So das ist nun das letzte Kapitel und ich hoffe es gefällt besser als das letze. ;-)

Liebe Grüße Gaby

11 Auf der Flucht

Sie waren am nächsten Tag in die Burg zurückgekehrt. Auch hier wurden bereits Vorbereitungen für eine Hochzeit, die schon bald stattfinden sollte, getroffen. Nervös schlich Elera durch die Gänge. Irgendwie konnte sie es nicht glauben. All ihre Träume sollten schon bald war werden. Ungläubig schüttelte sie ihren Kopf. Vor ein paar Tagen dachte sie noch, sie würde in ein fernes Land reisen und nie wieder hier her zurückkehren. Nie wieder sollte sie Ragan sehen und nun war sie hier. In der Burg und sie würde ihn heiraten. Ihr Glück schien ihr vollkommen und doch irgendwie nicht wirklich.

„Es ist eine Schande!", schimpfte eine Frauenstimme, die Elera entfernt bekannt vorkam. Die Stimme kam aus einem der Räume weiter vorne. Die Tür war nur angelehnt und deshalb konnte sie jedes Wort gut verstehen. Leise schlich sie näher.

„Er könnte jede haben. Eine Prinzessin oder zumindest eine Dame, aber Elera?" Wie entsetzt die Stimme klang. Elera schlug sich die Hand vor dem Mund, um zu verhindern, dass sie unabsichtlich einen Laut von sich gab.

„Sie ist nicht einmal sonderlich hübsch. So unscheinbar und blass, wie sie ist … man könnte es noch verstehen, wenn sie eine außergewöhnliche Schönheit wäre, aber das ist sie nicht. Hast du ihre Hände gesehen?"

Wie gehässig sie war.

„Sie passt nicht hier her. Wie sollen wir ihn achten, wenn er sie zur Frau nimmt?", mischte sich eine zweite Stimme ein. „Selbst unter den Soldaten herrscht Unzufriedenheit. Ich denke nicht, dass sie ihm folgen werden, wenn er Elera zur Frau nimmt."

„Ja", seufzte die Andere. „Da kann man nur hoffen König Elias ist ein langes Leben beschieden. Ich möchte nicht, dass Prinz Ragan mit ihr an seiner Seite jemals über das Land herrscht, sofern dann noch ein Land da ist, über das er herrschen kann."

„Warum kann sie nicht einfach verschwinden?", erwiderte die andere hoffnungsvoll.

Betroffen stand Elera da. Wenn das alles wahr war, dann konnte sie unmöglich Ragan heiraten. Es wäre nicht gut für das Land und sein Volk. Es wäre nicht gut für ihn. Sie wollte ihm nicht schaden, aber das tat sie, alleine deshalb, wenn sie blieb. Unentschlossen stand sie da. Wie naiv sie war. Sie hatte doch tatsächlich geglaubt sie könnte ihren Prinzen, ihren Geliebten heiraten, aber das war nur ein Traum und aus diesem war sie schmerzlich erwacht.

Verschwinden. Das sollte sie tun. Es wäre nur das Beste für alle, wenn es sie nicht mehr gab. Ihr Herz zerbrach ihr bei diesem Gedanken, aber es blieb keine andere Möglichkeit. Das Volk würde sie niemals akzeptieren und wenn sie an Ragans Seite blieb, auch ihn nicht. Das konnte sie ihm nicht antun. Er war klug und weise und er war gut.

Elera sah an sich herab. Seit sie zugestimmt hatte ihn zum Mann zu nehmen trug sie andere, bessere Kleider, aber sie passten einfach nicht, das wurde ihr plötzlich klar. Rasch suchte sie ihre Räume auf und zog sich um. Sie hatte sie noch, ihre alten Kleider.

Sie legte sich einen alten Umhang über die Schultern und verließ, nach einem letzten Blick, ihr Zimmer. Erneut würde sie fliehen, doch diesmal, da war sie sich sicher, würde niemand kommen und sie holen.

*

Entspannt saß er bei seinem Vater. Sie redeten miteinander. Etwas was sie seit vielen Jahren nicht mehr getan hatten. Das verdankte er Elera. Irgendwie war es ihr ­gelungen sein Herz und auch das seines Vaters zu erreichen. Dieses Land brauchte solche Menschen wie sie. Er dankte seinem Schicksal, das es sie zu ihm gebracht hatte.

„Deine Mutter war ein wunderbarer, liebevoller Mensch. Leider war uns nicht viel Zeit miteinander vergönnt", erzählte König Elias, dabei ging sein Blick ins Leere. Er schien in Gedanken weit weg zu sein. Ragan hatte es immer geahnt, dass der Tod seiner Mutter ihn verändert hatte.

„Ich kann mich nur dunkel an sie erinnern", erwiderte Ragan leise.

waren mehr die Gefühle, als Bilder die sich in sein Herz eingebrannt hatten. Als sie damals starb, fühlte er sich so verloren, so einsam und hätte seinen Vater gebraucht, doch dieser war selbst in seinem Kummer gefangen und konnte seinem Sohn nicht helfen. So waren sie sich über die Jahre immer fremder geworden.

In der Tat war es das erste Mal überhaupt, dass sie beieinandersaßen und miteinander redeten. Zuvor hatten sie das nie getan. Sein Vater sprach nur mit ihm, wenn er ihn an seine Pflichten erinnern wollte und Ragan ­wagte es erst gar nicht das Wort an ihn zu richten. So lebten sie wie Fremde nebeneinander her.

„Ich kann deine Wahl nicht wirklich gut heißen, aber ich akzeptiere sie. Sie ist weder von Stand, noch hat sie ein Vermögen, dass sie in die Beziehung einbringen könnte", gab er seinem Sohn zu bedenken.

Innerlich hatte sich dieser bei den Worten seines Vaters versteift. Sie würden einander niemals wirklich verstehen, dafür war es zu spät.

„Mir ist egal, woher sie kommt und das sie nur eine Dienerin ist. Das zählt für mich nicht. Ich brauche sie. Nur sie", gestand er seinem Vater seine Gefühle für Elera ein.

Schweigend nickte Elias. Er hatte Ragans Mutter sehr geliebt, aber diese war eine Prinzessin gewesen und nicht … Er dachte den Gedanken nicht zu Ende, es würde nichts ändern.

„Bedenke aber dass es auch andere gibt, die es als falsch erachten, wenn du sie heiratest."

Ragan presste stur die Lippen aufeinander. Das war ihm egal. Er liebte sie und er würde sie heiraten, was die Andere darüber dachten, kümmerte ihn nicht.

*

Unbehelligt ­gelang es ihr das Schloss zu verlassen. Es war nicht richtig einfach davonzulaufen, ohne mit ihm zu reden. Aber hätte sie ihn noch einmal von Angesicht zu Angesicht gesehen, hätte sie es niemals ­geschafft ihn zu verlassen. Sie brauchte Zeit, um zu verstehen, ob es das Richtige war ihn zu heiraten, oder ob es nicht doch besser war sie ging jetzt und kehrte nie wieder zurück.

Sehnsüchtig warf sie einen Blick auf die Burg. Sie liebte ihn. Immer würde sie das tun. Es gab keinen Anderen, es würde niemals einen anderen geben. Seufzend wandte sie sich ab und lief eiligen Schrittes in die Dunkelheit. Sie würde zu Samria und Marcus gehen und die Beiden um Hilfe bitten. Sie wusste sie konnte ihnen vertrauen. Sie würden sie nicht an Ragan verraten, falls er doch nach ihr suchen sollte. Eigentlich hoffte sie es, das er das tun würde und zugleich fürchtete sie sich davor. Was würde er von ihr denken, wenn er merkte, dass sie fort war? Würde er sie verachten? Hassen?

Sie stolperte über einen Stein und wäre beinahe gestürzt. Im letzten Moment ­gelang es ihr den Sturz abzuwenden. Tränenblind lief sie weiter. Er sollte sie nicht hassen. Das wollte sie nicht. Zwei Tage würde es dauern, bis sie die Burg von König Niall erreichte. Vielleicht konnte sie, wenn sie Glück hatte, sogar dort bleiben? Geschütz durch ihren Umhang folgte sie den mondbeschienenen Weg.

*

„Was soll das Heißen niemand kann sie finden?", wütete Ragan. Er hatte am Morgen Elera beim Frühstück vermisst und war aus Sorge um sie zu ihren Gemächern gegangen, aber dort war sie nicht. So ließ er in der ganzen Burg nach ihr suchen, aber sie blieb verschwunden. Niemand hatte sie gesehen, oder konnte sagen, wo sie war. Verzweiflung schnürte ihm die Brust zu und machte ihm das Atmen schwer. Hatte sie ihn erneut verlassen und wenn ja - warum? Sein Vater hatte ihm endlich die Erlaubnis erteilt sie zur Frau nehmen zu dürfen und alles schien sich zum Guten zu wenden. Warum lief sie dann von ihm fort? Liebte sie ihn am Ende doch nicht? Hatte er sich in ihr getäuscht? Zweifel begannen an ihm zu nagen und es gab niemanden mit dem er darüber reden konnte. Ruhelos lief er durch die Burg unentschlossen, was er tun sollte. Sollte er sie suchen, oder sie gehen lassen? Sie zur Rede stellen, oder darüber für immer schweigen? Wenn sie ihn nicht liebte, war es da nicht besser sie loszulassen? Frustriert schlug er mit der Faust gegen die Wand. Verdammt! Er konnte sie nicht einfach so verschwinden lassen. Er musste wissen warum. Was war seit gestern anders? Entschlossen machte er sich auf den Weg zu den Ställen. Bevor er sie erreichen konnte, hielt ihn sein Vater auf. Auch er hatte von Eleras Verschwinden Wind bekommen. „Du solltest wissen, dass ich sie für ihre Weitsicht und ihren weisen Entschluss sehr schätze." Aufgebracht öffnete Ragan seinen Mund, doch Elias hob seine Hand um ihn daran zu hindern etwas zu sagen. „Aber du bist mein Sohn, und wenn sie das ist, was du brauchst, dann solltest du sie zurückholen!" Fest schlug er ihm auf die Schulter und ließ ihn dann alleine. Dankbar blickte Ragan hinter seinem Vater her. Zum ersten Mal hörten sie einander wirklich zu und verstanden einander.

*

Tagsüber kam sie besser voran als in der Dunkelheit, auch der Wald wirkte weniger furcht erregend. Sie ­lief nahe bei den Bäumen entlang um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Man konnte nie sagen, wer sich noch so alles zwischen den Bäumen rumtrieb und sie hatte auch nicht vor das herauszufinden. So schnell ihre Füße es erlaubten lief sie den Weg entlang, aber sie würde sicher noch eine weitere Nacht im Wald verbringen müssen und wahrscheinlich noch eine.

Sie hatte den Weg erst einmal zurückgelegt und das in einer bequemen Kutsche. Mit ihm. Automatisch kamen ihr die Tränen und sie begann zu weinen. Vielleicht hatte sie doch einen Fehler gemacht. Sie hätte bleiben und mit ihm reden sollen. Das hatte er nicht verdient. Abrupt blieb sie stehen. Sie war ganz durcheinander. Unentschlossen blicke sie den Weg entlang, nicht sicher, ob sie weitergehen oder umkehren sollte.

Warum kann sie nicht einfach verschwinden.

Unwillkürlich erinnerte sie sich an die Worte der beiden Frauen.

„Ja das sollte ich tun!" Entschlossen strafte sie die Schultern und ging weiter.

*

Er jagte mit seinem Pferd über den Weg. Er hatte so einen leisen Verdacht, wohin sie gehen würde. Zu Samira natürlich. Sie würde Elera bestimmt helfen. Dort fand sie einen Platz, wo sie sicher war und unterkommen konnte. Außer er erwischte sie vorher. Von Meile zu Meile steigerte sich seine Wut. Die Nacht brach herein und doch hielt er nicht an. Er hatte eine ganze Nacht aufzuholen und er würde sie kriegen und dann … Er hatte noch keine Ahnung was er dann tun würde, aber er würde es wissen, wenn er sie hatte.

Hart presste er die Haken in die Flanken seines Pferdes und trieb es zur Eile an. Er wollte sie fangen, ehe sie Samira erreicht hatte. Samira war viel zu weichherzig und würde bestimmt nicht zulassen, dass er ihr irgendetwas tat, oder sie gegen ihren Willen wieder mitnahm. Und genau das würde er tun. Sie gehörte ihm. Nur ihm und sonst niemanden. Er würde sie so lange einsperren, bis sie das begriffen hatte und dann würden sie glücklich sein. Er ignorierte den Schmerz in seiner Brust und erlaubte dem Wind sein hitziges Gemüt zu kühlen.

*

Sie hörte ein Pferd hinter sich, das sich rasch näherte. Ihr Herz begann schneller zu schlagen und furchtsam sah sie sich nach einem Fluchtweg um, aber es gab keinen. Die Bäume und Sträucher standen hier viel zu dicht, als das sie sich zwischen ihnen hindurchwinden hätte können. Sie begann zu laufen. Irgendwo musste es doch eine Möglichkeit sich zu verstecken geben. Sie entdeckte eine Lücke zwischen den Bäumen und wollte gerade hindurchschlüpfen, doch da hörte sie wie hinter ihr ein Pferd hielt und jemand von diesem herab sprang. Verdammt er hatte sie fast.

Ein fester Arm schloss sich um ihre Taille und zog sie zurück. Alles Wehren und Zappeln half ihr nichts. Er hielt sie eisern fest.

„Sag mir nur eins – warum?", zischte er ihr wütend ins Ohr.

Elera gab jeden Widerstand auf. Vorsichtig setzte er sie auf den Boden ab und ließ sie los. Dabei behielt er sie fest im Auge, sollte sie erneut versuchen zu fliehen, würde sie nicht weit kommen. Langsam drehte sie sich zu ihm um, wagte aber nicht den Kopf zu heben. Er musste sie hassen. „

„Ich … ich … ich liebe dich nicht. Es … tut mir leid", stieß sie stockend hervor.

Sie hatte die Hände krampfhaft in ihren Umhang geschlungen und suchte mit den Augen nach einem Fluchtweg. Grob fasste er sie an den Oberarmen und kurz war er versucht sie kräftig zu schütteln. Sie lügte. Das musste eine Lüge sein.

„Sieh mir in die Augen und sag mir das noch einmal. Sag mir das du mich nie geliebt hast und nie lieben wirst. Erst dann werde ich dir glauben und dich gehen lassen!", verlangte er hart.

Elera wich ein Stück zurück von ihm und er ließ sie los. Das, was er verlangte war, unmöglich. Sie konnte das nicht. Nicht noch einmal brachte sie es über sich das zu sagen. Bekümmert hob sie den Kopf und sah ihn an.

Ihr zersprang beinahe das Herz vor Liebe. Er war alles, was sie wollte und doch, wenn sie blieb, zerstörte sie ihn. Zerstörte sie alles und am Schluss blieb nicht einmal mehr ihre Liebe über. Unbewusst streckte sie die Hand nach ihm aus, doch bevor sie ihn berühren konnte, senkte sie sie rasch wieder.

„Es tut mir so leid", flüsterte sie erstickt.

„Was tut dir leid? Sag es mir!" Aus seiner Stimme war jedes Gefühl gewichen. Er war wieder so kalt und unnahbar wie früher, bevor er sich ihr geöffnet hatte.

„Ich kann nicht", wisperte sie und wandte sich ab. Sein Arm schnellte nach vorne und hielt sie fest.

„Doch du kannst. Sag es mir!"

Erschrocken drehte sie sich wieder zu ihm um. In seiner Stimme lag eine Wildheit, die sie zuvor noch nie an ihm gehört hatte und daran war sie schuld.

„Lass mich gehen. Ich liebe dich nicht!" Diesmal wich sie seinem Blick nicht aus. Sah ihm fest in die Augen und hoffte das er erkannte das sie lügte und doch - er sollte ihr glauben.

Sie wusste nicht, was sie wollte. Nein das war nicht richtig. Sie wusste, was sie wollte. Sie wollte ihn, sonst nichts. Aber sie wusste nicht ob es gut war ihn zu wollen. Sein Atem ging heftig bei ihren Worten. Sie war ihm nicht ausgewichen.

Hatte die Worte, die ihn in einen tiefen Abgrund stürzten, ohne Zögern gesprochen. Es musste also die Wahrheit sein. Er ließ seine Hand kraftlos sinken. Alles Leben war aus ihm gewichen, er fühlte sich einfach leer.

„Dann geh!", befahl er ihr und kehrte ihr den Rücken zu.

Er konnte ihren Anblick nicht länger ertragen. Lange Zeit blieb er so stehen, bis er sicher sein konnte sie war fort. Dann sank er auf den Boden unschlüssig, was er tun sollte. Er hatte nichts auf dieser Welt gewollt, nichts begehrt. Nichts außer sie.

Er sollte nach Hause gehen, aber was sollte er dort? Vielleicht war es an der Zeit die Welt kennenzulernen. Neues zu entdecken und all das hinter sich zu lassen. Eine warme Hand berührte ihn sanft an der Schulter.

„Sie haben gesagt ich wäre falsch, unpassend. Du solltest dir eine schönere Frau suchen, nicht mich. Ich würde dein Leben ruinieren", erzählte sie mit leiser Stimme. Ragan runzelte die Stirn.

„Wer sagt so was? Mein Vater?"

Elera schüttelte den Kopf.

„Nein! Andere von der Burg. Sie sehen es nicht gerne, dass du eine Gewöhnliche zur Frau nehmen willst."

Sie setzte sich zu ihm auf den Boden. Sie war gegangen mit dem festen Entschluss nicht zurückzusehen und auf keinen Fall zurückzukommen. Weit war sie nicht gekommen.

„Bist du deshalb fortgelaufen?" Er konnte es nicht verstehen. War es nicht egal, was andere dachten, wenn sie nur zusammen waren?

„Ich war mir einfach nicht mehr sicher."

Sie ließ ihre Hand von seiner Schulter herab gleiten und fasste nach seiner Hand. Er sollte verstehen, warum sie dachte, es wäre das Beste für alle sie würde gehen. Sie bemerkte wohl, dass sie zwar seine Hand hielt, aber er den Druck nicht erwiderte.

„Du hättest mir vertrauen sollen." War alles, was er sagte.

Elera zog ihre Hand zurück und schwieg. Sie hatte alles kaputtgemacht. Es würde ihr nicht mehr gelingen ihn zu erreichen.

„Du hast recht. Das hätte ich vermutlich tun sollen", erwiderte sie traurig und erhob sich.

„Du hättest mich nicht zurückholen sollen. Es wäre besser gewesen du hättest zugelassen das Kadir mich fortbringt."

Langsam machte sie sich auf den Weg. Es war alles gesagt. Ragan sprang auf die Füße und drehte sich zu ihr um.

„Verdammt Elera ich liebe dich und ich war nicht bereit dich aufzugeben. Ich war bereit für diese Liebe alles zu riskieren! Warum du nicht?"

Elera blieb stehen und wandte sich zu ihm um. Tränen liefen ihr über das Gesicht.

„Ich habe gelogen und ich hatte Angst. Ich bin nicht so stark wie du", versuchte sie ihr Handeln zu erklären, aber er hörte ihr nicht zu.

„Es ist zu spät. Ich kann nicht." Ragan schwang sich in den Sattel und gab seinem Pferd die Sporen.

„Ich liebe dich!" Selbst über das Donnern der Hufe hinweg konnte er ihre Stimme hören.

*

„Aufgeregt, mein Freund?" Marcus hatte, ohne das Ragan es bemerkt hatte, dessen Räume betreten.

Ragan sah ihn an und verzog sein Gesicht. Diese Frage verdiente keine Antwort. Ein letztes Mal richtete Ragan seine Kleidung, dann holte er tief Luft.

„Bereit?"

Zustimmend nickte Ragan und gemeinsam verließen sie den Raum. Seite an Seite stiegen sie die Stufen hinab in die Halle. Dort wurden sie bereits erwartet. Kurz blieb Ragan stehen, dann ging er weiter. Dicht neben seinem Vater hielt er an. Zustimmend nickte dieser. Erleichtert sah er nach vorne.

„Die große Göttin Freya hat uns heute hier versammelt", begann der Priester seine Predigt. Bewegt lauschte Ragan ihm, dabei ruhte sein Blick auf Elera.

„Ich liebe dich", flüsterte sie ihm zu.

Ragan hatte nach wenigen Kilometern seinen Fehler eingesehen. Nur aus verletztem Stolz war er davon geritten, aber er liebte sie. Wollte er sie wirklich verlieren? Sie war seine einzige Chance glücklich zu werden. Also war er zurückgekommen und hatte sie nach Hause geholt. Sie hatten viel miteinander geredet. Hatten sich die Zweifel von der Seele gesprochen.

Sie brauchten einander. Eines war beiden klar, es würde nicht immer leicht sein. Schon alleine deshalb, weil sie einst seine Dienerin gewesen war, auch wenn er sie nie also solche gesehen hatte. Aber solange sie einander liebten, würden sie es schaffen.

Ende