Metaphern

Unruhig laufe ich auf und ab, lustlos
lege ich jede angefangene Arbeit nieder,
esse ohne zu schmecken,
rede ohne zu denken,
denke ohne zu einem Ergebnis zu kommen.
Ungeduldig fliehe ich Gesellschaft, rastlos
suche ich sie wieder auf,
bemühe mich gereizt vergeblich
um ein freundliches Lächeln.

Ich vermisse dich.

Hier vor mir auf meinem Tisch
steht eine Rose – dein Geschenk an mich.
Ich trinke ihr leuchtendes Rot in mich ein,
streichle ganz sachte über die samtenen Blütenblätter,
atme ihren betörenden Duft
ein und in einem Seufzer wieder aus.
Ich fahre über die gläserne Vase,
tauche einen Finger in das klare Wasser,
und eine kleine Träne irrt meine Wange hinunter.
Ich möchte dich so gerne berühren. Fühlen. Ertasten.
Dass mein liebloses Herz wieder lebt.
Ich lege den Kopf auf den glatten Holztisch,
berge ihn verloren in meinen Armen.
Rufe stumm in das Schweigen.

Bist du wirklich real?

Nach langer Zeit schwebt sachte
wie eine zarte weiße Feder
eine Ahnung auf mich nieder:
Das, was du siehst, was du riechst, was du greifst – das sind nur die
Metaphern.
Ich nehme die kleine Feder,
halte sie an meine Wange, küsse sie ganz
vorsichtig, spitze sie an und schreibe damit
dieses Gedicht.

November 2011