Die Bustür schließt sich. Die letzten Worte meiner Freundin werden abgebrochen, und ich weiß sie wollte mir noch etwas liebevolles sagen.

sie stieg ein in den bus, irgendwohin, lies sie zurück, in ihrer einsamkeit, ihrer stille, ihrem gedankenchaos…

Aber das kann ich nicht mehr hören.

sie wollte sie nicht gehen lassen, nicht diesen bus besteigen lassen doch, doch konnte das unaufhaltsame nicht umkehren…
sie vermisste sie, in der sekunde, als der bus ruckte und anfuhr, vermisste sie schon als sie nur sagte:"gleich muss ich los"

Ich laufe ans Ende des Busses, in der Hoffnung sie noch kurz zu sehen. Sie steht da, und ist die EInzige die momentan da ist. Die ich regelmäßig sehen kann. Wir haben uns das letzte Mal vorletzte Woche Samstag gesehen, als etwa anderthalb Wochen her. Und das ist jetzt oft.

wie konnte man einen menschen lieben, den man erst so kurze zeit kannte?
und warum gerade sie?

BITTE?

Der Bus ruckelt hin und her, und ich habe das Gefühl er ist ein bisschen mein Leben.
Mein Leben ist wie eine Busfahrt. Ich sitze im Bus, ständig gibt es Kurven, manchmal muss man sich festhalten, manche Kurven sind weich und fast unmerklich.
Und dann geht es mal schneller, mal muss der Bus anderen Autos Vorfahrt lassen, hin und wieder sind wir die Einzigen auf der Straße.
Ich sitze auf einem Sitzplatz, und schaue nach draußen. Warte, dass die Haltestelle kommt bei der ich aussteigen muss und mein Leben seinen finalen Punkt erreicht hat. Ob es der Tod ist, kann ich nicht sagen,

Ich schaue aus dem Fenster, und winke einer Freundin in einem Auto neben mir. Sie fällt zurück, außer Sichtweite.
Grade eben ist eine Freundin ausgestiegen. Ich werde sie wiedersehen, sie wird immer wieder kurz zusteigen.
Aber so manch andere Freundin nicht mehr. Nachdem wir den Bus als Schulbus benutzt haben… und dieser jetzt nicht mehr gebraucht wird…sind sie einfach nicht mehr da.

wie sie einzigartig war, verlässlich, verrückt und auf ihre art wundervoll, was viele einfach nicht erkannten…
"diese idioten" dachte sie und dachte wieder an sie, wie sie jetzt im bus sitzen würde, an ihrem tragbaren pc und darauf blickte, mit ihrem eigenen hintergrund und wahrscheinlich ebenso nachdachte..

Es steigen auch Menschen in meinen Bus. Manche Menschen sind nett, wir sprechen miteinander. Manche Menschen dagegen sitzen einfach nur stumm da, schauen mich vielleicht kurz an, und steigen dann wieder aus. Aus dem Bus, aus meinem Leben.
Mti den Menschen, mit denen ich rede, verbringe ich manchmal mehr Zeit. Wir fahren lange zusammen, sie steigen erst später aus.
Zu manchen Zeiten ist der Bus voll. Da sitzen dann viele Menschen bei mir, oder auf einzelnen Plätzen, lächeln mich freudig an, fahren ein Stück mit mir.

Wer fährt den Bus? Ich weiß es nicht. Ich kann es von meinem Platz aus nicht sehen.

Zur Zeit ist mein Bus so gut wie leer. Ich fahre fast alleine. DIe Menschen, die lange Zeit mit mir zusammen gefahren sind, sind entweder ausgestiegen oder haben sich bereits an die Tür gestellt, um bald auszusteigen. Wir sitzen nicht mehr in einem "boot", oder Bus. Nein. Wir haben getrennte Wege eingeschlagen.
Mein Leben ist so gut wie leer. Ich bin vor etwas längerer Zeit schon aus dem Bus meiner Mutter ausgestiegen, und habe den Bus gefunden, der mich an mein Ziel bringen wird. Vielleicht werde ich ihn nochmal wechseln, irgendwann. Ich weiß es nicht.

sie beide waren sich wichtig, das war klar, doch wie lange es halten würde, wusste wohl so genau keine von beiden

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Was kursiv ist, hat meine Freundin geschrieben. Sie hat ähnliche Gedanken gehabt wie ich. Ich liebe sie dafür!