Auf der Flucht

Wir schreiben das 14. Jahrhundert:

Der Wind wehte durch die Häuser der Stadt. Der Herbstabend war kalt und feucht. Vor ein paar Stunden gab es einen schrecklichen Sturm. Die Kinder spielten nicht mehr draußen und die Kaufleute verzogen sich in ihre Hütten. Der Markttag war vorbei. Die Stadttoren waren geschlossen. Keiner konnte mehr hinaus oder hinein.

In der Stadt huschte ein Flüchtling. Ein Flüchtling, der Freiheit wollte. Nie mehr ausgepeitscht, nie mehr zu sagen bekommen, was man tun soll. Freiheit. Das, was viele Leute wollen, wäre zu schön. Doch misslingt das, landest du unter der Peitsche.

Das Regenwasser tropfte von den Dächern und Gerald hatte sich schon ein Tuch überm Kopf gezogen. Ein Tuch, das er einfach so fand, ein Tuch, das für die Reichen nichts wert war, ein Tuch, das sein einziger Schutz vor dem Regen war.

Nun war es sicher für ihn. Der Burgherr würde ihn nicht mehr finden. Sie konnten nicht mehr hinein, um ihn zu holen. Er wusste, dass man nach ihm suchte, nicht wie ein paar andere, wo man gar nicht merkte, dass man fehlt.

Gerald kommt vom Dorfe. Tagtäglich hatte er die Schafe hirten müssen und im Hofe helfen müssen. Tagtäglich musste er einem herzlosen Burgherren dienen. Tagtäglich träumte er von der Freiheit.

Die Gassen waren leer. Gerald spähte durch einen Spalt hinaus. Er sah die Regentropfen und auf einmal verschwanden sie. Er zitterte und schaute sich nach Brauchbarem um. Der Arme stand vor einem Stand, der schon wegen dem schlechten Wetter früher geschlossen wurde.

Hastig durchwühlte er die Holzbude und suchte nach Essen bzw. Kleidung. Es wäre schrecklich, wenn er entdeckt worden wäre.

Und plötzlich packte ihn jemandem am Arm und riss ihn auf dem Boden. Erschrocken wich er zurück und fing an zu laufen, ohne überhaupt einmal nachzudenken, ob der Mann da gut oder böse war.

Er hatte einfach nur Angst und wollte kein Risiko mehr eingehen. Denn das hat er schon einmal gemacht und danach wurde er richtig ausgepeitscht.

Bei der nächsten Kreuzung bog er nach rechts und bei der Folgenden wieder nach rechts. Ihm war gar nicht aufgefallen, dass ihn niemand gefolgt war. Aber das wilde Rennen durch die Stadt erregte Aufmerksamkeit und nach einigen Sekunden kamen auch schon die Stadtwachen.

«[H]ey, du, waz dar antuon?»

Gerald wusste, dass dieser Wache aus dem Ausland stammte und deutsche Grammatik nicht konnte.

«Eh…»

Nun fing er an, über eine weitere überlegte Flucht nachzudenken. Als ob die andere Wache Gedanken lesen konnte, nahm er Gerald fest und brachte ihm zum Richter.

Am nächsten Tag sollte der arme Flüchtling vor die Stadttoren gesetzt werden, weil der Burgherr sich schon einmal sich bei der Stadt gemeldet hatte und nach Gerald gesucht hatte.

Der faule Herr ist aber zu spät gekommen und deshalb hatte Gerald die beste Gelegenheit zu flüchten.

Er wanderte durch Wälder und Felder und irgendwann stieß er an einem Dorfe und suchte dort nach Arbeit.

Die Frau des Bauern wollte keine Hilfe, aber der Bauer selbst brauchte einen Hirten, der für ihn täglich die Schafe auf die Wiese brachte und sie vor dem Sonnenuntergang wieder zurückscheuchte.

Da dachte der Gerald, dass das eine einfache Arbeit wäre und willigte ein. Und noch bevor der Bauer ihm alles erklärte, ging er schon auf die Wiese.

Als die Sonne fast unter den Bergen war, wollte er nach Hause, aber die Schafe nicht. Nach einer Stunde hatte er noch immer nicht den Dreh raus.

Im Fernen sah er den wütenden Bauer und entschied sich, zu fliehen.

'Das Leben kann eben nicht perfekt sein!', dachte er sich und zog sich zurück in den Wald, wo er sich von wilden Beeren ernährte.

Man kann aber nicht meinen, dass er in Angst und Schrecken lebte, nein, es war die Freiheit und die Gelassenheit, die ihn überzeugte weiterhin in der Wildnis, weit entfernt von jeglichen sozialen Werken, zu leben.

Hart ist das Leben nur mit Druck.

Ja, Druck war ein tabu.


Done for a History Project in a German School when I was in 7th Grade

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© Fongki 2010-2011