Lüge

Wie sehr sehne ich mich danach,
ihn sichtbar zu machen, den Schmerz,
den dumpfen, namenlosen Schmerz,
der tief innen in mir brennt –
sichtbar zu machen auf meiner Haut,
sichtbar zu machen in Blut.

Wie sehr drängt es mich danach,
sie herauszuschneiden, die Schuld,
die Schuld meiner vielen, vielen Fehler,
die ich nicht mehr ändern kann –
herauszuschneiden aus meinem Gewissen,
herauszuschneiden mit der Klinge.

Wie sehr verzehre ich mich danach,
sie herauszuschreien, die Angst,
die Angst, nicht gewollt, nicht geliebt zu sein,
nicht gut genug, verlassen zu werden –
herauszuschreien aus meiner Seele,
herauszuschreien durch Wunden.

Wie sehr kämpfe ich dagegen,
sie nur mit einer Lüge zu betäuben,
den Schmerz, die Schuld, die Angst –
sie werden wiederkommen,
und alles, was ich gewonnen habe –
sind neue Narben.

Rev. 8.2.05