Sie

Irgendwo

An einem gottverlassenen Ort

Gefangen und doch frei

Eingesperrt in einem finsteren Kerker aus Unendlichkeit

Gefesselt in einem Netz

An den Stricken des Wahnsinns gewoben

In Ketten gelegt

Geqäult und gefoltert

Sie hatte jedes Zeitgefühl verloren

Sie wusste nicht mehr

Ob vor Tagen

Oder vor Wochen

Als sie aufgehört hatte Gott anzuflehen

Er möge sie endlich erlösen

Dort hing sie in ihren Ketten

Ihre Augen waren frei von Schmerz

-jedem menschlichem Schmerz

Doch die Schatten die darin lagen

Erschreckten mehr

Als jede menschliche Pein es jemals könnte

Etwas griff nach ihrer Seele…

Doch trotz all der Folterungen

Die sie hatte erleiden müssen

War ihr Körper unberührt

Ihr Kleid – immer noch strahlen weiß

Ihr Haar – wie aus Silberfäden gesponnen

Ihre Haut und ihr alabasterner Körper

-unberührt

Wie am ersten Tag ihrer Gefangenschaft

Selbst ihre Flügel – schon unzählige Male gebrochen

-unverletzt

Sie wünschte sich wenigstens weinen zu können

Sie hatte versagt

Und dies war ihre gerechte Strafe

Sie musste hier weg

Auch auf die Gefahr hin

Ihre unsterbliche Seele zu verlieren…