Die Rose im Eis

Tief vergraben in einem Herzen,
gefangen inmitten von Mauern aus Eis,
schimmert sacht durch kristallene Kälte
eine zarte knospende Rose.

Ich will sie befreien, kratze ungeduldig
an dem Eis, hacke daran herum
mit wunden Fingern, meine Seele schreit
dieses Leben zu erlösen.

Tag und Nacht
steht sie mir vor Augen
und ich rüttle verzweifelt
an dem gläsernen Gefängnis.

Eissplitter, scharf und kantig,
schlage ich los, sie bohren sich
in mein Fleisch – und ich sehe mit Schrecken
sie bohren sich auch in deines.

Endlich
halte ich inne,
und bittere Tränen der Reue
ätzen sich in mein Leben.

Da kommt die Sonne,
ohne mein Zutun,
beugt sich zu dir herab
mit Tränen in leuchtenden Augen.

In unendlicher Sanftheit,
so unendlich behutsam,
wärmen verwundete Hände das Eis,
liebkosende Hände aus Licht.

Und ich weiß, es schmilzt,
langsam, zaghaft, stetig, es schmilzt,
weint an dir herab in perlender Hoffnung,
schimmert in seidigen Frühlingstautropfentränen.

Die Rose wird frei sein,
ohne mein Zutun,
die Rose wird knospen,
trotz meiner Fehler,
die Rose wird blühen
in unendlicher Schönheit –

und alles, was ich noch tun will,
ist dir Liebe zu schenken für immer.

28.11.04