Endlosschleife

Als ich mir einigen Monaten zum ersten Mal seit Jahren deinen Namen zu Ohren kam, zog sich etwas in mir zusammen. Da war er wieder, dieses süße Schmerz, den ich all die Zeit verdrängt hatte.

*Bitte nicht, hör' auf, mir immer wieder über den Weg zu laufen...

Vor drei Jahren hatte ich dich zum letzten Mal gesehen, dich beinahe vergessen. Dich unter die Mädchen gezählt, mit denen ich meine ersten zögerlichen Erfahrungen gemacht hatte. Nie hätte ich gedacht, dass da mehr sein könnte.

Doch als ich dann wieder in deine tiefblauen Augen sah, kamen alle Erinnerungen wieder hoch.

Unser Abschied. Du nahmst es ernst. Ich sagte, ich kann dich nicht lieben- wollte es nie, weil du mir immer Angst gemacht hast.

*Dunkelheit. Tränen. Nein, bitte kein Abschiedskuss... vergiss einfach alles...

Hätte ich damals nur gewusst, wie sehr ich dich mit meinem abweisenden Verhalten verletzt habe, ich hätte soviel ändern können.

Mit dir zusammen zu sein, gleicht einer Ohnmacht: es gibt keine Zeit, keine Reaktionen, einfach nur diese unheimliche Stille.

Und irgendwo, in diesem unendlichen Nichts, ist einfach nur die Wahrheit verborgen.

Du hast mich so oft erkennen lassen, wer ich wirklich bin. Dafür liebe ich dich- und deswegen fürchte ich dich.

Schließlich dachte ich, in den drei Jahren hättest du dich komplett verändert, glaubte ich, du stelltest nicht mehr den Spiegel meiner Seele dar.

Daran hielt ich fest. Ich wollte keinen engeren Kontakt mehr, um in meiner schönen Illusion weiterleben zu können. Ich wollte mich davon überzeugen, dass du mich nie wieder durchschauen könntest, mich nie wieder durchleuchten, wie du es früher so oft getan hattest. Dabei wusste ich doch, dass es nicht so war.

Und dann dieser Abend- ich wollte es nicht, aber du warst da, und plötzlich hatte ich wieder den Mut, mich fallen zu lassen.

Und wieder durchbohrte mich dein Blick, zeigte dein Körper mir die Wahrheit, die ich so fürchtete...

Liebe ich dich? Oh, würde ich es nur können, dieser stechende Schmerz würde endlich verschwinden!

Begehre ich dich? Ja, ich begehre dich, wenn du mich ansiehst, als wärst du ein wildes Tier, wenn deine Lippen Wahrheit sprechen, ohne dass ihnen ein Laut entweicht...

Fürchte ich dich? Du hast die Macht. Du weißt, wer und was ich bin, warum nutzt du es nicht aus, damit ich dich hassen kann?

Warum, schaffst du es jedes Mal, meine Seele freizulegen? Warum kannst du mich nicht einmal in Ruhe lassen? Warum lügst du mich nicht einfach an, wie der Rest der Welt?

Oder glauben sie es etwa?

Ich bin schwach.

*2003/05/14