Viel Spass beim lesen^^


Kapitel 8:

Wenn du so vor mir stehst und ich auf deinen Mund dabei schau, ist das so als wenn du nem Pittbull nen Steak hinhältst. (Anonym)

„Kaum zu glauben, dass er das ernst gemeint hat!"

„Irgendwie klingst du nicht besonders glücklich darüber, Kit!", stellte Kali fest und beobachtete, wie die junge Frau einen Kleiderständer durchforstete.

„Urlaub ist klasse, besonders nach der ganzen Sache mit O´Fallon. Aber musste es ein Strandplanet sein? Es gibt hübsche Eisplaneten, mit tollem Komfort, wo man nicht ständig in Angst leben muss sich einen Sonnenbrand zu holen", hörte sie die frustrierte Stimme.

„Da könntest du aber nicht so schrille Bikinis tragen!", stellte Kali amüsiert fest und musterte ein weiteres Mal die drei Stückchen Stoff, die mehr zeigten als verhüllten.

Das Modell, das Kit trug war neongrün –scheinbar ihre neue Lieblingsfarbe –und leuchtete mit ihrer weißen Haut und den fackelroten Haaren um die Wette. Das allein hätte schon genügt, um sie zum Mittelpunkt des Planten zu machen. Aber Kit wäre nicht Kit, wenn sie es nicht schaffen würde, noch einen drauf zu setzen. Ihre ohnehin schon beachtenswerte Oberweite wurde durch den schwarzen Aufdruck Die Hard über jeder Brust noch betont.

Seit sie mit dem Shuttle hier gelandet waren, war ihnen noch kein Mann über den Weg gelaufen, dem bei ihrem Anblick nicht fast die Augen aus den Höhlen getreten waren.

Kali spürte wie sie erneut anfing zu kichern, ohne etwas dagegen tun zu können.

„Was?" Grüne Augen fixierten sie.

„Ich bewundere nur dein Outfit."

In Wahrheit versuchte sie sich die Reaktion der anderen vorzustellen. Besonders die von Jim. Sie konnte es kaum erwarten zum Strand zu kommen.

Kit zog eine Schnute, schien aber bereit auf eine schnippische Bemerkung zu verzichten.

„Und du bist sicher, dass du dir kein anderes Modell aussuchen willst?", fragte Kit.

Sie blickte an sich herunter. Im Gegensatz zu ihrer Freundin, trug sie einen schlichten lilafarbenden Bikini und ein ebensolches Hüftuch.

„Nein, ich glaube ich bin ganz zufrieden."

„Na, wenn du meinst", brummte Kit, scheinbar unzufrieden mit der Einfachheit ihrer Kleidung und kramte weiter in dem vollgestopften Kleiderständer herum.

„Hey wir wäre es hiermit?", fragte sie eine Minute später begeistert.

Als sie sich herumdrehte, befürchtete sie schon, Kit wollte ihr ein Modell a la: Make my day! in orange pink andrehen, doch stattdessen hielt sie ein Kleid in den Händen. Hübsch, schlicht und das Beste von allem: lila.

„Toll!"

Begeistert schnappte sie sich das Stück Stoff und verschwand in der Kabine und kam in Windeseile wieder heraus:„Und?"

Sie drehte sich einmal und blickte sich im Spiegel an. Mit einem Mal war sie ganz aufgekratzt. Die Verabredung mit Jack, das Date machte sie ganz nervös.

„Sieht toll aus!", bestätigte Kit und sie spürte, wie sie frustriert die Luft ausstieß.

„Nur toll?"

„Aha!", lächelte Kit wissend.

„Aha?"

„Du stehst auf Jack, was?", stellte Kit scharfsinniger Weise fest.

„Sonst würde ich wohl kaum mit ihm ausgehen!", bemerkte sie spitz.

„Nein...ich meine, du bist scharf auf ihn!", grinste Kit breit. Bevor sie nachhaken konnte, wie das nun schon wieder gemeint war, hielt sie ihr auch schon ein anderes Kleid unter die Nase. Schlicht war es allerdings nicht.

„Wenn du ihn in einen sabbernden Idioten verwandeln willst, zieh das hier an."

„Kit!", mahnte sie. Doch gleichzeitig legte sie ihren Kopf schief um das Kleid zu mustern. Es war schwarz, so viel Schlichtheit konnte man ihm zugestehen, doch wenn sie das richtig sah, war es größtenteils transparent. Hinzu kam, dass das Oberteil aus nicht mehr als einem breiten Streifen bestand. Der Rock war dafür immerhin lang und fließend. Zusammen gehalten wurden die beide Teile lediglich durch acht dünne Muschelketten, sowie zwei Trägern die ebenfalls aus Muscheln bestanden und mit etwas Glück nicht von den Schultern rutschten.

„Na los, probier es schon an!", drängte Kit sie.

Zehn Minuten später befanden sie sich auf dem Weg zum Strand und ihre Laune konnte kaum noch besser werden. Es hatte sie nur eine Sekunde des Zögerns gekostet, dann hatte sie sich für das schwarze Kleid entschieden. Eigentlich für beide, aber heute Abend würde sie das mit den Muscheln tragen. Es gefiel ihr, aber noch mehr wollte sie, dass es Jack gefiel.

Kit, die offensichtlich ganz genau wusste, wo sie lang mussten, tänzelte grinsend neben ihr her und plapperte irgendetwas über Pralinen.

„Pralinen?", hakte sie nach.

„Ja, Pralinen. Hörst du mir überhaupt zu?"

„Ich habe den Sprung von gehirnamputierter Dummkopf zu superleckeren Pralinen nicht ganz mitbekommen."

„Ich habe schon wieder ein Geschenk bekommen."

Kit schien sich selbst nicht ganz sicher zu sein, was sie davon halten sollte.

„Aber das ist doch toll. Wer ist der Absender?", fragte Kali und versuchte sich ein Grinsen zu verkneifen.

„Ich habe keine Ahnung, es steht nie etwas dabei." Kit klang eindeutig frustriert.

„Ach, der wird sich schon noch zu erkennen geben. Und ich bin sicher, es ist kein gehirnamputierter Dummkopf!", versicherte sie Kit, die ihr schnaufend antwortete.

„Jim! Jim ist ein gehirnamputierter Dummkopf! Eine zu groß geratene Mikrobe mit den Manieren eines Baumstamms!"

Sie traute sich kaum zu fragen, doch Kit beantwortete ihr auch so ihre unausgesprochene Frage.

„Er hat sie aufgegessen, kannst du dir das vorstellen?"

„Was?"

„Er hat die Pralinen einfach aufgegessen. Meine Pralinen!"

Sie hätte laut los gelacht, hätten ihre Augen in diesem Moment nicht eine interessante Entdeckung gemacht.

„Na, sieh sich das mal einer an!", grinste sie. „So manche Frauen würden schon für den Anblick bezahlen, wir dürfen auch noch mit ihnen leben."

Sie fühlte wie ihr Grinsen immer breiter wurde, je näher sie an die Truppe herankamen.

Die Grants, Arkadi, Quin und sogar Dragen saßen an einem großen Tisch und trugen nicht viel mehr als Shorts. Die allesamt hochgewachsenen Männer zogen keine unbeachtliche Menge an Aufmerksamkeit auf sich. Ihr entging auch nicht der ein oder andere giftige Blick, den ihnen ein paar Frauen zuwarfen, als sie sich der Gruppe näherten.

Sie gab ein bewunderndes Pfeifen von sich und ließ ihren Blick noch mal über die ansehnlichen Oberkörper wandern.

„Da weiß ein Mädchen ja gar nicht, wo es ihn sehen soll."

Sechs Augenpaare blickten ihnen entgegen, doch noch bevor jemand was sagen konnte, spuckte Jim seinen Drink im hohen Bogen durch die Gegend und gab keuchende Geräusche von sich, nachdem er einen Blick auf Kit und ihren Bikini geworfen hatte.

„Ey, Mann!", beschwerte sich Johnny, der sich an dem Erstickungstod seines Bruders kaum zu stören schien.

Jim hustete immer noch und zumindest Quin schien bereit, ihm zu helfen und klopfte ihm fest auf den Rücken.

„Alles ok, Alter?", fragte der blauhaarige Mechaniker und ließ sich, wie üblich, nicht aus der Ruhe bringen. Er hatte seine Schweißerbrille und seine weiten Hosen, gegen eine knallbunte Badehose und eine dunkle Sonnenbrille eingetauscht. Es war das erste Mal, dass Kali ihn ohne Shirt sah und somit fielen ihr auch zum ersten Mal die zahlreichen Tätowierungen auf. Der Mechaniker konnte vielleicht nicht denselben durchtrainierten Körper vorweisen, wie die anderen fünf, aber verstecken musste er sich auch nicht.

„Geht schon, geht schon", keuchte Jim.

„War nur der Schreck!", beteuerte er, konnte die Augen aber nicht von Kits leuchtender Gestalt abwenden.

„Wieso Schreck? Hier gibt es doch überhaupt keinen Spiegel!", bemerkte Kit und ließ sich unbeeindruckt neben ihm in den freien Stuhl fallen.

Augen verdrehend schaltete Kali das umgehend einsätzende Gezänk der beiden für einen Moment aus und suchte sich selbst einen Platz. Der einzige freie Stuhl befand sich zwischen Jack und Dragen. Sie tauschte einen schnellen Blick mit Arkadi, der bedauernd die Schultern hob.

„Meine Augen haben sich entschieden", grinste Dragen sie an, sich auf ihre vorherige Begrüßung beziehend. Er ließ seinen Blick ein Mal ihren Körper rauf und wieder herunter wandern. Sie lächelte. Jedoch nicht wegen Dragens Kompliment, sondern vielmehr wegen dem tödlichen Blick, den Jack dem Aima zukommen ließ.

Sie richtete es so ein, dass sie im ganzen ein Stück näher neben Jack saß, was die Anspannung in seinen Schultern augenblicklich zu verringern schien und ihr Lächeln nur verbreiterte. Der Abend konnte gar nicht schnell genug kommen.

Die Hard? Wie habt ihr es geschafft, unbehelligt hier her zu kommen?", raunte Jack ihr leise zu und sie musste sich ein weiteres Mal ein Kichern verkneifen. Doch Kit und Jim schienen ihr die Antwort vorweg zu nehmen.

„Hat dir das auch dein Möchtegern Bettgeselle geschenkt, o holde Helena?", stichelte Jim und Kali musste sich fest auf die Zunge beißen um nichts zu sagen.

„Möchtegern Bettgeselle?", hakte Johnny nach. „Helena? Habe ich was nicht mitbekommen?"

„Irgendjemand ist zu blöd die Post richtig zuzustellen!", brummte Jim.

„Oh ja, klammer du dich bloß an deine lächerliche Vorstellung! Ich bekomme Geschenke und du erträgst es nicht."

„Okay, du bekommst Geschenke", stellte Johnny schulterzuckend fest. „Und wer ist Helena?"

„Sie sind unterschrieben, mit Für meine Helena", erklärte Kit stolz.

„Ich sag doch falsch zugestellt!", schnappte Jim.

„Dass du davon keine Ahnung hast, war ja mal wieder klar! Troja? Göttinnen? Helena –schönste Frau der Welt, he?!", ereiferte sich Kit im inbrünstigen Tonfall.

„Na bitte, da hast du`s doch. Falsch zugestellt!", erwiderte Jim und Kali konnte nicht verhindern, dass sie ihm einen schrägen Blick zuwarf.

„Pöh! Du bist ja nur eifersüchtig!", zischte Kit und lehnte sich geziert auf ihrem Stuhl zurück.

„Ich? Eifersüchtig?", fuhr Jim auf und Kali bemerkte, dass sie nicht die einzige war, die das kleine Duell mit Spannung verfolgte.

„Ich glaube dir ist die ganze Sache zu Kopf gestiegen. Was du brauchst ist eine Abkühlung."

Noch bevor Kit wusste wie ihr geschah, hatte Jim sie über seine Schulter geworfen und marschierte mit ihr in Richtung Meer.

„Was tust du da!", blaffte sie ihn an, während sie mit den Fäusten auf seinen Rücken einschlug, ohne damit sonderlich viel Erfolg zu haben.

„Ich bin dir behilflich, die Realität wieder zu finden."

„Lass mich sofort runter du...du zu groß geratener, eingebildete, egoistischer Ableger eines Waldschrats, wenn ich wieder..."

Mehr hörten sie nicht, da sie in gemeinschaftliches Gelächter ausbrachen.

Immer noch grinsend erhob sich Arkadi.

„Wenn ihr mich entschuldigen wollt. Ich habe ein Date."

„Ein Date?" Johnny sah ihn misstrauisch an.

„Ja, mit einer wunderschönen jungen Dame, die mir niemals verzeihen wird, wenn ich nicht mit ihr in den Vergnügungspark gehe und ihr wie versprochen Eis und Zuckerwatte kaufe", erklärte er.

„Vergiss nicht mit ihr an einem dieser Stände halt zu machen, wo man mit dem Messer auf Scheiben werfen darf. Die fand ich als Kind ganz toll!"

Augenblicklich sah Kali sich mit zweifelhaften Blicken konfrontiert.

„Das erklärt einiges!", bemerkte Johnny und schüttelte den Kopf.

„Wie meinst du das?"

„Ich glaube nicht, dass Belle so viel davon hält!", warf Arkadi ein und sie sah ihm deutlich an, dass er sich bemühte ein Grinsen zu unterdrücken.

„Sie steht eher auf Mädchenkram."

„Was soll das heißen, Mädchenkram? Bin ich kein Mädchen?"

Arkadi grinste breit, als er auf sie zu trat.

„Du weißt ganz genau, was ich meine", versicherte er ihr und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.

„Mach keine Dummheiten!", murmelte er so leise, dass selbst sie es kaum verstehen konnte. Bevor sie fragen konnte, was er meinte, warf er Jack und Dragen einen Blick zu und hob zum Abschied die Hand.

„Wir sehen uns. Genießt euren Urlaub, so lange er dauert."

Mach keine Dummheiten?

Vorsichtig warf sie einen Blick nach rechts zu Jack und schließlich einen nach links zu Dragen.

Was genau stellte sich Arkadi unter Dummheiten vor?

***

„Jolyna?" Die bekannte Stimme ließ sie vor Schreck zusammen fahren. Das Universum war riesig, warum zum Teufel, musste er sich ausgerechnet hier aufhalten?

Der dunkelgekleidete Mann, der sie begleitete, machte augenblicklich Anstalten, ihn aufzuhalten, doch eine einfache Handbewegung genügte und er trat einen Schritt zurück.

„Arkadi?", fragte sie ungläubig und drehte sich herum, um sich zu vergewissern, dass ihre Ohren ihr nicht doch einen Streich spielten.

Verdammt!

„Was tust du hier?", fragte sie verwirrt und musterte ihn. Außer knielangen Shorts trug er nichts und so angestrengt sie auch überlegte, sie konnte sich nicht daran erinnern, ihren Schwager je so gesehen zu haben. Unfreiwilligerweise musste sie grinsen.

„Jetzt weiß ich wieder, warum ich Fin damals geheiratet haben!", grinste sie und zum ersten Mal seit langen, tat es nicht weh darüber zu sprechen. Nicht mal fröhlich zu sein.

Seine verwirrte Miene hellte sich auf und im Gegenzug ließ er seinen Blick über sie schweifen. Sie wusste, dass sie heute gut aussah. Wenn sie das hier schon anging, dann mit allem, was sie vorzuweisen hatte. Und auch mit fünfunddreißig war das noch weitaus mehr, als andere Anfang zwanzig zu bieten hatten.

„Das Kompliment kann ich nur zurückgeben", meinte er.

„Aber was machst du hier?", fragte sie erneut.

„Urlaub mit der Crew! Nach der O´Fallon Angelegenheit, haben sie sich alle ein Pause verdient. Aber was machst du..." Mitten im Satz stutzte er und blickte erst ihren schattenhaften Begleiter und dann sie an. Zwei Mal wiederholte er das Ganze, wobei sein Grinsen immer breiter und unerträglicher wurde.

„Du triffst dich mit ihm!"

„Ich weiß nicht was du meinst!", schnappte sie, spürte aber wie ihre Wangen vor Verlegenheit rot wurden. Obwohl es Arkadi war, der sie die ganze Zeit dazu drängte, war es ihr vor ihm irgendwie peinlich.

„Oh, doch das weißt du ganz genau!", grinste er breit. „Du triffst dich mit Liam McFayden!"

Sie seufzte und nickte schließlich. Was für einen Zweck hatte es die Sache abzustreiten. Früher oder später hätte er es ja doch erfahren.

„Ja!", gab sie zu, wich aber seinem Blick aus.

Sie hatte lange mit sich gehadert, das hier zu tun. Dreieinhalb Jahre um genau zu sein. Ernsthaft darüber nachgedacht, hatte sie eigentlich erst seit sieben Monaten. Seit er angefangen hatte, ihr diese Briefe zu schreiben. Anfangs waren es bloß teure Geschenke gewesen: Schmuck, Kleider, Parfüm, Aerogleiter –sogar eine Yacht hatte er ihr gekauft.

Sie hatte alles zurücksenden lassen, doch jedes Stück hatte den Weg wieder zu ihr zurück gefunden und schließlich hatte sie es aufgegeben. Die Geschenke hatten sich gestapelt, doch bis heute hatte sie nicht ein einziges davon angerührt. Sie verstaubten in der hintersten Ecke ihres Schrankes und sie versuchte, sie so gut sie konnte zu ignorieren.

Das ging meist ganz gut. Seine Einladungen und die drei Heiratsanträge zu ignorieren, war schon etwas schwieriger gewesen, weil er dazu jedes Mal persönlich auftauchte. Und Liam McFayden war einfach kein Mann, den man ignorieren konnte.

Dabei schaffte er es irgendwie, bei der ganzen Sache, nicht mal aufdringlich zu wirken. Stets war er höflich und taktvoll, wenn auch ziemlich hartnäckig. An Anfang hatte sie noch gedacht, sein Interesse würde nach ein paar Wochen von ganz allein verebben, doch da hatte sie weit gefehlt. Nie im Leben hätte sie daran gedacht, sich wirklich darauf einzulassen.

„Nur ein Essen...", murmelte sie vor sich hin.

„Du brauchst dich vor mir nicht zu rechtfertigen", beteuerte ihr Arkadi und ihre Wangen färbten sich noch ein wenig dunkler, als ihr bewusst wurde, dass sie das laut gesagt hatte.

„Ich finde es gut, dass du es machst. Es verpflichtet dich ja zu nichts."

Wie alle in der Familie Ash, hatte auch Arkadi die Gabe des rechten Handelns zur rechten Zeit, in die Wiege gelegt bekommen.

Sie gab es ungern zu, doch ein wenig Bestätigung, das Richtige zu tun, war genau das, was sie in diesem Moment brauchte. Er umarmte sie für einen Moment und fasste dann nach ihren Händen.

„Du siehst toll aus. Er liegt dir zu Füßen und du bist niemanden außer dir selbst verpflichtet. Vergiss das nicht! So und nun entspann dich ein wenig und genieße das Ganze."

Sie atmete tief durch und lächelte.

„Du hast recht!", nickte sie schließlich. „Warum bin ich sonst hergekommen?"

„So ist es richtig!", grinste er ihr vergnügt zu, bevor er sich entschuldigte.

„Belle wartet. Vielleicht sieht man sich."

Damit war er auch genau so schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war, doch ihr Bauchgefühl hatte sich um einiges gebessert.

Sie nickte dem Mann zu, der gekommen war, um sie von ihrem Hotel abzuholen und sie zu der Yacht zu begleiten und schritt wieder neben ihm her. Eigentlich hatte er sie zur Yacht fahren wollen, doch sie hatte gefragt ob es auch möglich wäre zu laufen und er hatte keine Einwände erhoben.

Ein Blick zum Himmel ließ das Lächeln auf ihrem Gesicht wo es war und für eine Sekunde schloss sie die Augen um die warme Sonne zu genießen.

Selbst wenn ihre Verabredung ein Reinfall werden sollte, den Aufenthalt auf Taklahmakalha würde sie nicht bereuen. Sie trug nur ein dünnes Sommerkleid, das ihr nicht mal über die Knie ging, doch selbst das war beinahe zu viel für die aktuellen Temperaturen. Und so sehr es sie auch reizte, ihre Füße in dem feinen, weißen Sand zu vergraben, noch war es dafür zu heiß. Außerdem hätte es wohl keinen guten Eindruck gemacht, barfuss bei Liam anzukommen.

Keine zehn Minuten später, hatten sie ihr Ziel erreicht: Ein gigantischer Luxuskreuzer, der sicherlich mehr wert war, als einige Planeten. Die Jolyna.

Der Name der Yacht hätte sie nicht verwundern sollen, doch sie konnte nicht ganz verhindern, dass ihre Augenbrauen fragend in die Höhe wanderten.

„Jolyna, meine Liebe, ich hatte schon befürchtet, Sie hätten es sich doch anders überlegt."

Und da war er.

Liam MacFayden, in voller Lebensgröße, welche nicht gerade unbeachtlich war, und der auf sie zu schritt. Seine gepflegte, Hochgewachsene Gestalt steckte in einem Paar lässiger weißer Hosen und einem ebenso weißem lockeren Hemd, welches seine braungebrannte Haut deutlich hervorhob. Für einen Mann, verstand er es ausgezeichnet, seine Gestalt zur Geltung zu bringen. Doch vielleicht musste man das in seinem Geschäft. Präsenz war kein zu verachtender Vorteil.

„Ich hatte Ihnen doch meine Zusage gegeben. Ich neige dazu mein Wort zu halten."

Weiße Zähne blitzten auf und er bot ihr seine Hand.

„Sie sehen wundervoll aus." Und an der Art wie seine grünen Augen strahlten, erkannte sie, dass er es ernst meinte.

Andererseits hätte sie auch alles andere sehr verwundert.

„Vielen Dank!", lächelte sie und nahm die Hand an, die sie zum Deck der Yacht führte. „Weiß kleidet Sie auch wesentlich besser, als schwarz", gestand sie ihm zu.

„Oh, ich werde es mir merken!" , versicherte er ihr erfreut und sie glaubte ihm aufs Wort.

Im belanglosen Plauderton, doch offensichtlich bester Laune zeigte er ihr das Schiff und brachte sie mit der ungewöhnlichen Erwerbsgeschichte zum lachen. Mit jeder Minute, die sie länger hier war, spürte sie, wie sie sich mehr entspannte.

***

„Alec, nun zier dich nicht so!"

„Ich habe nein gesagt!", fauchte sie. Das fehlte ihr gerade noch. Das dumme Püppchen eines Casanovas zu spielen.

„Er sieht gut aus! Und wenn man den Gerüchten glauben darf, versteht er was von Frauen", kicherte Honey und strich sich ihr eng anliegendes blaues Kleid glatt, womit sie ohne zu zögern, als Männer mordende Waffe durchging.

„Ein richtiger Mann würde dir mal wieder gut tun!", grinste Mag, die in einem nicht weniger auffälligen Kleid steckte und sich gekonnt die Lippen nachzog, ohne in den Spiegel zu schauen.

Sie warf ihren Schwestern einen giftigen Blick zu und fuhr unbeirrt damit fort, ihre Waffen zur reinigen.

„Wieso machst du nicht das Beste aus dem Auftrag, so wie wir?", fragte Honey und begann damit Strähne für Strähne, ihr ohnehin perfekt liegendes blondes Haar zu kämmen.

Genervt verdrehte Ale die Augen.

„Ich kann mich nicht daran erinnern, dass der Auftrag lauten würde, mit ihm ins Bett zu gehen."

„Er verbietet es uns aber auch nicht", grinste Mag breit. „Genau genommen ist er auch nicht der Auftrag."

„Ich weiß, wie der Auftrag lautet! Im Gegensatz zu euch, wie mir scheint", bemerkte sie schnippisch und warf zum wiederholten Mal ein Blick auf das Holobild, das Mag und Honey dazu veranlasste, sich wie zwei Idiotinnen aufzuführen.

Honey zog eine Schnute.

„Kannst du dich noch an die Bedeutung des Wortes Spaß erinnern, Alecto?"

„Es geht hier nicht um Spaß, sondern um einen Auftrag! Und ihr habt nichts Besseres zu tun, als euch irgend so einem Typen an den Hals zu werfen", schnaubte sie und kontrollierte, ob der Lauf ihrer Waffe sauber genug war.

„Führe Aufträge auf die leichteste und effektivste Weise aus!", zitierte Mag wohlbekannte Worte.„Wenn du nicht so stur wärst, würdest du uns zustimmen, dass das die leichteste Möglichkeit ist. Alles andere wäre weit aus komplizierter."

„Was ist mit dem?", fragte sie ohne wirkliches Interesse und obwohl sie die Antwort darauf längst kannte. Ihre Schwestern machten sich nicht einmal die Mühe, darauf zu antworten, nachdem sie gesehen hatten, auf wen sie gezeigt hatte.

„Okay, okay. Und was ist mit dem Großen?"

„Tsss. Du machst es immer komplizierter! Was hast du nur gegen den da?", fragte Honey und deutete zum wiederholten Male auf das Holo. „Der ist doch süß!"

„Süß! Wenn ich das schon höre! Ich will meinen Auftrag erledigen. Und ich bin gut in dem, was ich tue. Ich mag es einfach nicht mich als dummes, naives Püppchen verkaufen zu müssen!", erklärte sie den beiden entschieden.

„Du weist doch, dass du nicht dumm und naiv bist!", bemerkte Mag.

„Und wir wissen es auch", stimmte Honey zu.

Alec gab ein frustriertes Geräusch von sich. Seit wann bekamen sie so dämliche Aufträge? Hatte sie irgendetwas falsch gemacht? War jemand mit ihrer Arbeit nicht zufrieden gewesen?

„Wieso erledigt ihr beide das nicht? Da ihr sowieso so scharf darauf seid? Ihr seid sicher eher sein Typ!" Sie stöhnte innerlich auf. Hatte sie das gerade wirklich gesagt? Verdammt, sie kannte die beiden doch nun wirklich schon lange genug, um zu wissen, was darauf folgen musste.

„Das glaube ich aber nicht!", bemerkte Mag bestimmt und auch Honey ließ sich umgehend neben ihr auf das Bett nieder und nahm ihr die Waffe aus der Hand.

„Du bist genau so hübsch wie wir. Auch wenn ich immer noch nicht verstehen kann, warum du dir dein tolles Haar abgeschnitten hast. Aber mit ein paar Pillen..."

„Ich mag meine Haare kurz. Da sind sie mir nicht im Weg, wenn ich arbeite", bemerkte sie mit einem Blick auf Honeys blonde und Mags rote Wallemähne.

Eigentlich besaßen ihre beiden Schwestern dasselbe braune Haar wie sie, nur ihre Augen waren unterschiedlich. Honeys blau, Mags grau und ihre eigenen grün. Aber dank Färbepillen war die eine erblondet und die andere errötet. Sie selbst legte keinen großen Wert auf so einen Kram. Was war an braunem Haar denn auch verkehrt?

„Ja, für die übliche Arbeit mag das sein, aber für den heutigen Auftrag wäre es schon..."

Sie fiel ihrer Schwester augenblicklich ins Wort. „Ich bin keine Hure sondern..."

„Natürlich nicht!", fiel ihr wiederum Mag ins Wort. „Aber ein hübsches Äußeres hat noch nie geschadet."

Knurrend griff sie nach ihrer Waffe, doch Honey hielt sie außerhalb ihrer Reichweite.

„Kommt nicht in Frage, Alec! Du kommst mit. Wir arbeiten zu dritt. Und du solltest es zumindest einmal versuchen."

„Ich werde sicher nicht mit ihm ins Bett gehen!", stellte sie die Sache klar und verschränkte ihre Arme vor der Brust.

„Niemand verlangt, dass du gleich mit ihm ins Bett gehst!", stöhnte Mag. „Und nun komm schon, wir helfen dir dich fertig zu machen."

Sie stöhnte auf. Genau das befürchtete sie.

„Ihr macht mich jetzt schon fertig."

„Aber dafür sind Schwestern doch da." Grinsten beide.

***

„Wow du siehst heiß aus!", bemerkte Kit grinsend und steckte noch mal eine letzte Klammer in ihrem Haar gerade. „Wenn dich Mr-Super-Nietzscheaner sehen könnte, würde er glatt das Werben vergessen und gleich zu dem Teil mit dem Gene teilen kommen."

„Ich habe aber gar kein Interesse an seinen Genen!", versicherte sie Kit und hoffte, dass sie jetzt nicht mit allen möglichen Gegenbeispielen auffuhr. Sie mochte Dragen, aber darüber hinaus hatte sie kein Interesse an dem Aima, auch wenn ihr nicht entgangen war, dass er sich um ihre Aufmerksamkeit bemühte.

Die Aima waren darauf versessen ihren Genpool nur mit außergewöhnlich guten Genen zu füttern und ganz offensichtlich fiel sie in diese Kategorie. Aber wie geschmeichelt konnte sich eine Frau fühlen, weil sie einem Mann auf Grund ihrer Gene gefiel?

Auf der anderen Seite musste man ihnen zu gute halten, dass sie nicht leichtfertig um jemanden warben. Eigentlich nur dann, wenn sie beabsichtigten jemanden an sich zu binden. Und das gewöhnlich für immer. Aima kannten so etwas wie Scheidung nicht.

„Was machst du heute Abend?", fragte sie im selben Moment, als die Tür aufging und Jim herein spazierte.

„Na, das einzig wahre, was eine Frau tun kann- mit einem Grant ausgehen...Na hallo!" Jim stieß einen bewundernden Pfiff aus.

„Wenn mein Bruder es dabei schafft, seine stoische Miene aufrecht zu halten, dann weiß ich's auch nicht. Warum ziehst du so was nie an?", wandte er sich grinsend an Kit.

„Vielleicht tue ich es ja Mal! Aber dann wirst du garantiert nicht in der Nähe sein, um es bewundern zu können!"

„Aber Kit hat etwas viel besseres für heute Abend!", warf Kali ein.

„Ach ja?", hakte Jim misstrauisch nach und sie warf Kit einen warnenden Blick zu, die schon im Begriff war dieselbe Frage zu stellen.

„Ja, ihr neuestes Geschenk!", grinste sie und schob Kit ins Bad, wo das besagte Kleidungsstück lag.

„Es steht ihr sicherlich hervorragend."

Das Kleid, das sie bekommen hatte, war schlicht, grün und kurz. Damit konnte sie nur gut aussehen.

Vergnügt zog sie die Tür hinter sich zu und achtete nicht auf Kits protestierende Worte, die irgendetwas von langweiligem Schnitt erzählten.

Stattdessen drehte sie sich noch einmal im Kreis und blickte Jim an.

„Und es wird ihm sicher gefallen?", fragte sie fast gegen ihren eigenen Willen, doch wenn jemand ihre Nervosität dämpfen konnte, dann ein Grant.

Ein ungewöhnlich warmes Lachen machte sich auf Jims Zügen breit.

„Du magst ihn wirklich, hm?"

Nun spürte sie zu allem Überfluss auch noch, wie sie rot wurde.

„Ja."

Doch Jims Grinsen wurde nur noch breiter. „Du siehst phantastisch aus. Und..."

„Ja?"

„Wenn ich dir einen Tipp geben darf...lass deine Augen wie sie sind. Ich glaube das gefällt ihm."

Sie spürte, wie das Lächeln auf ihren Lippen breiter wurde und sie warf einen schnellen Blick in Richtung Bad.

„Und wenn ich dir einen Tipp geben darf: zieh dir was mit kurzen Ärmeln an", zwinkerte sie ihm zu. „Und möglichst viel Leder."

Jims Mimik ließ sie laut Lachen, doch bevor er auch nur die Chance hatte, etwas zu sagen, war sie schon aus dem Raum verschwunden.

***

„Ich hoffe Sie mögen Fisch?"

Seine unerwartete Stimme ließ sie zusammen fahren.

„Ich wollte Sie nicht erschrecken!", entschuldigte er sich augenblicklich und trat neben sie an die Reling.

„Ich war nur etwas in Gedanken versunken", gab sie zu. Dass sich diese zum größten Teil um ihn drehten, verschwieg sie ihm. Sie hatte den Nachmittag nicht bereut und inzwischen war die Sonne dabei unterzugehen und sie spürte nicht den Drang von hier Fortzugehen.

Noch immer war sie sich nicht sicher, ob ihr das gefallen sollte.

„Schön, nicht wahr?"

„Ja, da ist es", bestätigte sie. „Es muss schön sein, hier jeden Abend sitzen zu können und sich den Sonnenuntergang anzusehen."

„Möchten Sie das denn?", fragte er und so etwas wie Hoffnung schwang in seiner Stimme mit. Ohne es zu wollen, lächelte sie ihn an.

„Dafür hat es sich schon gelohnt, drei Jahre zu warten", bemerkte er und sie musste lachen.

„Immer die rechten Worte, ja?"

„Nein." Er schüttelte den Kopf und blickte dann hinauf aufs Wasser. „Wenn es so wäre, würden Sie mich nicht immer noch so misstrauisch anblicken, sondern längst einen Ring an Ihrem hübschen Finger tragen."

Seine Worte waren so nüchtern gesprochen, dass sie für einen Moment nicht wusste, was sie darauf antworten sollte.

„Ich bin noch nicht so weit!", brachte sie schließlich über die Lippen.

Er nickte. „Wie war er?"

Sie hatte mit vielem gerechnet, aber sicher nicht mit dieser Frage. Der Knoten in ihrem Hals war ganz plötzlich da und verhinderte für einen Moment sogar, dass sie Luft bekam. Doch Liams Hand legte sich über ihre, bevor sie etwas sagen konnte.

„Entschuldigung. Ich hätte nicht fragen sollen. Das geht mich schließlich nichts an."

Sie atmete tief durch und bemühte sich um ein Lächeln.

„Natürlich dürfen Sie. Es ist nur so, dass es mir immer noch schwer fällt, darüber zu sprechen. Auch über die schönen Sachen."

Wieder nickte er.

„Ich kenne das."

Augenblicklich spürte sie, wie ihre Augenbrauen sich verärgert zusammen zogen. Wie konnte er so etwas behaupten? Aber er redete weiter und bewarte sie somit vor einer dummen Peinlichkeit.

„Als ich meine Frau verloren habe, ging es mir genauso. Alle Erinnerungen sind dann wie ein privater Schatz, den man nur ungern teilt."

Verblüfft starrte sie ihn an.

„Sie waren verheiratet?"

„Ja." Er lächelte. „Aber das ist schon viele Jahre her."

Erst in diesem Moment wurde ihr bewusst, wie wenig sie eigentlich über diesen Mann wusste.

„Wie lange?"

„Sechs Jahre. Sie ist am Floorafieber gestorben."

„Das...das tut mir leid. Das habe ich nicht gewusst." Erst jetzt fiel ihr auf, dass seine Hand noch immer über der ihren lag. Er bemerkte ihren Blick und zog sie hastig fort, doch sie ergriff sie ein weiteres Mal und drückte sie sacht.

„Ich glaube es gibt eine Menge, was wir nicht von einander wissen", bemerkte er. „Vielleicht wollen wir diesen misslichen Umstand beim Essen beheben?"

***

„Was ist mit ihr?" Fragte Johnny und musterte die hübsche Brünette, die alles andere als begeistert schien, von ihren Schwestern mit hier her gebracht worden zu sein.

„Es fällt ihr einfach schwer sich zu amüsieren", grinste Honey und rutschte ein wenig näher an ihn heran, wobei ihm ihr Parfüm in die Nase stieg.

Himmel, roch die gut!

Das seidenweiche rote Haar, das sich von der anderen Seite an ihn heran schob, erinnerte ihn daran, dass da noch jemand war. Mag.

Kein Zweifel, er war ein glücklicher Mann heute Abend.

Zwei heiße Schwestern. Doch die dritte hätte er sicherlich auch nicht von der Bettkante gestoßen. Sein Blick saugte sich ein weiteres Mal an den scheinbar endlosen Beinen von Alec fest und er musste breit grinsen, als sie sich vorbeugte um ihren Drink in Empfang zu nehmen.

Doch zwei wandernde Hände zogen seine Aufmerksamkeit auf sich. Entspannt lehnte er sich zurück und ließ seine eigenen Hände, die er jeweils um die Taille der Frauen geschlungen hatte ein Stück höher wandern. Keine der beiden erhob Einspruch.

Was als langweiliges Gespräch begonnen hatte, schien als äußerst angenehmer Abend enden zu wollen. Er hatte keine Einwände.

Honey begann ihren Mund über seinen Hals wandern zu lassen und jagte ihm kleine Schauder über den Rücken. Als ihr Mund auf seinen traf, wusste er auch, warum sie diesen Namen trug. Doch bevor er den Kuss vertiefen konnte, hatte Mag ihn auch schon fortgezogen und drückte ihm ihrerseits einen feurigen Kuss auf die Lippen.

Er hörte neben sich ein frustriertes Seufzen und Honeys Hand lenkte sein Gesicht wieder zu ihr, was Mag tatkräftig zu verhindern versuchte.

Lachend lehnte er sich zurück. Er war eindeutig im Himmel. Zwei hübsche Frauen, die sich um ihn stritten. Was konnte ein Mann mehr verlangen?

„Immer langsam Ladies. Es ist schließlich genug für alle da", grinste er und küsste jede der beiden schönen Frauen auf den Hals.

„Ich glaub mir wird schlecht!" Alecs Stimme ließ seinen Kopf nach oben schnellen.

„Alec!", schnappte Honey, doch Alec visierte ihn mit ihren eindringlichen grünen Augen an und der Ausdruck darin, gefiel ihm gar nicht. Es gab nicht viele Frauen, die ihn so anblickten und in ihm machte sich augenblicklich der Wunsch breit, sich ihr zu beweisen.

„Mir reicht`s für heute Abend!" Ohne ein weiteres Wort, drehte sie sich herum und verschwand im dichten Gedränge.

„Stör dich nicht an ihr. Sie weiß gute Gesellschaft halt nicht zu schätzen", schnurrte Mag.

Der Ausdruck in Alecs Augen geisterte noch einmal durch seine Gedanken, wurde aber im nächsten Moment schlagartig von Honeys wandernder Hand abgelenkt.

Dem unschuldigen Lächeln der einen, folgte das der anderen.

„Wie wäre es mit einem Ortswechsel?", surrte Honey dicht an seinem Ohr und er fühlte das zufriedene Grinsen zurückkehren.

***

Das Adrenalin in seinen Adern verflüchtigte sich langsam, doch Kits Gezeter verlangsamte den Abfluss erheblich.

„Du solltest mir dankbar sein!", knurrte Jim und versuchte seine Augen von den grell blitzenden Lichtern abzuwenden. Verdammt. Er wurde zu alt für so eine Scheiße.

„Dankbar? Dankbar?" Kits Stimme überschlug sich beinahe. „Was glaubst du eigentlich wer du bist, he?"

„Er hat dich angefasst!", brummte er verstimmt und verschränkte die Hände vor der Brust, ohne dabei die Umgebung aus den Augen zu lassen. Die meisten Gäste interessierten sich nicht sonderlich für sie, doch der eine oder andere warf ihnen neugierige oder amüsierte Blicke zu. Letzteres lag wahrscheinlich an Kit, die es trotz halbwegs schlichter Kleidung mal wieder schaffte aufzufallen.

„Vielleicht wollte ich ja, dass er mich anfasst! Schon mal daran gedacht? Außerdem geht dich das überhaupt nichts an!", keifte sie. „Nur weil dir langweilig ist, hast du kein Recht, mir den Spaß zu verderben. Und jetzt sieh dir mein neues Kleid an –überall Blutspritzer!"

„Stell dich nicht so an! Sonst läufst du ja auch in Farben durch die Gegend, die sich kein Mensch ansehen kann. Viel schlimmer ist das auch nicht."

Langsam hatte er sie so weit, dass sie kurz vorm Hyperventilieren stand. Ihre Augen leuchteten schon so intensiv grün, dass sie beinahe unheimlich wirkten. Doch statt des erhofften kurzen knappen Ausbruchs und dem darauf einkehrenden Frieden, holte sie drei Mal tief Luft und fixierte ihn. Sie öffnete mehrere Male den Mund, doch es kamen keine Wörter heraus. Ihre Fäuste waren so angespannt, dass die Fingerknöchel schmerzhaft hervortraten. Im nächsten Moment hatte sie ihm den Zeigefinger auf die Brust gelegt.

„Halt dich gefälligst aus meinem Leben heraus!", zischte sie schließlich leise, drehte sich auf den Hacken herum und verschwand in der Menge.

War er dieses Mal etwa doch zu weit gegangen?

Sein Blick fiel auf den Mann, der an der Theke lehnte und sich die Nase und das rechte Auge mit Medipacks kühlte. Als er Jims Blick bemerkte, sah er hastig weg und entlockte ihm ein unzufriedenes Knurren.

Ach was. Die würde sich schon wieder ein kriegen.

***

„Würden sie uns bitte die Rechnung bringen?" Jacks, an den Kellner gerichtete, Frage machte es ihr schwer, sich ihre Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.

Der Abend war einfach fantastisch. Wenn sie gewusst hätte, was Männer von der Erde unter einem Date verstanden, wäre sie nie mit anderen ausgegangen. Nicht, dass sie viele Verabredungen in ihrem Leben gehabt hätte. Die meisten Begegnungen mit Männern in ihrem Leben waren von ziemlich heftiger aber kurzer Natur gewesen, die sich meist im Anschluss an eine nicht kontrollierbare Rolligkeitsphase angeschlossen hatten.

Die wenigen anderen, die sich an ihr interessiert gezeigt hatten, hatten auch nicht lange damit hinterm Berg gehalten, dass es ihnen nur darum ging, sie ins Bett zu kriegen. Und das möglichst schnell.

Mit Jack war das völlig anders. Er hatte sie in dieses Restaurant ausgeführt, das fast direkt am Strand lag und ihr Tisch befand sich vor einem gigantischen Fenster, durch das man auf das offene Meer hinausblicken konnte. Das Innere des Restaurants war einer alten planetaren Legende von einem Unterwasserkönigreich nachempfunden. Überall befanden sich Aquarien, die bunte Meerestiere beinhalteten und den Eindruck erweckten, man wäre wirklich mitten im Meer und die Musik, die von leisen Plätschern und Rauschen unterlegt war, verstärkte den Eindruck noch. Es war wunderschön. Wie der ganze Abend.

Er hatte ihr die Tür aufgehalten, den Stuhl heran geschoben und sie zum Tanzen aufgefordert. Sie hatten zusammen gegessen, gelacht und sich unterhalten, wobei er hauptsächlich ihr Fragen gestellt hatte. Zum ersten Mal im Leben, hatte sie den Eindruck jemand würde sich wirklich für sie interessieren. Zudem blickte er sie auf eine Art und Weise an, die ihre ganze Haut zum Prickeln brachte und ein nervöses Flattern in ihrem Inneren auslöste.

Grund Gütiger, sie wusste nicht, ob sie vor Freude lachen oder weinen sollte. Und jetzt sollte es schon vorbei sein?

„Ist alles in Ordnung?"

Musste dieser Mann auch alles bemerken?

„Ja natürlich, was sollte nicht in Ordnung sein?", entgegnete sie schnell. Zu schnell.

Fragend zog sich eine seiner Augenbrauen in die Höhe.

„Es ist nur..." Hastig verschluckte sie die Worte. Sie sollte lieber die Klappe halten, bevor sie einen schönen Abend mies machte.

„Nur was?"

Sie spürte wie er seine Hand auf ihre legte und es machte sie nervöser, als sie zugeben wollte. Wieso fiel es ihr plötzlich so schwer, sich normal zu verhalten.

„Kali?", hakte er nach als keine Antwort kam.

„Es ist nur...Es ist schade, dass der Abend nun vorüber ist", gab sie zu, blickte ihn dabei aber nicht an.

„Heißt das, du möchtest ins Hotel zurück?"

Verwirrt blickte sie hoch. „Nein, ich dachte..."

Ein breites Grinsen, ließ sie inne halten und der Griff um ihre Hand wurde ein wenig fester.

„Dann heißt das, der Abend war bisher nicht so schlimm und du erträgst den Rest auch noch?"

Das schiefe Grinsen war das eines Grants, aber sie konnte seine Unsicherheit riechen.

„Machst du Witze?", entfuhr es ihr etwas zu heftig, räuspernd senkte sie die Stimme und versuchte, die verlegene Röte auf ihren Wangen zu ignorieren.

„Das war der schönste Abend, an den ich mich erinnern kann."

Für einen Augenblick, war ein Funkeln in seinen Augen, das sie ihre Worte bereuen ließ, doch das erfreute Lachen das an dessen Stelle trat, verstärkte wieder das Flattern in ihrem Inneren.

Bevor einer von ihnen etwas sagen konnte, kam der Kellner mit der Rechnung und unterbrach den Blickkontakt zwischen ihnen.

Keine drei Minuten später waren sie vor dem Restaurant, direkt am Stand. Sein Lächeln war fast schon schüchtern, als er seine Hand suchend nach ihrer ausstreckte. Ohne Zögern ergriff sie seine Hand und fühlte zufrieden, wie sich ihre Finger miteinander verflochten.

***

Verdammt sie musste hier doch irgendwo sein! Er war sich ganz sicher, ihren roten Haarschopf hier irgendwo gesehen zu haben. Er hatte Kit eine Stunde Zeit gegeben, um sich wieder abzureagieren und sich nun auf die Suche nach ihr gemacht.

Schon im nächsten Moment, spürte er, wie sich sein Blick verfinsterte und das Adrenalin in seine Adern zurückkehrte. Keine drei Meter von ihm entfernt, stand Kit dicht an einen schwarzhaarigen Typen gedrängt, der in einem heruntergekommenen Lederoutfit steckte. Sie hatte ihre Hände um seinen Hals geschlungen, während die des Typen ziemlich unmissverständlich auf ihrem Hintern langen.

Halt dich gefälligst aus meinem Leben heraus!

Er atmete einmal tief durch und drehte sich um. Langsam ging er zwei Schritte Richtung Ausgang bevor er stehen blieb.

„Ach was soll`s!" Ohne weiter darüber nachzudenken marschierte er wieder zurück. Inzwischen hatten sie sich gedreht, so dass der Typ nun mit dem Rücken zu ihm stand.

Er tippte ihm auf die Schulter und wie gehofft drehte sich der Mann herum, nur um schmerzhafte Bekanntschaft mit seiner Faust zu schließen.

Jim wusste das er Kraft hatte, doch dieses Mal hatte er sich wohl verschätzt. Der Fremde wurde schwungvoll rückwärts katapultiert und landete auf dem Rücken, wo er ohne zu zucken liegen blieb.

Er rechnete fast zeitgleich mit einer ohrenbetäubenden Standpredigt von Kit, doch die blieb aus. Stattdessen tat sie etwas, womit er niemals gerechnet hätte.

„Jim!", schnurrte sie, warf ihm die Arme um den Hals und schob sich so nah an ihn heran wie sie konnte, als wäre er genauso gut wie der andere Typ.

Doch ein Blick in ihre Augen genügte, um zu verstehen, was hier vor sich ging.

Lilac!", grollte er und musterte ihren, nun violett eingefärbten Augenhintergrund. Mit einem untypischen Kichern stellte sie sich auf die Zehenspitzen und versuchte ihn zu küssen, doch er hatte sicherlich nicht vor, da mit zumachen. Nicht wenn sie auf diesem verdammten Aphrodisiakum war.

„Hat er dir das verdammte Zeug untergejubelt?" Selbst in seinen Ohren klang seine Stimme rau. Er blickte sich einmal im Kreis um, doch niemand schien daran interessiert zu sein, sich seinen Ärger zuzuziehen.

„Jaja....toll nicht...?", kicherte sie wieder und noch ein wenig mehr, als er sie auf den Arm nahm.

„Huch...Ganz schön stürmisch Mr. Grant!"

Nun da er selbst die Entfernung zwischen ihnen überbrückt hatte, drückte sie ihm ihre Lippen auf den Mund, noch bevor er sich wegdrehen konnte.

Oh man, sie würde ihn morgen früh umbringen!

Er drehte den Kopf zur Seite, was sie nicht zu stören schien und sie beschäftigte sich stattdessen mit seinem Hals. Als sie anfing ihn leicht zu beißen, konnte er ein leises Knurren nicht vermeiden, was sie erneut mit einem untypischen Quietschen kommentierte.

Er war ja so was von tot...!

Anstatt die Frau auf seinen Armen zu beachten, trat der dem am Boden liegenden Dreckskerl noch einmal kräftig in die Rippen. Doch nicht mal das Geräusch knackender Knochen, schaffte es seine Stimmung zu mildern, als er aus dem Laden herausstapfte.

Halt dich gefälligst aus meinem Leben heraus!

„Tut mir Leid...das kann ich nicht!", brummte er unzufrieden.

***

Eigentlich hatte er mit ihr doch zu dem Teleskop gewollt, wie... Seine Gedanken verloren sich ein weiteres Mal, als er ihre Hände in seinem Haar spürte. Ohne sich weiter Gedanken über das wie und warum zu machen, zog er sie näher und vertiefte den Kuss.

Hiervon träumte er seit Monaten und jetzt, musste er feststellen, dass seine Träume keinesfalls mit der Realität mithalten konnten. Das hier war eindeutig besser.

Er wusste nicht, wie lange sie so eng umschlungen dastanden, aber er spürte, wie sie sich näher an ihn schob, ihre Hände fester um seinen Nacken schlang und ein leises Seufzen von sich gab, das ihn alles um sich herum vergessen ließ. Seine eigenen Hände wanderten weiter ihr Rückgrad entlang und streiften über die warme, nackte Haut an ihrem Rücken.

Gott, fühlte sich diese Frau gut an!

Der Kuss, der so sanft und harmlos angefangen hatte wurde immer hitziger und er spürte, dass auch das langsam nicht mehr genug war. Er wollte mehr. Doch statt dem beinahe schmerzhaften Drängen nachzugeben, zog er sich zurück.

Kalis Atem ging, wie auch sein eigener, wesentlich schneller und sie blickte ihn verunsichert an.

„Ist...ist etwas nicht in Ordnung? Habe ich etwas falsch gemacht?"

Ihre erschrockene Miene ließ ihn lächeln und er zwang sich dazu, seine Hände von ihrem Rücken zu nehmen und sie stattdessen an ihre Wange zu legen.

„Nein, du hast gar nichts falsch gemacht!", versicherte er ihr und bemühte sich wieder zu Atem zu kommen, was weder durch einen Blick in ihre Augen, noch bei einem auf ihre immer noch leicht geöffneten Lippen ein leichtes Unterfangen war.

„Aber warum...?" Sie sprach nicht weiter.

Er schluckte und atmete tief durch.

„Das zwischen uns beiden...Ich...ich würde gerne, dass das klappt, weißt du? Ich meine, wenn du das auch willst..."

Mit einem Mal machte ihn der Blick in ihre Augen wieder nervös.

„Ich meine, ich will nicht, dass das eine einmalig Angelegenheit ist. Sondern...sondern..." Ihr Lächeln brachte ihn ganz durcheinander.

Hallo Jack! Hier spricht dein Gehirn. Zurzeit bin ich leider außer Funktion gesetzt, bitte versuch es doch später noch einmal!

Er setzte noch einmal an. „Ich mag dich. Sehr sogar und ich würde einfach gerne..." Bevor er weiter stottern konnte, hatte sie ihn wieder zu sich gezogen und küsste ihn.

„Ja, ich dich auch!", meinte sie, nachdem sie sich wieder von ihm gelöst hatte.

„Und es würde mir auch gefallen, wenn das zwischen uns ein wenig mehr wäre...", murmelte sie, während sie ihre Arme fester um ihn schlang und sich gegen ihn lehnte.

Bis zu diesem Augenblick hatte er gar nicht gemerkt, wie angespannt er gewesen war. Doch nun atmete er erleichtert aus und zog sie noch ein wenig näher.

„Jack?", erklang es fragend eine Weile später.

„Ja?", erkundigte er sich und strich gedankenverloren durch ihr Haar.

„Damit ist der Abend doch nicht vorbei, oder?"

Leise lachend lehnte er sich zurück und blickte sie an.

„Nein. Nicht, wenn du nicht willst."

Sie schüttelte den Kopf und er küsste sie erneut.

TBC


A/N: Auch auf die Gefahr hin das ich mich wiederhole, es tut mir leid das ich so lange zum updaten brauche. Momentan schreibe ich hauptsächlich an meinen englischen Fanfiction. Allerdings hoffe ich das ich in nächster Zeit ein wenig mehr Zeit für meine Originals finde.

Lasst mich hören, wenn es euch gefällt -oder auch nicht.