Diese Geschichte ist bald nun gut 1.5 Jahre alt und ich bin dabei ebenso älter geworden. In dieser Zeit hatte ich ziemlichen Stress, sei es nun in der Familie oder mit der Schule.

Ich weiss nicht genau, ob ich diese Geschichte weiterführen soll, denn eine zukunftsorientierte Story ist verständlicherweise schwieriger zu schreiben als wenn ein bestimmter Rahmen, wie z.B bei Fanfictions, schon vorgegeben ist. Es ist ehrlich gesagt scheissschwer Geschichte zu schreiben…

Ich habe für diese Sache hier niemals ein Storyboard geschrieben und mit der Zeit verlor ich den Bezug zu der Geschichte. Alte Kapitel erscheinen mir heute ziemlich lächerlich, ja manchmal schäme ich mich dafür so etwas ins Netz gestellt zu haben.

Naja mal sehen, aber irgendwie kann ich das Ganze nicht einfach so abbrechen…

P.S Ich hab John & Leila ein Jahr älter gemacht…und ich eigentlich sollte Michael schon immer 18 sein. Hmm hab mich damals wohl vertippt. Hab ich jetzt geändert. Na dann mal sehen ob jemand das hier noch will.

Manchmal wünscht ich echt, dass ich einfach denken könnte, was ich schreiben wollte und dann wäre es einfach da…

Endstation?

Das Licht in der Halle war gedämmt worden, die Wachen aber behielten die Gefangenen nach wie vor scharf im Auge. Rat hatte den Kopf in den Nacken gelegt und starrte seit Stunden die Hallendecke an, obwohl es klüger gewesen wäre zu schlafen. Aber Schlaf fand er keinen, auch wenn sein Körper nach Erholung schrie, der Geist sah nur die Gedanken der noch wachen Gefangenen. Jeder hatte Angst vor dem nächsten Morgen, niemand wusste wohin es ging, oder ob man seine Lieben noch einmal in die Arme schliessen konnte.

Dem Mädchen neben ihm hatte er den Rucksack abgenommen und ihn ihr unter den Kopf geschoben, damit sie wenigstens diese eine Nacht noch Schlaf fand.

Umso mehr hatte es ihn überrascht, als auf dem Rucksack eine dunkelgraue Ratte gekrochen kam, die nun auf der Brust des Mädchens döste. Er hörte das leises Wimmern, sah aus den Augenwinkeln wie sich die Augäpfel panisch unter den geschlossen Lieder bewegten und die feingliedrigen Hände sich zitternd in den Kleidern krampften. Von was ihre schlechten Träume wohl handelten mochten? Der Ratte wurde es nun zu ungemütlich und krabbelte von ihrer Brust runter, um sich gleich darauf in der Ecke wieder zusammen zu rollen. Kälte kroch unangenehm durch den Stoff seiner Kleidung, als er sich die Wand hinab sinken liess und hinlegte. Noch immer hing sein Blick an der Decke, von der er nun mühsam den Blick löste und nachdenklich zu dem noch immer wimmernden Mädchen hinüber schaute. Er streckte vorsichtig den Arm aus, strich sanft über ihre verschwitze Stirn und legte dann die Hand beruhigend auf ihre Schulter. Es war eine sanfte Geste und er wusste, dass es ihr keineswegs helfen würde. Umso erstaunter war er, als ihre Atemzüge ruhiger wurden und sich schliesslich ein friedlicher, ja beinahe glücklicher Ausdruck auf dem Gesicht ausbreitete. Bevor er die Augen schloss und in den tiefen Schlaf der Erschöpfung fiel, huschte auch über sein Gesicht ein Lächeln. Wenigstens für eine Weile würde ihr Geist Ruhe finden.

Ein paar Stunden nach Morgengrauen wurde er durch das Stimmengewirr der Erwachenden geweckt, die in ängstlicher Hast die wenigen Habseligkeiten packten. Er blendete alle ihre Gedanken aus, lehnte sich an die Wand und suchte die Halle nach Fly und seiner Schwester ab. Aus der Ecke links von ihm kam ein unterdrücktes Stöhnen, aber er wandte nicht den Kopf, nur ein müdes Lächeln verzog die ausgedörrten Lippen. Er bemerkte nun endlich die rabenschwarzen Haare seiner Schwester, die ihn nun ihrerseits sah und vorsichtig in seine Richtung winkte. Vor seinem geistigen Auge sah er seine schrecklichsten Ängste Gestalt annehmen, unwillkürlich ballte er die Hände zu Fäusten, wandte den Kopf ab und schluckte leer.

Das Mädchen neben ihm hatte sich mit den Händen aufgestützt, und atmete den Kopf in den Nacken gelegt zischend die Luft aus. Sie hatte Schmerzen und Rat wollte eigentlich gar nicht so genau wissen weswegen. Unter dem zerrissenem Stoff sah er die in allen Blautönen schimmernden Rippen, die Blutergüsse an den Armen, die Kratzer und den Schmerz in ihren Augen. Sein Starren anscheinend nicht bemerkend, schlang sie die Arme um die Knie und vergrub ihre Zähne in dem weichen Fleisch ihrer Handgelenke.

Tränen verschleierten ihm den Blick und er fragte sich, ob die Wachen sich an ihr vergangen hatten. Es wäre sicher kein Einzelfall gewesen.

Ihr Kopf ruckte herum, er hatte den Gedanken versehentlich laut ausgesprochen…

„Was hast du gesagt?", zischte eine gereizte, überraschend tiefe, Stimme.

Der junge Mann schwieg lange und beharrlich, aber schlussendlich sprach er doch. Natürlich hatte sie seine Worte schon vorher verstanden, aber sie wollte wissen warum er dies gesagt hatte.

Sicher, sie sah schrecklich aus, aber es gab noch andere die schlimmer aussahen. Wie also kam er auf einen solchen absurden Gedanken.

„Ich habe mich gefragt, ob sie sich ein bisschen mit dir vergnügt haben. So wie du aussiehst….", antwortete er ihr gelassen.

Mit den Händen stützte sie sich schwerfällig auf, legte den Kopf in den Nacken und fragte mit wieder geschlossenen Auge:„Wie sehe ich denn aus?"

Leise lachte er, um ihr dann mit derselben ruhigen Stimme zu antworten.

„Würde man sich deine blauen Flecken, den ganzen Dreck und deinen betörenden Duft weg denken, wärst du ganz ansehnlich."

Schmunzelnd kam ihm in den Sinn, dass sie sicher noch um Einiges ansehnlicher wäre, würde sie ohne Kleider hier liegen. Aus den Augenwinkeln sah er, dass sich das schmale Gesicht zusehends verdüsterte. Anscheinend konnte er seine Gedanken doch nicht s gut verbergen wie gedacht. Eine Sekunde später war sie aufgesprungen und versuchte ihn zu ohrfeigen. Es blieb bei einem Versuch.

Der Schmerz schoss bis in ihre Schulter als grob ihr Handgelenk umklammerte

Er liess sie nicht los.

Den Griff etwas lockernd, riss er sie mit einem Ruck zu sich runter, so dass sie schmerzlich mit ihren Knien auf dem blanken Boden aufschlug.

Kalte Augen bohrten sich in Glühende, als er hart ihr Kinn umfasste und sie so zwang ihn anzuschauen. Es war egal, dass sie ihn ohrfeigen wollte, aber dieses Wimmern von vorhin hatte ihn aufhorchen lassen. Es war kein flehentliches Wimmern gewesen, kaum mehr menschlich klingend und eine stumme Warnung. Er zog ihr Gesicht zu sich und zischte ihr zu, dass sie es besser niemals mehr versuchen sollte ihn zu ohrfeigen, weil er ihr dann mit Vergnügen ein richtiges Wimmern entlocken würde. Es war pure Absicht, dass er dabei so nahe an ihrem Ohr sprach und so sein heisser Atem ihre Haut kitzelte. Er löste den Griff und das Mädchen stand mit einem wütenden Grollen hastig auf, wobei er zufrieden eine leichte Röte auf ihren Wangen feststellte.

Zu verwirrt und zu verlegen, brachte Lea kein Wort über die Lippen und funkelte ihn nur zornig an. Er lächelte spöttisch zurück, nur um einen Wimpernschlag später erschrocken auf einen Punkt hinter zu starren.

Der brennende Schmerz in ihrem Nacken gab ihr Gewissheit, den Wachen schien die kleine Unruhe überhaupt nicht zu passen.

„Ihr habt während der Fahrt noch genügend Zeit euch miteinander zu beschäftigen. Jetzt bewegt euch!", brüllte eine der Wachen und versetzte ihr einen weiteren Schlag mit der Rute.

Ohne mit der Wimper zu zucken packte sie den Rucksack, stopfte die ärgerlich quietschende Ratte hinein und stampfte in Richtung Ausgang davon.

Rat tat es ihr gleich, da er keine Lust verspürte abermals mit dieser Rute Bekanntschaft zu machen. Allerdings behielt er das Mädchen stets in den Augen.

Den Gefangenen wurden jeweils 2 Wasserflaschen und andere Kleider ausgehändigt. Die Männer bekamen nur zerlumpte graue Hosen, den älteren Frauen gab man gnädigerweise noch ein Shirt, Lea aber wurde ein für ihr Alter ein viel zu kurzes Top in die Hände gedrückt.

Ihre Augen verengten sich zu wütenden Schlitzen, als sie erkannte, dass es ihre Blösse kaum besser bedecken würde, als es ihr völlig zerfetztes Oberteil getan hatte.

Unschlüssig stand sie nun in einem dieser kahlen Gänge und suchte unbewusst ein bekanntes Gesicht. Für einen Moment schien ihr Herzschlag auszusetzen, als sie etwas weiter Leila entdeckte, die sich am ganzen Körper zitternd und mit tränenüberströmten Wangen umzog.

Grund für die Tränen waren die Wachen, die ihr dabei zusahen und sie mit ihrem dreckigen Lachen demütigten.

Nicht einmal Michael konnte ihr helfen, eine Wache hatte ihm die Arme auf dem Rücken verdreht und bei jeder noch so winzigen Bewegung verstärkte er den Druck. Nur mühsam die Tränen zurückhaltend wandte sich Lea ab nur um zu sehen, dass zwei Wachen sich ihr näherten um das gleiche widerliche Spiel auch mit ihr zu spielen.

Die beiden Männer blieben in einiger Entfernung stehen und in ihr breitete sich keineswegs Angst aus, sondern nur Abscheu. Wie waren Menschen eigentlich fähig Ihresgleichen schlimmer als Tiere zu behandeln, ihnen sämtlich Rechte wegzunehmen?

Nun, sie sollten ruhig sehen, was sie niemals bekommen würden. Beinahe lächerlich liess sie die Kleider zu Boden gleiten, ab und zu den beiden spöttische Blicke zuwerfend. Der eigentliche Grund weswegen sie sich hier so zur Schau stellte und nicht wie Leila in Tränen ausbrach, war, dass sie genau diese zu schützen versuchte .Sie wollte die Aufmerksamkeit der anderen Wachen auf sich lenken, ob ihr dies gelungen war, konnte sie nicht sagen. Jedenfalls war nicht mehr von dem hässlichen Lachen zu hören. Der Stoff der neuen Kleider war rau, scheuerte den Schorf der Wunden auf und wärmte keinesfalls. Ein letztes böses Lächeln zu den Wachen und Lea wandte sich, gedemütigt die Augen niederschlagend, um. Er stand dort, lässig an die Wand gelehnt, die Arme vor der Brust verschränkt und sie mit einem nicht deutbaren Blick musternd. Unsicher biss sie sich auf die Lippen, warf ihm einen beschämten Blick zu und wandte den Kopf von ihm ab, um nach Leila Ausschau zu halten.

Ihr Plan hatte funktioniert, die Hälfte der Wachen hatte die Szene neugierig verfolgt

Es kam Bewegung in die Menge, hastiges Rascheln hier, geschäftiges Zusammenpacken dort. Nur nicht auffallen war die Devise, jeder machte den grösstmöglichsten Bogen um die Wachen und trabte wie befohlen den Gang hinunter, an dessen Ende sich anscheinend ein Ausgang befand. Nirgends war der braune Schopf Leilas zu entdecken, sie war alleine unter vielen.

Graue, eingefallene Gesichter zogen in einem schier endlosen Strom an ihr vorüber und schlussendlich richtete sie den Blick auf den Boden, nur um nicht mehr sehen zu müssen. Die Leute blieben stehen, niemand sprach nun mehr ein Wort. Lea wünschte sich zurück in die Zeit, als sie nicht um das Leben anderer bangen musste und sie noch von besseren Zeiten träumen konnte. Jetzt erschien ihr ein leichter Tod schon als unerreichbarer Traum

An ihre Ohren drang Gefluche, ängstliches Weinen und Schmerzenslaute. Schmerzenslaute?

Um besser zu sehen, stellte sie sich auf die Zehenspitzen und konnte gerade noch erkennen, dass sich die Menschen vor dem Ausgang zu irgendetwas hinunterbeugten.

„Sie brennen ihnen gerade die Nummer mit einem Laser in den Nacken.", sprach jemand sie an. Warmer Atem kitzelte ihre Haut, als die Stimme fortfuhr: „Das vorhin war ziemlich bewundernswert."

Er sah wie sie tief Luft holte und dann einfach weiter die Rücken vor ihr anstarrte. Er brauchte ihre Antworte ja sowieso nicht, las er doch in ihren Gedanken wie in einem Buch.

Vor dem Lasern fürchtete sie sich, sie verfluchte die dünne Kleidung, in der sie fror und vor allem bedachte sie ihn mit allerlei schönen Ausdrücken. Auch verspürte sie den Drang ihm das alles ins Gesicht zu brüllten, aber sie beliess es dabei sich die Fingernägel in die Unterarme zu krallen. Die Menge vor ihnen lichtete sich zusehends und bald schon stand sie ebenfalls vor einem kleinen Tisch auf dem die benötigten Werkzeuge lagen. Neben ihm lag der Ausgang, eine nun geöffnete dick Stahltür, hinter der sich die Plätze des Bahnhofes im Morgendunst abzeichneten.

An dem Tisch stand eine junge Frau, aber in ihrem hämischen Gesichtsausdruck unterschied sie sich nicht von den anderen Mitarbeitern. Vor ihr sollte sie den Kopf neigen, sich einen verdammten Zahlencode in den Nacken brennen lassen, vor ihr da sollte sie kriechen?

„Was glotzt du so? Na los, runter mit dem Kopf", wurde sie angeschnauzt.

Sie rührte sich nicht, nur ihr Körper spannte sich als würde sie sich im nächsten Moment auf sie stürzen. Nichts passierte.

Ein Zittern rüttelte an den schmalen Schultern und kurz darauf zischte sie, dass sie sich niemals wie Vieh brandmarken lassen würde.

„Du bist aber nicht mal Vieh, Kleine! Und jetzt runter mit dem Kopf!", grollte ein Wache und trat drohend einen Schritt näher. Stumm schüttelte sie den Kopf, rührte sich nicht. Rat schloss die Augen.

Zufrieden über die Abwechslung grinsend packte die Wache sie am Nacken und schleuderte sie brutal mit dem Gesicht nach vorne auf die Tischplatte.

Ein leises Wimmern war zu hören während man auch sie brandmarkte und als sie von dem Schlag halb bewusstlos nicht sofort weiter ging schleuderte die Wache sie einfach zu Boden.

Er hätte eingreifen können, obwohl es sinnlos gewesen wäre. Er kam nicht gegen so viele Wachen an.

Das leise Wimmern brach nicht ab, als er ebenfalls zu dem Tisch trat und gehorsam den Kopf neigte. Sobald sie fertig waren, beugte er sich zu ihr hinunter, keiner hätte ihr aufgeholfen, und hob sie sachte auf.

Wie leicht sie war, wie zerbrechlich sich die Knochen anfühlten und wie ihr Herz rasend wild schlug. Ob sie noch mitbekam wer sie da aufhob, denn sie schlang die Arme um seinen Hals und vergrub ihr Gesicht in seiner Halsbeuge. Die Augen hielt sie noch zugekniffen, Tränen stahlen sich davon, durchnässten den Stoff seiner Kleidung und vermischten sich mit dem Regen, der sie draussen willkommen hiess.

Sie waren nicht die Einzigen, die weinten.