bruder Markus mit kräftigen
Schlägen die Körner aus den spärlichen Resten der diesjährigen Ernte drosch. Einen Moment
verweilte er bei dem Anblick, wie sich dessen Muskeln an den Armen im gleichmäßigen
Rhythmus spannten und entspannten und der Dreschflegel in seinem gleichförmigen Takt auf
den verteilten Ähren niederschlug, wobei kleine Halme in sämtliche Richtungen stoben.
Dann griff er ungelenk wieder nach dem Getreidesack, um ihn endlich auf den Handkarren zu
befördern, wo schon einige andere Säcke lagen, die zur Mühle mussten, damit seine Mutter
aus dem Mehl neues Brot backen konnte.
Er beeilte sich nun, denn er spürte den strengen Blick seiner Mutter im Rücken.

Die Bäuerin betrachtete schweigend ihren Sohn, wie er sich in der schon warmen
Morgensonne abmühte. Die Wehmut, die sie damals noch verspürt hatte, kurz nachdem es zu
dem Vorfall kam, war schon lange der Verbitterung gewichen. Die Lebendigkeit und die fast
anmutigen Züge ihres Kindes, an denen sie sich immer erfreut hatte, was nutzten sie ihm jetzt
noch? In seiner Kindheit hatte sie den Gedanken genossen, das Cornelius mehr war als all die
anderen Kinder im Dorf. Nicht nur ein tüchtiger Knabe, der später den Hof übernehmen
konnte, sondern jemand, der einen auch manchmal davon träumen ließ, das er zu mehr taugen
würde als dazu, ein normaler Bauer zu werden. Jetzt schalt sie sich für ihre Dummheit. Wozu
sollte es ein ungebildeter Bauernsohn schon bringen, auch wenn er noch so aufgeweckt war?
Ein Handwerk durfte er nicht erlernen, auch wenn er sicher Talent hatte und um irgendwo als
Knecht angenommen zu werden bedurfte es schon eines guten Wortes und einer nicht
unerheblichen Summe Lehrgeldes, was weit außerhalb dessen lag, was sie jemals aufbringen
konnten.
Sie dachte wieder an den Unfall zurück, der ihr jede Hoffnung auf eine sorglosere Zukunft
geraubt hatte.

An jenem Tag waren Cornelius und sein Vater mit dem Ochsenkarren zum Markt gefahren,
um die Ernte des Herbstes zu verkaufen. Sie waren auf der recht gut befestigten Straße
unterwegs, die von der Burg des Königs über die Felder der Umgebung und ihres Hofes bis
zur nächsten größeren Stadt führte. Cornelius eignete sich gut als Verkäufer, denn mit seinen
blonden, widerspenstigen Haaren und seinem gewitzten Mundwerk entlockte er den
städtischen Hausfrauen so manche zusätzliche Kupfermünze. Gerne strichen sie durch seine
Haare und lächelten, wenn er die harte Arbeit lobte, mit welcher sein Vater die Feldfrüchte
dem kargen Boden abgerungen hatte, wobei er mit großen Gesten die Szenen nachspielte, wie
der Boden gepflügt, die Samen gestreut und schlussendlich die Ernte eingefahren wurde.
Höhepunkt seiner Vorstellung aber war, wenn er nachstellte, wie er selber die Saat vor den
vorwitzigen Krähen verteidigte. Dann rannte er abwechselnd rufend und fluchend auf und ab,
um im nächsten Augenblick aufgeregt mit den Armen rudernd und kreischend die panisch
fliehenden Vögel darzustellen. Spätestens an diesem Punkt überstiegen die Einnahmen aus
seinem Schauspiel oft die der dürftigen Verkäufe.
An diesem Tage jedoch sollte es anders sein.

Cornelius saß mit seinem Vater vorne auf dem Wagen und sah ihm dabei zu, wie er mit einem
langen Stock den Ochsen antrieb. Er selber hielt einen langen Weizenhalm in der Hand, den
er sich aus dem Stall des Ochsen mitgenommen hatte. Er langweilte sich während der Fahrt,
wurde vom gleichmäßigen Knirschen der Wagenräder auf der Straße und dem Schaukeln des
Wagens müde. Sein Vater trug auch nicht gerade zur Unterhaltung bei. Er schien die Fahrt
genauso stoisch überstehen zu wollen wie der Ochse und kümmerte sich nicht um seinen
Sohn. Der Weg führte eine lange Zeit durch die weiten, staubigen Felder vor der Stadt, wo um
diese Zeit kaum eine Person zu sehen war, da die Bauern meist schon in der Stadt waren, um
ihre Ernte zu verkaufen. Cornelius rutschte auf der harten Holzbank hin und her. „ Vater,
dauert es noch lang, bis wir in der Stadt sind?" Er richtete fragend seine großen blauen Augen
auf ihn und erwartete irgendeine Regung. Der Bauer jedoch schaute ungerührt geradeaus, den
Blick ignorierend. Cornelius war sich bewusst, das die Frage überflüssig gewesen war,
schließlich kannte er den Weg in die Stadt schon gut genug, aber das dauerhafte Schweigen
war ihm unangenehm. Beleidigt nahm er seinen Halm, und fing an, seinem Vater ähnlich, die
linke Hinterbacke des Ochsen zu bearbeiten. Es mochte ja sein, das es dabei schneller
voranging. Nebenbei beschloss er, ein kleines Lied zu singen:

Ich sitze hier im Mittagslicht
Und dort vor mir ein Ochsentier
Es schnaufet, doch das rührt mich nicht
Ich langweil' mich im Mittagslicht

Ich sitze hier im Mittagslicht
Und neben mir mein Vatertier
Ich frage, doch das rührt ihn nicht
Drum sing ich nun im Mittagslicht

Er hatte diese Strophen gerade zum dritten Mal wiederholt und war nebenbei dabei gewesen,
sich einen neuen Vers auszudenken, in dem er seinen Vater in recht provokanter Weise mit
dem Zugtier vergleichen wollte, um ihn vielleicht doch noch zu einer Reaktion zu bewegen (
und sei es nur das Heben einer Augenbraue ), als dieser sich plötzlich regte und über seine
Schulter schaute.
Nun hörte auch Cornelius hinter ihnen das dumpfe schnelle Schlagen von Pferdehufen und
das Rumpeln einer großen Kutsche näher kommen. Kurz darauf konnte man sie sehen, in
rascher Fahrt, gezogen von vier Rappen, denen vor Anstrengung der Schaum vor den Nüstern
stand. Der Bauer reagierte schnell: „ Eine Kutsche des Königs! Wir müssen den Weg frei
machen." Mit seinem Stock schlug er das Zugtier kräftiger als üblich und er zog die Zügel mit
der linken Hand zu sich heran, um den Wagen weit an den Wegesrand zu lenken. Cornelius'
Herz fing an zu pochen. Er hatte noch nie eine Kutsche des Königs gesehen! Seine
Langeweile war wie weggeblasen und er verrenkte sich den Hals, um sie betrachten zu
können. Dabei ließ er den Weizenhalm in seiner Aufregung auf und ab wippen. Er konnte
erkennen, dass die Kutsche weiß war, mit goldenen Zierleisten. Sie zog eine beeindruckende
Staubwolke hinter sich her und dahinter sah er nun auch noch mehrere weitere Pferde, auf
denen wohl Reiter der Garte sitzen mussten. Er fragte sich, wer wohl in der Kutsche sitzen
mochte. Der König selbst ? Die Königin ? Oder gar die Prinzessin, die von allen im Dorfe und
in der Stadt als überirdisch anmutig und schön beschrieben wurde ? Er wurde schon sehr
zappelig bei dem Gedanken, ob er vielleicht einen Blick darauf werfen könnte, wer hier so
dicht an ihnen vorbeifuhr. Jetzt war die Kutsche nur noch weniger als 75 Meter entfernt und
er hielt es nicht mehr auf seinem Platz aus. Er drehte sich ganz herum und wollte sich mit
seinen Knien auf die Sitzbank hocken, um das Ganze noch besser betrachten zu können und
dabei passierte es…

Fortsetzung folgt…