Regentropfen fielen vom Himmel. Leise klopften sie aufs Dach, ertranken fast in dem stetigen Geplapper der vielen Menschen. Regentropfen. Mal hell, mal dunkel, aber immer stetig, tropften sie aus grauen Wolken, die tief am melancholisch tristen Himmel hingen. Wenn sich die Tür öffnete, hörte man den Wind heulen. Als würde der Himmel weinen. Seine Tränen tropften unermüdlich zur Erde. Die Menschen hasteten vorbei, schnellschnell, ohne aufzusehen, ohne die Melancholie des Augenblicks, die Melancholie des Himmels zu sehen. Sie rochen nicht den dunkelvioletten, schweren Duft der gelassenen Wehmut. Sie hatten keine Augen für die dickbauchigen grauen Wolken, Ausdruck einer tiefen Sehnsucht. Unter ihren Regenschirmen verborgen, hasteten die Menschen vorbei, weiter und weiter, nur mit sich selbst beschäftigt, blind für ihre Umgebung, nur auf sich fixiert. Und schon waren sie verschwunden. Und schon durch neue Menschen ersetzt, die vorbei hasteten, blind für die Welt, blind für den Schmerz des Himmels.

Elisa schloss die Augen. Ertrank in den Geräuschen. Das Geplapper; geflüsterte und gerufene Unterhaltungen; Rufe des Erkennens; Gelächter; Kinderweinen; Geklapper; Geklirr; Geschlürfe; Geschmatze; das Klackern von hohen Schuhabsätzen; das leise, schnelle Tappern von Kinderfüßen; metallisches Klickern von Handtaschenschnallen gegen Tischplatten oder Stuhllehnen; das Kratzen von Stuhlbeinen über Fliesenboden; das Schaben von Kleidung an einer rauen Wand. Ein konstanter Geräuschteppich. Ein Café. Das Prasseln der Regentropfen auf dem Dach, mal leise klopfend, dann wieder laut trommelnd, pochend, metallisch, dumpf auf Holzbalken, dann wieder so hell; leise und fein, groß und schwer, Regentropfen, Regentropfen, tropfen, auf dem Dach, gegen das Fenster, leicht und unbeschwert, gegen die Tische und Stühle vor dem Café, schwer und trüb, auf Autodächer, auf Regenschirme, wehmütig und melancholisch. Der Regen. Die Tränen des Himmels. Und immer, wenn sich die Tür öffnete, das Heulen des Windes, das klagende Heulen und Weinen des Himmels. Sehnsucht.

Elisa öffnete die Augen. Blickte in ihre Tasse Kaffee. Wehmut.

Der Augenblick verschwimmt im Angesicht der Ewigkeit. Ein Regentropfen auf einen Ozean. Eine Träne auf ein Meer.

Elisa nahm den Kugelschreiber zur Hand und kritzelte gedankenverloren einige Worte auf das Blatt Papier. Der Anfang einer Geschichte. Regentropfen, Regentropfen. Die Tränen des Himmels. Ausdruck einer tiefen Sehnsucht. Menschen hasten vorbei, blind für die tiefen Geheimnisse, die tiefe Schönheit der Melancholie, blind für die Schönheit eines verregneten Nachmittags.

Elisa. Einsam. Mit sich selbst allein. Mit dem Himmel.

Sehnsucht...