Nightfall

Title: Nightfall

Autor: Sainz de Rouse

Beta: Taube

Pairings: Cathreen + *********

Genre: Romance, Drama

Rating: P 16

Warnungen: Mh, fällt mir nichts zu sagen

Inhalt: Cathreen Cole, ein ganz normaler Teenager, leidet sehr unter den Auswirkungen, die die Scheidung ihrer Eltern mit sich brachten. Von der großen Glamourstadt Boston muss sie in das mehr als mickrige Dorf Springwood zu ihrer Großmutter ziehen. Zunächst distanziert sie sich, doch nach und nach lernt sie, die ihr verhasste Umgebung, zu lieben. Vor allem nachdem mehr als merkwürdige Dinge geschehen und sie die verbotenen Gefühle ihres Lehrers zu erkennen glaubt. WERWOLF-STORY!!!

Zeit: Gegenwart

Wichtig: Nichts wichtig, alles blubb!

Disclaimer: Meins, alles meins! ^^

A/N: Ok, das ist meine erste eigene Geschichte die ich veröffentliche, ich hoffe sie gefällt euch einigermaßen und erweckt nicht das große Würgen. Kritik ist immer erwünscht. ^^

Vorwort

Nie hatte ich über den Tod nachgedacht. Er schien mir immer so weit weg und nicht greifbar für mich, trotz dessen dass das Leben doch tagtäglich von ihm umgeben ist. Wie ein Schatten ist er bei dir und merzt alles Leben aus das er kriegen kann. Doch wenn er dir gegenübertritt und du nur noch wenige Augenblicke vom Sterben entfernt bist, zieht dir nicht dein ganzes Leben vor deinem inneren Auge vorbei, wie es immer in Filmen heißt.

Was, wenn du es nur bedauerst nicht mehr Zeit mit ihm gehabt zu haben?

Es ist schon komisch den eigenen Tod nicht zu bedauern und ihn einfach hinnehmen zu können, obwohl das Leben einem grauenvoll entrissen wird. Mit Tränen in den Augen blickte ich ihm entgegen. Nicht Tränen aus Trauer über mein baldiges Dahinscheiden. Ganz sicher nicht.

Tränen über den Verlust seiner Arme. Den Verlust über seine sinnliche Stimme, den Verlust über seinen berauschenden Geruch. Ein letztes Mal noch sog ich die Luft tief in meine Lungen und schloss die Augen. „Ich liebe dich!"

Kapitel 1

Ein kleines Dorf lag verborgen in einem riesigen Wald. Alle Wege waren leer und die Hütten verlassen. Auf dem Platz in der Mitte des Dorfes sammelten sich alle Bürger und schrien. Forderten etwas Langersehntes, mit brennenden Fackeln in der Hand. Zwei große starke Männer zogen eine sich wehrende junge Frau, fast noch ein Mädchen, auf einen großen Hügel aus Holz. Aus dem Hügel ragte ein langer Stamm. Das Mädchen, dessen Haut im Licht des Vollmonds weiß leuchtete, wurde an den Stamm gebunden. Vom Volk verachtet, krümmte sie sich unter den Beschimpfungen. Ein Mann in einen schwarzen Umhang gehüllt, das Gesicht im Schatten liegend, gab ein Handzeichen und ein paar der Männer, die in engsten Kreis um den Hügel standen, warfen ihre Fackeln ins Holz. Einen Moment lang passierte nichts, doch plötzlich breitete sich das Feuer aus. Die roten Flammen fraßen sich schnell hindurch, erreichten bald das Mädchen.

Entsetzliches Schreien erfüllte die Gegend, es war so ohrenbetäubend, dass man glaubte, man höre es noch bis tief in den Wald hinein. Dicke schwarze Wolken stiegen in den Himmel. Schon bald ließen die Schreie leiser und verstummten nach und nach. In des Waldes Stille hinein erklang ein Mark erschütterndes, wehleidiges Klagen eines einsamen Wolfes.

Noch lange waren die Jubelschreie der Dorfbewohner zu hören. Bis zum letzten Knacken des Holzes blieben sie. Nur der Mann im schwarzen Umhang schlich sich davon und schien den Schmerz, den der Wolf klagte, mit einem Taschenmesser, welches von seiner Hand geführt, tiefe Furchen in die Makellose Haut gruben widerzuspiegeln.

Schweißgebadet schreckte ich auf, konnte mir das Schreien jedoch verkneifen. Kurz blickte ich zu meiner Mutter, doch sie hatte nichts gemerkt, sie starrte weiterhin nur stur geradeaus. Mein Bruder, der hinter ihr auf dem Rücksitz saß blickte nur gelangweilt hinaus, seinen GameBoy in der Hand.

Es war ein merkwürdiger Traum gewesen. So real. Mein Herz klopfte noch immer wie wild in meiner Brust. Ich träumte nicht oft, eigentlich nur sehr selten. Darum verwunderte es mich sehr. Was der Traum wohl zu bedeuten hatte?

Plötzlich schien mir die Sonne grell ins Gesicht und unterbrach mich in meinen Gedanken. Nach langer Fahrt durch den Wald bog der alte rote Ford Anglia um die Ecke, aus dem dichten Grün hinaus, aufs offene Gelände. Nicht weit von hier lag ein kleines verschlafenes Dorf.

Vielleicht musste ich aber auch nur die letzten Ereignisse verarbeiten was sich dann in diesen bizarren Traum ausdrückte. Meine Eltern hatten sich nach vielen Jahren des Streits endlich scheiden lassen. Ich wusste zwar was die Jahre über passiert war, Mum brauchte manchmal jemanden zum Reden, doch verstehen konnte ich sie nicht.

Es war möglich, dass sie dachte, sie müsste für meinen kleinen Bruder die heile Welt aufrecht erhalten, aber er war nicht dumm. Ich denke er weiß dass das nur eine große Lüge war, eine Fassade. Sollte er es tatsächlich bemerkt haben, redete er aber nicht darüber. Man nahm es einfach hin. Was sollte man auch anderes tun? Wir mussten es akzeptieren. Ebenso wie den Umzug zu meiner Großmutter. Es ist nicht so, dass ich das alles Kommentarlos über mich ergehen ließ. Mit Leibeskräften hatte ich versucht in Boston zu bleiben.

Doch es war unmöglich. Ich war noch nicht volljährig, und bei meinem Vater wollte ich beim besten Willen nicht wohnen. Doch ich hatte keine Wahl, auf meine eigene Wohnung würde ich noch lange warten müssen. Im Schneckentempo fuhren wir durch Springwood. Ich sah sofort dass es nur wenige Geschäfte gab. Man hatte im Kern angefangen viele Häuser dicht bei einander zu bauen und mit schwindendem Platz immer weitere Kreise gezogen, so dass das ganze auf mich wirkte wie ein groteskes Puzzle oder eine alte Patchwork Decke an der einige Flicken fehlten. So wie ich das sehen konnte waren es überwiegend Einfamilienhäuser im alten Stil. Es wirkte wie eine Altstadt, oder wohl eher Altdorf. Manche Häuser waren mit Sicherheit etwa 200 Jahre alt. Bestimmt auch modernisiert mit Isolierungen, Heizungen und an Strom und Wasser angeschlossen, wenn die Gegenwart es denn bis hierhin geschafft haben sollte. Ich hoffte es. 2365 Einwohner hatte dieses kleine Örtchen. 2368 mit meinem Bruder, meiner Mum und mir. Für mich war es eine unmögliche Zahl. Allein in meiner alten High-School gab es mehr Schüler als Einwohner in Springwood. Hier schien mir auch alles recht eintönig zu sein. All diese Häuser waren fast überwiegend weiß angestrichen, klassisch, wie in einem alten Film. Oft mit einem Garten davor oder dahinter, einer Terrasse oder Veranda. Selbst die typischen Gartenzäune waren des Öfteren vertreten und mit rollenden Augen stellte ich fest, dass an einigen ein Schild mit der Aufschrift „Vorsicht, hier wohne ich" hing. Meistens sah ich den Hund vor dem Schild, weil er entweder gerade im Garten herum sprang und einem Ball hinterher jagte oder sich neugierig am Zaun aufstellte, uns beobachte und sein Revier mit Bellen verteidigte. Ich lehnte es mehr als ab. Alles war so ländlich und langweilig. Das viele ungewohnte Grün schien Übelkeit in mir zu verursachen.

Am liebsten wäre ich sofort umgekehrt. Während der Fahrt hatte ich in Gedanken schon so oft das Lenkrad herumgerissen und bin zurück gefahren. Wieder einmal machte sich die Verzweiflung in mir breit.

Verzweiflung, momentan mein ständiger Begleiter. Kaum ein anderes Gefühl war so besitzergreifend. Resigniert gab ich mich dem hin. Ich redete nicht viel, verspürte keinen Hunger, ließ es einfach geschehen. Für andere musste ich wohl wie ein Zombie wirken. Wie in Trance starrte ich nur vor mich hin, ließ nichts und niemanden an mich heran.

Mit dem MP3-Player in meiner Hand und den Stöpseln in meinen Ohren, blendete ich alles für mich Negative aus. In Gedanken war ich noch immer in Boston, weit weg von all dem Grün. Ich vermisste die riesigen grauen Hochhäuser, den grauen Betonboden, die Stadtluft, und sehnte mich danach, ein Teil von diesem unglaublich großen Menschenstrom zu sein, die eilig durch die Straßen laufen. Ich vermisste Boston und hasste Springwood.

Mum lenkte das Auto wieder aus dem Dorf heraus, was mich zunächst verwirrte. Ich glaubte mich zu erinnern, dass das Haus meiner Großeltern außerhalb des Dorfes lag. Großvater hatte vor langer Zeit einige kleine Felder gehabt und Großmutter hatte die Ernteerträge immer in der Scheune verkauft.

Aber das waren nur blasse Erinnerungen, vielleicht nicht einmal wahr. Doch nach kurzer Zeit sah ich schon die Scheune in den Himmel hinter den Bäumen aufragen. Das Haupthaus stand einige Meter weiter weg, etwas Abseits, direkt am Waldrand. Das Häuschen war ebenfalls von einem typischen weißen Holzzaun umgeben. Dieser war seit den letzten Malen, in denen ich als Kind noch gekommen war, gebaut worden. Großmutter wollte so ihre Beete und Blumen vor den Nagern schützen. Auch sonst erinnerte es mich sehr an den anderen Häusern im Dorf. Weiß angestrichen, eine Veranda vor der Tür, vollgestopft mit Blumentöpfen auf dem Geländer und an der Decke herunterbaumelnd und graue Fensterläden an jedem Fenster. Es war recht groß, jedermann fände bestimmt Gefallen daran, doch mein Herz schlug für die Stadt. Ich war nun mal ein eingefleischter Stadtmensch. Ich war dankbar dafür dass es so war, denn ich wollte nicht gegen eine Millionen Dollar leben wie eine Bauerntochter. Doch nun konnte ich meinem Schicksal nicht entgehen und ließ darüber nur die Schultern hängen. Inzwischen fuhren wir schon nicht mehr auf der Straße, nur noch auf einen sehr sandigen, etwas steinigen Weg.

Ich stöhnte innerlich auf, am liebsten hätte ich geschrien. Meine Begeisterung darüber in einem kleinen Ort, in dem man so mobil war wie im Mittelalter, weit weg von meinem geliebten Boston und von meinen Freunden, in einem Haus zu wohnen mit einer alten Frau, die sich meine Großmutter schimpft, und zu der ich keinerlei Draht hatte, da ich sie einige Jahre nicht mehr gesehen hatte, und der Kontakt immer weniger und seltener wurde hielt sich in Grenzen. Mum steuerte das Auto den Hügel hinauf und hielt vor dem Gartenzaun, dessen Farbe schon lange abblätterte. Kaum hatten Mum und mein kleiner Bruder die Autotür zugeschlagen, öffnete sich schon die Haustür.

Dort stand sie. Nichts in diesem Gesicht ließ mich an jenes Gesicht erinnern, das ich als Kind so geliebt hatte. Es war mir fremd geworden. Jedoch fielen mir nach längerem Hinsehen Ähnlichkeiten auf. Das Haar war zwar vollständig ergraut und zu einem Dutt gebunden, das Gesicht voller Falten, die Wangen leicht eingefallen und tiefe Ränder unter den Augen, aber ich glaubte die Züge wieder zuerkennen. Die blauen Augen hatten sich in keinster Weise verändert, doch waren sie geschmückt von einer Brille. Aber in ihnen lag etwas Unbekanntes. Seit Großvaters Tot jedoch soll sie sich sehr verändert haben. Noch einmal atmete ich tief durch, stieg aus und schlug die rote Autotür hinter mir zu, womit ich die Aufmerksamkeit aller auf mich lenkte.

Nach kurzem Zögern machte ich verunsichert den ersten Schritt auf die fremde alte Frau zu. Den ersten Schritt mit dem ich allem Bekannten und Geliebten meines bisherigen Lebens den Rücken kehrte. Den ersten Schritt in meine unbekannte Zukunft. Ich gegen den Rest der Welt. Noch einmal atmete ich tief ein. Na dann mal los!

Fortsetzung folgt . . .