Gemini, ist eine Welt die meine Freundin sich für ein Fantasy Rollenspiel überlegt hat. Das Land, die Entstehungsgeschichte, die Götter, Hintergrundgeschichten, Völker und vieles mehr ist ausgearbeitet. Unglücklich ist natürlich das außer einer handvoll Personen niemand diesen Hintergrund kennt.

Trotzdem habe ich ihn für diese Geschichte benutzt und es dürfte auch ohne dieses Wissen problemlos möglich sein diese Geschichte zu verstehen.


Hier nur eine kleine Zusammenfassung der "Grunddaten":

Götter:

Dunkelgott: Erschaffer der Welt, Gott der Unterwelt. Steht für Weisheit und Allmacht. Sein Element ist die Luft. Sein Wappentier ist der Rabe.

Große Göttin: Muttergöttin, Göttin des Lebens und der Fruchtbarkeit. Steht für Liebe und Familie. Ihr Element ist die Erde. Ihr Wappentier der Schwan.

Ainu: Gott des Lichts und der Rechtschaffenheit. Sein Element ist das Wasser. Sein Wappentier der Hund.

Ashara: Zwillingsschwester des Ainu und Gott des Feuers und der Rache. Ihr Element ist Feuer. Ihr Wappentier der schwarze Falke.

Völker:

Menschen:

Chephire: Flügelmenschen aus den höchsten Bergen des Landes. Ihre Flügel können sie durch Magie beliebig erscheinen oder verschwinden lassen. Sie sind von hochgewachsener Gestalt und in der Regel recht geschickt und gewandt.

Elfen:

Waldelfen (ganz klassisch wie man sich das so vorstellt),

Nachtelfen (leben in Höhlen. Weiße Haut, schwarzes Haar),

Grauelfen (leben in den Bergen, sind besonders geschickt im Schmieden und ähnlichen Künsten),

Dryaden (weiblich und stets mit rotem Haar. Asharas erwähltes Volk)

Voren: Katzenmenschen

Marrows: Wasermenschen

Magie: Elementmagie.

In erster Linie ist:

Feuer: Kampf

Wasser: Beeinflussung

Luft : Levitation und Illusionen

Erde: Heilmagie

Darüber hinaus gibt es ganz allgemein anwendbare Zauber

Gestaltwandler: Dies ist keine Magie im klassischen Sinne sondern eine Gabe.

Ich hoffe das ist euch eine kleine Hilfe und ihr findet vielleicht gefallen an der Story.


Gemini- Vogelfrei

Alent, erster Tag; abends:

„Es ist nicht mein Kind!", klagte Cisalk zum wiederholten Male mit genervter Stimme. Wie eigentlich immer, wenn das Thema angesprochen wurde.

Arien zog einen Schmollmund und blickte Mayana an. Ihre hübschen Züge und ihre zierliche Gestalt ließen niemanden ahnen, welch fatalen Fehler derjenige beging, der sich mit ihr anlegte. Seit dem unschönen Abenteuer, das sie im Schloss des mysteriösen Grafen Derais ausgestanden hatten, hatte sich nicht nur Ariens Kind Naira verändert. Auch Arien hatte ein paar interessante Fähigkeiten hinzugewonnen.

Cisalk öffnete den Mund und wollte etwas sagen, doch Mayana hob abwehrend die Handflächen und grinste ihn an.

„Ich habs versprochen, ich verkneife mir heute jeglichen Kommentar." Irgendwann hatten Cisalks ewige Dementi seiner angeblichen Vaterschaft dazu geführt, dass sie ihn damit aufzog. Sie hatte angefangen ihn den Zeugungsunfähigen zu nennen, was Cisalk mit seinem überdimensionalen Ego natürlich mehr aufregte als alles andere.

Cisalks dunkle Gestalt entspannte sich ein wenig und schließlich grinste er sie an. Er war hoch gewachsen, mit langen schwarzen Haaren und bernsteinfarbenen Augen, die wütend aufblitzen konnten. Er versuchte immer einen möglichst mysteriösen, furchteinflößenden Eindruck zu hinterlassen, aber bei ihr hatte er damit nur wenig Erfolg. Was er auch wusste. Sie ihrerseits zog ihn bei jeder sich ihr bietenden Gelegenheit auf. Doch wenn sie ehrlich war kam der dunkle Zephirkrieger der Vorstellung eines wirklichen Freundes am nächsten. Etwas, das auf Gegenseitigkeit beruhte.

„Wo ist eigentlich Hamish?" Ariens Stimme riss sie aus ihren Gedanken.

„Erinnerst du dich an die blonde Tänzerin? Sie schien von der Tatsache begeistert zu sein, dass ein fast zwei Meter großer Mann einen Rock trägt. Und ich nehme mal an er zeigt ihr jetzt wie praktisch das zusätzlich ist. Scheint so, als würde sich sein kleiner innerer Dämon dieses Mal fügen." Achselzuckend trank sie einen Schluck Wein während ihre Gedanken zu ihrem Verlobten huschten. Wie Hamish stammte auch Ciaran aus dem Clan der McFergus.

„Ich nehme an, du kennst diese Vorteile nur zu gut", grinste Arien.

Lachend nickte Mayana und ließ ihren Blick durch die Taverne geleiten. Sie spürte förmlich wie ihr das Lachen mitten im Halse stecken bleiben wollte. Ihr Mund wurde trocken und sie fühlte sich, als würde ihr der Boden unter den Füßen fortgerissen werden. Schnaufend holte sie Luft während sie versuchte ihre verkrampfte Hand zu lockern.

Der Mann, der diese Reaktion ausgelöst hatte, war ihr zuvor gar nicht aufgefallen. Er saß in einer der hinteren Ecken des Schankraumes und wurde die meiste Zeit von umhereilenden oder tanzenden Menschen verdeckt. Doch sie hatte seine Tätowierung gesehen –eine Schlange, die sich um ein aufrechtes Dreieck wand.

Sie schluckte und stand anschließend auf.

„Was ist los, Mayana?" Cisalks Stimme hatte einen lauernden Unterton. Einen Ton, der besagte, dass er genau wusste, dass irgendetwas nicht stimmte. Doch dafür hatte sie jetzt keine Zeit. Ihren Blick unablässig auf den tätowierten Mann gerichtet, antwortete sie:

„Es ist alles in Ordnung. Es wird heute spät werden."

Ohne Cisalks Antwort abzuwarten, ging sie auf den Fremden zu und versuchte ihn ein wenig einzuschätzen. Sicher einer von der Selbstüberzeugten Sorte. Er war groß und kräftig mit blondem langem Haar. Die schwere Rüstung und die doppelschneidige Axt, die vor ihm auf dem Tisch lag, verwunderten sie kein bisschen.

Die wird dich auch nicht schützen!

Während sie weiter auf ihn zusteuerte, bemühte sie sich um ein aufreizendes Lächeln und einen ansprechenden Gang. Nichts davon fiel ihr schwer. Sie wusste, dass sie ungewöhnlich gut aussah und vor allem wusste sie, wie sie sich verkaufen konnte. Ebenso wie Arien wurde auch sie unterschätzt.

Nun, wo sie ihn fast erreicht hatte, bemerkte sie, dass er halbwegs attraktive Züge besaß –gut, das machte die Sache einfacher. Nicht besser, aber erträglicher. Achselzuckend nahm sie zur Kenntnis, dass er sich mit einer Frau unterhielt. Uninteressant! Noch bevor sie ihn erreicht hatte, starrte er sie bereits an.

So ist es brav!

„Hallo, würdet Ihr vielleicht mit mir tanzen?" Sie hatte die Augen ein wenig geschlossen und ließ ihre Stimme wie ein samtiges Schnurren klingen.

Die Frau, die sie nun auch bemerkt hatte, gab einen empörten Laut von sich, doch ehe sie etwas sagen konnte, war ihr Begleiter schon auf den Beinen.

„Aber sicher Süße!" Mit einem Lächeln, das nur allzu deutlich zeigte, dass er sich für die Krönung der männlichen Rasse hielt, reichte er ihr den Arm, ohne der anderen Frau auch nur einen weiteren Blick zuzuwerfen.


Ihn dazu zu bringen ihr eindeutige Angebote zu machen, war kein Kunststück gewesen. Natürlich hatte sie ihn in dem Glauben gelassen, er wäre einfach unwiderstehlich. Hier ein zweideutiges Lächeln, dort eine Bemerkung und er führte sich auf, als wäre er Ainu persönlich. Keine zwei Tänze und einen Becher Wein später waren sie in die Taverne weiter gezogen, in der er nächtigte. Sie lag in einer abgelegenen Gegend und war nicht gut besucht, was ihr nur gelegen kam. Es war so leicht gewesen ihn zu manipulieren. Ein paar feuchte Küsse, einige lasziv gestöhnte Bemerkungen, ein wenig nackte Haut und schon war er nasser Ton in ihren Händen. Ein paar Bisse und lüsterne Bemerkungen später, hatte er sich nur allzu willig von ihr fesseln lassen.

„Ich wusste gleich, dass du eine Wildkatze bist!", hatte er mit heiserer Stimme gelacht.

„Oh und wie wild", flüsterte sie nun.

Regungslos blickte sie auf den toten Körper unter ihr. Ihre Zenjinadeln, die sie für gewöhnlich wie Schmuck in ihren Haaren trug, steckten noch immer in seinen inneren Augenwinkeln. Das Gift, welches sie noch vor Verlassen der ersten Taverne in den Hohlraum der Nadeln eingefüllt hatte, war absolut tödlich. Genau wie sie. Langsam zog sie die Nadeln aus der weichen Haut und säuberte sie sorgsam am Bettlaken. Lange Strähnen ihres schwarzen, gelockten Haares waren ihr ins Gesicht gefallen, nun steckte sie sie mit den Nadeln wieder hoch.

Blut rann aus den Augenwinkeln und über das Gesicht des Leichnams.

Leleila nabu –der weinende Tod.

Wer hatte sie einmal so genannt? Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern. Es musste in Alvan gewesen sein, als sie auf diese Art noch ihr Geld verdient hatte. Spielte das noch eine Rolle?

Dies hier war etwas anderes. Die Bruderschaft.

Er hatte es verdient zu sterben. Sie sollte nicht so regungslos herum sitzen, sie hatte noch etwas zu tun. Was war nur mit ihr los? Sie hatte mehr als einmal getötet, doch nie ohne Grund. Für diesen hatte sie nur allzu viele Gründe. Sein Tod war wie Seide auf ihrer Haut. Was war es also dann? Doch sie wusste es längst. Das Haut an Haut mit diesem Mann störte sie –plötzlich sog sie scharf die Luft ein und löste sich aus ihrer Starre. Mit einer fließenden Bewegung zog sie den Haardolch aus feinsten Mithril aus seiner Scheide und ließ die Klinge in das Fleisch seines rechten Armes fahren. Die sich windende Schlange würde nicht mehr lange dort thronen. Mit ein paar raschen Schnitten hatte sie den Hautlappen samt Tätowierung abgelöst und legte ihn in die Wasserschale, um ihn vom Blut zu befreien. Ihre eigenen Hände säuberte sie mit Hilfe des gefüllten Weinkrugs, der neben dem Bett stand. Danach streifte sie sich ihr dunkelrotes Tänzerinnenkleid über und trat noch einmal an das Bett heran.

Der Tod war viel zu gnädig zu dir.

Abrupt wandte sie sich ab, nahm den Hautfetzen aus der Schale und verließ das Zimmer.

Ohne rechte Motivation bewegte sie sich in die Richtung, aus der sie gekommen war. Seufzend schlenderte sie durch die verlassenen Straßen und wünschte sich fast überfallen zu werden. Das hätte sie zumindest abgelenkt. Aber es war wie mit allen Dingen im Leben. Wenn man etwas wirklich brauchte war es nicht da.

Das Hautstück fühlte sich warm und klebrig in ihrer Hand an, wie all die anderen sich auch angefühlt hatten, bevor sie sie hatte gerben lassen. Nun waren ihre Trophäen kalt und rau. Diese war erst die fünfte. Für Zweifel war es noch viel zu früh. Es gab noch zu viele von ihnen um sich jetzt von ihrem Schwur unehrenhaft loszusagen. Sie hatte es auf den Grabsteinen ihres Onkels und ihres Cousins geschworen, alles zu unternehmen, was nötig war, um die Bruderschaft der Schlange auszurotten. Sie hatten ihr alles genommen, und sie würde ihnen alles nehmen.

Für die meisten war sie nicht stark genug, um sich mit ihnen auf einen direkten Kampf einzulassen. Warum sollte sie das auch tun? Jeder von ihnen war ihr nur allzu bereit in die Falle gelaufen. Hätte dieser seine Begleitung nicht einfach links liegen gelassen, wäre ihm das nicht passiert. Ebenso wie den vier anderen.

Mayana hatte sich beibringen lassen, wie man Menschen tötete. Sie hatte sich schlagen lassen, bis sie grün und blau war, um zu lernen, wie man sich ohne Waffen verteidigte. Sie wäre an Gift fast gestorben, bevor ihr Körper gelernt hatte damit umzugehen. Sie hatte viele Schnittwunden ertragen müssen, bevor sie den Umgang mit Kataren und Dolchen beherrschte. Und bevor sie mit ihren Zenjinadeln umgehen konnte, waren ihr viele beinahe entkommen. Sie hatte viele Dinge getan, um hier her zu gelangen, darunter einige, auf die sie nicht stolz war –doch all das hatte sie nur getan, um diese Menschen töten zu können, die ihre Familie umgebracht hatten. Den Rest an Familie, den sie noch gehabt hatte.

Ciaran würde das verstehen. Nicht dass sie vorhatte ihrem Verlobten davon zu erzählen. Jeder Mensch besaß ein düsteres Geheimnis und ihres war nun einmal ein wenig dunkler. Aber er war ein Familienmensch. Wenn man seine Familie töten würde, wollte sie nicht in der Haut des Mörders stecken. Natürlich war es vollkommen unmöglich Ciarans Familie zu töten. Er hatte acht Schwestern und fünf Brüder, mindestens die gleiche Anzahl an Tanten und Onkel auf beiden Seiten. Fast alle davon waren verheiratet und hatten Kinder. Allein die Anzahl seiner engsten Familienangehörigen belief sich auf eine dreistellige Zahl. Die Verbindungen zu den anderen Clans waren noch nicht einmal in diese Rechnung mit einbezogen.

Ihr gefiel es, dass seine Familie riesig war. Vielleicht auch nur, weil sie keine mehr hatte. Wenn sie ehrlich war, bestand ihre Familie aus Cisalk und Arien mit ihrem Baby. Hamish inzwischen wohl auch; sie mochte sogar Maret, die Dämonin, die in ihm hauste.


Inzwischen hatte sie die Taverne „Zur feuchten Nixe" erreicht und trat leise ein. Die Tür war noch nicht verschlossen und es saßen sogar noch einige Gäste an den Tischen. Zu ihrer Überraschung bemerkte sie Cisalk an einem der hinteren Tische mit Naira auf dem Arm. Von Arien war weit und breit nichts zu sehen und sein Gesicht zeigte nur allzu deutlich, was er davon hielt. Die Kleine schien auch nicht besonders glücklich zu sein, was sie mit erstickten Weinen ausdrückte.

Schnell ließ Mayana den Hautfetzen in ihrer Tasche verschwinden und steuerte auf die beiden zu. Die Erleichterung, die sich auf Cisalks Gesicht abzeichnete, hätte sie fast zum Lachen gebracht.

„Mayana, dem Dunkelgott sei Dank! Hier, nimm sie bitte." Ohne ihre Antwort abzuwarten, drückte er ihr die Kleine in die Arme und ließ sich erleichtert zurück fallen.

Sie wollte protestieren, doch dann überlegte sie es sich anders.

Familie.

„Hey Süße, ist ja gut. Der böse Cisalk tut dir nichts mehr, jetzt bist du bei Tante Mayana." Während sie das Baby auf den Armen wippte, lächelte sie Naira an und begann ihr ein altes Kinderlied vorzusingen.

Naira schien sich langsam zu beruhigen und bereits kurze Zeit später schlief sie friedlich in ihren Armen ein.

Erst jetzt wurde Mayana bewusst, dass sie immer noch mitten in der Taverne stand. Die meisten der späten Gäste schienen einfach nur froh, dass die Kleine aufgehört hatte zu schreien. Cisalk hingegen grinste sie auf eine Art und Weise an, die sie dazu veranlasste ihm gegen das Schienenbein zu treten.

„Au."

„Wo ist Arien?"

„Die amüsiert sich. Sie hat mir das Kind unter einem falschen Vorwand untergeschoben und ist dann einfach abgehauen." Schnaufend nahm er einen großen Schluck Wein.

„Ich frage mich, was du gemacht hast, dass sie die ganze Zeit geschrieen hat?" Kopfschüttelnd betrachtete sie die Kleine in ihren Armen.

„Gar nichts. Sie hat einfach nicht aufgehört! Und es ist auch nicht meine Aufgabe dafür zu sorgen", brauste er auf.

Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte sie ihn an.

„Cisalk wir haben zusammen schon gegen Fenriswölfe, Vampire, Drachen, Dämonen, Druden und eine ganze Menge Sterblicher gekämpft, aber du bist nicht in der Lage ein Baby in den Schlaf zu wiegen?"

Er wollte etwas erwidern, doch sie war schon aufgestanden und schnitt ihm das Wort ab.

„Komm, Süße, wir gehen jetzt schlafen und warten oben auf deine Mama."


Das spärlich möblierte Zimmer, das sie sich Arien teilte, beinhaltete lediglich ein großes Bett und Etwas, das vage an eine Wiege erinnerte. Die kleine Holzkiste war bis zum Rand mit Decken und Fellen, in denen Naira förmlich ertrank. Lächelnd griff Mayana nach der kleinen aus Samt gefertigten Puppe mit den langen weichen Haaren, die ebenfalls mit in der Kiste lag. Sie hatte sie für Naira gekauft, ebenso wie einige der Felle. Die Schneiderin hatte Mayana mit großen Augen angestarrt, als sie ihren Wunsch geäußert hatte. Nur die reichsten Kinder bekamen Puppen aus Samt.

Nur das Beste für dich, Süße!

Natürlich hatte sie nicht zugegeben, dass die Geschenke von ihr waren und würde es auch niemals tun. Auch wenn es ihr manchmal schwer fiel, es vor sich selbst zu zugeben, sie mochte Naira. Kurz musste sie daran denken, was sie mit der Person anstellen würde, die der Kleinen was zur Leide tun würde.

Das Lächeln auf ihren Lippen verschwand und sie ließ die Puppe sinken. Naira gehörte nicht zu ihr. Sie gehörte zu Arien. Nichts gehörte zu ihr. Nicht wirklich. Im Grunde war sie allein. Vorsichtig legte sie Naira in die Wiege und deckte sie zu.

Gedankenverloren streifte sie ihre Kleider ab und kroch in das Bett. Noch nicht einmal ihre drei Puschels konnte sie zu sich holen. Die kleinen plüschigen Tierchen mit dem knallblauen Fell waren nur am Tage zum Kuscheln geeignet. In der Nacht hatten sie Stacheln und schliefen am liebsten in der Glut eines Kamins.

Vollkommen allein!

„Ciaran, wo bist du, wenn ich dich brauche?", flüsterte sie und drehte sich auf die Seite, während sie die Beine so eng an sich zog wie sie konnte. Sie spürte plötzlich, wie Tränen ihre Wangen herunter rannen.

Was war nur mit ihr los?

Kurz ertappte sie sich bei dem Gedanken zu Cisalk zu gehen und ihn zu fragen, ob sie vielleicht bei ihm schlafen dürfte, nur um nicht so allein zu sein.

Niemals! Es müsste einiges passieren, damit sie in Cisalks Gegenwart weinte.

Naira gab leise brabbelnde Geräusche von sich.

Ob sie wohl jemals Kinder haben würde? Sie war sich nicht einmal sicher, ob sie das überhaupt wollte. Es könnte so viel passieren. Sie würde es sich nie verzeihen, sollte ihrem Kind das gleiche passieren wie ihren Geschwistern.

Unruhig wälzte sie sich hin und her, als längst vergessen geglaubte Erinnerungen sie heimsuchten.

Sie würde niemals zulassen, dass ihren Kindern so etwas geschah. Sie war nicht so schwach wie ihre Eltern. Sie nicht. Und Ciaran auch nicht. Niemals!

Mayana spürte, wie sich ihre Finger in die Decke krallten und versuchte sich zu entspannen. Es funktionierte nicht. Es war zum verrückt werden.

Was hatte sie sonst getan, wenn diese Stimmung sie überkam? Für gewöhnlich suchte sie sich Streit oder einen Mann. Sie war schon halb auf den Beinen, als sie sich wieder zurück fallen ließ. Sie konnte Naira unmöglich alleine lassen. Unentschlossen starrte sie auf die kleine Wiege, aus der die kindlichen Geräusche ertönten. Noch bevor sie sich selbst ganz im Klaren darüber war, was sie tat, war sie schon aufgestanden und hatte Naira zu sich ins Bett geholt. In die weichen Felle gehüllt bettete sie sie vorsichtig neben sich und starrte sie an. Obwohl Naira ab und zu brabbelte und lachte, schlief sie tief und fest. Die Kleine wachte auch nicht auf, als Mayana leise ein Lied summte.

Woher kannte sie nur plötzlich all diese Lieder?

Mit diesem Gedanken schlief sie schließlich ein.

TBC