Marisol Zauner

9.07

Ein ungeklärtes Schild

Wenn man von Allensteig in Richtung Merkenbrechts fährt ist man eine Weile in freiem Land unterwegs. Hauptsächlich Wiesen die zur Heugewinnung genutzt werden.

Da man in dieser Gegend sehr häufig den Truppenübungsplatz kreuzt und an den Rändern der Spazierwege ständig Verbotsschilde stehen, achten die Einwohner gar nicht mehr auf den genauen Inhalt eben dieser.

Und so war es ein kleines Mädchen – niemand konnte später noch genau sagen, wer es war – der das ‚etwas' andere Schild auffiel.

„Papa, wieso ist denn da mitten auf der wiese ein Schild?", fragte sie erstaunt. Ohne hinauszusehen erklärte der Vater: „Die sind von den Bundesheerlern, dass man nichts betreten, fotografieren und so weiter darf."

„Nein!", quengelte das Kind. „Da stand ‚Privatgrund betreten verboten'"

Verdutzt hielt der Vater an um das zu überprüfen, und tatsächlich: An der auffahrt zu einer der Wiesen stand eben dieses Schild.

„Eigenartig", brummte er. „Ich weiß nicht mal, wem das Grundstück gehört!"

Und das war wirklich ungewöhnlich, denn in diesen kleinen Ortschaften ist es üblich, alles über jeden zu wissen.

Aber das Schild hatte ihn neugierig gemacht, und so begann er im Dorf nachzufragen, ob wohl jemand den Besitzer wüsste. Aber es war wie verhext: Niemandem war es je aufgefallen, niemand wusste etwas darüber.

Jedoch ließ es auch die anderen Bauern nicht los und viele sahen sich den Grund der Aufregung selbst an.

Und nun geschah wahrhaft Seltsames: Jedem, der das Grundstück betrat, flatterte kurze Zeit später eine Strafzahlung ins Haus! Doch woher konnte der ominöse Besitzer es wissen?

Schließlich wurde man beim Bürgermeister im größeren Nachbarort vorständig und bat um Einblick in das Grundbuch.

Doch auch dies brachte kein Licht in die Angelegenheit: Der Besitzer hatte – gleichwohl auf völlig legale Weise – seinen Namen nicht einsehbar gemacht. Und da von seiner Seite nichts Illegales geschehen war, gab es keinerlei rechtliche Grundlage um die Identifikation zu verlangen.

Daraufhin sprach es sich auch in den umliegenden Dörfern herum, dass da etwas unstimmig war, und Unmengen Menschen besichtigten das Schild. Jedoch wurde weiterhin fein säuberlich jedes Betreten registriert und geklagt, so dass sich schließlich niemand mehr zu nahe herantraute.

Nun ist es so, dass jede Sensation irgendwann ihren Reiz verliert, und mit der Zeit wandten sich die Tratschthemen wieder anderem zu.

Aber was nun wirklich dahinter steckte kam nie heraus und die Geschichte wurde eine beliebte Anekdote regionaler Einwohner.