Du schaust hin

Sanft
beginne ich sie zu spüren,
Deine Hand auf meiner Schulter;
Behutsam
wehst Du ihn beiseite,
den Schleier um mein trostloses Herz.
Wirst mir greifbar, nahe,
streichelst meine Haare,
immer und immer wieder,
wie ein sanfter Regen,
bis ich mich fallen lassen kann
in die Wolke Deiner Zärtlichkeit.

Du hörst nicht auf,
Du gehst nicht weg,
Minute um Minute
liebst Du die Angst hinweg,
die Angst verlassen, verworfen zu werden,
die Angst, alleine zu sein.
Deine Hände weben
ein Netz aus feinem Licht um meinen Kopf,
und mit jeder Minute, die Du bleibst,
webst Du Vertrauen in mich hinein:
Vertrauen in Menschen, Vertrauen in Freundschaft,
Vertrauen in Liebe, Vertrauen in Dich.

Ich drehe mich um, und sehe
Dein Gesicht in Tränen gebadet:
Du schaust direkt in mein Leiden,
verschließt nicht die Augen vor dem,
was geschehen ist, verschönst nicht,
Dein Antlitz gezeichnet von Trauer
um mein verwundetes Leben.
Dunkel und schwer
fließt er herab, Dein erbarmender Schmerz,
strömt er auf mich herab,
in Tränen aus glitzerndem Blut,
erleichtert, erhellt meine Seele.

Und ich darf weinen,
in Deinen Armen,
ich darf weinen,
endlos lange,
wimmern
wie ein kleines Kind,
sie zulassen,
die Trauer,
sie loslassen,
meine Tränen,
die Du auffängst
in Deiner Liebe.

16.10.04