2012

Die Welt schleppt sich dahin

Langsam in der Mitte unseres Lebens

Aber am Rand läuft sie schneller

Wie in einer Zentrifuge

Und im Dezember geht die Welt unter.

Am Rand unserer Wahrnehmung

Unseres gelangweilten Bewusstseins

Rufen sie alle

Von Nachrichtensprechersesseln oder Websitewerbebannern

Schreien sie heiser:

Afghanistan Griechenland Wulff

Amerika Iran Merkel Uniplatzmangel

Atomausstieg Überalterung Bankenwahnsinn

Und im Dezember geht die Welt unter.

Wie schön, dass man sich bei all dem Gebrüll

Noch auf das Wichtige im Leben besinnen kann

Beständigkeit. Ehrlichkeit. Loyalität.

Und dieselben kleinen alten Lügen

Die schon die Großmutter so liebte

Dass sie sie mitnahm in ihr Grab

Und im Dezember geht die Welt unter.

Und wieder ist irgendwer gestorben

In irgendeinem fernen, irrelevanten Land

Nur die Benzinpreise, die sind gottlos

Und im Dezember geht die Welt unter.

The show must go on, und doch –

Übersättigung ist genauso schlimm wie Hunger

In dieser allzu alltäglichen Hektik

Lacht irgendwo ungehört ein Engel

Und im Dezember geht die Welt unter.

Let's party from dusk till dawn

Irgendjemand wird's schon reißen

Ein anderes, anonymes Gesicht

Ein Name, den Facebook nicht kennt

Und im Dezember geht die Welt unter.

So vieles, was am seidenen Faden hängt

Und das Sicherheitsnetz wurde längst outgesourct

Das Leben schleppt sich weiter.

Was wir brauchen, ist vielleicht

Ein einschneidendes Ereignis

Damit wir merken

Was wir haben

Was wir brauchen, ist vielleicht

Ein durchgreifendes Ereignis

Damit wir merken

Was uns fehlt

Was wir brauchen, ist vielleicht

Ein klein wenig Weltuntergang.