Sorgsam hob ich das Blütenblatt vom Boden auf. Es lag unscheinbar zwischen der Leiche und dem einzigen Zugang zum Gewächshaus. Irgendjemand war inzwischen drauf getreten. Ich vermutete das es einer meiner Leute war und weniger der Täter.

Soviel Glück hatte ich nicht. Die Farbe des Blütenblattes war außergewöhnlich. Eine Art von Rot, mit einem Hauch von Pink. Mir fiel der Name der Farbe gerade nicht ein. Ich würde eine Kollegin bitten mir zu helfen. Frauen wussten über solche Dinge einfach besser bescheid. Ich nahm einen jener durchsichtigen Plastikbeutel die ich zur Sicherung von Beweisstücken immer bei mir trug und ließ das zarte Gebilde darin verschwinden. Gut sichtbar hielt ich den Beutel hoch.

„Weiß jemand etwas darüber?", rief ich fragend in die Runde. Befremdend sahen mich meine Kollegen an. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt bisher dem Opfer – Gerald Bergmann. Mike trat näher und unterzog dem Gegenstand in meiner Hand eine genauere Betrachtung.

„Ich würde sagen ein Blütenblatt. Eigentlich nichts außergewöhnliches, wenn man bedenkt das wir uns in einem Gewächshaus befinden" Achselzuckend tat er die Angelegenheit ab. Für ihn war die Sache damit erledigt. Vermutlich konnte er gerade nicht nachvollziehen, was mich an diesem Blütenblatt so faszinierte.

Michael Asamer, mein Kollege der von allen nur Mike genannt wurde, war ein absolut humorloser Mensch, mit einem unbezahlbaren Hang zum Pragmatismus. Dementsprechend trocken fiel seine Antwort auf meine Frage aus. Ich musste mir ein Grinsen verkneifen, auch deshalb, weil ich etwas wusste, was ihm entgangen war. In gewisser Weise hatte er auch recht. Es war in der Tat nicht außergewöhnliches ein Blütenblatt in einem Gewächshaus zu finden, wenn man den Umstand außer acht ließ, dass es das einzige Blatt mit dieser Farbe und Form war. Es gab keine Pflanze im Raum zu der es gepasst hätte. Ich wollte ihn gerade leicht triumphierend darauf hinweisen, als mich die wohl schönste und sanfteste Stimme daran hinderte.

„Das stammt von einer Proctus Aurelis" Ich schwang herum und stand der Witwe Claudia Bergmann gegenüber. Sie war eine zierliche Mittdreißigerin, mit dunklen kurzen Haaren. Frau Bergmann gehörte zu jenen Frauen die man nie vergaß und die man automatisch vor allem Übel dieser Welt beschützen wollte. Das kühle, blaue Kostüm passte nicht zu ihren braunen Augen, ließ sie distanziert und abweisend wirken, aber vielleicht war das ihr Schutz.

Sie hatte gerade ihren Mann durch Mord verloren. Irgendjemand war hier eingedrungen und hatte Gerald Bergmann mit einem schweren Gegenstand niedergeschlagen und vermutlich mit der Gartenschere erstochen. Das war die erste Diagnose von Sonja Zweig, Gerichtsmedizinerin.

„Den Rest bekommst du, wenn ich ihn auf meinem Tisch habe und die Autopsie abgeschlossen ist!", erklärte mir Sonja mit ihrem typisch mürrischen Tonfall. Sie ahnte, dass ich den Bericht am liebsten schon gestern gehabt hätte, aber ich hielt mich mit solchen Bemerkungen zurück. Manche Fehler machte man nur einmal im Leben.

„Frau Bergmann darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen?" Sie war unsere Hauptverdächtige. Schweigend ging sie voraus und brachte mich über einen kurzen, gepflasterten Weg ins Haus. Wir befanden uns direkt im Wohnzimmer. Eine große, wuchtige, dunkle Ledercouch an der Wand dominierte den Raum. Davor ein großer, weißer Flokatiteppich. Haustiere hatten die beiden bestimmt keine, oder der Teppich war noch ganz neu. An den Wänden hingen irgendwelche Landschaftsbilder.

Ich nahm, nach dem sich Frau Bergmann auf die Couch gesetzt hatte, ihr gegenüber auf einen der beiden Ledersessel Platz. Schweigend zog ich mein Notizbuch und einen Stift aus der Tasche, blätterte bis zu einer leeren Seite, schlug die Beine übereinander und sah zu ihr. Für einen Moment kreuzten sich unsere Blicke. Ich glaube, es war der Moment wo ich mich in sie verliebt hatte.

Da saß ich, sollte eine Mordverdächtige verhören und meine Hormone spielten verrückt. Von tieferen Regionen ganz zu schweigen. Nicht nur das sie schön war, nein, sie war eine vollkommen begehrenswerte Frau. Ob sie es merkte? Ich räusperte mich und stellte die erste Frage die mir in den Sinn kam.

„Sie kennen die Pflanze – woher?" Ich unterließ es sie drauf hinzuweisen, dass es im gesamten Gewächshaus keine dazu passende Pflanze gab. Sie sollte mir die Antworten liefern ohne, dass sie von mir mit Informationen gefüttert wurde.

„Mein Mann …" Hier stockte sie kurz. Unmöglich das sie die Mörderin war. Seufzend sprach sie weiter.

„Er hat die Pflanze gezüchtet"

„Wenn er sie gezüchtet hat, diese Proctus Aurelis, warum fanden wir dann keine von ihnen im Gewächshaus?" Selbst sie musste es doch ungewöhnlich finden, dass genau diese fehlte. Frau Bergmann schluckte.

„Am Wochenende findet eine große Ausstellung statt. Er hat sie dort hingebracht. Gerald wollte einen Preis gewinnen"

„Wir haben erst Donnerstag, ist es üblich die Pflanzen schon sobald bei der Ausstellung abzuliefern?"

„Nun sie werden vorher noch fotografiert und katalogisiert" Irgendetwas klang in ihrer Stimme mit, dass mich aufhorchen ließ. Ein bitterer, giftiger Unterton.

„Wird das von einem Komitee gemacht?"

„Unter anderem. Aber für die Fotos ist Martha Reims zuständig!" Nun war ihre Stimme im Keller. Es war offensichtlich, sie hasste diese Martha Reims.

„Kennen Sie Frau Reims?"

„Nur flüchtig. Ich bin ihr ein paar Mal begegnet. Sie war einmal hier um meinen Mann kennenzulernen und die Pflanze in Augenschein zu nehmen. Eigentlich war es umgekehrt!", erzählte sie erbittert.

„War sie seine Geliebte?", riet ich ins Blaue hinein. Statt einer Antwort, zog sie eine kleine, dunkle Holzschatulle zu sich heran, öffnete sie und entnahm dieser eine Zigarette. Beinahe gelassen zündete sie sich diese an und inhalierte den ersten Zug tief. Das verriet sie. Rein äußerlich war ihr nichts anzumerken, doch die Ereignisse dieses Abends gingen nicht spurlos an ihr vorüber. Angespannt sah sie mich an.

„Er wollte mich für sie verlassen", sagte sie ruhig.

Martha Reims war einer jener Typ Frauen, vor dem die Mütter ihre Söhne warnten. Sie war keine außergewöhnliche Schönheit. Besaß eine pummelige Figur, üppige Brüsten und hatte langes, glattes, platinblondes Haar, aber sie besaß Ausstrahlung. Sie trug knalligfarbige, tief ausgeschnittene Kleider, die ihre Rundungen vorteilhaft betonten und sie somit zu einem Objekt der Begierde machte.

Sie strahlte Sinnlichkeit und puren Sex aus und ich war davon mehr als nur angetan. Ihre Wohnung war zugleich ihr Atelier und so hingen und lagen überall Bilder von ihr. In ihrem Wohnzimmer hing ein fast lebensgroß Bild von ihr, das sie nackt, lediglich mit einem durchsichtigen Gazestoff bedeckt auf einem Bett zeigte, wie sie sich lasziv rekelte. Ich schluckte mühsam.

„Sie kannten Gerald Bergmann?", fragte ich sie, nach dem ich mich gefasst hatte und ihr eröffnet hatte, dass dieser gestern Abend ermordet wurde, dabei zeigte ich ihr meine Marke. Ich ließ mich auf einen der bunten Stühle nieder, der nicht mit Zeitschriften bedeckt war und blickte sie abwartend an.

„Wir kannten uns. Ich mache die Bilder von seiner Pflanze" Eine ausweichende, vorsichtige Antwort. Bestimmt wollte sie mir auf den Zahn fühlen, wie viel ich tatsächlich bereits wusste. Ich blätterte in meinem Notizbuch, der Name der Pflanze war mir entfallen.

„Die Proctus Aurelis?"

„Ja"

„Wo ist die Pflanze jetzt?"

„Sie müsste in Ausstellungshalle stehen. Warum?"

„Nur so. Haben Sie die Bilder schon entwickelt?" Martha Reims verließ den Raum und kehrte kaum eine Minute später wieder zurück. In ihrer Hand hielt sie einen Stapel Bilder. Wortlos reichte sie diese mir. Neugierig betrachtete ich sie und sah zum ersten Mal die Pflanze, die zu meinem Blütenblatt gehörte. Eine einfache Blume mit altrosafarbenen Blättern. Sie sah nicht sonderlich spektakulär aus.

„Sie und Gerald Bergmann standen sich nahe?" Sie zuckte mit ihren Schultern und gab sich gespielt teilnahmslos.

„Wir hatten eine Affäre" Ihr Blick ging ins Leere. Sie wirkte irgendwie betroffen. Ich glaube, ich habe ihren wunden Punkt gefunden und der hat einen Namen – Gerald Bergmann.

„Seine Frau …" Ich beendete bewusst den Satz nicht, ich wollte nur wissen wie sie zu seiner Ehefrau stand und bekam prompt die Antwort. Ein durchdringender, verächtlicher Blick traf mich, es war mehr als offensichtlich, dass sie Claudia Bergmann hasste.

Ich bekam den Bericht über die Autopsie von Gerald Bergmann bereits nach zwei Tagen auf meinen Tisch. Er wurde mit einem Blumentopf nieder geschlagen und anschließend, ganz unspektakulär, mit seiner Gartenschere erstochen. Ein gezielter Stich mitten ins Herz. Tötete so eine Frau? Keine Spuren eines Einbruches – er kannte seinen Mörder oder Mörderin.

Meine Hauptverdächtigen blieben Claudia Bergmann und Martha Reims. Obwohl natürlich noch sein Arbeitsumfeld und die Konkurrenz von der Pflanzenausstellung beleuchtet werden musste, aber ich denke nicht, dass wir dort unseren Mörder finden. Eine der beiden Damen hat es getan, da war ich mir ganz sicher. Es lag an mir das auch zu beweisen. Am Tatort selbst fanden sich nur DNA-Spuren von Claudia Bergmann und Martha Reims. Frau Bergmann und Frau Reims hatten aber bereits zugegeben sich im Gewächshaus aufgehalten zu haben. Das brachte mich nicht weiter.

Ich legte die Bilder vom Tatort vor mir auf den Tisch. Die Leiche, das Gewächshaus, nur ein Zugang, keine Kampfspuren. Der Täter ging einfach rein, schlug Bergmann nieder, erstach ihn und verließ anschließend, ohne etwas mitzunehmen, wieder das Haus.

Eine Ehefrau, eine Geliebte, eine typisch klassische Situation. Wollte er seine Frau verlassen um bei seiner Geliebten sein zu können? Musste er dafür sterben? Oder war es umgekehrt? Er hat die Geliebte verlassen und als Abschiedsgeschenk hat sie ihn getötet? Fragen über Fragen, aber keinerlei Beweise.

In seinem Arbeitsumfeld gab es nichts Verdächtiges. Bergmann war Immobilienmakler gewesen. Machte seine Arbeit durchschnittlich gut und hatte zu seinen Kollegen ein gutes Verhältnis. Bei den Ausstellungsteilnehmern sah es da schon anders aus. Jeder wollte gewinnen und untereinander ließen sie kein gutes Haar an dem anderen. Von denen kam fast jeder in Frage ein Mörder zu sein, wenn es um ihre Pflanze ging. Natürlich waren es nur fünf andere Teilnehmer die tatsächlich ins Profil passten.

Sonja Maier, Hobbygärtnerin und schon zum siebten Mal dabei bei der Ausstellung. Hat aber noch nie gewonnen. Neid und Abscheu sprachen aus ihrer Stimme und auch Hass. Ihr Motiv war klar erkennbar. Sie wollte endlich das bekommen was ihr, laut eigener Meinung, zustand – der erste Platz. Felix und Ernst Mitterkirchner, Brüder und schon ewig dabei. Für sie war jeder Neue ein Eindringling, der in dieser eingeschworenen Gesellschaft nichts verloren hatte.

Dann war da noch das Ehepaar Markus und Sabine Wegerer. Heuchelten Liebenswürdigkeit, aber dabei gierten sie genauso wie alle anderen Teilnehmer nach Ruhm und bei der gelegentlich durchblitzenden Kaltblütigkeit, gewann ich den Eindruck, sie würden selbst über Leichen gehen, um diesen zu ernten.

Zu guter Letzt blieb nur noch Albert Grünzweig, ehemaliger Berufsoldat. General in Rente. In seiner Welt war jeder ein Feind. Würde einer von denen fähig sein zu töten? Möglich! Doch leider hatte sie alle ein wasserdichtes Alibi! Blieben nur meine beiden Hauptverdächtigen und so konzentrierte ich mich ganz auf sie, was mir nicht allzu schwer fiel.

Claudia Bergmann war mit einer Freundin unterwegs gewesen. Sie brachte sie anschließend heim und ging dann alleine in der Dunkelheit für ca. 1 Stunde spazieren. Martha Reims war alleine zuhause und hatte Fotos entwickelt. Beide hatten Zeit, ein Motiv und Gelegenheit. Das Motiv war bei Beiden gleich – Verbrechen aus Leidenschaft. Die häufigste Art zu töten – aus Liebe wurde Hass!

Ich steckte in einer Sackgasse. Zähneknirschend gestand ich mir innerlich ein, dass ich diesen Fall nicht lösen würde können. Auf meinem Schreibtisch stand jene Pflanze mit dem dieser Fall seinen Anfang nahm. Sie wirkte zerzaust, vielleicht war ihr Topf ein Teil der Mordwaffe gewesen? Die Wochen vergingen und jede Spur verlief im Sand.

Ich, Julius Bruckner, hatte auf ganzer Linie versagt und das war mir in meiner ganzen Karriere als Polizist, immerhin waren das schon beinahe 20 Jahre, noch nie passiert. Frustriert schlug ich mit der Faust auf meinen Tisch. Meine Kollegen blickten mich verstört an.

Achselzuckend entschuldigte ich mich und brütete weiter vor mich hin. Automatisch dachte sich an die schöne Witwe und die nicht minder erotische Geliebte. Was war Gerald Bergmann nur für ein Mann, dass er bei zwei solch Klassefrauen punkten konnte? Ich hatte in seiner Akte ein Bild von ihm liegen. Er sah durchschnittlich gut aus.

Vermutlich wusste er sich verbal gut auszudrücken. Kurz beneidete ich ihn für das was er gehabt hatte. Wenn ich an seiner Stelle wäre … das waren wahrlich sehr dumme Gedanken. Hastig schloss ich die Akte und schob sie ans Ende meines Tisches. Es machte keinen Sinn sich damit weiter zu beschäftigen.

Die Ermittlungen standen kurz davor eingestellt zu werden, da bekam ich eine Nachricht. Claudia Bergmann wollte mit mir reden. Vielleicht ein Geständnis? Für solch euphorischen Gedanken war der Tag eindeutig noch zu jung. Ich würgte das Gesöff, das im Polizeirevier schändlicher Weise jemand als Kaffee bezeichnete, hinunter und machte mich auf den Weg. Claudia Bergmann war keine Frau die man warten lassen sollte.

Sie führte mich wie beim letzten Mal wieder in das behagliche Wohnzimmer. Neugierig ließ ich meinen Blick, als ich hinter ihr her schritt, über ihre Figur wandern. Hat es jemals eine schönere Witwe gegeben? Sie trug ein schlichtes, schwarzes Kostüm, das sich körperbetonend an sie schmiegte und so ihre Rundungen aufs vortrefflichste zur Geltung brachte.

Sie war eine sehr schöne Frau und ich war für ihre Reize, wie ich mir insgeheim eingestand, äußerst empfänglich. Vor mir ging eine vermeintliche Mörderin, die gerade Witwe geworden war und ich hatte meine Hormone kaum unter Kontrolle. War sie womöglich eine schwarze Witwe? Ich schüttelte meinen Kopf um wieder klar denken zu können und ließ mich nicht wie beim letzten Mal auf einen der Stühle, sondern auf die Couch fallen.

Ehe ich meine erste Frage stellen konnte, hatte sie sich bereits über mich gebeugt. Ihre zarten Finger schlossen sich fest um meine Krawatte und bevor ich noch einmal Luft holen konnte, presste sie bereits ihre feuchten Lippen auf meinem Mund. Spielerisch schnellte ihre Zungenspitze hervor und verlangte Einlass. Mein Widerstand, den ich mehr als halbherzig an den Tag legte, zerbröselte wie eine schlecht gebaute Sandburg im heißen Sommerwind.

Ich schlang meine Arme um sie und erwiderte ihren Kuss. Plötzlich schreckte ich unter einem Blitzlichtgewitter zusammen. Ich riss mich von Claudia los und blickte mitten in ein großes Objektiv. Direkt dahinter befand sich Martha Reims. Sie trug ein schwarzes Wickelkleid und wirkte genauso sexy wie Claudia.

„Jetzt haben wir dich!", trumpfte sie breit grinsend auf. Sie schlenderte lasziv näher und legte ihren Arm um Claudias Schultern.

„Hab ich dir nicht gesagt, dass er mehr auf dich abfährt? Und du wolltest mir nicht glauben!", entrüstete sie sich gespielt. Sie neigte sich Claudias Gesicht zu und die beiden begannen vor meinen Augen ein erotisches Zungenspiel, dabei kniete Claudia immer noch auf mir. War mir vorher schon heiß gewesen, so stand ich jetzt in Flammen.

„Wirst du uns jetzt verhaften?" Claudia kroch wieder näher und strich wie eine schnurrende Katze mit beiden Händen über meine Brust. Martha schmiegte sich auf der anderen Seite an mich. Gierig legten sich ihre Lippen um mein Ohrläppchen und saugte es in ihren Mund. Ganz langsam ließ sie es wieder heraus gleiten.

„Wir waren böse. Sehr böse!", flüsterte sie mir mit rauchiger Stimme zu und jagte mir so erregende Schauer über den Rücken. Diese zwei Frauen hatten mich in ihrer Hand.

Ich war ihnen wie ein Frischling ins Netz gegangen. Sie haben mir etwas vorgespielt und mich benutzt. Ihre gegenseitige Abneigung, selbst das gelegentliche durchblicken von Hass, das alles diente nur dazu um mich abzulenken und ihre Spuren zu verwischen. Was war ich nur für ein Narr gewesen.

Gerald Bergmann wurde, dank meiner, zu einem ungelösten Mordfall. Ich habe alle vermeintlichen, restlichen Spuren verwischt. Es kam nicht einmal zu einer Anklage. Ich bin wohl der einzige der die Wahrheit kennt, aber dieses Wissen behielt ich sorgsam für mich.

Auch die Blume stand wieder an ihrem Platz im Gewächshaus, nur eine Sache hatte sich geändert. Sie haben mir alles gestanden, jedes noch so kleine Detail, nichts ließen sie aus, wohl in dem Wissen das ich es nie würde verwenden können, ihr Geständnis.

Gerald Bergmann war wie immer in seinem Gewächshaus gewesen, als Claudia und Martha ihn aufsuchten. Er hatte die beiden Frauen nur benutzt und betrogen. Erzählte ihnen Lügen und nutze sie zu seinem Vergnügen aus. Trieb ein grausames Spiel mit ihnen und dafür haben sie sich gerächt. Der Zufall brachte sie zusammen und aus gegenseitiger Abneigung wurde mehr als nur eine tiefe Freundschaft.

Sie konfrontierten ihm mit der Wahrheit, dass sie wussten das er gelogen hatte, doch er lachte sie nur aus. Claudia packte die Pflanze, die seinen Sieg repräsentieren sollte und schlug ihn damit in ihrer Verzweiflung nieder. Dabei löste sich das Blütenblatt, das ich dann später fand. Martha stach, wie von Sinnen vor Wut, sobald er am Boden lag auf ihn ein. Er war sofort tot.

Im Endeffekt bekam Gerald Bergmann das was er verdiente. Claudia und auch Martha liebten ihn, waren ihm hörig, ohne zu merkten, dass er diese Gefühle niemals erwidert hatte. Als sie sich gegenseitig die Augen öffneten, war damit Geralds Schicksal besiegelt.

Ich treffe mich immer noch mit Claudia Bergmann und auch mit Martha Reims. Es ist als hätte ich Gerald Bergmanns Platz eingenommen, aber ich werde mich davor hüten seine Fehler zu begehen.