Marisol Zauner

18.11.09

Was der Winter bringt

Es ist wieder Winter geworden. Ich sitze am Computer und versuche meine Gedanken in Worte zu fassen, doch heute gelingt es mit nicht, so dass ich beschließe, einen Spaziergang zu machen.

Die Kälte schlägt mir entgegen, als ich dich eingemummt das Haus verlasse. Der Wind peitscht mir in das Gesicht.

Langsam stapfe ich los, setze einen Fuß schwerfällig vor den anderen.

Das wilde Schneetreiben reißt meine Gedanken mit sich fort. Ich liebe den Winter auf dem Land.

Die weiten, weißen Hügel und die dunklen, verschneiten Wälder, die unberührten Wiesen.

Als ich an die große Stadt denke, kommt Traurigkeit hoch. Dort ist es laut und hastig wie immer, der Schnee in den engen Häuserschluchten längst zu Matsch getrampelt.

Kein Vergleicht zu der feierlichen Stille hier.

Langsam wandern meine Gedanken in die Vergangenheit, suchen nach Halt auf dem vereisten Boden meiner Erinnerungen.

Auch in mir ist Winter. Es ist lange her, dass dort die Sonne schien.

Um mich herum zieht Nebel auf. Ich drehe mich um und erkenne schemenhaft meine Fußspur im Schnee.

Ich folge dem beinahe zugefrorenen Bach und gehe auf den Wald zu, in dem die Stille noch friedlicher und erhabener sein wird.

Die alten Bäume lassen sich von so ein bisschen Schnee nicht in ihrer Ruhe stören.

Ganz im Gegensatz dazu springt vor mir plötzlich ein Hase aus dem blattlosen Gebüsch und lässt mich erschrocken einen Schritt zurückweichen.

Nach einem kurzen Stück, das ich im Wald gegangen bin, beschließe ich umzukehren.

Langsam wird es dämmrig und auf dem Rückweg holt mich die Dunkelheit ein.

Verträumt stapfe ich durch den funkelnden Schnee.

Als ich zu Hause ankomme, bin ich völlig durchgefroren und von der Stille der Natur durchdrungen.

Rasch schäle ich mich aus meiner Kleidung und ziehe einen mollig warmen Pullover über.

Mit einer Tasse heißen Tee in der Hand setze ich mich an das große Fenster und blicke hinaus in die helle Nacht.

Gedankenverloren lege ich meine Finger an die Schiebe. Sie ist kalt und beschlägt sich unter meinem Atem.

Langsam merke ich, wie ich auftaue, wie mich der Alltag wieder ergreift. Ich bin zurück.