Hinter dem Zaum

Zwischen Bahnhof und Weg

blühen die Disteln

*

Frühling in der Stadt

Im Einkaufszentrum

Blütenstaub im Wind

ein Vogel schreit im Beton

dann wieder Stille

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Am Flussufer

das Umweltmobil

kehrt Zweige zusammen.

Die Taube baut ihr Nest.

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Auf dem Fluss

das weiße Segel

des Bootes überstrahlt

die bunten Wimpel

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Sieben Fliegen

umkreisen die Lampe

wie ein Mobile

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Grauer Herbstwind streift

Durch kahle Häuserschluchten.

Der Wasserhahn tropft.

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Die Vogelschwärme

Kreisen vor schwarzen Wolken.

Bald brechen sie auf.

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Der gelbe Vorhang

Ist schon verschlissen.

der Mond scheint hindurch.

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Ich sehe nicht die Welt,

sondern nur mein Spiegelbild.

Hell ist der Bahnhof.

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Den Bahnhof zieren

Töpfe mit Sträuchern.

Würden sie gern reisen?

*

Museumsbesuch

Ich sehe Bildnisse

Längst verstorbener Menschen.

Sie schauen zurück

*

Flaschenpost

Meine Botschaft ist

In den Strom geworfen.

Wer wird sie finden?

*

Zukunft

Wie die Hündin,

die zu gefallen sucht,

ist die Zukunft.

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Vergangenheit

Die Vergangenheit,

nach der wir uns verzehren

gleicht dem fliehenden Pferd.

*

Gegenwart

Dazwischen,

stark im hier und heute

brüllt der Löwe.

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Im Bach treiben

Verwelkte Blätter.

Bald sind sie am Ziel.

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Reinheit

Im trüben Wasser

Des Hafens schwimmt ein Schwan.

Wie bleibt er so weiß?

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Kristalle

Weiße Blüten

Wuchsen über Nacht auf dem Glas.

Schon schmilzt das Eis.

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Die Ringelblume

Im Topf ist mein Garten.

Sie blüht nur für mich.

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Morgens am Strand

Fand ich nur Muscheln,

nie eine Perle.

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Die Krokusse

Sind längst verblüht

Ich bemerkte sie nicht.

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Metamorphose

Kinderhände

verwandelten den Busfahrschein

in ein Flugzeug

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Alles war blieb

Vom Besuch der Freundin

Sind kalte Kippen.

*

Wie schön, dass vor mir

Keiner die Narzisse fand.

Er hätte sie gepflückt.