Wie die Ameise

So wie die Ameise
jedes Hindernis überwältigt,
das man ihr in den Weg legt, unbeirrbar darüber krabbelt
oder es zwar umgeht, doch wieder dieselbe Richtung einschlägt wie vorher;

So wie der Fluss
unter der dicken Eisschicht
ungesehen weiterfließt und jeden Eisblock
mit stiller, stetiger, unbeugsamer Rebellion umrundet;

So wie der Baum
sich durcharbeitet zum Wasser,
zu den Nährstoffen tief in der Erde vergraben,
bis er die Felsen gesprengt hat, die noch den Zugang verweigern;

So wie der Körper
ausströmendes Blut gerinnen lässt,
klaffende Wunden schließt und rote, pochende Narben
verblassen lässt, auch wenn erst nach langer Zeit, zu silbernen Strichen:

So führt uns der Geist Gottes unbesiegbar dem Ziel entgegen,
wie sehr auch der Feind, höhnisch grinsend,
zähneknirschend Steine
in den Weg legt.

10.2.06