Westernwalde: Sechster Tag

Alles war so lange gut gewesen, bis sie wieder Andras in den Armen gehalten hatte und ihr klar geworden war, dass die Dinge sich nun verändern würden. Die Spiele waren fast vorbei und ihre Gruppe wollte sicherlich bald weiterreisen. Sie wollten –nein, sie mussten Richtung Schattenfels. Es gab ein paar Dinge, die noch vor ihnen lagen. Dinge, die sie schon oft genug in Schwierigkeiten geführt hatten und auch in Zukunft sicherlich nichts Besseres für sie bereithielten. Aber es waren auch Dinge, vor denen sie sich nicht verstecken konnten. Und wenn sie ihnen nicht entgegen traten würden sie sie ewig verfolgen.

Sie konnte Andras nicht mitnehmen.

Das hatte sie gewusst. Sie hatte es von Anfang an gewusst, aber immer wieder recht erfolgreich beiseite geschoben. Doch nun war sie an dem Punkt angelangt, an dem sie es nicht mehr aufschieben konnte.

Sie war die ganze Nacht wach gewesen und hatte ihn zu sich ins Bett geholt. Sie hatte ihm Geschichten erzählt. Sie hatte ihm Lieder vorgesungen und Gedichte aufgesagt, bis sie schließlich begonnen hatte ihm zu erklären, warum sie ihn nicht bei sich behalten konnte.

Andras hatte tief und fest geschlafen, doch sie hatte weiter erzählt. Vielleicht hatte sie es auch nur getan, um sich selbst noch einmal klar zu machen, dass es so das Beste war. Es war viel zu gefährlich ihn mitzunehmen und sie würde niemals zulassen, dass ihm etwas passierte.

Mit Tränen in den Augen war sie irgendwann ebenfalls eingeschlafen.

Am nächsten Tag hatte sie Cadras und Nioba aufgesucht. Es war ihr unangenehm, sie zu stören, doch Andras war wichtiger. Die beiden hatten nun ihr ganzes Leben, das sie mit einander teilen konnten. Aber so viel Zeit blieb Mayana nicht mehr.

Cadras hatte ihr angesehen, worum es ging und auch Nioba hatte schnell verstanden worum sie eigentlich bat.

Sie wollte, dass Andras bei ihnen blieb.

Cadras war ein guter Mensch, von dem sie wusste, dass er Andras gut behandeln würde und auch ein Mensch der schon gut mit ihm klar kam. Außerdem war er kein Fremder für Andras, sondern hatte sich in der letzten Zeit fast ebenso viel um ihn gekümmert wie sie. Es gab niemanden, dem sie Andras eher anvertrauen würde.

Nioba kannte sie nicht. Aber die Tatsache, dass sie für Cadras so eine große Bedeutung hatte, reichte ihr aus um ihr zu vertrauen. Zumindest in dieser Hinsicht.

Allerdings stellte sie auch eine Schwierigkeit da. Sie war sich nicht sicher gewesen, ob Nioba überhaupt zustimmen würde. Sie wusste weder etwas von ihr, noch von Andras. Und warum sollte sie jetzt, da sie endlich wieder mit Cadras zusammen sein konnte, den Wunsch verspüren ein Baby bei sich aufzunehmen.

Doch sie hatte Nioba unterschätzt. Sie hatte nicht eine Sekunde gezögert und sofort zugestimmt. Ebenso Cadras.

Sie sollte glücklich sein, dass sie jemand gefunden hatte, der sich gut um Andras kümmern würde. Zwei, die Magie beherrschten und Andras schützen konnten

Doch das war sie nicht. In Wirklichkeit hatte ein Teil von ihr gehofft, sie wäre gezwungen Andras mitzunehmen. Für diesen eigennützigen Gedanken hasste sie sich selber, doch sie konnte ihn nicht abstellen. Sie wollte ihn nicht verlassen.

Da waren wieder Tränen. Sie konnte nicht verhindern, dass ein zwei Tropfen ihre Wange hinab liefen. Das sollte nicht sein. Sie wollte ihm keine Angst machen.

„Ich hab dich lieb mein Schatz." Sie strich ihm zärtlich eine Locke aus dem Gesicht und fuhr mit den Fingern über seine Wange, was ihn zu einem Lachen verleitete. „Du weißt doch, dass ich dich lieb habe, nicht wahr mein Schatz? Ich will dich nicht alleine lassen, aber ich habe keine andere Wahl." Sie fühlte, wie ihr Lächeln schwer wurde und schmeckte die salzigen Tränen auf ihren Lippen.

Du könntest ihn einfach bei dir behalten. Du würdest ihm dadurch kein Gefallen tun. Aber du würdest dir einen tun. Er hat etwas Besseres verdient, als das, was dir bevor steht.

„Bitte, glaub nicht, dass ich dich im Stich lasse", flüsterte sie heiser.

„Das wird er niemals glauben", hörte sie Cadras Stimme hinter sich.

Erschrocken zuckte sie zusammen und wirbelte herum. Sie hatte gar nicht mitbekommen, wie er eingetreten war. Er schloss die Tür und trat auf sie zu, blieb aber zwei Meter vor ihr stehen. Es hatte sich etwas an ihm verändert. Die Traurigkeit, die sonst immer einen Teil seiner Züge beherrscht hatte, war verschwunden. Er wirkte viel entspannter und glücklicher wie sonst.

Wieso kann ich nicht genauso aussehen in diesem Moment?

Nioba war nicht bei ihm und für den Moment war sie froh darum. Sie wollte nicht dass die Frau ihre Tränen sah, die sie gerade versuchte fortzuwischen.

„Er wird wissen, was du für ihn getan hast und wie sehr du ihn liebst", sprach Cadras weiter. Seine Worte machten ihre Bemühungen zunichte und weitere Tränen suchten sich ihren Weg. Sie drückte Andras so nah an sich, wie sie konnte und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Schniefend blickte sie wieder auf.

Cadras Gesicht zeigte Verständnis, als er weiter auf sie zuging.

„Er wird es verstehen, Mayana. Du tust es für ihn." Er strich ihr die Haare zurück, so wie sie es zuvor bei Andras getan hatte und blickte sie offen an.

„Ich...ich..." Sie stockte und bekam die Worte nicht heraus.

„Ich weiß, es fällt dir schwer ihn abzugeben. Und das ist doch auch richtig so."

„Ich bin egoistisch", weinte sie.

„Nein, das bist du nicht! Das warst du noch nie, wenn es um Andras geht. Und das weißt du auch. Du möchtest es vielleicht sein, aber du bist es nicht."

Sie konnte nicht mehr anders –sie weinte ohne Hemmungen und ließ sich dabei auf das Bett nieder. Ein paar Tropfen fielen auf Andras kleines Gesichtchen, das sich in eine fragende Miene verwandelte.

Cadras kniete sich vor ihr nieder und legte seine Hand auf ihr Knie. So saßen sie eine ganze Weile. Er sagte nichts mehr, sondern saß einfach nur da. Ließ sie weinen und war bei ihr.


Sie wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, ob Minuten oder Stunden, bis sie sich schließlich wieder einigermaßen unter Kontrolle hatte. Sie wischte sich die Tränen fort und war gerade im Begriff aufzustehen, als es an der Tür klopfte und Nioba den Raum betrat.

Sie trug ein Kleid, das dieselbe blaue Farbe besaß wie ihr Auge und sie strahlen ließ. Sie blickte zuerst Cadras an und das leichte Lächeln auf ihren Lippen verwandelte sich in ein strahlendes. Auch Cadras Miene änderte sich. Wurde heller und lebendiger. Man konnte beinahe spüren, was die beiden für einander empfanden.

Mayana war sich nicht sicher, ob das die Sache besser oder schlechter machte. In diesem Moment vielleicht in diesem Moment auch beides. Besser, weil sie wusste Andras würde bei liebenden Menschen aufwachsen, schlimmer, weil es sie sich in diesem Moment Hundeelend fühlen ließ.

Doch Nioba ging nicht zu Cadras sondern zu ihr. Sie trat einfach auf sie zu und schloss sie in die Arme. Wortlos und vorsichtig, da Andras immer noch in ihren Armen lag.

„Es wird ihm gut gehen. Niemand wird ihm wehtun. Es wird sein, als wäre er mein eigenes Kind", flüsterte sie ihr ins Ohr.

Das würde sie tun, das wusste sie. Und doch gab es ihr eine seltsame Beruhigung, es noch einmal aus ihrem Mund zu hören.

Nioba trat zurück und sie blickte auf Andras hinab, der sie wie immer mit einem offenen Lächeln bedachte. Sie veränderte ihren Griff so, dass sie ihn unter den Armen packte und hob ihn in die Luft. Sie hob ihn hoch über ihren Kopf und lachte ihm zu. Dann zog sie ihn wieder zu sich hinunter und gab ihm einen Kuss, bevor sie ihn Nioba reichte.

Aufmunternd lächelnd nahm sie ihn entgegen. Sie hielt ihn so, dass Andras sie immer noch anblicken konnte. Und das tat er- er ließ sie keinen Augenblick aus den Augen. Auch nicht, als sie ihr langes Jagdmesser aus ihrem rechten Stiefel zog. Die großen blauen Augen beobachten neugierig wie sie auf ihn zutrat, doch zeigten sie keinerlei Angst. Nioba hingegen schien ein wenig irritiert, als sie mit der linken Hand eine Locke von Andras anhob und sie ohne zu zögern abschnitt. Sie ließ die Locke in ihrer Seitentasche verschwinden, bevor sie zurück trat, eine ihrer langen Locken packte und sie ebenfalls abschnitt.

Unter Cadras, Niobas und auch Andras neugierigen Blicken, steckte sie die Klinge zurück in die Scheide und knotete anschließend ihre Haarsträhne darum.

Sie drehte sich zu Cadras herum und reichte ihm das Messer.

„Damit er nicht vergisst, wer ich war!"

„Das wird er nicht", erwiderte er ernst, während er das Geschenk entgegen nahm.

„Und, Cadras..."

„Ja?"

„Ich will nicht, dass er schutzlos ist. Er soll sich verteidigen können, sollte seine Vergangenheit ihn einholen."

Lass nicht zu, dass er nicht kämpfen kann.

„Er wird nicht schutzlos sein."

Sie nickte.

Erst trat sie auf Cadras zu und schloss ihn in die Arme. Sie spürte, wie sich schon wieder Tränen in ihren Augen sammelten und versuchte es so kurz wie möglich zu halten.

„Niemand hat es mehr verdient glücklich zu sein, wie ihr beide. Ich wünsch dir, dass all deine Träume nun wahr werden." Sie drückte ihn noch einen Kuss auf die Wange und wandte sich dann Nioba zu, die ihr immer noch ein warmherziges Lächeln entgegen brachte.

Sie schloss sie kurz in die Arme, löste sich aber schnell wieder von ihr.

„Du hast mit Cadras viel Glück gehabt. Lass nicht zu, dass sich wieder jemand dazwischen drängt." Dann zögerte sie kurz. „Danke."

Nioba antworte mit einem Lächeln.

Dann wandte Mayana sich ein letztes Mal Andras zu.

Du könntest ihn immer noch behalten. Du weißt, dass es falsch ist.

Sie versuchte die Gedanken abzuschütteln und seufzte. Sie bemühte sich für ihn ein freundliches Lächeln aufzulegen.

„Ich liebe dich." Damit beugte sie sich vor und gab ihm einen letzten Kuss. Er quietschte vergnügt auf. Als sie sich wieder zurücklehnte, war ihr Gesicht wieder tränennass.

Sie bekam keine Luft mehr. Sie musste hier raus.

Sie lächelte den Zwillingen noch einmal zu, dann drehte sie sich um und rannte aus dem Raum.


Sie war Stundenlang ziellos durch die Stadt gerannt. Sie hatte keine Erinnerung mehr daran, wo sie gewesen war oder wie lange sie sich dort aufgehalten hatte. Sie wollte das alles nur hinter sich lassen. Zu sehen wie Andras mit den Zwillingen abreiste, dass hätte sie nicht ertragen können. So war es besser. Auch wenn es sich nicht so anfühlte.

Es war schon dunkel, als sie schließlich zum Wirtshaus zurückkehrte. Es war gut gefüllt und sie dachte schon sie müsste jemanden von seinen Platz vertreiben, als sie in einer Nische noch einen kleinen Tisch fand, der noch von niemand beansprucht wurde.

Das schien sich ändern zu wollen, sobald sie sich gesetzt hatte. Sie hatte sich gerade erst zurück gelehnt, als ein Mann an ihren Tisch heran trat. Groß, gut aussehend und mit einem selbstbewussten Lächeln auf den Lippen. Sollte er tatsächlich den Fehler machen, sie heute Abend anzusprechen, würde ihm das bald vergehen.

„Hallo, darf ich viel..." Er machte den Fehler und sie ließ ihn nicht einmal aussprechen.

„Nein, Ihr dürft Euch weder setzten, noch mir einen Wein ausgeben oder mich auf Euer Zimmer einladen!", fauchte sie.

Ein wenig verdattert blickte er sie an. „Was?" Scheinbar war er es nicht gewohnt einen Korb zu bekommen, was sie bei seinem Erscheinungsbild nicht weiter verwunderte. Allerdings war ihr das in diesem Moment auch herzlich egal.

Sie spürte, wie die Muskeln in ihrer Wange zu zucken anfingen. Ein sicheres Zeichen ihrer Wut.

„Geht! Geht endlich und lasst mich in Ruhe!", quetschte sie nur mühsam beherrscht heraus. Mit einer harschen Handbewegung winkte sie das Schankmädchen zu sich.

„Bekommt man hier Bergfeuer?"

Wenn ich mich betrinke, dann kann ich es auch richtig machen.

Das Mädchen nickte, schien aber nicht gewohnt zu sein, dass so ein Feuerwasser von weiblichen Gästen bestellt wurde. Sie spürte, wie die blauen Augen des Mädchens über ihr Gesicht wanderten. Im Gegensatz zu dem eingebildeten Schönling schien sie die Tränenspuren zu bemerken und konnte eins und eins zusammen zählen.

„Ihr bekommt Euren Krug sofort."

„Ich will die ganze Flasche."

Mit einem verständnisvollen Nicken verschwand das Mädchen wieder.

„So ein starkes Zeug für so eine kleine Lady", säuselte eine Stimme an ihrer Seite. Er hatte sich einfach neben sie gesetzt!

Nicht aufregen, nicht aufregen –ach was soll's! Ist schließlich ihre eigene Schuld, wenn sie so etwas tun.

Ohne zu zögern, drehte sie sich zu ihm um und griff ihm in den Schritt. Seine Miene veränderte sich zu einer Grimasse des Schmerzes, als sie zudrückte und er zu bemerken schein, dass sie nicht scherzte.

„Hör zu, wenn du mir blöd kommst, schneid ich dir alles ab, was du besitzt!", zischte sie und drehte ihr Hand. „Auch wenn das nicht viel ist! Und jetzt verschwinde." Ihre Stimme kochte nur so vor Wut. Der schmerzhafte Ausdruck verschwand von seinem Gesicht und wechselte zu Zorn. Doch schien er intelligent genug zu sein um den Rückzug anzutreten.

Als ihr Bergfeuer den Tisch erreichte, war ihr aufdringlicher Bewunderer verschwunden. Sie hatte endlich ihre Ruhe –und wichtiger, ihren Alkohol.

Der erste Becher verbrannte ihr fast den Mund. Das Zeug war einfach widerlich. Aber man trank es schließlich nicht wegen des Geschmacks. Es eignete sich allein für zwei Dinge: dem Vergessen von schrecklichen Dingen und dem erfolgreichen Betrinken.

Sie hatte es das erste Mal nach der Begegnung mit dem Drachen in dem verfallenen Ruinen des Asharatempels getrunken. Hrun –ein ehemaliges Mitglied ihrer Gruppe- hatte es ihr angeboten und sie hatte es bitter nötig gehabt. Der Schreck, der ihr in die Glieder gefahren war, hatte das brennende Gefühl willkommen geheißen. Man fühlte sich gleich wieder ein Stück lebendiger.

So wie jetzt.

Das dumpfe Gefühl, das sie erfasst hatte, als sie Andras aus der Hand gegeben hatte, schwand nur langsam. Eigentlich schwand es nicht, es wurde nur für den Moment von dem Brennen, das das Bergfeuer in ihrer Kehle entfachte, verdrängt.

Ihre Hand flog zu dem Amulett an ihrem Hals, das Cadras ihr geschenkt hatte. Der Hohlraum war nicht länger leer, sonder war mit der Haarlocke von Andras ausgefüllt.

Auch kleine Schätze sind es wert bewahrt zu werden.

Ihre Finger hatten sich um das Schmuckstück verkrampft und nur mit Mühe konnte sie sich dazu zwingen, es wieder loszulassen.

Stattdessen griff sie wieder nach dem Bergfeuer und wärmte sich mit dem zweiten Becher. Erstaunlicherweise schmeckte es gar nicht mehr so schlecht.

Sie hatte ihren Becher gerade wieder abgesetzt, als wieder ein Mann vor ihrem Tisch auftauchte. Er trug einen leichten Wollmantel, der in einem angenehmen Grün eingefärbt war und fast bis zu den Rändern seiner schwarzen Stiefel reichte. Die braunen Haare waren zu einem ordentlichen Zopf zusammengebunden und gaben die Sicht auf ein abgehetzt aussehendes Gesicht frei. Er schien ein wenig außer Atem und war noch im Begriff die richtigen Worte zu finden, als sie aufgebracht aufsprang.

Diesmal nicht!

Wütend über die erneute Störung schlug sie mit der Faust auf den Tisch. „Ist es denn zuviel verlangt sich einfach in Ruhe betrinken zu können?", fauchte sie.

Das Gesicht des Mannes war ein Mix aus Schrecken und Verzweiflung.

„Nein, nein! Ihr versteht da etwas falsch." Er fuchtelte schützend mit den Händen vor seinem Gesicht. „Ich bin Bote –ich gehöre der Gilde an!"

Sie war kurz davor gewesen ihn am Kragen zu packen, doch nun hielt sie inne.

„Der Kuriergilde?", fragte sie verdutzt.

Er atmete hörbar erleichtert aus. „Ja. Ich habe einen Brief und ein Päckchen für Euch. Wenn ich gewusste hätte, was er mit schwierig zu finden gemeint hatte, hätte ich den Auftrag wohl abgelehnt. Ich verfehle Euch schon seit Tagen immer nur knapp", seufzte er.

Da hast du deinen Verfolger Mayana.

„Einen Brief und ein Päckchen? Von wem?"

Der Kurier nahm eine etwas geradere Haltung an.

„Ciaran McFergus schickt mich, Euch diese beiden Dinge zu übergeben." Damit griff er in die Innentasche seines Mantels und holte einen kleinen Briefumschlag hervor, den er ihr reichte. Anschließend zog er ein längliches Päckchen aus seiner Manteltasche.

Ciaran!

Ihre Knie wurden weich und sie bemerkte, dass ihre Finger zu zittern begannen. Sie schluckte. „Für mich?"

Ihrer dümmlichen Frage nach, schien der Alkohol langsam zu wirken. Natürlich war die Post für sie.

Vorsichtig griff sie nach dem Umschlag und dem verschnürten Päckchen.

Der Bote schien glücklich damit, die Sachen endlich gelieferte zu haben und wollte sich umdrehen, doch sie hielt ihn auf.

„Bitte wartet!"

Verwundert hielt er inne und folgte ihrem Wink Platz zu nehmen. Sie setzte sich ebenfalls, legte das Päckchen vor sich auf den Tisch und starrte eine ganze Weile auf den geschlossenen Umschlag. Sie wusste nicht wieso, aber es gab einen Teil von ihr, der sich vor dem Inhalt des Briefes fürchtete.

Vorsichtig öffnete sie ihn und starrte auf die Buchstaben.

Sie blickte auf und sah in offene brauen Augen, die sie fragend musterten.

„Würdet Ihr ihn mir vorlesen?" Fragte sie mit ruhiger Stimme.

Er wirkte etwas überrascht, tat es dann aber.


Einige Minuten später strich sie sich die einzelne Träne fort, die über ihre Wangen gelaufen war und blickte lächelnd auf das Mithrilmesser, das Ciaran für sie gefertigt hatte. Der Falcion war wunderschön und perfekt gearbeitet, mit eingeätzten verschlungenen Mustern auf der scharfen leicht gebogenen Klinge und kunstvoll gewickeltem Griff. Eine Waffe, für die man normalerweise viel zahlen musste, um sie sein Eigen nennen zu dürfen.

Aber es war nicht die Waffe allein, die ihr Lächeln verursachte. Es waren die Worte, die Ciaran ihr mitgegeben hatte. Worte, die ihr mehr bedeuteten, als sie es je für möglich gehalten hatte.

All die Zweifel, die in der letzten Zeit an ihr genagt hatten, waren mit einem Mal verschwunden. Alles was blieb, waren seine Worte:

Mó Faolchon,

ein Falke mit gestutzten Flügeln, der in einem Käfig hockt, auch wenn die Gitterstäbe aus Liebe geformt sind, ist nur ein Schatten seines wahren Selbst. Nur wild und frei von den Winden getragen, zeigt er seine wahre Schönheit.

Wo auch immer du gerade bist, ich hoffe die Winde tragen dich eines Tages dorthin, wo ich auf dich warten werde.

Ciaran

Mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen lehnte sie sich zurück.

-Ende-


A/N: So das wars!

Allerdings habe ich mich hier etwas verschätzt. Als Author verliert man leicht den Blick eines möglichen Lesers aus den Augen und in dieser Geschichte kommt hinzu, dass ich auf Rollenspielcharaktere zurückgegriffen habe. Also Charaktere mit schon bestehenden Hintergrund. Und obwohl ich mich bemüht habe, ist es schwierig dem Leser die nötigen Hintergrundinfos zu liefern. Nicht weil man nicht will, sondern weil man es schlicht und ergreifend vergisst.

Den Fehler möge man mir bitte nicht allzu häufig unter die Nase reiben, das ist mir inzwischen auch klar geworden

Doch trotz aller Fehler und Mängel die sich eurer Meinung nach in dieser Story verstecken, hoffe ich das ihr auch Spass an ihr hattet!

Danke für all die Reviews! Thx Shan